📌 Worum geht’s hier?

Dieser Blog ist mein persönliches Lerntagebuch.

Ich nehme mir hier jeden Tag etwas Zeit nachzudenken und festzuhalten, was ich heute gelernt habe bei meiner Arbeit als Gründungsberater, Wirtschaftspädagoge, Fachhochschul-Lektor und Lifestyle Entrepreneur.

Außerdem findest du über 250 Buch-, Vortrags- und Podcast-Notizen in meiner Bibliothek.

Viel Freude und Inspiration beim Stöbern!

Günter

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Sympathisch in der Nähe

Eine Gründerin hat mir heute verraten, wie die meisten Menschen vorgehen, wenn sie eine Psychologin/einen Psychologen für sich suchen:

Sie googeln, was in der Nähe ist. Und dann gehen Sie auf die Website und schauen sich die Fotos an, wer ihnen am sympathischsten ist.

Wir sind schon ziemlich einfach gestrickt.

Dialekt

Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich, dass ein Dialekt, eine Umgangssprache oder eine Mundart nicht „minderwertig“ sind gegenüber der Standardvariation (z.B. „Hochdeutsch“). Sie sind vollwertige Sprachen, und deren Sprecher sprechen genauso „schön“ wie die Sprecher der Standardvariation.

Weil ich das weiß, versuche ich meinen Kindern von Anfang an meine Weinviertler Mundart beizubringen. Sie sollen „zweisprachig“ aufwachsen: Hochdeutsch von der Mama, Mundart vom Papa. So hatte ich das zumindest geplant. In der Realität sprechen sie fast ausschließlich ihre (im wahrsten Sinn des Wortes) Muttersprache – aber das ist eine andere Geschichte.

Wie dem auch sei: Ich bleibe bei meinem Dialekt, und ich stelle immer wieder freudig und stolz fest, dass mich meine Kinder gut verstehen und manchmal sogar Freude daran haben, mit Dialektausdrücken zu spielen.

Und dennoch: Wenn ich an der FH unterrichte, gerate ich hin und wieder ins Zweifeln. Ich spreche dort eine „gehobene Umgangssprache“, die sich für mich sehr authentisch anfühlt und mit der ich mich leicht und flüssig ausdrücken kann. Aber wenn ich wie unlängst einen lehrenden Kollegen höre, der in schönstem Hochdeutsch zu den Studierenden spricht, dann denke ich mir: Heast, das klingt viel professioneller, kompetenter und gescheiter als das, was ich rede.

Als studierter Sprachwissenschaftler weiß ich nämlich auch, dass Menschen, die Dialekte, Mundarten und Umgangssprachen des Deutschen sprechen, als weniger intelligent und weniger gebildet wahrgenommen werden als Sprecher der Standardvariation (siehe z.B. hier).

Dieses Vorurteil ist natürlich Blödsinn, und ich kämpfe so gut ich kann dagegen an. Aber manchmal habe ich das Gefühl, ich kann ihm selbst kaum entkommen.

Was macht mich eigentlich aus?

Eine Gründer*in sagte unlängst zu mir:

Ich biete so viele Sachen an – aber was macht mich denn eigentlich aus?

Und damit stellt sie die wahrscheinlich schwierigste und gleichzeitig grundlegendste Frage, die man im Zeitalter des Individualismus stellen kann: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich besonders?

Auf diese Frage lässt sich halt leider keine endgültige Antwort finden.

Jede Antwort ist eine Momentaufnahme.

Einsamkeit und Wettbewerb

Ein-Personen-Unternehmen sind oft sehr einsam.

Sie haben wenige Menschen in ihrem Umfeld, mit denen sie sich austauschen können zu ihren Sorgen, aber auch zu den schönen Dingen, die mit der Selbständigkeit verbunden sind. Wenn wir aber zu lange alleine mit uns und unseren Gedanken sind, werden wir ein bisschen wunderlich. Einsamkeit tut uns nicht gut.

Eine Lösung wäre, sich eine Gruppe mit anderen Selbständigen zu suchen und sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen.

Doch da lauert schon die nächste Falle: Statt den Austausch, die Inspiration und die Kooperation zu suchen, beginnen viele Selbständige, sich mit den anderen Gruppenmitgliedern zu vergleichen: Warum macht die mehr Umsatz als ich? Warum ist der schon so viel weiter? Wäre seine Geschäftsidee nicht viel besser als meine? Im Vergleich zu der habe ich ja ein Mickey-Mouse-Business! Und so weiter, und so fort.

Statt die Chancen der Gemeinschaft zu nützen, stehen wir uns wieder mal selbst im Weg.

Berater-Faustregel

„Berate so, wie du selbst beraten werden willst.“

Das konsequent umgesetzt, ist schon sehr viel.

Mehr ist wahrscheinlich gar nicht möglich.

Schwer umsetzbar

Lang hat’s nicht gedauert, bis meine Vorhersage eingetroffen ist:

„Schwer umsetzbar“ erscheint den Pädagoginnen und Pädagogen auch die Implementierung von 13 fächerübergreifenden Themen in den Unterricht. Diese reichen von „Entrepreneurship Education“, „informatische“ und „interkulturelle Bildung“ über „reflexive Geschlechterpädagogik“ und „Gleichstellung“ bzw. „Sexualpädagogik“ bis zu „Verkehrsbildung“ und „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung“.

Lehrerkritik an neuen Lehrplänen, orf.at Artikel vom 20. September 2022

Da wird wohl nix Gscheits raus kommen. Schade.

Die Arbeit ist Marketing

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Solopreneuren und klassischen Selbständigen (Freelancer):

Solopreneure haben viel mehr Marketing zu machen (für ihre Produkte) als klassische Selbständige (die oft „weitergereicht“ werden).

Die tägliche Arbeit der Solopreneure ist Marketing.

[Danke Ehrenfried Conta Gromberg für diesen Gedanken.]

Solve et coagula

Das ist ein Konzept aus der Spagyrik: Zuerst werden die Einzelteile aus der Pflanze herausgelöst (in 3 Schritten), und dann werden die reinen Einzelteile wieder zusammengemischt. So wieder zusammengesetzt, entsteht etwas, das viel potenter ist als das originale Gemisch.

So ähnlich ist es bei mir auch: Ich seziere zuerst die BWL, löse die einzelnen Konzepte heraus, bilde sie in möglichst reiner Form ab – damit ich sie gut verstehe und auseinander halten kann.

Und dann setze ich sie für meine Schüler*innen in neuer Form zusammen, um eine neue, viel potentere Wirksamkeit zu erreichen.

Trigger

Es gibt Menschen, die machen mich ohne böse Absicht grantig.

Weil sie (unbewusst) die richtigen Knöpfe bei mir drücken. Weil sie durch ihre Art oder ihre Worte etwas in mir triggern.

Ich bemühe mich dann immer nach Kräften, auf diese Trigger nicht anzuspringen. Sie zwar bewusst wahrzunehmen, aber dann tief durchzuatmen und ihnen nicht nachzugeben.

Das gelingt mal besser, mal weniger.

Erste Klasse

Unlängst im Zug beobachtet:

Ein Papa fährt mit seinem kleinen Sohn im Railjet nach Wien, 1. Klasse. Der Kleine ist noch ein bisschen wackelig auf den Beinen. Als der Zug im Bahnhof einfährt und stehen bleibt, passiert das Unvermeidliche: Den Kleinen haut es um, er fällt auf seinen Popsch.

Der Papa sagt, nach einer Schrecksekunde: „Ah, nix passiert. Erste Klass‘ fallt ma net so hart.“

Rein logisch gesehen stimmt das natürlich nicht. Man fällt auch in der zweiten Klasse nicht härter. Aber gefühlsmäßig macht es schon Sinn: In der ersten Klasse fühlt man sich ganz generell vielleicht eine Spur besser – einfach deswegen, weil es die erste Klasse ist.

Oder, wie es Marcel Reich-Ranicki ausgedrückt hat:

Geld allein macht nicht glücklich, aber wenn man unglücklich ist, ist es besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn.

Die Märchen der Erwachsenen

Ich beobachte es immer wieder, auch und besonders unter Berater*innen:

Bevor jemand sagt, dass er es nicht weiß, erzählt er lieber ein Märchen. Er präsentiert das, was er sich in diesem Moment gerade ausdenkt, als Fakten.

Und zwei Augenblicke später ist er dann sogar selbst felsenfest davon überzeugt, dass dieses Märchen die reine Wahrheit ist.

Die Kennzahl

Wenn du gezwungen wärst, dich auf eine einzige Kennzahl zu beschränken, um den wirtschaftlichen Erfolg in deinem Business zu messen, dann wäre es diese:

Dein Kontostand.

Deadlines

Das Problem ist nicht die Größe unserer Ziele.

Das Problem sind die viel zu kurzen Deadlines, die wir uns für diese Ziele setzen! 

[Danke Dan Sullivan für diesen Gedanken.]

Stärkenbündel

Das Erfolgsgeheimnis vieler Gründer*innen ist nicht die eine Stärke, sondern die einmalige Kombination von (einzeln betrachtet) unspektakulären Fähigkeiten.

Wie der ehemalige Bankberater, der dann bei der Stadtverwaltung in der Planung tätig war und jetzt die Baubranche genauso kennt wie die Banken – und damit ein idealer Projektabwickler ist.

Oder der Psychologe, der gerne surft und jetzt Therapie und Surfen verbindet.

Die Kombination ist individuell, einzigartig und wird deswegen am Markt geschätzt.

[Danke Scott Adams für diesen Gedanken, der das Ganze talent stacks nennt.]

Programmierer

Ich habe einen Programmierer gefragt, wie er es schafft, langfristig exzellente Arbeit abzuliefern.

Er sagt: Er braucht jeden Tag 2-4 Fokus-Stunden. Egal wann.

In 2-4 Stunden pro Tag passiert der Großteil seiner Arbeit.

Gilt wahrscheinlich nicht nur für diesen Programmierer.

Persönlichkeitstests

Die Faszination von Persönlichkeitstests liegt darin, dass sie uns eine Landkarte geben, damit wir uns besser verstehen.

Endlich erklärt uns jemand, was mit uns los ist. Endlich bekommen wir eine Story dafür, warum wir sind, wie wir sind.

Und selbst, wenn diese Story unvollständig oder gar falsch ist… Es ist immerhin eine Story mehr, als wir bisher hatten.

Über’s Ohr gehauen

Die meisten Menschen wollen nicht über’s Ohr gehaut werden.

Deshalb suchen viele Menschen einen Schutz davor, betrogen zu werden – zumal auf Märkten, auf denen sie sich nicht kennen. 

Der eigentliche Mehrwert, den die großen Plattformen wie Amazon, Airb’n’b oder GetYourGuide verkaufen, ist das Vertrauen, wahrscheinlich nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Wo das Problem liegt

Das Problem liegt oft nicht (nur) darin, eine Lösung zu finden.

Das Problem beginnt schon dabei zu erkennen, dass man ein Problem hat. Und welches Problem man eigentlich hat.

Damit man nicht versucht, Lösungen zu finden, die gar nicht auf das Problem passen. 

Maschinensemmel oder Handsemmel?

Eine Kundin wurde unlängst bei unserem Bäcker gefragt, welche Art von Semmeln sie wolle: „Maschinensemmeln oder Handsemmeln?“

Fast reflexartig antwortete die Kundin: „Handsemmeln, bitte.“

Eh klar. So formuliert werden die allermeisten Menschen „Handsemmeln“ wählen. Wer will schon was kaufen, das von einer herz- und seelenlosen Maschine gemacht wird, wenn man auch was haben kann, was ein echter Mensch mit echten Händen gemacht hat?

Dabei ist, objektiv gesehen, der Unterschied zwischen Handsemmel und Maschinensemmel wahrscheinlich gar nicht groß. Sie schmecken wahrscheinlich vollkommen gleich. Sie sehen sich wahrscheinlich zum Verwechseln ähnlich.

Und dennoch… Der Grund, warum Handsemmeln teurer sind als Maschinensemmeln, ist genau das Menschliche, das Unperfekte, das Einzigartige.

Dafür sind Kund*innen bereit, einen Aufpreis zu zahlen, obwohl es rational gesehen dafür überhaupt keinen Grund gäbe.

Gründungserfahrung

Eine Gründerin hat heute sehr treffend zusammengefasst, wie es ist, sein eigenes Unternehmen zu gründen:

Echt viel Arbeit, aber sehr interessant.

Moderne Wahrsager

Fritz Meißl, Geschäftsführer des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds, auf die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt in der nächsten Zeit entwickeln wird:

„Derzeit ist es so extrem schwierig zu beantworten, wie sich die Welt weiterentwickelt, die Gesellschaft weiterentwickelt, die Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt weiterentwickelt.“

„Nachgehört / Vorgedacht – ein ÖGB Podcast“ vom 16. August 2022 (Link)

Derzeit!?

Es war nie leicht, und es wird nie leicht werden, die Zukunft vorauszusagen. 

Insofern sind die Experten von heute auch nicht viel mehr als moderne Wahrsager.

Lange Nacht der Museen

Was ich heute von der Langen Nacht der Museen über BWL-Unterricht gelernt habe:

Das Erfolgsrezept der Langen Nacht der Museen ist, dass sie nachts stattfindet. Es muss nachts sein, denn: Durch die Nacht wird der Museumsbesuch zu etwas Eigenen. Er erinnert dadurch möglichst wenig an einen “normalen” Besuch im Museum.

Das ist wichtig, weil ein Museumsbesuch wird meistens als „anstrengend“ empfunden. Weil man sich auseinandersetzen muss, weil man überlegen und lesen und wahrnehmen muss.

In der Nacht jedoch gelten andere Regeln. Die strengen Regeln des Museums sind aufgehoben, und im Museum geht es ein bisschen anders, ein bisschen lockerer zu. Das Museum ist anders, obwohl die Ausstellungsstücke immer noch die gleichen sind.

Für den BWL-Unterricht könnte das bedeuten: Je weniger mein BWL-Unterricht an den BWL-Unterricht in der Schule erinnert, desto besser.

[Danke Annette Meier für den Gedanken.]

Was ich von „Tina: What’s Love Got to Do With It?“ gelernt habe

  1. Talent: Du brauchst Talent. Du musst wirklich gut sein und Freude haben bei dem, was du tust. Sonst hältst du nicht so lange durch, besonders nicht unter widrigen Umständen.
  2. Harte Arbeit: Du musst hart arbeiten für deinen Erfolg. Es gibt keine Abkürzungen, du musst tun, was notwendig ist. Eyes on the prize. Du musst nicht nur gute, sondern sehr gute Arbeit liefern und den Leuten geben, was sie wollen.
  3. Helfer: Du brauchst Helfer in allen Lebensbereichen, die dir den Weg ebnen. Die dir die Augen öffnen (Freundin Darlene), die dich antreiben (Ike), die dich unterstützen (Mutter) und die dir Möglichkeiten eröffnen, zu denen du allein nicht gekommen wärst (Phil Spector). Du brauchst Leute, die ihr Talent an deines anknüpfen.
  4. A Good Heart: Verliere nicht deine Menschlichkeit. Wenn sich Menschen von Mensch zu Mensch begegnen, dann fügt sich die Welt zusammen (z.B. der Hotel-Direktor, der ihr ein Zimmer gibt).

Übermotiviert

Es gibt einen Unterschied zwischen motiviert und übermotiviert.

Motivation bringt dich zum Handeln. Motivation führt zu Ergebnissen.

Übermotivation hingegen ist eine Vermeidungsstrategie. Du bist euphorisch, aber in Wirklichkeit lenkst du dich nur ab von Dingen, wo du lieber nicht hinsehen willst.

[Danke Petra Bock für den Gedanken]