Gute und schlechte Fehler

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Unlängst meinte ein HR-Leiter in einem Meeting: Wenn ich etwas Neues mache und es schiefläuft ist es kein Fehler, weil ich es ja nicht wusste.

Diese Logik ist spannend, hat aber ihre Tücken. Ich würde nämlich so sagen:

  1. Wenn sich etwas, das ich getan habe, im Nachhinein als falsch herausstellt, dann war das ein Fehler. Egal, ob es unabsichtlich oder unwissentlich geschehen ist. Auch im Recht heißt es: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
  2. Aber: Fehler gehören zum Lernen dazu. Wenn wir keine Fehler machen, können wir uns (oder ein Unternehmen) nicht weiterentwickeln. Fehler helfen uns zu wachsen, auch wenn (oder gerade weil) sie unangenehm sind.
  3. Das bedeutet: Es gibt verschiedene Arten von Fehlern. Fehler, die passieren, weil man etwas Neues ausprobiert, weil man etwas wagt, sind vollkommen anders zu bewerten als Fehler, die passieren, obwohl man es längst besser wissen sollte.
  4. Es gibt also „gute“ Fehler, aus denen wir was lernen können, und „schlechte“ Fehler, die wir unserer natürlichen menschlichen Dummheit zu verdanken haben.
  5. Leider haben wir im Deutschen keine unterschiedlichen Worte für diese beiden grundverschiedenen Arten von Fehlern. Bei uns heißt alles Fehler, und wir machen da überhaupt keinen sprachlichen oder konzeptuellen Unterschied. Und das ist ein großes Problem. Darauf wollte der HR-Leiter wahrscheinlich hinaus.

Zusammengefasst könnte man Folgendes sagen: „Gute“ Fehler sind okay, auch wenn sie im Ergebnis schmerzhaft sind. Für „gute“ Fehler sollten wir uns nicht schämen, sondern sie als Geschenk begreifen, aus dem wir lernen und an dem wir wachsen können. Damit sie uns beim nächsten Mal nicht mehr passieren und wir uns auf neue „gute“ Fehler konzentrieren können, die uns weiterbringen.


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