Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Servus!

S

Auf dieser Website findest du…

📝 meinen Daily Blog in Form eines Lerntagebuches. Ich blogge hier täglich über das, was ich in meiner Arbeit als Gründungsberater und Hochschullehrer lerne. Und das ist nicht wenig.

📙 an die 400 Buch-, Vortrags- und Podcast-Notizen, die ich im Laufe der Jahre erstellt habe. Und es werden immer mehr!

🪴meinen Digitalen Garten mit meinen Podcasts, meinen Büchern, meinen Listen und meinen Newsletter. Ständig wächst was Neues nach.

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Viel Freude und Inspiration auf meiner Website!

Günter

Nicht dein Leben

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Gründungsberater:innen haben meistens eine Meinung. Über Geschäftsmodelle, über Preise, über Wachstumspläne. Das ist nicht per se schlecht. Aber es gibt einen Unterschied, der in der Praxis selten gemacht wird: den Unterschied zwischen fachlicher Position und moralischer Bewertung.

Casey Davis, eine US-amerikanische Therapeutin, hat das Konzept der moralischen Neutralität ursprünglich für die Arbeit mit Erwachsenen entwickelt, die sich wegen unerledigter Haushaltsaufgaben massiv selbst verurteilten. Ihr Kerngedanke: Der eigene Wert als Mensch hängt nicht davon ab, ob man arbiträre gesellschaftliche Standards erfüllt.

Ich finde, moralische Neutralität passt auch gut in die Gründungsberatung. Ein Geschäftsmodell, das Schaden anrichtet, ist nicht moralisch neutral, eh klar. Aber ob jemand keine Mitarbeiter will, ob jemand bewusst klein bleiben möchte, ob jemand lieber 2.000 € im Monat verdient und dafür jeden Freitag frei hat – das sind keine moralischen Fragen. Das sind Prioritäten. Und es ist nicht mein Job als Gründungsberater, diese Prioritäten zu korrigieren.

Moralische Neutralität als Haltung bedeutet nicht, keine Meinung zu haben. Es bedeutet zu wissen, wo die eigene Meinung aufhört und das Leben der anderen Person beginnt.

Entscheidungen ohne Strategie

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Viele Solopreneure verwenden eine Menge Energie darauf, einzelne Entscheidungen zu optimieren. Welches Angebot? Welcher Preis? Welcher Kanal?

Das kann auf Dauer sehr anstrengend werden.

Dieses Klein-Klein entsteht dann, wenn man keine Strategie hat. (Und die allermeisten Solo-Businesses haben keine Strategie.)

Der eigentliche Aufwand liegt also nicht in den tausend Einzelentscheidungen. Er liegt in der Stufe davor, wenn es darum geht, seine Solo-Business-Strategie zu entwickeln: Wer bin ich, was will ich eigentlich erreichen – und warum?

Der Philosoph stört

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Social-Media-Plattformen sind keine Diskursräume. Differenzierte Meinungen und tiefgehende Gespräche haben es dort ganz, ganz schwer.

Alles, was die Leichtigkeit und die Gefälligkeit des kontinuierlichen Inhalte-Flusses stört (also differenzierte Argumentationen oder ein echter Meinungsaustausch), wird vom Algorithmus nicht gern gesehen.

Der Clown wird gegenüber dem Philosophen eindeutig bevorzugt, weil der Clown platt ist und sofort Reaktionen auslöst — und kein langes Nachdenken verlangt.

Die Plattformen sind wie Einkaufszentren: Alles ist darauf ausgerichtet, dass man möglichst lang weitergeht und weiterschaut – und seine gute Laune nicht verliert.

Vertrauen und Hinterfragen

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Je komplexer die Welt wird, desto öfter müssen wir Menschen und Systemen vertrauen, die wir nicht durchschauen. Und damit meine nicht nur KI.

Es bleibt dir als Solopreneur ja auch gar nichts anderes über. Du kannst nicht alles kontrollieren, nicht alles wissen, überall up to date sein. Niemand kann das.

Niklas Luhmann hat das „Komplexitätsreduktion” genannt. Vertrauen ermöglicht uns, trotz Nichtwissen zu handeln. Aber das bedeutet auch: Gerade weil wir uns auf Systeme verlassen müssen, die wir nicht durchschauen, brauchen wir wirksame Kontrollmöglichkeiten. Sonst wird aus dem notwendigem Vertrauen gefährliche Naivität.

Das Paradoxon des modernen Lebens ist also: Wir müssen vertrauen, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben. Gleichzeitig dürfen wir nie aufhören, dieses Vertrauen zu hinterfragen.

Freude als Widerstand

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Es gibt Momente, in denen Fröhlichkeit keine Stimmungslage ist, sondern eine Haltung.

Martin Shaw nennt das the Merrie — jene alte, fast vergessene Qualität des gemeinsamen Feierns, die nicht trotz der Schwere des Lebens entsteht, sondern wegen ihr.

Unser Alltag liebt den Ernst. Er klappt am besten, wenn wir funktionieren. Fröhlichkeit irritiert da meistens.

Aber: Wer heute mit anderen am Tisch sitzt, isst, lacht — der tut etwas Subversives. Nicht weil er die Welt ignoriert, sondern weil er sie feiert. Die Gemeinschaft. Den Moment. Das Genug.

Das ist keine Kleinigkeit.

[Danke Martin Shaw für diesen Gedanken]

Gut gemacht, trotzdem schlecht

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Auch Folgendes ist denkbar: Du hast alles richtig gemacht, und das Ergebnis ist trotzdem suboptimal.

Es liegt nicht immer alles nur an dir!

Du hast nicht die volle Kontrolle über das Ergebnis eines Prozesses. So leid es mir tut, und so sehr du dir das auch wünschen würdest.

Der Anfang vom Ende

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“Veränderung kann ein Umweg sein, um Abschied zu vermeiden”, sagt Gordon Schönwälder.

Er meint damit Podcasts.

Aber der Gedanke geht viel weiter — und tiefer.

Die Tragik der Kakao-Bauern

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Schokolade ist ein Produkt, das eine extrem lange Wertschöpfungskette hat. Es sind viele Hände im Spiel, jeder will etwas verdienen.

Die kleinen Kakaobauern in Côte d’Ivoire und Ghana sind in diesem Spiel die ärmsten Hunde. Sie verdienen meist gerade genug, um zu überleben. Aber sie haben kein Geld für Investitionen, um etwas an ihrer Situation zu ändern (Anbaumethoden, Klimawandel, Schädlinge etc.).

Warum? Weil diese Bauern zu vereinzelt sind. Sie haben als kleiner Familienbetrieb keine Verhandlungsmacht gegen die Big Player. Ein Weg da heraus wäre, Kooperativen und Genossenschaften zu stärken, in denen sich diese Bauern zusammentun. Durch die econmies of scale, die dabei entstünden, könnten sie sich gemeinsam z.B. eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten.

Solange sie allein bleiben und sich gegenseitig als Konkurrenten sehen, wird sich an ihrer prekären Situation nichts ändern.

(Und was für die Kakaobauern in Westafrika gilt, gilt ohne Abstiche auch für EPUs in Österreich.)

PS: Don’t buy cheap chocolate – auch nicht zu Ostern.

Wie unsere Kinder

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Wir beschützen unsere Geschäftsidee, wie wir unsere Kinder beschützen.

Und wir wollen, dass die Kinder immer anders sind, als sie gerade sind. Wir wollen gerne, dass sie größer oder kleiner oder schneller oder langsamer sind.

Aber so funktioniert das nicht – nicht in der Erziehung, und nicht im Business.

Feldnotizen 03/26

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Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Anziehung hat viele Formen – und Vielfalt ist kein Widerspruch, sondern Realität.

Wer Zugehörigkeit erzwingen will, verliert Leichtigkeit; wer sich erlaubt, findet Frieden.

Du musst nicht jede Tür aufmachen, nur weil du den Schlüssel dafür hast.

Deine erste Reaktion ist selten die Wahrheit – oft ist sie nur ein Reflex.

Schönheit wirkt wie ein Gegengift: Sie entwaffnet Angst.

Wenn du immer nur hilfst, ohne Hilfe anzunehmen, bleibst du dauernd auf Abstand.

Die Wahrhaftigkeit der Absicht bestimmt deinen Erfolg. Im Business und auch sonst im Leben.

Angst vor Veränderung ist oft nur Angst, auf Veränderungen nicht gut genug reagieren zu können.

Nicht mehr Sicherheit macht frei – sondern mehr Vertrauen, dass du mit dem Ungewissen umgehen kannst.

Die alte Schule ist die neue Schule

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Spannend, dass “Beziehungen pflegen” plötzlich als Marketing-Innovation gilt.

Jahrelang haben uns die Business-Gurus erzählt: Skaliere! Automatisiere! Baue Funnels! Poste Content bis die Finger bluten und hoffe, dass die Algorithmus-Götter gnädig sind. Persönliche Gespräche? Das war die alte Schule. Unsexy. Nicht skalierbar.

Aber was haben wir bekommen? Eine große “Broadcast-Müdigkeit” (Michelle Mazur). Menschen vertrauen dem, was gepostet wird, nicht mehr.

Deshalb ist die “alte Schule” wieder angesagt. Weil alles andere nicht mehr funktioniert. Du musst deine Zielgruppe wieder kennen. Mit ihnen reden. Ihnen zuhören. Beziehungen aufbauen, bevor du etwas verkaufst.

Es ist schon paradox: Was gerade als “innovativer Marketing-Shift” verkauft wird, ist exakt das, was der “redliche Kaufmann” immer schon gemacht hat: Er kennt seine Kund:innen. Er wird weiterempfohlen. Er muss nicht hoffen, dass der LinkedIn-Algorithmus ihn mag.

Vielleicht war die alte Schule nie alt. Vielleicht war nur der Umweg falsch.

Ausgelernt

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Wer wirklich ein Experte ist auf einem Gebiet, der weiß, dass er mit dem Lernen niemals fertig sein wird.

Es sind die Pseudo-Experten, die sagen: Ich brauche keine Weiterbildung mehr, ich weiß schon alles.

Echte Profis bilden sich ständig weiter.

Problem vs. Sorge

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Ist es ein echtes Problem, oder ist es nur eine Sorge?

Brauchst du eine Lösung, oder brauchst du nur mehr Schlaf?

Der rotierende Wahnsinn

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Unlängst habe ich bei Tad Hargrave einen witzigen Satz gelesen:

“A healthy village doesn’t mean that no one’s crazy. It’s just that not everyone is crazy at the same time.”

Deswegen sind der vertrauensvolle Austausch mit anderen Solopreneur:innen so wichtig. Denn in gesunden Beziehungen rotiert der Wahnsinn: Heute bin ich überfordert, morgen du. Heute kannst du mich auffangen, nächste Woche ich dich. Wer gerade stabil ist, hilft dem anderen ein bisschen, wieder zu seiner Mitte zu finden.

Das gilt auch für den Umgang mit deinen Kund:innen. Ein Problem entsteht erst, wenn alle gleichzeitig durchdrehen. Wenn deine Kundin und du beide gestresst sind und beide patzig werden, dann eskaliert die Situation.

Manchmal bedeutet das: Die E-Mail erst morgen beantworten, wenn du wieder klar denkst. Manchmal: Einen Business Buddy anrufen, der/die gerade nicht im Drama steckt.

Und manchmal einfach nur: Erkennen, dass du heute der/die Verrückte bist – und entsprechend vorsichtig agieren.

Ein Feiertag, nur für dich

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Heute, am 26. März, ist Make Up Your Own Holiday Day.

Jeder Feiertag ist irgendwann mal von jemandem erfunden worden. Oder, besser gesagt: Feiertage werden nicht gefunden, sie werden gemacht. Von jemandem, der beschlossen hat: Dieser Tag soll anders sein. Dieser Tag bedeutet etwas.

Für Solopreneure ist das eine merkwürdig übersehene Möglichkeit. Du hast alle Freiheiten — auch die, dir selbst einen Feiertag zu gönnen.

Nicht irgendeinen. Deinen ganz persönlichen Feiertag. Vielleicht den Jahrestag deiner Gründung. Oder den Tag, an dem du die erste Kundin gewonnen hast. Oder den Tag, an dem du aufgehört hast, etwas zu tun, das dir nicht gut getan hat. Irgendeinen Tag, der für dich eine ganz besondere Bedeutung hat — und den du von nun an jedes Jahr markierst, vielleicht sogar feierst.

Markiere dir diesen Tag ganz dick im Kalender. Jetzt.

Wir, nicht ich

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Es heißt Wirtschaft, nicht Ichschaft, sagt Markus Gull. 

Das sollten gerade wir Solopreneur:innen nicht vergessen.

Wie heißt deine Strategie?

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Philipp Maderthaner sagt: Wenn deine Strategie keinen Namen hat, hast du keine Strategie. Mark Zuckerbergs “Year of Efficiency”, Starbucks’ “Triple Shot Strategy” – die Besten geben ihrer Richtung einen Begriff, der hängen bleibt.

Als Solopreneur:in brauchst du das doppelt.

Nicht weil du deine Mitarbeiter:innen auf die Strategie ausrichten müsstest, sondern weil du dich selbst ausrichten musst. Jeden Tag aufs Neue, in hundert kleinen Entscheidungen: Welches Angebot? Welcher Kunde? Welches Ja? Welches Nein?

Seth Godin sagt; If you can’t state your position in eight words, you don’t have a position.

Also: Versuch mal, deinen strategischen Fokus in acht Worten zusammenzufassen. Wenn du 10 Minuten überlegst und nichts kommt – oder viele verschiedene Versionen –, dann hast vielleicht dein dringendstes Business-Problem gefunden.

Preis und Zahlung

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Das eine ist der Preis, das andere sind die Zahlungsbedingungen.

Es kann gut sein, dass dein Lieferant bereit ist, einen geringeren Preis hinzunehmen, wenn er das Geld schneller bekommt.

Oder, anders formuliert: Je länger er auf sein Geld warten muss, desto weniger wird er bereit sein, einen Rabatt zu geben.

Und, nochmal anders formuliert: Wenn du deinen Lieferanten besonders schnell bezahlst, dann freut er sich meistens. Und dann darfst du ihn auch um eine kleine Belohnung dafür fragen. (Das nennen wir im Rechnungswesen übrigens “Skonto”.)

Like a Bohrmaschine

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Im Intro von Poundcake klingt Eddie Van Halens Gitarre wie eine Bohrmaschine.

Jeder weiß, dass es keine echte Bohrmaschine ist. Aber Eddie Van Halen schafft es, seine Gitarre wie eine Bohrmaschine klingen zu lassen. Und dadurch wird die Sache noch leiwander, als wenn wir eine echte Bohrmaschine hören würden.

Gekonnte Verfremdung ist MAGISCH!

Das Bauchweh verschwindet nicht

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Ich beobachte das immer wieder in der Gründungsberatung: Jemand möchte einen Deal mit einem Kooperationspartner abschließen. Die Verhandlungen laufen. Aber da ist dieses ungute Gefühl bei einem wichtigen Vertragspunkt. „Wird sich schon klären”, sagen mir die Gründer:innen dann oft. „Wenn wir erst mal zusammenarbeiten, finden wir sicher eine Lösung.”

Nein, das werdet ihr nicht.

Themen, die dir jetzt Bauchweh machen, lösen sich später nicht von selbst. K.O.-Kriterien gehören auf den Tisch, bevor du unterschreibst – nicht danach.

Ein Vertrag schafft Fakten. Er ist keine Einladung zur weiteren Diskussion. Was vorher nicht geklärt ist, bleibt ungeklärt – nur jetzt mit unterschriebenen Verpflichtungen drumherum.

Also: Wenn’s jetzt schon drückt, wird’s später nicht leichter. K.O.-Kriterien vor der Unterschrift klären. Alles andere wäre unverantwortlich – dir, aber auch dem Partner gegenüber.