Axel Gloger: Betriebswirtschaftsleere (2016)

Mich hat das Buch sehr inspiriert. Nicht nur, weil es meinem praktisch-pragmatischen Ansatz, BWL zu unterrichten, entsprochen – und damit bestätigt – hat. Vielmehr habe ich das Buch als Auftrag gelesen, dass ICH mich um eine „BWL für Solopreneure” kümmern muss – wenn’s sonst keiner macht.

Über das Buch…

  • Dieses Buch ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Bücher meines Lebens. Es kam genau zur richtigen Zeit (wieder) in mein Leben.
  • Mich hat das Buch sehr inspiriert. Nicht nur, weil es meinem praktisch-pragmatischen Ansatz, den ich von Easy Business her kenne, entsprochen – und damit bestätigt – hat. Vielmehr habe ich das Buch als Auftrag gelesen, dass ICH mich um eine „BWL für Solopreneure” kümmern muss.
  • Axel Gloger spricht immer von den Familienunternehmen, von den Hidden Champions, für die die BWL, die an den Unis gelehrt wird, großteils unbrauchbar ist. Was er sagt, gilt aber umso mehr für Solopreneuere und Lifestyle Entrepreneure.
  • Da habe ich ein ganz breites Aufgabenfeld vor mir. Und ein Riesenproblem, denn: Was genau das notwendige BWL-Wissen für Solopreneure ist, das ist noch überhaupt nicht definiert!
  • Sicher ist nur, dass auch Solopreneure und Lifestyle Entrepreneure nicht ohne BWL auskommen. Sie sind Unternehmer, und sie müssen die Spielregeln der Marktwirtschaft kennen. Und diese Spielregeln legt die BWL fest. Nur muss diese BWL eben auf das Spiel abgestimmt sein, das Solopreneure und Lifestyle Entrepreneure spielen. Denn dieses Spiel ist ein anderes als das der großen Konzerne, auf die sich die „Wöhe-BWL” bezieht.
  • Daher: Ich bin Axel Gloger dankbar, dass er für mich ausgedrückt hat, woran es für mich zu arbeiten gilt. In diesem Sinne werde ich sein Erbe weitertragen und in die Welt bringen. Auch wenn ich ihm gerne persönlich gesagt hätte, wie inspirierend sein Buch für mich war, so werde ich diese Wertschätzung nun eben durch meine Arbeit ausdrücken.

Wir Lifestyle Entrepreneure müssen uns die BWL zurückerobern – für unsere Zwecke!

  • Das gute alte Wissen des „sorgfältigen Kaufmanns”, das mehr mit Hausverstand zu tun hat als mit der Wöhe-BWL.
  • BWL ist ja im Grunde auch keine Wissenschaft. Tun wir nicht so, als wäre sie eine!
  • BWL als Wissen mit Gebrauchswert. Mit echtem Gebrauchswert!

Kunden verteilen sich wahrscheinlich „normal”, nach der Gaußschen Glockenkurve, was deren Umsatzpotenzial betrifft.

  • Das könnte eine nützliche Näherung sein, wenn es darum geht, welche Kunden was auf der kaufen werden. Und wie sich dadurch eine Umsatzplanung ableiten lässt.
  • Oder eher nach der Barbell Curve?

So, wie BWL an Unis/FHs unterrichtet wird, inspiriert es nicht. Es gibt keine Verbindungen zum „echten Leben”; das WARUM wird nicht geklärt. So entsteht Nicht-Leidenschaft. Und ein zurecht schlechter Ruf.

  • Die Studierenden interessiert BWL nicht. Sie interessiert nur der Abschluss und was sie damit dann machen können (guter Job, Karriere). => BWL nicht als Wissen mit Gebrauchswert, sondern als Wissen mit Tauschwert: „Hier wird nicht ein Fach studiert, sondern eine Berufschance.” (S. 21)
  • Auch die Lehrenden sind uninspiriert. Sie bleiben beim Wöhe-Wissen auf einer abstrakten Ebene. Kaum wer kann das anschaulich machen, kaum ein Lehrender kann praktische Beispiele geben. Woher auch? Das sind ja alles keine Unternehmer! „Er hört sich an wie einer, der ohne Lust aus einer schlecht formulierten Gebrauchsanleitung vorliest.“

Echte BWL-Lovers, die sich für das Thema begeistern, weil sie die Nützlichkeit für das konkrete unternehmerische Tun erkennen und das transferieren können – die sind RAR!

  • Das ist eine echte Nischenkompetenz, ein scarce skill!
  • ICH habe da etwas ganz Wertvolles!
  • Ich lese gerne BWL-Bücher, weil ich sie interessant und spannend und nützlich finde. Oho!

BWL an den Unis ist 0-loop-learning, bestenfalls 1-loop-learning. Die Benchmark für alle meine eigenen Produkte soll mindestens 2-loop-learning sein!

S. 15: BWL braucht mehr Interdisziplinarität, mehr Querverbindungen.

  • „In der BWL müssen Mauern eingerissen werden, wenn die Disziplin noch eine Zukunft haben soll.” (S. 39)

S. 17: „Teile der BWL scheinen in den 1960er Jahren stecken geblieben zu sein.”

S. 18: „Phantasie, Kreativität, Unternehmer-Willen werden durch BWL-Denken eher unterdrückt als gefördert. Der gesunde Menschenverstand wird durch die Anwendung von Betriebswirtschaftslehre ausgeschaltet.”

  • „Die Betriebswirtschaftslehre lässt rechtshirniges Denken verkümmern.” (S. 54)

S. 18: „Kein Unternehmen kommt ohne angewandtes BWL-Wissen aus. BWL-Wissen macht Unternehmen besser, sicherer und erfolgreicher. Dieses Wissen im Rahmen einer Ausbildung zu erwerben, braucht jedoch nicht vier Jahre – das geht auch viel kürzer.”

S. 18: „Die Betriebswirtschaftslehre braucht einen Bauhaus-Moment: einen Impuls durch einen systemfremden Außenseiter […].”

S. 22: „Offenbar ist Betriebswirtschaftslehre kein Fach, das Erleuchtung vermittelt, indem es Schönes zu entdecken gibt.”

S. 43: „Was sie auf Deutsch schreibt, bleibt im deutschsprachigen Raum. Was sie auf Englisch schreibt, ist für den Weltmarkt.”

  • Das gilt auch für mich. Besonders für mich!
  • Vgl. Brian Littles Frage: Was habe ich schon auf Englisch publiziert? Mein Englisch ist doch gut genug!
  • Wie hoch ist mein Exportanteil? Warum nehme ich mir nicht vor, Exportweltmeister zu werden? Think big!
  • „Die meisten orientieren sich am Binnenmarkt.” -> Das gilt ganz besonders auch für die Berater, Coaches und Gurus in DACH.

BW = Business Economics (?), Business Administration (?)

  • Das sind beide keine geeigneten Namen für meine Mission!

Kjell Nordström: Funky Business (Buch)

S. 47: Jemand müsste einen „neuen Wöhe” schreiben. Aber wer macht sich die Arbeit? Und: Würden nicht doch die meisten beim alten Wöhe bleiben – the regular kind?

  • Ja, wahrscheinlich schon. Aber Seth Godin sagt: Mach dein Produkt für „almost no one”.
  • Den „neuen Wöhe”, den „Wöhe für EPU”, den du schreibst, der ist für „almost no one”. Aber eben genau für die richtigen paar ist er genau das Richtige.

S. 52: „Mit Chaos muss man so umgehen können, dass es dennoch zu einem Ergebnis kommt.“

S. 65: „Intermediäre” (z.B. Banken) vs. Realwirtschaft

  • Bin ich als Lifestyle Business Facilitator auch so ein Intermediär?
  • Ich arbeite auf einer Meta-Ebene: Als Lifestyle Entrepreneur für andere Lifestyle Entrepreneure.
  • Ich habe also keine Kunden in der Realwirtschaft, wenn man so will. Da besteht natürlich immer die Gefahr der Nabelschau, dass ich auf einer Meta-Ebene arbeite, die nichts mit der Realwirtschaft zu tun hat. Und dass ich dadurch zum „fraud” werde.
  • Aber: Intermediäre werden gebraucht. Sie erfüllen eine notwendige Aufgabe, indem sie die Unternehmer in der Realwirtschaft „enablen“.

S. 65: „Beeindruckungssprache” vs. Sprache des gesunden Menschenverstands

  • Welche Sprache wählst du?

S. 71: „Wir wollen uns mit unserer europäischen Herkunft verknüpfen.”

  • „Eine deutsche Business School muss also nicht Klein-Harvard sein.” (S. 71)
  • „Was für Nordamerika gut ist, passt für den Rest der Welt nicht unbedingt.” (S. 73)
  • Nicht Nordamerika als Gold-Standard nehmen!
  • Auf die wunderbaren europäischen Traditionen besinnen!

S. 75: Rankings wird geglaubt! Sie funktionieren!

  • „Am besten das, was alle machen, das kann nicht falsch sein.” (S. 74)
  • Kann ich das auch für mich nutzen? Nicht missbrauchen, aber die scheinbar inhärente Glaubwürdigkeit von Rankings nutzen? (vgl. #Liste)
  • Das ist auch für Medien/PR sehr schmackhaft. Rankings werden gerne geteilt.

S. 88: Kunden sind immer zuallererst Menschen!

S. 92: „Zahlen statt Visionen. Analysen statt Gefühle.”

  • Achtung: Kein Schwarz-weiß-Denken!
  • Wir brauchen beides: Herz und Hirn!
  • Das sind zwei Pole, und wir können die Regler verschieben, je nachdem, wie es die Aufgabenstellung erfordert.

S. 104: Empfehlung für die Praxis: BWL Wissen anwenden ist wichtig!

S. 106: „Unsere Vorfahren haben die Betriebswirtschaftslehre vor knapp 100 Jahren erfunden. Gedacht war sie einst als Hilfsmittel, als ergänzende Handreichung, um Kaufmännern mehr Klarheit darüber zu geben, wie man einen Betrieb erfolgreich führt. Einiges von dem, was die BWL liefert, ist bis heute gut, richtig und angemessen.”

  • Und was genau das ist, muss ich nun herausfinden und definieren.

Henry Mintzberg scheint interessant zu sein!

Lifestyle Entrepreneure sollten dem guten alten „Kaufmann-Denken” folgen und sich nicht an Silicon-Valley-Konzernen und -Start-ups  als Vorbilder orientieren. Tante Emma statt Steve Jobs!

=> Das ist heute nicht sexy, aber da läuft in der aktuellen Denke viel verkehrt.

S. 119: „BWL macht nicht unbedingt alles besser.”

  • „Auch ein Team mit bestem Betriebswirtschaftswissen ist nicht davor geschützt, in die Pleite zu sausen.“

S. 120ff: Inputs zu BWL und Kindern, vgl. „Kleine Unternehmer verändern die Welt”

S. 123: „Um ein guter Unternehmer zu werden, braucht man kein BWL-Studium.”

  • Wohlgemerkt: Er sagt BWL-Studium, nicht BWL-Wissen.

S. 127: „Wir sind Wissensriesen und Realisierungszwerge. […] Methoden haben wir genug. Woran es mangelt, ist der Mut.”

S. 134: „Gut geführte Mittelständler verhalten sich nach Regeln, die nicht im Lehrbuch stehen.”

  • => Lifestyle Entrepreneure müssen für sich Regeln finden, die auch in keinem Lehrbuch stehen.
  • „Die Regeln aber, die für die Betriebswirtschaftslehre der Familienunternehmer gelten, müssen erst noch erfunden werden.” (S. 140)
    • … und erst recht die der Lifestyle Entrepreneure.
  • Die Navigation, die Inhaber betreiben, ist stark vom gesunden Menschenverstand geprägt. „Seine Regeln sind immer einfach, für jedermann verständlich.” (S. 141)
  • „Man lernt fast nichts, was man in der Praxis gebrauchen kann.“
    • Was ist das „fast”?
  • „Auch der Kern des BWL-Wissens ist sinnvoll und nötig […]: solides Kaufmanns-Know-how, das zum Gelingen des Geschäfts beiträgt und die Sicherheit schafft, dass die Geschicke nicht durch Unachtsamkeit aus dem Ruder laufen.” (S. 160)

S. 136: „Das Inhaberunternehmen als Projekt hat kein definiertes Ende, jeder Firmenchef sieht sich als Sachwalter und Verantwortlicher für das Erbe […].”

S. 142: „Die BWL der Inhaber- und Familienunternehmer ist eine Lehre des Augenmaßes. Sie nimmt als Ausgangspunkt, dass es den dominierenden Einfluss einer Person oder Familie gibt, dass eine starke Überlappung zwischen dem Leben der Inhaber und dem Geschäft besteht […]. Sie berücksichtigt, dass sich der Willen in diesem Typus Unternehmen über eine konkrete Person bildet […], deren Wirkungshorizont im Prinzip unbefristet ist […], dass das Zielsystem auch solche Ziele miteinschließt, die scheinbar außerhalb kurzfristiger Wirtschaftlichkeit liegen.”

S. 144: “Konzentriere dich auf das Besondere, das kein anderer kann. Biete eine überlegene Lösung für ein drängendes Problem – das ist, in Kurzform, die Weisheit dieser Strategie.”

  • Marktführer “positionieren sich als Beherrscher eines schmalen, aber tiefen Marktes”. (S. 145)

S. 149: Praktische Kostenrechnung/Finanzierungslehre:

  • „Geld, das wir nicht ausgeben, ist die beste Finanzierungsquelle.“
  • „Was links nicht in der Bilanz steht, muss rechts nicht finanziert werden.“
  • „Risikobewusste Familienunternehmer vermeiden, wo es geht, von vornherein Anlässe zur Finanzierung: durch Sparsamkeit, durch einfache Strukturen, einfache Geschäftsmodelle und Weiternutzung abgeschriebener Aktiva.“

S. 151: „Die Bank leiht dir den Schirm, solange die Sonne scheint, wenn es regnet, will sie ihn zurückhaben.”

Was „BWL der Zukunft” (Bauhaus-BWL) ausmachen wird =  was ich bei meiner Arbeit berücksichtigen darf:

  • Eine neue Klasse der Didaktik inkl. konsequenter Nutzung ortsunabhängiger Lernformate, Erfahrungslernen, Rekurs auf klassische Bildungsideen (S. 170)
  • Lebenswissen vor Spezialwissen (S. 171)
  • Mehr Umgang mit Unschärfe, mehr Ja zum vorläufig Perfekten, mehr Raum für Inhalte, die in der rechten Gehirnhälfte zuhause sind. (S. 172)
  • Bildung zur Selbstbildung vermitteln (S. 172)
  • Menschen, die Komplexität begreifen und managen können, die unterschiedliche Kenntnisse und Fähigkeiten miteinander verbinden können. (S. 173)
  • Das lernen, was 2036 immer noch wertvoll sein wird (S. 176)
  • Antworten auf jene Fragen finden, deren Wortlaut wir noch nicht kennen. (S. 176)
  • Das besondere Verhältnis zum Risiko, die Abstinenz gegenüber jeglichen Übertreibungen, die gelebte Sparsamkeit, handwerkliche Leidenschaft für das gelungene Produkt, die Strategie des Nichtablenkenlassens (S. 178)
  • Lehrkräfte, die auch überzeugen, wenn sie nur über den Bildschirm kommen (vgl. TED) (S. 179)
  • TED schafft einen Goldstandard: Warum langweilig, wenn es auch spannend, humorvoll und gut erzählt geht? (S. 181)
  • Bildung braucht auch das Zusammenkommen an einem Ort, die gemeinsam erlebte Freude aus dem Gelernten, die produktive Schönheit eines Lernraums. (S. 182)
  • „Wenn der Stoff nicht mit Erfahrung verknüpft wird, kann der beste Inhalt nichts leisten.” (S. 183)
    • Am wirksamsten ist es, wenn Studenten aus dem Leben im Leben für das Leben lernen.” (S. 183)

S. 187: Aufruf

  • „Sie, liebe Leserin, lieber Leser, können Ihren Teil dazu beitragen, dass es weitergeht und dass wir gemeinsam zu Resultaten gelangen, die uns alle weiterbringen.“
  • Ja, ich bin dabei!
  • Das ist auch eine Aufgabe in Hinblick auf die nächste Generation von Lifestyle Entrepreneuren!