📌 Worum geht’s hier?

Dieser Blog ist mein persönliches Lerntagebuch.

Ich nehme mir hier jeden Tag etwas Zeit nachzudenken und festzuhalten, was ich heute gelernt habe bei meiner Arbeit als Gründungsberater, Wirtschaftspädagoge, Fachhochschul-Lektor und Lifestyle Entrepreneur.

Außerdem findest du über 250 Buch-, Vortrags- und Podcast-Notizen in meiner Bibliothek.

Viel Freude und Inspiration beim Stöbern!

Günter

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Sales-Aufwand

Meine Erfahrung: Es ist in der Regel nicht einfacher, kleinere (= billigere) Produkte zu verkaufen als große (= teure).

Der Sales-Aufwand für ein 5.000-Euro-Produkt ist nicht fünfmal so hoch wie für ein 1.000-Euro-Produkt. Ich würde sogar sagen, der Aufwand ist annähernd gleich hoch.

Wenn du also denkst, es wäre eine gute Idee, „kleinere“ Produkte in dein Portfolio aufzunehmen, weil sich die leichter verkaufen… wahrscheinlich nicht.

Innovation

Innovation ist nur dann möglich, wenn man sich etwas traut.

Und je mehr sich gemeinsam etwas trauen, desto besser.

[Danke Markus Peschl für den Gedanken, den er mir 2012 mitgegeben hat und der aktuell wieder sehr relevant wird.]

Ein Trainer, der zuhört

Unlängst habe ich einen Podcast gehört, in dem darüber gesprochen wurde, warum Jürgen Klopp erfolgreich ist. Darin wurde unter anderem gesagt:

Klopp hört einem zu. Und damit gehört er schon zu den 5 % der besten Trainer auf der Welt, weil die 95 % dann eben nicht zuhören und auf Durchzug schalten.

Tobias Escher

Gründerland NÖ

Ein paar spannende Zahlen zu Gründungen in meinem Heimatbundesland Niederösterreich:

  • 2021 wurden 8.089 neue Unternehmen gegründet.
  • 55% der Neugründer sind weiblich.
  • Insgesamt gibt es 113.841 Unternehmen in Niederösterreich (Q3/2022).
  • Davon sind rund 60% Ein-Personen-Unternehmen (72.300).
  • 68% der Unternehmen sind 5 Jahre nach Gründung noch existent.

Quelle: Wirtschaftskammer NÖ

Beschwerde

Ich kenne keine Zahlen, aber die Frage finde ich interessant:

Wie viele Teilnehmer*innen im UGP beschweren sich eigentlich, wenn sie mit ihrer Beraterin oder ihrem Berater nicht zufrieden sind?

Und wie viele nehmen eine schlechte Beratungsbeziehung einfach als „Schicksal“ hin?

Das größte Geschenk

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.“

Virginia Satir

Bad News

Unlängst bei mir selbst beobachtet:

Ich war gut drauf. Dann habe ich auf einem Nachrichtenportal eine schlechte, aber aufregende Nachricht gelesen. Dann hat mich meine Frau beim Lesen unterbrochen, weil sie mich um was gebeten hat, und ich war ganz mies drauf. 

Was, Günter, lernst du daraus?

Das Ende des Content-Marketing?

Ein spannender Gedanke:

KI wie Chat-GPT könnten viele Webseiten und Blogs überflüssig machen. Deren Content wird zwar gebraucht, aber sie werden nicht mehr besucht werden.

Die KI wird alle Antworten geben, und wo die KI ihre Antworten eigentlich her hat, wird die Wenigsten interessieren. Der eigentliche Autor und der ursprüngliche Kontext der Information werden völlig in den Hintergrund geraten – wenn nicht sogar komplett ignoriert.

Das könnte eine erhebliche Bedrohung bedeuten für viele Geschäftsmodelle im Bereich des Content-Marketing, wie wir es heute kennen.

Der junge Autohändler

Da sitzt dieser junge Mann vor mir, Anfang zwanzig, der seinen eigenen Autohandel gründen möchte. Warum Autohandel? Weil ein paar seiner Freunde das auch machen. Und weil er selber auch Auto fährt.

Der junge Mann ist sympathisch, jung, arbeitslos und ohne Geld. Für einen Autohandel braucht man aber Geld, das ist ihm klar. Wo er das Geld her bekommen wird, schon weniger.

Aber das größte Problem für ihn ist momentan der Standort für seinen Autohandel. Es ist nicht leicht, in Wien einen geeigneten Autoabstellplatz zu finden, und wenn, dann kostet der schnell mal 1.000 Euro Miete im Monat. Falls er ihn überhaupt bekommt, der Traum aller Vermieter ist er nicht gerade.

Je länger ich diesem jungen Mann zuhöre, desto mehr denke ich mir: Oh Mann, das wird nix. Das passt hint und vorne nicht zusammen. Mit dieser Geschäftsidee übernimmt er sich völlig, damit wird er nicht glücklich werden.

Unser kurzes Gespräch endet damit, dass ich im mitgebe, er solle doch mal darüber nachdenken, ob er nicht auch mit etwas anderem handeln kann als Autos. Was weniger Platz braucht und weniger Kapital.

Er sagt, er wird darüber nachdenken.

Und ich hoffe inständig, dass er nie gründet. Zumindest nicht als Autohändler.

Gabe The Bass Player

Mein großes Vorbild für meinen daily blog ist ja Seth Godin. Und wie mich hat Seth Godin auch noch andere Menschen inspiriert, ihre Gedanken jeden Tag in Blog-Form zu teilen.

Einer davon ist Gabe Anderson aka Gabe The Bass Player. In seinen Blogs geht es um die Musik, um Bands, um Songs — kurz, um wunderbare Metaphern für das Leben.

Große Empfehlung! (Lesetipp)

Lockerheit

Die wirklich Erfolgreichen ihrer Zunft können harte Arbeit und Zielstrebigkeit mit einer gewissen Leichtigkeit verbinden.

Der Ex-Schirennläufer Hans Knauss drückt das so aus:

Die letzten fünf Prozent, dass Leute Rennen gewinnen, ist eine Lockerheit. Aber des bringst ganz schwa her.

Hans Knauss in „Ö3 Frühstück bei mir“, 22. Jänner 2023

Der Sog von Geschichten

Ich sitze am Frühstückstisch im Hotel. Um diese Zeit bin ich nicht sehr gesprächig, aber rund um mich wird sich angeregt unterhalten.

Auf dem einen Tisch erzählt eine Frau, wie sie mit der Verlassenschaft ihrer Schwiegermutter umgeht. Welche emotionalen und finanziellen Herausforderungen damit für sie und vor allem für ihren Mann verbunden sind. Wie viel Zeug sich über die Jahre angesammelt hat, und dass die Nachbarn auf die Liegenschaft spitzen, weil sie Wohnraum für ihre Kinder schaffen wollen.

Am anderen Tisch erzählt eine Frau von ihrer Arbeitskollegin, genauer gesagt von deren Tochter. Sie hatte in jungen Jahren Krebs und leidet nun unter Panikattacken. Welche Ursachen und Auswirkungen das alles hat, war der Rote Faden dieser Unterhaltung.

Ich sitze also da, und ich kann nicht anders als zuzuhören. Ich kann mich dem Sog dieser Geschichten. nicht entziehen. Im Grunde interessiert es mich nicht, was da gesprochen wird. Und doch bin ich neugierig, was als nächstes kommt. Wie es weiter geht. Ob es ein Happy End geben wird.

Dabei sind das keine ausgefeilten Geschichten, die da erzählt werden, im Sinne des Storytelling. Es sind ganz normale Alltagsgeschichten. Sie sind zumindest so originell, dass sie erzählenswert sind, aber im Grunde geht es um die ganz gewöhnlichen Dramen des Lebens, die kleineren und die größeren.

Und trotzdem sitze ich da und kann nicht anders als zuzuhören. Nicht, weil die Storyline oder die Dramaturgie so großartig sind, sondern weil es echte Geschichten sind.

Echte Geschichten von echten Menschen.

Auf Umwegen

Viele Lifestyle Entrepreneure wollen auf keine Fall salesy wirken. Ja nicht zu marktschreierisch. Ja nicht zu aufdringlich.

Deswegen halten sie sich oft vornehm zurück, wenn es darum geht, über sich zu sprechen. Oder, ganz konkret, auf der Website zu einem kostenlosen Erstgespräch aufzufordern.

Diese vornehme Zurückhaltung hat aber zur Folge, dass sie es ihren potenziellen Kund*innen unnötig schwer machen, sich von ihnen die Hilfe zu holen, die sie ja eigentlich suchen.

Statt den Menschen, die bei uns Hilfe suchen, klar zu sagen, was wir für sie tun und wie sie mit uns arbeiten können, schicken wir sie auf unnötige Umwege, damit wir nur ja nicht zu aufdringlich wirken.

Es ist paradox. Weil wir damit das Gegenteil dessen erreichen, was wir eigentlich wollen.

Verpasste Gewinnchancen

Es ist eine spannende Tatsache, dass Unternehmen bestimmte Gewinnchancen oft gar nicht erkennen.

  • Ein Unternehmen kann „blind“ sein z.B. für einen Bedarf in der Zielgruppe, die sie eigentlich servicieren will.
  • Ein Unternehmen kann zu stur sein, um jene Veränderungen vorzunehmen, welche die Gewinnchancen erhöhen würden.
  • Mit einem Wort: Unternehmen können sich selbst im Weg stehen auf dem Weg zum Gewinn. Das gilt auch und besonders für Solopreneure.

Andererseits, was natürlich auch stimmt: Nicht jede Gewinnchance muss auch ergriffen werden.

Der Grund aufzustehen

Es ist so wichtig, sich immer wieder vor Augen (und Ohren) zu halten, warum wir unser Lifestyle Business eigentlich machen.

Wir sind so leicht abzulenken. Aber der ganze Lärm, der oft so spannend und verlockend scheint, hat wahrscheinlich null damit zu tun, warum wir heute Früh aufgestanden sind. 

Orientierung

Struktur, Ordnung, Reihenfolge, Prioritäten… das ist mitunter die wichtigsten Dinge, die Gründungsberater ihren Gründer*innen mitgeben können. Eine Landkarte, einen Fahrplan. Eine Orientierung.

Aus der Orientierung kommt Klarheit, aus der Klarheit kommt das Gefühl der Bewältigbarkeit, und daraus kommt Hoffnung. 

Tinder

Tinder löst ein Problem.

Deshalb wird es auch genutzt, wenn es alle Sch***e finden.

Die Wiederentdeckung des Offensichtlichen

Das Offensichtliche auszusprechen… das kann eine unendlich wertvolle Hilfe sein!

Das Offensichtliche ist dem Gründer undder Gründerin oft völlig verborgen. Hiding in plain sight, sozusagen.

Wenn das Offensichtliche offensichtlich wird, das sind unglaubliche Momente der Wiedergeburt.

Funktioniert nicht

Ob etwas funktioniert oder nicht, ist nicht in erster Linie eine Frage der Methode oder des Tools. Es ist eine Frage der Person, die sie verwendet!

Jeder von uns gebraucht ein und dasselbe Werkzeug ein bisschen anders. Die einen schaffen damit ein Kunstwerk, die anderen tun sich damit weh. 

Nur weil etwas bei jemand anderem funktioniert oder nicht funktioniert, heißt das für mich überhaupt gar nichts. Diese Information ist eigentlich vollkommen wertlos. Ob etwas für mich funktioniert oder nicht, hängt einzig davon ab, wie gut es zu mir passt und wie wohl ich mich damit fühle. 

Wenn mir ein Anzug perfekt passt, werde ich ihn auch gerne tragen. 

Produkte anders denken

Ein Produkt ist nicht einfach ein Produkt. Verschiedene Produkte erfüllen verschiedene Funktionen.

Josef Zotter erklärt das wunderbar anhand seiner Schokolade-Kreationen:

Bei uns gibt es ein Sortimentssplitting. Viele Menschen lieben bestimmte Geschmacksrichtungen: Marzipan, Nugat, Milchschokolade. Ein Drittel unseres Sortiments entspricht diesen Geschmäckern. Das sind die Cashcows. Ein Drittel sind Variationen, die vor dem Durchbruch stehen. Wenn ein Kunde zehn Schokoladen kauft, dann nimmt er meist neun etablierte und eine experimentelle Sorte. Wenn er diese gut findet, wächst sie in das Sortiment. Ein Drittel sind schräge Kreationen. Die kauft keiner, aber genau über diese wird geredet. Gute Produkte brauchen gute Geschichten.

Josef Zotter Interview in auto touring, Dezember 2022

Unvergleichlich

Wenn wir mit unserem Lifestyle Business etwas Einzigartiges schaffen wollen, etwas, das nur wir schaffen können…

Warum vergleichen wir uns dann unablässig mit anderen?

Hotelzimmer

Von meinem Hotelzimmer aus höre ich, wie ein Mann am Gang ständig an eine Zimmertür klopft. Unablässig.

Der Mann lallt ein bisschen, er scheint betrunken zu sein. Hinter besagter Zimmertür dürfte sich seine Frau befinden, die aber kein Erbarmen mit ihm zu haben scheint. Er findet einfach keinen Einlass. Vielleicht hämmert er auch an die falsche Tür.

Ich habe natürlich keine Ahnung, was hier wirklich los ist. Was da gerade läuft.

In meinem Kopf ließe sich diese Geschichte in hundert Versionen erzählen, mit wechselnden Helden und Bösewichten, als Komödie genauso wie als Tragödie.

Welche dieser Versionen käme wohl am nächsten an „die Wahrheit“?

Und welche davon ginge mich überhaupt was an?

Großes schaffen

Du kannst mit deinem Business Großes schaffen.

Du kannst dir ein großes Business schaffen mit viel Umsatz, vielen Kunden, viel Impact usw.

Aber du kannst auch Großes schaffen im Kleinen. Großes kann in einer einzigen Sekunde eines einzelnen Beratungsgesprächs mit einem einzigen Kunden entstehen.

1 von 10

Venture Capitalists haben ihre ganz eigene Logik. Sie investieren in eine Vielzahl von Start-ups und sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-up-Investments erfolgreich ist.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt dabei: Venture Capitalists ist es wurscht, welches der zehn Start-ups erfolgreich ist. Es geht ihnen nicht um die Menschen hinter den Start-ups, sondern rein wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht erfolgreichen Startup-Gründer zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Für sie ist eine gescheiterte Gründung mitunter ein persönliches Drama.

Venture Capitalists ist das aber wurscht. Das muss jedem bewusst sein, der glaubt, in einem VC-Investment sein Heil zu finden.

[Danke Günter Faltin für diesen Gedanken.]

Deformiert

Wie würde eine BWL aussehen, die vollkommen deformiert wäre? Bis zur Unkenntlichkeit entstellt?

Wäre so eine BWL leichter zugänglich?

Social Entrepreneurs

Eine Hypothese, über die es sich nachzudenken lohnen würde:

Social Entrepreneurs haben (oft, nicht alle) in erster Linie ein Geld-Thema bei sich selbst. Das projizieren sie dann auf ihre Kund*innen und die Gesellschaft generell.

Nicht die Gesellschaft hat ein Problem mit dem Kapitalismus, sondern der Social Entrepreneur.

Erich Ribolits

Ich habe erst jetzt erfahren, dass im April 2021 Erich Ribolits gestorben ist. Er war in meiner Zeit als Student an der Uni Wien einer meiner großen Helden.

Von ihm habe ich den Unterschied zwischen Tauschwert und Gebrauchswert gelernt. Durch ihn habe ich kennengelernt, wie die Pädagogisierung unserer Gesellschaft vonstatten geht und welche Rolle das unternehmerische Selbst darin spielt (Spoiler: keine gute).

Erich Ribolits war aber vor allem ein begeisternder Lehrer. Ich habe mich auf jede einzelne LV mit ihm gefreut, auch an einem Samstag. Er hatte provokante Ansichten und konnte sich sehr klar ausdrücken – und war sich auch nie zu schade, das in der Umgangssprache zu tun. Ich bin nach jeder seiner Einheit rausgegangen mit dem Wunsch, noch mehr über das zu erfahren, was er gesagt hat.

Von ihm habe ich gelernt, alles zu hinterfragen und nichts für selbstverständlich zu nehmen. Dass die Gesellschaft, in der ich lebe, mir nicht immer nur wohl gesonnen ist. Kritisches Denken im besten Sinne.

Ich werde Erich Ribolits‘ Andenken in Ehren halten und hoffe, dass ich vieles von dem weitergeben kann, was er mich gelehrt hat.

Mögen Sie in Frieden ruhen, Prof. Ribolits!