Anders Indset: Das infizierte Denken (2021) 📙

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Meine Notizen

Die Sehnsucht nach Tiefgang

  • “Die Menschen sehnen sich heute nach Tiefgang, davon bin ich ĂŒberzeugt, jedoch ließe sich — zumindest in einer Transitphase — damit nicht kapitalisieren.” (S. 36)
    • Tiefgang lĂ€sst sich nicht verkaufen?
    • Tiefgang ist nicht TikTok-able.
  • “Es scheint eine Sehnsucht nach intellektuellem Tiefgang zu sein, die auf eine Welt der Kurzfristigkeit und Schnelligkeit trifft.” (S. 42)
    • Vgl. Erfolg der langen Podcasts von Tim Ferriss, Joe Rogan, Jordan Peterson etc. — entgegen jeder Logik?!
  • “Die Sehnsucht nach Tiefgang und (digitaler) AufklĂ€rung wird weder gespĂŒrt nocn geĂ€ußert, und folglich nicht gehört. Aber sie steckt in uns.” (S. 49)

Wissen vs. Einsicht

  • “Ein Wissen zum Teilen, aber keine Einsicht zum Handeln.” (S. 39)
    • So ein Wissen ist in der Theory U oberflĂ€chlich. Single-loop.
  • “Noch nie war es einfacher, etwas zu wissen, noch nie war es schwieriger, etwas zu verstehen, so die gefĂŒhlte Paradoxie.” (S. 58)

Social Media — die moderne Prostitution

  • “Wie werde ich dem Attentionalismus gerecht, wenn ich Substanz habe? Wie kann ich entdeckt, gefunden und gesehen werden, ohne zu schreien, ohne Selfies mit Verkaufsbezug? Wenn ich ein Produkt verkaufen möchte, wenn ich etwas zu sagen habe, wie und wo prĂ€sentiere ich die Gedanken? Somit bleibt: Wir können nicht mit, aber auch nicht ohne die sozialen Medien.” (S. 44)
    • Das sind spannende Fragen. Aber wo sind die Antworten?
    • Genau das sind die Herausforderungen eines “stillen Marketing” (sofern es das ĂŒberhaupt geben kann).
  • “So reduziert sich die ganze Gesellschaft auf das “Likebare”, das Konsumierbare, in dem die Wertschöpfung und Wertstiftung der Information, KreativitĂ€t und Erstellung frei von bleibendem Wert sind und wir selbst durch unsere Leere zum ausgebeuteten Produkt geworden sind.” (S. 45)
  • “Die Befilterung der inneren Leere erzeugt eine verkaufbare OberflĂ€chlichkeit, die innere Unruhe und Substanzlosigkeit ĂŒberdeckt.” (S. 45)

Unser Denken ist infiziert

  • “Unser Denken ist infiziert. Wir nehmen uns nicht die Zeit. Hinterfragen nicht unsere eigenen Meinungen und ĂŒberprĂŒfen keine Quellen. Wir sind gefangen in unseren SelbstverstĂ€ndlichkeiten.” (S. 49)
  • “GeprĂ€gt werden wir von einer Welle des Antiintellektualismus. Ein großes Vokabular ersetzt nicht Verstand. Eine Gesellschaft des Verstandes, der Weg zur Heilung unseres infizierten Denkens ist offensichtlich nicht mit der heutigen Medienwelt vereinbar.” (S. 49)
  • “Wir haben mit unserem infizierten Denken eine Welt der Ăœbervereinfachung und des Antiintellektualismus erschaffen. Eine Welt der MĂŒdigkeit und UntĂ€tigkeit — eine Welt der Lustlosigkeit.” (S. 179)

Ego in der Wissensgesellschaft

  • “Das Problem: In der Wissensgesellschaft will niemand Fehler zugeben. Es geht um die Manifestierung der eigenen Meinung, um die Verabsolutierung von “Wissen”. Es geht um Ruhm, Rollen, Stimmen und Ego.” (S. 61)
    • auch und gerade unter Online Business Coaches (auf Social Media).
  • “Es darf nicht mehr vorrangig um Weitergabe der gespeicherten Informationen durch selbst ernannte Experten als moderne “Papageien” gehen. Vielmehr muss das Denken an sich in den Mittelpunkt rĂŒcken.” (S. 63)

Der Halbgebildete

  • Theodor W. Adorno: der halbgebildete Mensch
  • “Der halbgebildete Mensch hat sich zwar dasselbe Wissen angeeignet, ĂŒber das auch ein Gebildeter verfĂŒgt — der halbgebildete Mensch versteht es aber nicht, PhĂ€nomene in ihrer Lebendigkeit zu begreifen. Stattdessen geht er mechanistisch an diese heran. Der Halbgebildete ist starr in seinem Denken und Wissen. Er versteht es nicht, das Wissen in grĂ¶ĂŸere sinnhafte ZusammenhĂ€nge einzuordnen.” (S. 65)
  • Es gibt viele halbgebildete Online Business Coaches, auch GrĂŒndungsberater, mit ihren Blaupausen.
  • Der halbgebildete GrĂŒndungsberater
. ein spannender Podcast/Artikel/Vortrag.

Buddhistischer Kapitalismus

  • “Die Zeit ist reif fĂŒr den buddhistischen Geist des Kapitalismus. Wir stehen vor fundamentalen VerĂ€nderungen in Richtung einer vollumfĂ€nglichen Ökonomie, die der Dalai-Lama bereits als eine Verbindung zwischen Kapitalismus und “compassion” (MitgefĂŒhl) beschrieben hat.” (S. 103)
  • “Von dem ursprĂŒnglich definierten protestantischen Kapitalismus sind wir auf dem Weg zu einem neuen, eher buddhistischen Kapitalismus. Es ist kein glaubensstrenger Buddhismus, eher eine atheistische-glĂ€ubige-pop-westliche AusprĂ€gung, die in ihrer Form und Ästhetik Strukturen des Buddhismus nachahmt. Die FragilitĂ€t im alten, starren westlichen System wurde erkannt, und somit bewegt sich “das System” auf eine adaptionsfĂ€hige Form einer traditionsreichen östlichen Philosophie zu, mit der gestalterische Kriterien und Wohlstandsvorstellungen aus der ökonomisierten Gegenwart verschmelzen.” (S. 103)

The business of business is people

  • “Nicht “The business of business is business”, wie der WirtschaftsnobelpreistrĂ€ger Milton Friedman sagte, sollten der Leitspruch sein, sondern es muss heute mehr als je zuvor, wie die Managementlegende Herb Kelleher sagt, heißen: â€œThe business of business is people — yesterday, today, and forever.” â€œ (S. 126)

Diagnosen in einer fluiden Welt

  • “Eine absolute Diagnose in einer dynamischen und fluiden Welt kann immer nur eine Momentaufnahme sein. Sie sit unabdingbar mit ihrem Entstehungskontext und ihrer Entstehungszeit verwoben.” (S. 174)
  • Richard Rorty: “Wahrheit ist das, womit Ihre Zeitgenossen Sie davonkommen lassen.”
  • Das gilt nicht zuletzt auch fĂŒr Anders Indset selbst und fĂŒr dieses Buch. ????

Aktivierung → Angst âŹ‡ïž

  • “Die Werkzeuge sind vorhanden, es mangelt aber an Aktivierung und VerstĂ€ndnis. In der Aktivierung liegt die Überwindung der Angst vor dem Scheitern, vor dem Schmerz. Ja, wir haben Angst vor der Angst. Heute flĂŒchten wir (in den westlichen Gesellschaften) nicht vor Krieg und der physischen Entzauberung der Welt, sondern unbewusst vor uns selbst. Zur Verbesserung unserer LebensqualitĂ€t mĂŒssen wir unsere Algophobie, unsere Angst vor schmerzhaften Situationen, ĂŒberwinden. Es gehört dazu, sich Herausforderungen zu stellen und damit verbundene mögliche Konsequenzen anzunehmen.” (S. 178)
  • Algophobie
 ein spannendes Konzept!

Verstehen ist ein mĂŒhsamer Prozess

  • “Das Verstehen ist ein mĂŒhsamer Prozess, der mit viel Frust und Leid verbunden ist. Doch dieser ist existenziell wichtig, denn nur dadurch ist der KĂŒnstler jemand. Das ist sein LebensglĂŒck.” (S. 195)
  • Ich sage: KĂŒnstler = Lehrer

Wir brauchen Kategorisierungen — und sollten sie ĂŒberwinden

  • “Wir brauchen Kategorisierungen — ein Label und Zuordnung —, die uns ermöglichen, Halt im Leben zu finden. Auch eine angestrebte (technologische) AufklĂ€rung findet ihren Halt in Kategorisierungen. Ein Denken völlig befreit von jeglichen Annahmen ist nicht möglich. Dennoch ist es genau das, wonach wir streben dĂŒrfen.” (S. 199)
  • “Die Kategorisierung innerhalb einer WeltverstĂ€ndlichkeit ist die Grundlage, um ĂŒber die Welt frei zu denken.” (S. 199)
    • Vgl. Modelle als Weg zur Freiheit
  • “Eine vollstĂ€ndige Befreiung von Annahmen kann ein Ziel sein, aber wir brauchen Anhaltspunkte. Unser Streben sollte es sein, das AufklĂ€rende im Vordergrund zu sehen.” (S. 200)
  • “Jeder von uns besitzt diese FĂ€higkeit, sich selbst kritisch zu hinterfragen und die eigenen SelbstverstĂ€ndlichkeiten auf den PrĂŒfstand zu stellen.” (S. 200)

Warum die alten Meister-Denker heute nur noch bedingt taugen

  • “Analytische und kontinental-philosophische Vordenker der vergangenen 250 Jahre — um bei der Zeitspanne bis Hegel zu bleiben — wĂŒrden heute erkennen, dass auch sie in Grundannahmen in ihrem Denken gefangen waren, das mit der aktuellen Weltanschauung nicht mehr kompatibel ist. Sie waren Denker ihrer Zeit. Wir sind alle Denker unserer Zeit.” (S. 201f)

Weisheit mit StÀbchen

  • ““Das infizierte Denken” ist ein Kampf des Denkens. Dabei geht es nicht um Perfektionismus oder darum, recht zu haben, sondern das Denken muss genau ĂŒber jene SelbstverstĂ€ndlichkeiten obsiegen, in denen wir gefangen sind. Das Fluide ĂŒber das Feste. Die Weisheit bekommen wir nicht mit dem Löffel verabreicht, sondern sie wird mĂŒhsam mit StĂ€bchen eingenommen.” (S. 224)

Was ist der Sinn von Purpose?

  • “Viele sprechen heute von einem “Purpose”, einem “Why” im Leben. Aber was ist eigentlich der Sinn vom “Purpose”?” (S. 225)
  • “Geht es dabei um einen Zweck fĂŒr uns selbst? Oder vielleicht um etwas Übergeordnetes fĂŒr alle Menschen?” (S. 225)

Zwei PrimÀrziele des Menschen

  • “Wenn wir nur Menschen in Relation zu anderen Menschen sein können, sollten wir zwei PrimĂ€rziele verfolgen: die Auseinandersetzung mit dem “Selbst”, unserer Innenwelt, das was wir werden können/wollen, und mit der Welt, dem VerstĂ€ndnis fĂŒr andere Menschen.” (S. 235)

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