Worum geht’s hier?

Dieser Blog ist mein persönliches Lerntagebuch.

Ich nehme mir hier jeden Tag etwas Zeit nachzudenken und festzuhalten, was ich heute gelernt habe bei meiner Arbeit als Gründungsberater, BWL-Trainer, Fachhochschul-Lektor und Lifestyle Entrepreneur.

Dieses Lerntagebuch ist ein ganz persönliches Projekt von mir, das keine kommerziellen Interessen hat und sich auch an kein bestimmtes Publikum richtet. Deswegen gibt es hier auch keine Kommentarfunktion. Vielleicht ist dennoch die eine oder andere Inspiration für dich dabei.

Viel Freude!


Integrität

Integrität bedeutet nicht (nur), dass du dir deine persönlichen Prinzipien und Werte bewusst machst.

Integrität bedeutet, dass du dich an deine persönlichen Prinzipien und Werte tatsächlich und verlässlich hältst.

Und zwar ganz besonders auch dann, wenn es dir zum Nachteil gerecht.

Bei der Integrität gibt es keine halben Sachen.

Nicht entscheiden können

Eine ausgesprochen nützliche Frage, wenn du dich nicht entscheiden kannst:

Welche Entscheidung hast du innerlich schon getroffen, traust du dich aber noch nicht auszusprechen?

Sammelalbum

Ein Sammelalbum hat eine erstaunliche Eigenschaft: Es macht die Lücken sichtbar. 

Ohne Sammelalbum sieht man zwar, was man hat, aber man erkennt nicht auf einen Blick, was noch fehlt. Die leeren Stellen im Sammelalbum machen die Lücken jedoch augenscheinlich.

Sammelalben gibt es, im übertragenen Sinn, in vielen Bereichen unseres Lebens. Sie können das Gute fördern oder das Böse. 

Verloren

Ich habe meinen Ehering verloren.

Warum?

Weil er mir nicht mehr gepasst hat. Er war zu groß und ist mir irgendwie vom Finger gerutscht, ohne dass ich es gemerkt habe.

Wie lang ich das schon gewusst habe?

Dass er mir nicht mehr ideal passt? Naja, schon länger. Ein paar Jahre, ehrlich gesagt.

Warum ich nicht vorher etwas dagegen unternommen habe?

Tja… Das frage ich mich jetzt auch.

Gute Tage, schlechte Tage

An manchen Tagen läuft es einfach nicht rund. So sehr du dich auch bemühst, es ist einfach irgendwie der Wurm drin.

Tags darauf läuft wieder alles wie am Schnürchen.

Obwohl du eigentlich nichts verändert hast.

Formulare

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe als Berater, meinen Kund*innen beim Ausfüllen von Formularen zu helfen.

Da ist meine Zeit und mein Know-How wirklich nicht gut eingesetzt.

Hilfsbereit

Meine Beobachtung: Die allermeisten Menschen sind hilfsbereit. Sie helfen gerne.

Das Problem ist jedoch, dass sie sich meistens nicht überlegen, was „Hilfe“ in dem konkreten Fall überhaupt bedeutet.

Sie gehen nach folgender Heuristik vor: Was würde mir in so einem Fall helfen? Und wenn es mir hilft, dann wird es wohl auch jedem anderen helfen.

Stimmt halt leider nicht.

Bevor wir daher aus besten Absichten das tun, was wir selbst für hilfreich halten, sollten wir fragen:

Wie kann ich dir am besten helfen?

Oder: Was kann ich für dich tun?

Selbstwirksamkeit

Als eine meiner wichtigsten Aufgaben als Lehrender sehe ich, bei meinen erstsemestrig Studierenden die Selbstwirksamkeit zu stärken.

Du bist nicht allein. Du kannst es schaffen. Trau dir was zu.

Aber auch: Streng dich an! Es wird nicht einfach, aber es ist machbar!

Didaktik der Didaktiker

Ich muss es leider sagen: Selbst die didaktischen Handreichungen, die von Didaktiker*innen an deutschsprachigen Hochschulen kommen, lassen Klarheit und Verständlichkeit vermissen.

Die Texte sind großteils nicht gut geschrieben. Zu lang, zu umständlich, zu vage.

Ich bin überzeugt: Das ginge viel, viel besser.

Der Anspruch von Didaktiker*innen an ihre eigenen Materialien sollte viel höher sein.

Anstrengend

Einige meiner Studierenden möchten sich lieber nicht anstrengen.

Sie möchten die Lösung nicht selbst suchen. Sie möchten, dass ich ihnen den richtigen Weg vorzeige. Sie möchten, dass ich Ihnen die Mühe des Ausprobierens und des Fehlermachens erspare.

Das Problem dabei: So funktioniert Lernen nicht. Lernen ist anstrengend.

Je größer die Anstrengung, desto größer der Lerneffekt.

Angst vor der BWL

Eine Studentin meiner BWL-Lehrveranstaltung an der Fachhochschule hat mir heute folgendes Feedback gegeben:

Danke für den tollen Input! Sie haben mir echt die Angst vor BWL genommen – vor allem im ersten Semester 🙂

Wenn jemand seine Angst vor der Betriebswirtschaft verliert und stattdessen beginnt, kreativ und freudvoll damit umzugehen…

Etwas Schöneres kann ich mir als Lehrbeauftragter nicht wünschen.

Kommt das zur Prüfung?

Mein Ziel als Lehrender ist es, Begeisterung für die BWL zu vermitteln. Zu zeigen, dass es sich dabei um ein sehr spannendes Thema handelt mit viel Praxisrelevanz. Ich will meine Studierenden zu eigenständigem wirtschaftlichen Denken und zum engagierten Anwenden ihres betriebswirtschaftlichen Wissens befähigen und ermutigen.

Der Fokus meiner Studierenden liegt jedoch sehr häufig auf der Prüfung. Ihr wichtigstes Ziel ist es, die Prüfung zu bestehen, um durch das Fach und im Studium weiter zu kommen.

Dadurch entsteht ein Spannungsfeld: Ich möchte Begeisterung vermitteln, die Studierenden fragen sich aber primär: Kommt das zum Test?

Dieses Spannungsfeld geht nicht weg, egal wie sehr ich mich um spannende Methoden und Inhalte bemühe.

Mit diesem Spannungsfeld müssen Lehrende wie Studierende leben.

Geld verändert alles

Überleg dir mal: Wenn du von jemandem etwas brauchst und ihn/sie um einen Gefallen bitten möchtest…

Wie wäre es, wenn du ihm/ihr anbietest, sie für die Mühe zu bezahlen?

Es muss nicht viel sein, aber Geld verändert die Interaktion nachhaltig. Sobald Geld im Spiel ist, wird alles professioneller. Das Gespräch wird ernsthafter sein, die Qualität der Information wird besser sein, und die Bereitschaft, auch zukünftig zu helfen, erhöht sich schlagartig.

Wenn du bereit bist, für Unterstützung zu bezahlen, wirst du vom Bittsteller zum Kunden. Deine Position verändert sich um 180 Grad.

Kurz: Du wirst professionell.

Thanksgiving

Heute wird in den USA Thanksgiving gefeiert.

Ein schöner Anlass, um auch hierzulande dankbar zu sein.

Ich bin heute dankbar für meine Familie, meine Kund*innen, meine Geschäftspartner*innen. Für das gemeinsam Erreichte und für die Projekte, die noch vor uns liegen. Für die Momente, wo wir einander von Mensch zu Mensch begegnen, in der Freude, in der Angst, in unserer Verletzlichkeit.

Ich bin dankbar, dass ich in Wohlstand leben darf und dass ich Erfüllung finde in der Arbeit, die ich jeden Tag verrichte.

Und ich werde mich heute ganz besonders bemühen, meine Dankbarkeit jene Menschen spüren zu lassen, die mir so unendlich wichtig sind.

Schule

Wozu gehen wir in die Schule?

In die Schule gehen Sie doch gar nicht, damit Sie sich diese Einzelheiten merken, sondern damit Sie lernen, sich mit anderen vernünftig über Sachverhalte zu verständigen.

Stefan Hopmann, Bildungswissenschaftler, NEWS 39|2021

Deshalb geht es auch nicht darum, ob wir Lehrende noch diesen Lehrinhalt vermitteln oder jene Einzelheit erwähnen. Darauf kommt es nicht an.

Es geht viel mehr darum, dass wir die Lernfreude, Lernfähigkeit und Gemeinschaft bei unseren Schüler*innen fördern.

Das brauchen sie nämlich auch noch, wenn sie erwachsen sind.

Was Werbung will

Werbung will nicht verkaufen.

Werbung will interessieren, neugierig machen, ansprechen, bewegen.

Werbung will Veränderung bewirken.

Ein bisschen mutig

Was Werbe-Fachmann Mariusz Jan Demner immer wieder beobachtet:

„Sehr viele Unternehmen, sehr viele Marketingleute wollen zwar mutige Dinge und herausragende, aber in Wirklichkeit… Kaum sind sie ein bisschen herausragender als die Mitbewerber – was du meistens bist, indem du auffällst, und du fällst nicht mit Gemütlichkeit und Einschlafen auf – dann scheuen sie wieder ein bisschen zurück.“

Auch wir Lifestyle Entrepreneure haben allzu oft Angst vor unserer eigenen Courage.

Lehrling

Was für Neugründer*innen sehr ernüchternd ist – speziell dann, wenn sie als Angestellte sehr erfahren und kompetent waren:

Wer ein Unternehmen gründet, wer sich selbständig macht, startet komplett von Neuem. Als Lehrling.

Es gibt viel umzulernen, dazuzulernen, und zu verlernen. Und das dauert. Das geht nicht von heute auf morgen, und das ist frustrierend.

Wer Erfolg haben möchte, braucht die Geduld und die Demut, diesen Lernprozess zuzulassen.

Auch in der Selbständigkeit ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Vertrauen vs. Glauben

Es ist unmöglich, als Neugründer*in Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Geschäftsidee zu haben. Vertrauen entstünde nämlich aus der Erfahrung, dass in der Vergangenheit diese Geschäftsidee funktioniert hat. Dass man in der Vergangenheit bereits die Herausforderung der Selbständigkeit bereits gemeistert hat.

Woher soll dieses Vertrauen kommen, wenn man es zum ersten Mal macht?

Was Neugründer*innen jedoch brauchen, ist den Glauben. Den Glauben an die eigene Geschäftsidee. Den Glauben daran, dass man diese Herausforderung bewältigen wird.

Zu glauben bedeutet, an etwas festzuhalten, weil man kein Vertrauen haben kann.

Brav

Wir Österreicher*innen sind sehr brav.

Wir halten uns an die Regeln und haben meist ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas tun, was vielleicht nicht ganz „sauber“ sein könnte. Wir wollen keine Scherereien. Wir wollen nichts falsch machen.

Deshalb üben wir mitunter vorauseilenden Gehorsam. Damit blockieren wir uns jedoch, und wir schränken unsere Handlungsspielräume ein.

„Ask for forgiveness, not permission“, sagen die Amerikaner.

Gute Trainer

Die Kunst eines einer guten Trainerin, eines guten Trainers ist es, ihrem Publikum gut zuzuhören und wirklich auf dessen Fragen einzugehen.

Nicht annehmen, was eine Teilnehmerin meinen könnte, wenn sie etwas fragt oder sagt. Sondern zuhören (und gegebenenfalls nachfragen), was die Teilnehmerin wirklich meint.

Und ausreden lassen.

Ist oft gar nicht so einfach.

Qualifizierung

„Das Training war super, aber machen kann ich nichts damit.“

Was soll das bitte bringen?

Weiterbildung hat nur einen Wert, wenn das Wissen auch verwendet werden kann.

Ziele verfolgen

Eine spannende Unterscheidung von Benjamin Hardy:

Ein Ziel zu verfolgen „weil ich kann“, ist gut. Das macht unser Leben interessant und spannend. Wir wachsen an diesen Herausforderungen, aber wir definieren uns nicht darüber, ob wir diese Ziele erreichen oder nicht. Der Weg ist das Ziel.

Ein Ziel zu verfolgen, weil ich mich sonst minderwertig, nicht „gut genug“ fühle, ist schlecht. Wir werden nämlich auch nicht zufrieden sein, wenn wir das Ziel erreicht haben. Weil das Ziel unsere innere Leere nie auffüllen kann. Wir werden uns sofort das nächste Ziel suchen, das uns aber auch nicht glücklich machen wird.

Wir High Achiever sollten uns daher immer wieder fragen: Warum will ich dieses Ziel denn eigentlich erreichen? Weil ich kann, oder weil ich muss?

Moral

Wir Betriebswirte tun oft so, als gingen uns ethische und moralische Überlegungen nichts an.

Nach dem Motto: „Wir befriedigen nur einen Bedarf am Markt. Was können wir dafür, wenn die Kunden das haben wollen? Wenn wir es ihnen nicht geben würden, dann würde es jemand anderer machen. Und dann ist es immer noch besser, wir machen den Umsatz und nicht unsere Konkurrenz. So funktioniert nun mal die Marktwirtschaft!“

Aber so leicht können wir es uns nicht machen. Auch wir Betriebswirte stehen nicht über der Moral.

Unsere Handlungen, unsere Angebote, unsere Botschaften haben Nebenwirkungen. Und für die sind wir sehr wohl verantwortlich.

Zuspruch

Wir Lifestyle Entrepreneure leiden häufig darunter, dass wir in unserem Umfeld wenig Zuspruch bekommen.

Unsere Eltern fragen sich, warum wir nicht lieber einen sicheren Job haben. Unsere Freunde sind großteils selbst Angestellte und können sich beim besten Willen nicht vorstellen, was es bedeutet, selbständig zu sein. Selbst unsere (Ehe-)Partner*innen verstehen oft nicht, warum wir tun, was wir tun.

Umso wichtiger ist es, sich mit anderen Lifestyle Entrepreneure zu umgeben.

Das Gefühl „Ah, ich bin nicht allein!“ ist unglaublich wertvoll.

Pessimisten

Wir Menschen nehmen pessimistische Menschen tendenziell als intelligenter wahr als optimistische.

Eine negative Konzertbesprechung klingt intelligenter als eine positive. Ein Lehrer, der schlechte Noten vergibt, wirkt anspruchsvoller als einer, der eher positiv beurteilt. Ein Unternehmensberater, der vor allem die Fehler aufzeigt, wirkt kompetenter als ein Kollege, der vor allem auf die guten Seiten des Unternehmens fokussiert.

Das ist ein Problem.

Weil wir dadurch nämlich dazu neigen, eher auf die Pessimisten als auf die Optimisten zu hören.

Das Gewohnte

Die meisten Menschen wollen nichts Neues ausprobieren. Sie wollen das Gewohnte, das Bekannte, das Vertraute.

Sie wollen, dass ihr Lieblingsessen so schmeckt, wie es immer schmeckt. Sie wollen, dass ihr Lieblingslied so klingt, wie es immer klingt. Sie wollen keine Neuinterpretationen, keine Variationen, keine Veränderungen.

Daran sollten wir Lifestyle Entrepreneure immer denken, wenn wir versuchen, etwas Neues auf den Markt zu bringen. Denn: Die meisten Menschen wollen beim Alten bleiben – selbst wenn unsere Innovation viel besser wäre als das, was sie gewohnt sind.