Alexandra Reinwarth: Das Leben ist zu kurz für später (2018) 📙

A

Meine Notizen

„Wenn wir nicht sicher sind, wie wir in einer Sache entscheiden sollen, hilft es, sich für einen Moment vorzustellen, dass man nur noch kurze Zeit zu leben hat. Das schärft den Blick ungemein.” (S. 18)

„Oder andersherum gefragt: Wie würde sich unser Leben verändern, wenn wir unsere Entscheidungen mit dem Wissen fällen, morgen könnte der letzte Tag sein. Oder der letzte Monat, das letzte Jahr. Wenn wir aufhören würden, Zeit zu vergeuden, in der Annahme, wir hätten ja noch so viel davon.” (S. 19)

Falscher Stolz ist ein Scheiß, er hält uns nämlich davon ab, das Richtige zu tun.” (S. 29)

Die Wahrheit zu sagen, die eigene, auch, wenn das vielleicht zuerst unangenehm ist, so fühlt sich Freiheit an.” (S. 40)

„Wenn man erst mal erfährt, wie gut es tut, den ehrlichen Gefühlen freien Lauf zu lassen, will man nichts anderes mehr.” (S. 44)

„Ich staune nicht schlecht, es ist wirklich was ins Rollen gekommen. Die Gespräche sind vor allem nicht immer gesittet und konstruktiv und erwachsen und kontrolliert — ab und zu geht jemandem die Hutschnur hoch und es wird sich gezofft — und wieder vertragen. Aber das ist das Schöne: Es ist wahrhaft und echt. Niemand muss seine Kritik vorher in ein scheinheiliges Lob verpacken […]. Statt vorsichtig umeinander herum zu lavieren, immer besorgt, nur ja niemandem zu nahe zu kommen, nehmen wir Kontakt auf. Manchmal durch einen Schlag vor den Bug, aber so ist das Leben nun mal.” (S. 45)

„Abgesehen von den Dingen, die man aus Stolz oder Peinlichkeit nicht sagt, gibt es jede Menge Dinge, die man nicht sagt, weil es einem schlicht rasend unangenehm ist. Meine zwei persönlichen Favoriten, die ich wirklich gern oft benutzen würde und die ich mir viel zu oft verkneife, sind:

  1. Interessiert mich nicht.
  2. Ich habe keine Lust.” (S. 55)

„Wenn ich so nachdenke, fallen mir sogar ganz viele Situationen ein, bei denen es dem Gesprächspartner gar nicht darum geht, sich auszutauschen, sondern um ganz andere Dinge. Und zwar meistens um sich selbst. Wenn ich nicht mehr viel Zeit habe, möchte ich lieber nicht mehr Komparsin bei so etwas sein — ich will keine Zeit verschwenden für etwas, das ich im Grunde eh nicht ausstehen kann.” (S. 57f)

„Notiz an mich: Schlechte Gründe für eine Entscheidung: Termine, Kosten, Umstände. Gute Gründe für eine Entscheidung: das Herz will es so.” (S. 68)

„Niemand verteidigt so oft seine Entscheidungen wie derjenige, der in seiner Entscheidung unsicher ist — oder im Grunde seines Herzens weiß, dass er komplett falsch liegt, zumindest im Sinne des Herzens.” (S. 81)

Was früher mal ein guter Grund war, muss es eben nicht immer noch sein — und wenn es früher ein schlechter Grund war, dann ist er das allerhöchstwahrscheinlich immer noch.” (S. 88)

„Und da steht man dann mit Mitte 30, 40 oder 50 und denkt sich: also irgendwie würde ich gern was anderes mache. Und wenn man das noch nicht jeden Tag denkt, sondern nur ab und zu, hängt man noch einen von diesen Sätzen dran, die einem die inneren Stimmen vorschlagen:

  • Aber das ist unmöglich.
  • Dafür bin ich zu alt / dafür ist es zu spät.
  • Das ist zu riskant.
  • Und der schlimmste von allen: … und was, wenn es nicht klappt?

Solange man nur ab und zu die Augen verdreht, weil der Chef schon wieder Dings oder der Kunde schon wieder Bums, weil Montag ist und die Neue „deine” Bürotasse benutzt, ist das auch alles kein Problem. Aber es kann eins werden. Denn manchmal verwandelt sich das in etwas Dringliches, in ein Gefühl, das Formulierungen benutzt wie: Ich will endlich oder Ich will endlich nicht mehr und Ich will nicht mein ganzes Leben lang… . Dann wird es unter Umständen bitter.” (S. 91)

„Es reicht nicht, sich gegen etwas zu entscheiden, das man nicht mehr will. Man muss sich FÜR etwas entscheiden, das das Herz will.” (S. 96)

„Vor lauter Planen und Ausführen habe ich vergessen, die Momente zu genießen.” (S. 102)

„Freunde veranstalten mitunter hirnverbrannte Dinge, sagen bescheuerte Sachen und haven auch mal Ansichten, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann.” (S. 124f)

So streng, wie mit mir bin ich mit niemand anderen auf der ganzen Welt und so wenig nachsichtig auch nicht.Und an niemanden habe ich so hohe Ansprüche wie mich. Eine Freundin trifft eine falsche Entscheidung? Das kann passieren. Ich treffe eine falsche Entscheidung? Ich erbärmlicher Volltrottel…” (S. 138f)

Aber Herzenswünsche haben diese Eigenart, nicht locker zu lassen, und wenn man ihnen nicht nachgibt, werden sie quälend und am Ende wird man auch noch krank davon.” (S. 166)

„Wenn das mal raus ist, wenn man sich und der Welt einen Wunsch eingestanden hat, dann ist schon ein großer Schritt getan.” (S. 166)

„Es passiert schließlich, was bis jetzt immer passiert, wenn jemand sein Herz öffnet: Die anderen tun es sofort auch. Als wären sie plötzlich erleichtert, dass jemand eine gläserne Mauer einreißt. Dass sie da ist, haben sie gemerkt, nur warum, wussten sie nicht. Aber jetzt ist sie weg und wir können uns endlich wirklich sehen.” (S. 173)

Tatsächlich mache ich mir ziemlich viele Sorgen um Geld. Wenn keins da ist, wo ich welches herbekomme, wenn welches da ist, wie es möglichst so bleibt, und wenn mehr als genug da ist, was passiert, wenn mal wieder keins da ist. Seit es das Kind gibt, mache ich mir außerdem noch zusätzlich Sorgen, ob das Kind mal genug Geld hat.” (S. 184)

„Wenn ich noch ein Jahr zu leben hätte, täte es mir um jedes Herzensprojekt leid, an das ich mich nicht herangetraut hätte, um alles, was ich nicht gemacht habe, weil ich nichts riskieren wollte.” (S. 221)



Entdecke mehr von schmatzberger.com

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.