AutorGünter Schmatzberger

Gedankenlose Geschenke

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Wenn man Geburtstag hat, kriegt man gerne mal ein Mail mit Geburtstagsgrüßen von irgendwelchen Firmen, bei denen man Kunde ist – oder war. Mitunter ist auch ein kleines Geschenk dabei.

Mein Freund Martin hat sich unlängst über so ein Geburtstags-“Geschenk” geärgert. Es war ein 5-Euro-Gutschein ab einem Einkaufswert von 50 Euro. Er hat das nämlich nicht als Geschenk empfunden, sondern an schlecht verkleidete Werbemaßnahme, die ihn zum Kaufen animieren soll. Der eigentlich Beschenkte wäre dann nicht er, sondern das Unternehmen.

Über solche “Geschenke” freut man sich nicht, weil sie nicht leiwand sind. Leiwand ist, wenn man am Geburtstag gratis auf den Wiener Donauturm gehen kann. Oder wenn die ÖBB sagen; Wenn du die Vorteilscard hast, kannst du an deinem Geburtstag gratis in ganz Österreich herumfahren.

Darüber freut man sich, weil man wirklich etwas geschenkt bekommt.

Und nicht zuletzt deshalb, weil man das Gefühl hat: Hier hat sich jemand wirklich was überlegt, womit er mir eine Freude machen kann.

Dabei unterstelle ich der 5-Euro-Gutschein-Firma nicht mal eine schlechte Absicht. Vielleicht glauben die Marketing-Leute dort ja wirklich, dass sich die Kunden darüber freuen. Aber ich bin mir sicher: Wenn sich die verantwortlichen Mitarbeiter:innen auch nur eine Stunde lang zusammensetzen würden, kämen sie ohne große Mühe auf etliche viel leiwandere Ideen. Man müsste nur wollen.

Denn besonders bei Geschenken gilt: Mach es gscheit, oder lass es bleiben.

Ali Abdaal: Feel Good Productivity (2023) 📙

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Ich habe schon Einiges zum Thema “Zeit- und Selbstmanagement” gelesen, deswegen war in diesem Buch nicht viel spannendes Neues drinnen. Wobei der Ansatz, zuerst auf sich selbst zu schauen, bevor man irgendwelche Produktivitäts-Techniken verfolgt, nicht so verkehrt ist.

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Der Countdown läuft

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Wenn ein Angebot mit künstlicher Verknappung vermarktet wird (Stichwort: Countdown), dann ist etwas im Busch. Denn wer ein wirklich starkes, glaubwürdiges Versprechen hat, braucht keinen künstlichen Druck.

Ich finde: Als Solopreneur hast du weder Zeit noch Ressourcen für aufwändige Conversion-Taktiken. Aber du brauchst sie auch nicht.

Dein Vorteil sind Nähe und Beziehung.

Persönliche Grenzen

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Leslie Jäger sagt: Ja, man hat Grenzen, aber man muss sie nicht immer akzeptieren. Das ist eine Entscheidung. 

Tatsächlich ist es wahrscheinlich eher so: Meine Leistungsgrenzen muss ich nicht akzeptieren. Ich kann mein Leben lang dazulernen und besser werden. Aber ich muss akzeptieren, dass meine Ressourcen begrenzt sind, und dass ich notwendigerweise irgendwo an meine Grenzen stoßen werde.

Skunk Anansie: The Painful Truth (2025)

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Album der Woche: KW 18 // April 2026

Kontext: Ehrlich gesagt, kenne ich von Skunk Anansie praktisch nichts. Zwei, drei Nummern vielleicht. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einlasse. Insofern ein riskantes Experiment, dieses Album als “Album der Woche” auszuwählen.

Playlist-Tipps: Shame // Shoulda Been You // Lost and Found // Cheers // Fell In Love With A Girl

Fazit: Das ist ein Album, das bei jedem Mal durchhören besser wird. Spannend, abwechslungsreich, überraschend gut.

Wertung: ⭐️⭐️⭐️

Not-Gründungen 2026

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Zum heutigen Tag der Arbeit…

Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber: Ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit die Zahl der “Not-Gründungen” steigt.

Eine “Not-Gründung” ist eine Gründung, die mangels Alternativen erfolgt. Soll heißen: Die Gründer:innen kriegen keinen Job am Arbeitsmarkt, also bleibt die Gründung als vermeintlich einziger Ausweg.

“Not-Gründungen” gab es immer schon, besonders in Bevölkerungsgruppen, die es immer schon schwer hatten am Arbeitsmarkt, z.B. Wiedereinsteigerinnen, Menschen 55+, Migrant:innen.

Aber in letzter Zeit ist eine neue Gruppe dazugekommen: Junge, gut ausgebildete Menschen aus der Kreativbranche. Ein Gamedesigner Anfang 30, der nirgends in Österreich eine Anstellung bekommt. Die Artdirektorin Ende 30, die gekündigt wurde und am Arbeitsmarkt keine adäquate Stelle findet.

Die Kreativbranche ist unter Druck, nicht zuletzt wegen KI. Die Frage ist halt, ob eine Selbständigkeit darauf eine brauchbare Antwort ist.

Man wird sehen.

Feldnotizen 04/26

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Ein paar Gedanken aus meinen Notizbuch. Ungeordnet, ungefiltert, ohne Anspruch auf Wahrheit.

Der Markt gibt immer die Antwort.

„Do you want to send this email, or do you want to get a job?“ (Maggie Patterson)

„Enshittification“ führt dazu, dass das Internet zunehmend unleiwand wird.

„Der Naturzustand von Unternehmen ist nicht, dass sie gekommen sind, um zu bleiben“. (Phillip Maderthaner)

Mehrwert schlägt Selbstdarstellung.

KI kann auch eine große Zeitverschwendung sein → KI als Unterhaltung und Ablenkung → „KI-Konsumismus“ (© ich)

Wo kommen die Zahlen her?

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Spannende Frage in der Gründungsberatung: Bildet der Finanzplan die Geschäftsidee ab?

Oder, anders formuliert: Was hat dein Finanzplan eigentlich mit deinem Geschäftsmodell zu tun?

Meine Beobachtung: Businessplan und Kalkulation sind meistens vollkommen entkoppelt. Es wird eine Kalkulation erstellt, aber die Gründer:innen haben überhaupt keine Anhaltspunkte für die Kosten, die notwendig sind, um ihre Geschäftsidee zum Fliegen zu bringen.

Beispiel: Wie viel Budget du für Social Media Marketing ansetzen musst, hängt davon ab, welche Rolle Social Media in deinem Geschäftsmodell spielt. Was soll Social Media für dich tun – und was wird diese Leistung kosten?

Diese Frage kann dir kaum ein:e Gründer:in beantworten.

Pretty Woman: The Musical (2018)

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Album der Woche: KW 16 // April 2026

Kontext: Die Musik ist von Bryan Adams und Jim Vallance. Deswegen habe ich mir das Musical im Museumsquartier in Wien angeschaut. Und was soll ich sagen: Es war ein sehr unterhaltsamer Nachmittag!

Playlist-Tipps: Welcome To Hollywood // You And I

Fazit: Auch in den Tagen nach der Aufführung hat der Soundtrack noch gute Stimmung ins Homeoffice gebracht. Nichts Weltbewegendes, aber sehr gut zum beschwingten Arbeiten.

Wertung: ⭐️⭐️⭐️

Wertlose Ideen

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„Eine Idee ist nichts wert, wenn die Ausführung nix wert ist”, sagt David Schalko.

Oder, für ein Gründungsprojekt formuliert: Eine Geschäftsidee ist nur so gut wie ihre Ausführung.

Oder, nochmal anders: Mach dir keine Sorgen, dass dir irgendjemand deine gute Idee klauen könnte. Mach dir lieber Gedanken, wie du deiner guten Idee mit einer exzellenten Umsetzung gerecht wirst.

Evidente Kompromisse

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Ja, es kann sein, dass du in deinem Gründungsprojekt Kompromisse machen musst. Sogar ziemlich sicher.

Aber die Frage ist: Welche Kompromisse?

Wahrscheinlich nicht die Kompromisse sind, die du glaubst machen zu müssen.

Mach keine Kompromisse ohne Evidenz. Verlass dich nicht auf deine Annahmen, sondern hol dir die ganz konkreten Rückmeldungen vom Markt: Welche Kompromisse fordern deine Kund:innen von dir?

Zuerst die Evidenz, dann der Kompromiss.

Es hängt nur von dir ab

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Mach dir keine Sorgen, dass dir jemand deine gute Geschäftsidee klauen könnte.

Mach dir lieber Gedanken darüber, wie du deiner guten Idee mit einer exzellenten Umsetzung gerecht werden kannst. 

Wer kein Netzwerk hat, zahlt

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Es gibt einen Unterschied, über den in der Gründungsberatung wahrscheinlich zu wenig offen gesprochen wird: Manche Solopreneure starten mit einem starken persönlichen Netzwerk – und andere nicht.

Wer ein gewachsenes Netzwerk mitbringt, hat Zugang zu ersten Kund:innen, zu Weiterempfehlungen, zu Gesprächen, die einen weiterbringen. Dieser “organische” Zugang zum Markt kostet nichts. Er ist einfach da (bzw. über die Jahre vor der Gründung aufgebaut).

Wer dieses Netzwerk nicht hat – oder sich scheut, es “zu nützen” – steht vor einem strukturellen Problem: Er muss sich Aufmerksamkeit nämlich (teuer) erkaufen. Über Werbung, über Social Media oder über Content, der vielleicht irgendwann irgendwen erreicht. Das kostet Geld, Zeit, und/oder Nerven.

Erfolg in der Selbständigkeit ist nicht allein eine Frage von Fleiß oder Talent. Dein persönliches Netzwerk ist ein Startkapital, das in keiner Bilanz aufscheint – und das dennoch in den ersten Jahre deines Unternehmens ein unbezahlbares Asset ist.

Namen statt Zielgruppen

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Viele Gründer:innen haben Schwierigkeiten dabei, ihren “Markt” zu erkennen.

“Meine Zielgruppe sind KMUs in Niederösterreich.” Klingt klar und präzise. Ist es aber nicht. Denn “KMUs in Niederösterreich” kann man nicht anrufen. Man kann ihnen keine E-Mail schreiben. Man kann sie nicht um ein Gespräch bitten.

Ein echter Markt – gerade für Solopreneure – ist keine abstrakte Kategorie. Der Markt für Solopreneure ist eine ganz konkrete Liste mit Namen. Mit Gesichtern. Mit Menschen, zu denen man Zugang hat, direkt oder über andere Kontakte. Marlene vom letzten Netzwerktreffen. Der Thomas, der mal nachgefragt hat. Die Beraterin, die einen Kommentar unter dem LinkedIn-Post hinterlassen hat.

Der Weg zu deiner Zielgruppe beginnt nicht mit irgendeiner Instagram-Kampagne. Sie beginnt mit: Wer steht auf meiner Liste? Und wen davon spreche ich diese Woche an?

Venus und Mars

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Philipp Maderthaner glaubt, der Unterschied zwischen kleinen und großen Unternehmen ist vielleicht der Unterschied, dass „große“ Unternehmer fähig sind, größer zu denken.

Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass kleine Unternehmen – und ganz speziell Solo-Businesses – nach vollkommen anderen Spielregeln funktionieren.

Wir bezeichnen sie zwar beide als “Unternehmen”, aber in Wirklichkeit sind große und kleine Unternehmen von komplett verschiedenen Planeten.

Keiner lacht

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Unlängst beim Running Sushi: Der Mann hinter mir macht einen Witz. Er ist der einzige, der darüber lacht. (Es war auch wirklich kein guter Witz.)

Und ich denke mir: Geht’s uns bei unseren Gründungen nicht manchmal genauso, dass wir die einzigen sind, die das leiwand finden?

Die Glaskugel

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Ein sehr leiwander Gründungsberater-Kollege hat auf seinem Schreibtisch eine Glaskugel – so eine, wie man sich vorstellt, dass Wahrsager:innen verwenden..

Ich finde: Das ist ein sehr nützliches Tool in der Gründungsberatung.

Nicht, um aus der Glaskugel “Erkenntnisse” zu gewinnen. Sondern um zu verdeutlichen: Niemand von uns kann in die Zukunft schauen. Auch wir Gründungsberater:innen nicht. Wir arbeiten mit Hypothesen, Intuitionen, Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungen. Das ist nicht nichts, aber mehr haben auch wir nicht anzubieten.

Das Gute daran: Als Selbständige:r kann man sich seine Zukunft gestalten!

Wir brauchen, was unsere Zukunft als Solopreneure betrifft, keine Sicherheiten. Wir brauchen keine Menschen, die uns die Zukunft voraussagen. Was wir brauchen, ist Selbstvertrauen, Mut und Initiative. Und Menschen, die diese in uns stärken.

Das reicht.

Der Markt als falscher Nordstern

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Maria Popova hat einmal etwas Fundamentales über unsere Orientierung im Unbekannten gesagt: Wir tasten blind nach vertrauten Referenzpunkten und basteln uns daraus einen Kompass. Besonders in nebulösen Bereichen wie Kunst oder Philosophie – wo es keinen wahren Norden gibt – greifen wir nach greifbaren Dingen wie “dem Markt”, um uns zu orientieren.

Aber, so Popovas These: Der Markt ist ein miserabler Kompass. Er zeigt nicht nach Norden, sondern immer nur dorthin, wo gestern schon alle hingelaufen sind. “Der Markt will das” – was für ein Aberglaube! Der Markt will gar nichts. Er ist nur die Summe dessen, was bereits gedacht, bereits gemacht, bereits gekauft wurde. Wer sich am Markt orientiert, expandiert nicht seinen Möglichkeitsraum. Er schrumpft ihn auf das bereits Bekannte zusammen.

Popova spricht vom “private locus of the possible” – dem persönlichen Ort des Möglichen, den wir behutsam erweitern sollen. Nicht am Markt orientiert, nicht am Bekannten, sondern an dem, was wir in uns selbst als Potenzial entdecken.

Das ist auch die einzige Art, wie echte Innovation entsteht: Wenn jemand aufhört, nach dem vermeintlichen Nordstern “Markt” zu schielen, und stattdessen ins Dunkle vorangeht.

Die meisten Solopreneure machen sich klein vor dem Markt. Validieren jede Idee, bevor sie überhaupt richtig durchdacht und ausgeleuchtet ist.

Aber warum sollten sie auch jemals ihren eigenen Radius erweitern, wenn der Markt ihnen doch so deutlich sagt, wo’s langgeht?

Spoiler: In die Mittelmäßigkeit.

Die geerbte Bühne

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Wer schon eine Bühne hat, braucht kein Mikrofon mehr zu suchen. Er stellt sich einfach drauf.

Ein Promi startet einen Podcast, eine Influencerin launcht einen Kurs, ein Ex-Politiker schreibt ein Buch. Die Reichweite war vorher schon da — und das neue Produkt profitiert davon. Das Publikum folgt ihnen nicht primär wegen des neuen Angebots, es folgt ihnen, weil es ihnen immer schon gefolgt ist.

Für alle anderen — die, die ohne “geerbte” Aufmerksamkeit starten — bedeutet das: Der Wettbewerb ist nicht fair. Er war es nie. Weil es nicht nur um Inhalte geht, sondern um Beziehungen.

Aber dieses Ungleichgewicht wird gerade verstärkt sichtbar. Denn je mehr geerbte Bühnen belegt werden, desto weniger Platz bleibt für jene, die sich Aufmerksamkeit erst Schritt für Schritt erarbeiten müssen.

Sich Reichweite zu erarbeiten, dauert immer länger. Falls es überhaupt gelingt.