Andrea Fehringer, Thomas Köpf: Das Schreibseminar (2008)

Ein Buch über das Schreiben, wo das Buch an sich schon ein Vorbild ist: Lehrreich und unterhaltsam!

Gelesen: Oktober 2020

Es beginnt mit dem Gedanken

  • „Es beginnt mit dem Gedanken. […] Ein Satz ohne Gedanken ist wie ein Geschenk ohne Inhalt.“ (S.8)
  • „Beim Handwerk geht es darum, einen Gedanken präzise, kurz, verständlich und daher leicht lesbar aufs Papier zu bringen. Kein Füllmaterial, keine Manierismen, keine Schnörksel, keine Phrasen.“ (S. 9)

Alles Geniale ist simpel

  • „Alles Geniale ist simpel. Alles simpel Formulierte ist genial.“ (S. 12)
  • „Der einfache Satz hat Kraft. Überzeugt das Geschriebene nicht durch sich selbst, wird man es auch mit mehr Worten, mit komplizierteren Formulierungen, mit längeren Sätzen nicht verständlicher machen.“ (S. 12)
  • Arthur Schopenhauer: „Gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ (S. 12)

Verben

  • „Zähle die Verben in deinem Text und füge noch einmal so viele dazu.“ (S. 24)

Schlichte Worte

  • „Schlichte Worte sind die kleinen Kraftwerke, die deinen Text mit Energie versorgen.“ (S. 27)
  • „Denn schlicht ist nicht zu verwechseln mit banal. Wenn etwas banal ist, liegt es nicht an den schlichten Worten, sondern am Inhalt, den sie transportieren. Eben am Gedanken.“ (S. 27)
  • „Die stärksten Worte der deutschen Sprache sind schlicht. Zum Beispiel Herz, leben, schön, Stern, freuen, gut, Lust, wollen, böse oder Macht. Ihre Bedeutung ist so unmissverständlich, dass sie wenig Spielraum für Interpretationen lassen.“ (S. 27)
  • vgl. Seth Godin: Seine Gedanken sind originell, nicht seine Sprache. Seine Worte sind schlicht.

Du wirst nie alle Leser erreichen

  • „Du wirst mit einem Text nie alle Leser erreichen. Es werden nie alle exakt das sehen, was du ihnen vorgeschrieben hast. Aber du kannst wenigstens versuchen, sie durch deine Augen schauen zu lassen. Indem du bei jedem Wort bedacht bist, selbst deine kompliziertesten Gedankengänge so einfach wie möglich zu erklären.“ (S. 27f)

Prägnant und kurz schreiben

  • „Prägnant und kurz schreiben ist eine Kunst.“ (S. 32)
  • „Kurze Sätze heißt nicht, schreibe nur Hauptsätze. Trau dich auch, vor einem Nebensatz einen Punkt zu machen und den für sich dastehen zu lassen.“ (S. 32)
  • „Auch wenn du es anders gelernt hast: Einen Satz mit und zu beginnen, ist möglich. Und machmal lässig.“ (S. 32)
  • „Kürzere Worte zu suchen ist eine Methode, so kraftvoll zu schreiben, dass es sich angenehm liest, dass der Leser es sich merkt und nacherzählen kann.“ (S. 36)
  • „Lass den Leser nicht über mehr Hürden springen, als er muss.“ (S. 37)
  • Wenn schon die Gedanken anspruchsvoll sind, sollen wenigstens die Worte und Sätze schlicht sein!

Phrasen haben keinen Schmäh

  • „Phrasen haben etwas Vertrautes. Aber das ist auch schon das Einzige, was sie haben. Sie lösen kein Gefühl aus. Sie haben keinen Schmäh mehr.“ (S. 62)
  • „Außer, man wandelt sie ab. Dann erhält man das Vertraute, was dem Leser ein angenehmes Gefühl gibt, und hat doch was Neues erfunden.“ (S. 63)
    • z.B. Warum in die Ferne schweifen, wenn die Gute liegt so nah.
    • „Abgewandelte Phrasen eignen sich besonders gut für Titel.“ (S. 65)
  • „Vergib dir nicht die Chance auf deinen eigenen Stil.“ (S. 63)

In Graz, oder wo

  • „In Graz, oder wo, hat ein Mann, oder wer, eine Frau, oder wen, geschlagen, oder was.“ (S. 71)

Deine Story und deine Leser

  • „Was ist die Story, und wer sind deine Leser?“ (S. 71)
  • „Um den Leser in den Griff zu kriegen, musst du dein Thema von der richtigen Seite anpacken und interessant präsentieren. Du brauchst einen Aufhänger. Du brauchst die Idee zur Story.“ (S. 72)
  • „Also: Erkenne eine Zielgruppe. Grenze dein Thema ein. Wähle deinen Ansatz.“ (S. 72)
  • „Vertraue auch auf die niederen Instinkte. Nichts liest sich so gern wie etwas, das Schadenfreude auslöst.“ (S. 72)
    • vgl. Frau Bossi
  • „Eine Geschichte, die über Menschen transportiert wird, ist immer interessanter als eine Geschichte, die nur aus Fakten besteht.“ (S. 73)
    • Das spricht für B41 mit Duplo-Figuren und Story!

Der eigene Stil

  • „Die einzige Methode, den eigenen Stil zu finden, ist Schreiben, Schreiben, Schreiben. Ein Schreibstil entsteht nicht im Kopf, sondern nur auf dem Papier.“ (S. 89)
  • Das sagt auch Seth Godin. Das sagen alle!

Liebe zur Sprache

  • „Zeige dem Leser, wie lieb man die Sprache haben kann.“ (S. 101)
  • Yes! This! Genau das will ich: Zeigen, dass ich die Sprache lieb habe. Das ist mir allein schon als Sprachwissenschaftler ein Anliegen.

Schreibfluss ≠ Lesefluss

  • „Schreibfluss ist nicht gleich Lesefluss. Ein Text, der hurtig aufs Papier flutscht, liest sich deshalb noch lange nicht flüssig. Umgekehrt ist ein Text, der langsam hinauströpfelt, nicht unbedingt träge zu lesen.“ (S. 108)
  • „Darüber entscheidet die Verwendung von Verhältnis-, Binde- oder Umstandswörtern. Sie sind die Chamäleons der deutschen Sprach. Haben sie sich einmal festgesetzt, sind sie kaum mehr zu entdecken, zu entfernen oder gar zu ersetzen.“ (S. 109)

Füllmaterial

  • „Überprüfe deine Sätze auf Füllmaterial. Worte wie freilich, quasi, sozusagen, schlicht und ergreifend kannst du in den meisten Fällen streichen.“ (S. 111)

Fragezeichen

  • „Sei sparsam mit Fragezeichen. Der Leser will nicht gefragt werden, er will Antworten.“ (S. 115)

Absätze

  • „Absätze beeinflussen die Dramaturgie eines Textes mehr als jedes andere Stilmittel. Die einzige Regel dabei ist: Führe den Leser logisch durch den Text.“ (S. 119)

Komponiere für den Leser

  • „Komponiere für den Leser. Hör auf deine innere Stimme, sie diktiert dir die Tonart. Lausche, dein Thema gibt dir den Takt vor.“ (S. 127)

Redigieren

  • „Der Trick ist, den Text so zu lesen, als wäre er von wem anderen. […] Lies dir den Text laut vor und kümmere dich um die Stellen, über die du stolperst. Sie müssen zuerst repariert werden. Manche lassen sich retten, andere müssen geopfert werden.“ (S. 136)
  • „Vergleiche das, was du geschrieben hast, mit dem, was du schreiben wolltest.“ (S. 137)