ūüďô Cal Newport: Digitaler Minimalismus (2019)

Eine wichtige Botschaft, von Cal Newport glaubw√ľrdig vertreten. Allerdings etwas langatmiger als n√∂tig.

Gelesen: Dezember 2020

Was ist normal? Was extrem?

  • „Weil digitale Minimalisten so viel weniger online sind als ihre Pendants, kann man ihre Lebensweise leicht f√ľr extrem halten, aber sie selbst w√ľrden behaupten, dass diese Wahrnehmung die Fakten auf den Kopf stellt: Extrem ist, wie viel Zeit alle anderen damit verbringen, auf ihre Bildschirme zu glotzen.“ (S. 12)

R√ľckw√§rts reingestolpert

  • „Aus nebens√§chlichen Gr√ľnden haben wir der Peripherie unserer Erfahrungen neue Technologien hinzugef√ľgt, nur um eines Tages aufzuwachen und festzustellen, dass sie zu einem Kernpunkt unseres Lebens geworden waren. Mit anderen Worten: Wir haben uns nicht f√ľr die digitale Welt angemeldet, in der wir derzeit verankert sind; wir scheinen irgendwie r√ľckw√§rts hineingestolpert zu sein.“ (S. 22)

3 Kernprinzipien des digitalen Minimalismus (S. 49)

  1. Ger√ľmpel ist kostspielig
  2. Optimierung ist wichtig: „Um wirklich ihren vollen potenziellen Nutzen zu erschlie√üen, ist es notwendig, sorgf√§ltig dar√ľber nachzudenken, wie diese Technologie verwendet werden soll.“
    • Weniger, aber besser nutzen. √úber Usecases nachdenken. Aufschlauen!
  3. Absichtlichkeit ist befreiend – durch die „generelle Verpflichtung, absichtsvoller mit neuen Technologien umzugehen.“

W√§re ich ein guter Smartphone-Nutzer? Ich habe keine Geduld… (S. 67)

  • Nicht jeder Mensch ist von seiner Veranlagung dazu geeignet, verantwortungsvoll und vern√ľnftig mit dem Smartphone umzugehen. Das Smartphone ist eine gro√üe Versuchung f√ľr die meisten Menschen.
  • Beispiel: F√ľr die Kinder pr√§sent sein, auch wenn es langweilig ist – und nicht zum Smartphone zu greifen… 

Standardisierte Anwendungsverfahren

  • „Digitale Minimalisten leisten dem Widerstand, indem sie standardisierte Anwendungsverfahren aufrechterhalten, die bestimmen, wann und wie sie die digitalen Tools verwenden.“ (S. 88)

Einsamkeit

  • „Einsamkeit k√∂nnen Sie in einem √ľberf√ľllten Caf√© genie√üen, in der U-Bahn oder, wie Pr√§sident Lincoln in seinem Landhaus entdeckte, mit zwei Kompanien von Unionssoldaten im Garten – so lange es Ihrem Verstand √ľberlassen bleibt, sich nur mit Ihren eigenen Gedanken zu besch√§ftigen. Andererseits kann Einsamkeit auch in den ruhigsten Umgebungen verscheucht werden, wenn Sie zulassen, dass die Einfl√ľsse anderer Gedanken darin eindringen. Abgesehen vom direkten Gespr√§ch mit einer anderen Person k√∂nnen diese Einfl√ľsse auch das Lesen eines Buchs sein, das Anh√∂ren eines Podcasts, das Fernsehen oder das Ausf√ľhren so ziemlich jeder Aktivit√§t, die Ihre Aufmerksamkeit auf einen Smartphone-Bildschirm lenkt. Einsamkeit erfordert, dass Sie Reaktionen auf die Informationen, die von anderen Menschen ausgehen, hinter sich lassen und sich stattdessen auf Ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen konzentrieren, wo immer Sie sich gerade befinden m√∂gen.‚Äú (S. 102f)
  • Das betrifft mich! Ich bin selten unabgelenkt mit meinen Gedanken allein – auch beim Laufen nicht!
  • Die Einfl√ľsse anderer Gedanken k√∂nnen ablenken… aber m√ľssen nicht?
  • Gedanken anderer… Das betrifft Musik dann nicht, oder? Musik ist safe?!
  • Suche ich da Ausreden, oder habe ich einfach andere eigene Erfahrungen als Cal Newport?

Das Mobiltelefon ist nicht lebensnotwendig

  • „[…] in 90 Prozent Ihres t√§glichen Lebens spielt die Anwesenheit eines Mobiltelefons entweder keine Rolle oder macht die Sache nur unwesentlich bequemer. Es ist n√ľtzlich, aber es w√§re √ľbertrieben anzunehmen, dass seine Allgegenw√§rtigkeit lebensnotwendig ist.“ (S. 121)
  • „Die Dringlichkeit, die uns dazu treibt, immer ein Smartphone dabeizuhaben, ist √ľbertrieben. St√§ndig ohne diese Ger√§te zu leben, w√§re unn√∂tig l√§stig, aber regelm√§√üig ein paar Stunden ohne sie zu verbringen, sollte Sie nicht beeintr√§chtigen.“ (S. 122)

Wandern: Keine Kopfhörer, aber Termine!

  • „Wenn Sie Kopfh√∂rer tragen […], dann wandern Sie nicht richtig und werden daher den gr√∂√üten Nutzen dieser √úbung nicht erfahren.“ (S. 128)
  • „Das Schwierigste an dieser Gewohnheit ist, die Zeit daf√ľr zu finden. Meiner Erfahrung nach werden Sie sich wohl die M√ľhe machen m√ľssen, die Stunden in Ihrem Kalender einzutragen […]. Das kann beispielsweise bedeuten, Spazierg√§nge an Arbeitstagen weit im Voraus einzuplanen (sie sind hervorragend geeignet, um den Tag zu beginnen oder zu beenden) oder mit Ihrer Familie bestimmte Zeiten am Abend oder am Wochenende auszuhandeln, in denen Sie sich alleine auf den Weg machen.“ (S. 128)
  • „Der Aufwand ist hoch, aber der Lohn ist gro√ü.“ (S. 128)

Standardmäßig beschäftigt sich unser Gehirn mit unserem Sozialleben

  • z.B. beim Einschlafen oder beim Wachliegen in der Nacht
  • „[…] unser Gehirn hat sich daran angepasst, w√§hrend jeder kognitiven Auszeit soziale Fragen zu erw√§gen – und genau diese Praxis ist es, die unser Interesse an unserem Sozialleben wirklich st√§rkt.“ (S. 141)

Richten Sie Sprechzeiten ein!

  • vgl. „Sprechstunden“ von Lehrern, Uni etc.
  • z.B. immer an Wochentagen um 17:30 erreichbar sein. „Es ist nicht n√∂tig, ein Gespr√§ch vorher einzuplanen oder ihm zu sagen, wann man anrufen will – man w√§hlt [um 17:30] einfach seine Nummer.“ (S. 167)
  • Das klingt f√ľr mich total attraktiv! Meine eigene Variante von Sprechstunden!
  • „Reservieren Sie feste Zeiten an festen Tagen, zu denen Sie immer f√ľr Gespr√§che zur Verf√ľgung stehen. […] Sind diese Sprechzeiten erst einmal festgelegt, teilen Sie sie den Menschen mit, die Ihnen wichtig sind.“ (S. 168)¬†
  • „Wenn die Sprechzeiten eingerichtet sind, ist es auch leicht, sich proaktiv mit den Menschen in Verbindung zu setzen, die Ihnen etwas bedeuten, und sie aufzufordern, sich bei n√§chster Gelegenheit w√§hrend dieser Zeiten mit Ihnen in Verbindung zu setzen.“ (S. 168)
  • „Auch Caf√©-Sprachzeiten sind beliebt. Bei dieser Variante w√§hlen Sie einen bestimmten Zeitraum pro Woche, in dem Sie sich mit einer Zeitung oder einem guten Buch in Ihr Lieblingscaf√© setzen. […] Sie verbreiten die Nachricht in Ihrem Bekanntenkreis, dass Sie w√§hrend dieser Stunden immer in dem Caf√© sind, in der Hoffnung, dass sich bald eine rotierende Gruppe von regelm√§√üigen Besuchern bildet, die Ihnen dort Gesellschaft leistet.“ (S. 168)
    • vgl. Wiener Kaffeehaus-Kultur der Tante Jolesch
    • Idee: Einen Abend in der Woche im Kaffeehaus sein oder Sprechstunde haben; ein Sozial-Abend
  • „Die Sprechzeitenstrategie ist eine effektive Methode zur Verbesserung Ihres Soziallebens, weil sie das gr√∂√üte Hindernis auf dem Weg zur sinnvollen Geselligkeit √ľberwindet: die Sorge, dass unangek√ľndigte Anrufe st√∂ren k√∂nnten.“ (S. 169)
  • „[Sie werden] erstaunt sein, wie viel mehr von diesen lohnenden Kontakten Sie jetzt in Ihren normalen Wochenablauf integrieren k√∂nnen.“ (S. 170)
    • Das w√§re wirklich sch√∂n!

Facebook will nicht, dass man es „nutzt“!

  • „Die gro√üen Unternehmen wollen, dass „Nutzung“ eine einfache bin√§re Bedingung ist: entweder nutzt man ihre Grundlagentechnologie oder man ist ein Spinner. Im Gegensatz dazu ist die „Nutzung“ im Sinne der Definition von Ginsberg und Burke genau das, was die Unternehmen vielleicht am meisten f√ľrchten, denn darin werden diese Produkte als Angebot einer Vielzahl kostenloser Angebote betrachtet, die man sorgf√§ltig aussieben und so anwenden kann, dass man den daraus gewonnenen Nutzen optimiert.“ (S. 223)
  • Facebook will, dass wir glauben, es ist die logischste Sache der Welt, dass wir Facebook z.B. f√ľr unser Business nutzen. Nat√ľrlich musst du mit deinem Business auf Facebook sein. Eh klar! Wenn du’s nicht machst, brauchst dich nicht wundern, wenn du keinen Erfolg hast. Auf Facebook zu sein ist ein Nobrainer – oder?
  • Vgl. wie schwierig es ist, auf Facebook etwas „organisch“ im Feed zu promoten und „organische Reichweite“ zu bekommen. Facebook will das gar nicht. Facebook hat kein Interesse daran, etwas gratis zu promoten. Facebook √§ndert st√§ndig die Spielregeln zu seinen Gunsten. 
  • „[…] das schiere Volumen der Ressourcen zu unterstreichen, aus denen diese Unternehmen sch√∂pfen k√∂nnen, um Sie von der zweckgebundenen Nutzung nach Ginsberg und Burke abzuhalten und eher in Richtung des ziellosen Herumwandelns zu dr√§ngen, auf dem ihr Gesch√§ftsmodell basiert.“ (S. 223)
  • Ich rede hier immer von Facebook, aber das gilt f√ľr alle Social Media Companies. Und selbstredend auch f√ľr Google. Gerade auch f√ľr Google.

Social Media nutzen wie ein Profi

  • „Social-Media-Profis [haben] einen anderen Zugang zu diesen Tools als Durchschnittsnutzer. Sie sind darauf ausgerichtet, einen m√∂glichst gro√üen Wert f√ľr ihr berufliches und (in geringerem Ma√üe) privates Leben abzusch√∂pfen, und gehen gleichzeitig einem Gro√üteil der minderwertigen Zerstreuungen, mit denen diese Dienste ihre Abonnenten zu zwanghafter Nutzung verlocken, aus dem Weg.“ (S. 233)
  • vgl. wie Influencer*innen Youtube nutzen:¬†Sandra Thier: How to Influence – mit welchen Strategien ich mit Social Media und Influencern punkten?

Slow Media (S. 239)

  • Das Slow Media Manifest¬†
  • Daraus: „Slow Media messen sich selbst in Produktion, Anmutung und Inhalt an hohen Qualit√§tsma√üst√§ben und heben sich dadurch von ihren schnellen und kurzlebigen Pendants ab.“
  • Slow Media gilt auch f√ľr Produkte. => Meine Youtube-Videos k√∂nnten dem Slow-Media-Spirit folgen.

Light Phone

  • „Das ist kein Ersatz f√ľr Ihr Smartphone, sondern vielmehr ein Notausstieg, der Ihnen lange Pausen davon erm√∂glicht.“ (S. 246)
  • W√ľrde das auch mit meinem iPhone gekoppelt funktionieren?
  • Oder eine eigene „Notfall-Nummer“, die nur meine Familie kennt?
  • https://www.thelightphone.com

Meine Zeit = deren Geld

  • „F√ľhlen Sie sich ermutigt, diesen Wert stattdessen in Dinge zu investieren, die Ihnen wichtiger sind.“ (S. 248)