AutorGünter Schmatzberger

Schlafwandeln

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Vielleicht kennst du das: Der Wecker läutet, du musst früh aufstehen. Viel früher als gewohnt, und entsprechend müde bist du noch.

Es sind die gleichen Aufgaben, die du nun vor dir hast, wie du sie jeden Morgen erledigst: Anziehen, frühstücken, Bad. Es ist nicht anders wie immer, und dennoch fällt dir jeder Schritt viel schwerer. Es ist, als wäre Blei an den Füßen und dein Hirn noch in einer dicken Daunendecke eingewickelt.

An solchen Morgen ist es schon eine Riesenleistung, wenn du es schaffst, in langsamem Tempo einen Schritt nach dem anderen zu erledigen. Nichts zu vergessen. Keine groben Schnitzer zu machen.

An anderen Tagen wird es wieder leichter gehen. Aber heute…

Heute ist der Kampf, den es zu gewinnen gilt, die Selbstverständlichkeiten zu bewältigen.

FOMO als Geschäftsmodell

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Es gibt Businesses, die verdienen ihr Geld mit der Angst der Menschen, etwas zu verpassen.

Beispiel: Anlageberater, Finfluencer, Konzertveranstalter, Social Media Plattformen.

FOMO ist mächtig. Und mit FOMO lässt sich gut Geld verdienen, weil viele Menschen aus FOMO sehr unvernünftige (finanzielle) Entscheidungen treffen.

Trotzdem sage ich: Ein Business, dessen Geschäftsmodell auf Angst basiert, wird wenig gesellschaftlich Wünschenswertes beitragen.

Das Problem lieben

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Als Berater ist es total wichtig, dass man gerne Lösungen findet. Dass man gemeinsam mit den Kund:innen versucht, eine Herausforderung, die blockiert, in etwas zu verwandeln, dass Kraft und Mut zum Weitergehen macht.

Aber mindestens genauso wichtig ist es, dass man das Problem liebt.

Ich als Gründungsberater mag es sehr, mit meinen Gründer:innen gemeinsam nachzudenken, wie sie ihr Business voranbringen können. Es ist einfach großartig, wenn wir gemeinsam Lösungen entwickeln.

Aber was mich an der Gründungsberatung in Wirklichkeit reizt, ist das Problem, das es zu lösen gilt. Nämlich: Wie findet man eine Gründungsidee, die stimmig zur Person und stimmig zum Markt ist (wie Günter Faltin sagen würde)? Und wie schaffen wir es, diese Geschäftsidee tatsächlich erfolgreich in die Welt zu bringen?

Ich liebe dieses Problem. Es macht mir Spaß, darüber nachzudenken. Es macht mir Spaß, darüber zu sprechen. Es macht mir Spaß, darüber zu lesen.

Und deshalb wird die Gründungsberatung für mich niemals langweilig werden.

[Danke Gabe Anderson für diesen Gedanken.]

Netzwerk bringt’s

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Spannende Hypothese von Corinna Hintenberger:

Je besser ein:e Gründer:in vor der Selbständigkeit schon vernetzt ist (innerhalb der Branche, im aktuellen Job, in Vereinen, in der Nachbarschaft, in der Gemeinde etc.), desto schneller wird er/sie erfolgreich in der Selbständigkeit.

Ich glaube: Sie hat vollkommen recht.

Leicht ist schwer

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Eigenartigerweise tun wir uns oft viel leichter mit schwer als mit leicht.

Wenn im Business etwas leicht geht, werden wir misstrauisch. Wo ist der Haken? Ist das nicht zu gut, um wahr zu sein?

Wenn im Business etwas leicht geht, dann denken wir uns: Ich habe mich nicht genug angestrengt. Nächstes Mal muss ich mich mehr ins Zeug legen!

Wenn im Business etwas leicht geht, dann folgern wir: Aha, wenn das so leicht war, dann geht da noch viel, viel mehr!

Wenn jedoch im Business etwas schwer geht, dann ist alles so, wie wir es gewohnt sind. Dann ist alles in Ordnung. Dann hinterfragen wir die Umstände ganz selten.

Dabei wäre gerade die Leichtigkeit ein ausgesprochen verlässlicher Indikator dafür, dass es genau so passt, wie es ist.

[Danke Oliver Burkeman für diesen Gedanken.]

Kampf der Worte

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Wir dürfen uns unsere Sprache nicht wegnehmen lassen.

Ja, es gibt Menschen, die verwenden bestimmte Wörter missbräuchlich. Ja, es gibt Wörter, die werden durch diesen ständigen Missbrauch irgendwann zu bullshit-Wörtern oder überhaupt nicht mehr brauchbar für seriöse Unterhaltungen. Gerade im Business, besonders im Marketing.

Und dennoch dürfen wir den Missetätern die Wörter nicht kampflos überlassen. Wir müssen uns die Wörter, die wichtig sind, zurückholen. Wir müssen sie weiter verwenden, und zwar in den Kontexten, wo sie ihren Sinn und ihre Würde behalten.

Hier ein paar Wörter (bzw. Konzepte), um deren Würde es sich zu kämpfen lohnt:

  • Gründung
  • Lifestyle Entrepreneur
  • Ethisches Marketing
  • Storytelling
  • Bildung
  • Kundensicht
  • Positionierung
  • Selbstwert
  • Existenzangst
  • Würde

Verletzlich

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Unlängst hat eine Kollegin sehr offen von einer persönlichen Niederlage erzählt. Dass sie es nicht geschafft hat, die erhoffte Veränderung herbeizuführen und wie sie dadurch einen Auftrag verloren hat, der ihr sehr am Herzen gelegen hatte.

Als Zuhörer habe ich ihren Schmerz gespürt. Ich habe einen Moment teilhaben können an ihrem inneren Kampf zwischen Zuversicht und Enttäuschung. Der Schmerz war in ihrem Gesicht zu sehen und in ihrer Stimme zu hören.

Und gleichzeitig war sie in dieser Situation höchst würdevoll.

Ich habe vor meiner Kollegin noch nie so viel Respekt gehabt als in diesem Moment ihrer größten Verletzlichkeit.

Zahlen lügen nicht

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Das hört man Betriebswirte gerne sagen.

Aber das stimmt nur zum Teil. Eine Zahl ist zunächst mal nur eine Zahl. Interessant wird eine Zahl erst durch die Geschichte, die wir rund um die Zahl spinnen, um die Zahl zu „erklären“.

Und Geschichten… Die können durchaus eingebildet, erfunden oder geflunkert sein.

Investitionskompetenz

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Die meisten von uns haben gelernt, wie man Geld verdient.

Den meisten von uns fällt es auch nicht schwer, dieses Geld wieder auszugeben in unserer konsumorientierten Welt.

Die glücklichen unter uns haben gelernt, mit ihrem Einkommen auszukommen und sogar noch ein bisschen was sparen. Der Notgroschen für die schlechte Zeiten.

Aber die wenigsten unter uns haben gelernt, wie man Geld richtig ausgibt. Also wann es sinnvoll ist, Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Nicht konsumieren, sondern investieren.

Doch gerade wir Lifestyle Entrepreneure brauchen ein investing mindset, wenn wir uns ein nachhaltiges Business aufbauen wollen. Wir müssen wissen, wofür es sich lohnt, Geld auszugeben und was wir uns sparen können.

Die meisten von uns haben das nie gelernt.

Ich würde das gerne ändern.

Das will ich auch!

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Unlängst bin ich (auf LinkedIn) auf eine Unternehmerin gestoßen, die ein halbes Jahr in Berlin und die andere Hälfte des Jahres auf Fuerteventura arbeitet.

Und ich habe mir gedacht: Das will ich auch!

Diese Unternehmerin sagt, sie macht einen Umsatz von 500.000 Euro pro Jahr.

Und ich habe mir gedacht: Das will ich auch!

Neid ist wirklich ein verlässlicher Begleiter. Aber er ist ein schlechter Ratgeber. Den Winter auf Fuerteventura zu verbringen, klingt zwar gut, aber in Wirklichkeit müsste ich dafür meine Kinder für ein halbes Jahr aus der Schule nehmen. Oder ein halbes Jahr ohne sie verbringen. Und beides würde ich aber sowas von überhaupt nicht wollen.

Und 500.000 Euro Umsatz? Ja, eh. Aber die 3 Mitarbeiter:innen und 8 Freelancer:innen, die diesen Umsatz möglich machen, möchte ich nicht haben.

Genau hier liegt die ewige Herausforderung im Lifestyle Business: Immer beim eigenen Lifestyle zu bleiben. Was willst du wirklich? Was passt zu deiner Persönlichkeit, deiner Familie, deinen Bedürfnissen am besten?

Und sich nicht ablenken oder blenden zu lassen von den lifestyle choices, die andere Selbständige für sich treffen.

Beib bei dir.

Badezimmerkastltürl

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Manchmal lässt sich die Essenz einer Beziehung zwischen zwei Menschen, ihre ganz individuellen Persönlichkeiten und das Gemeinsame, das daraus entsteht, in einem Satz ausdrücken.

Und so einen Satz – diesen Satz – hat meine Frau einmal zu mir gesagt:

Du solltest mal einen Blog darüber schreiben, warum du im Bad immer das Kastl offen lässt.

Damit ist alles gesagt über uns beide. 😘

Happy Birthday!

Der falsche Bruder

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Unlängst ist bei Dinamo Bukarest etwas passiert, das würde man nicht glauben:

Der Verein engagiert einen neuen Spieler aus Guinea-Bissau, der früher bei Barcelona gespielt hat. Monate später kommt ein Journalist drauf: Moment mal, da stimmt was nicht! Und tatsächlich: Der Ex-Barcelona-Spieler ist nie in Rumänien angekommen, er hat seinen minder talentierte Zwillingsbruder geschickt! Und diese „falsche“ Zwillingsbruder spielt seither bei der Mannschaft, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre.

Kurios, wenn man die Geschichte so hört (sofern sie überhaupt stimmt. Und wenn es einen nicht betrifft). Und man denkt sich vielleicht: Was sind denn das für Deppen, dass die das nicht merken?

Aber Vorsicht, bevor du urteilst. Bist du dir sicher, dass du in deinem eigenen Leben, in deinem eigenen alles siehst, was offensichtlich nicht stimmen kann?

Oder gibt es auch bei dir Dinge, die du gar nicht so genau sehen willst?

Gute Karten, trotzdem verloren

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Mein Sohn und ich spielen fast jeden Tag in der Früh Schnapsen.

Er ist ein vollwertiger Gegner. Ich muss voll auf Zack sein, damit er mir kein Bummerl anhängt.

Unlängst meinte er nach einem Spiel zu mir:

Papa, du hattest so gute Karten, aber du hast sie ganz falsch eingesetzt!

Und damit hat er wahrscheinlich das Dilemma der gesamten Menschheit auf den Punkt gebracht.

Ich habe einen großartigen Sohn.

Happy Birthday!

Zu brav

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Ein Gedankenexperiment: Geh davon aus, dass dein Marketing viel zu brav ist.

Nimm zum Beispiel meine Branche her, die Gründungsberatung. Der Markt der Gründungsberatung sieht in groben Zügen so aus:

  • Drei Viertel der arbeitenden Bevölkerung will sich überhaupt nie selbständig machen.
  • Beim restlichen Viertel ist meine größte Konkurrenz die Ignoranz gegenüber den Benefits einer Gründungsberatung ganz generell. Gefühlt die Hälfte aller Gründer:innen holen sich gar keinen Gründungsberater an ihre Seite.
  • Für diejenigen, die Gründungsberatung in Anspruch nehmen, gibt es eine stark vertretene, präsente, kapitalkräftige “öffentliche” Gründungsberatung (Wirtschaftskammer, AMS, Gründungsagenturen), die ihre Leistungen großteils gratis hergeben..
  • Und der Markt der “privaten” Gründungsberatung, die für ihre Beratung Honorare verlangen, ist voll mit „kleinen“ Playern, die um relativ wenige Menschen rittern. Zu dieser Kategorie zähle auch ich.

Es ist ganz klar: Mit “bravem” Marketing werde ich NIE Erfolg haben, weil ich überhaupt nicht auffallen würde! Es würde überhaupt niemand überreissen, dass ich als Gründungsberater am Markt bin, und ich würde auch niemandem fehlen, wenn ich nicht da wäre.

Wenn ich überhaupt eine Chance haben will, dann ich außer-gewöhnliches Marketing machen.

Das Gegenteil von brav — nämlich mutig!

Anständig

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Unlängst bin ich (wieder) auf folgenden Hinweis von Stefanie Stahl gestoßen:

„Lege dir bei allen Überlegungen […] immer wieder die Frage vor, ob das, was du tust oder auch was du unterlässt, anständig ist.”

Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden, S. 171

Anstand… kein sehr moderner Begriff, und keine Kategorie, die man sofort mit „der Wirtschaft“ in Verbindung bringen würde.

Und dennoch ist das, was „anständig“ ist, ein verlässlicher Wegweiser in jedem Lifestyle Business.

Anstand führt nämlich zum Erfolg. Wenn nicht kurzfristig, dann langfristig.

Denn wer am Ende seines Lebens sagen kann: Ich habe stets so gehandelt, dass es anständig war, der wird nichts zu bereuen haben.

Und das ist der ultimative Erfolg.

Erste Bälle

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Im Fußball gibt es den Begriff „erste Bälle“.

„Erste Bälle“ beziehen sich auf die Situationen, bei denen ein Ball zum ersten Mal nach einer Unterbrechung (einem Einwurf, einem Freistoß, einem Eckball oder einer längeren Flugphase) im Spiel berührt wird. Es geht also um den ersten Kontakt mit dem Ball nach einer Spielsituation, die eine Neuorientierung oder einen Neuaufbau des Spiels erfordert.

Eine Mannschaft, die gut ist bei den „ersten Bällen“ gewinnt mehr Zweikämpfe und wird im Endeffekt gefährlicher im Angriff sein.

„Erste Bälle“ gibt’s nicht nur im Fußball, eh klar.

Wie gut bist du bei den „ersten Bällen“ in deinem Lifestyle Business?

Gemeinsam nachdenken

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Unlängst war ich bei der Entrepeneurship Night der Uni Wien. Dort wurde viel über Startups und Gründergeist gesprochen, über Gründerteams und Pre-Seed-Finanzierung und so weiter.

Leider waren Solopreneure an diesem Abend kein Thema. Wieder einmal kein Thema, müsste man genauer sagen. Ich verstehe nicht warum, aber wenn Hochschulen über „Gründung“ sprechen, dann meinen sie immer Startups. Und wenn Studierende zu diesen Veranstaltungen gehen, dann lernen sie, dass Gründung immer „Gründung eines Startups“ bedeuten muss.

Der Weg des Solopreneurs, die Alternative zur Risiko-Gründung, kommt nicht vor, und deswegen kann dieses Bild auch nicht in den Köpfen der Studierenden entstehen. Das finde ich ewig schade.

Und dennoch habe ich von diesem Abend einen Satz mitgenommen, der für angehende Solopreneure fast noch mehr gilt als für Startup-Gründer:innen:

Wenn man darüber nachdenkt, ob man gründen soll, dann sollte man das nie alleine tun.

Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin aws – Austria Wirtschaftsservice

Gemeinsam nachdenken – das bringt’s echt!