Was ist ein Lifestyle Business?

Kann es sein, dass du ein Lifestyle Entrepreneur bist? Vielleicht führst du ein Lifestyle Business, und du weißt es gar nicht?

In diesem Artikel beschreibe ich die sechs Kennzeichen, die ein Lifestyle Business ausmachen:

Inhaltsverzeichnis

1. Lifestyle Entrepreneuren geht Freiheit über alles

What is it that really motivates people like you to go off on your own with no guarantee of success or even income? It isn’t what most people think. It’s not money, and it’s not status. It’s freedom.

Dan Sullivan

Lifestyle Entrepreneure streben in erster Linie nach Freiheit. Sie bauen ihr Business so auf, dass sie damit das Maximum an persönlicher Freiheit herausholen.

Freiheit drückt sich für Lifestyle Entrepreneure in folgenden vier Formen aus (nach Dan Sullivan):

  1. Zeit-Freiheit: Lifestyle Entrepreneure wollen sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen. Es ist für sie völlig okay, auch mal am Wochenende zu arbeiten, wenn sie sich dafür an einem Mittwoch Nachmittag spontan frei nehmen können, um bei schönem Wetter mit den Kindern in den Zoo zu gehen.
  2. Finanzielle Freiheit: Lifestyle Entrepreneure möchten den Gewinn für ihre gute Arbeit selbst lukrieren — und nicht als Angestellter mit irgendeinem cholerischen Chef oder seelenlosen Konzern teilen. Als Angestellte hatten sie ein fixes Gehalt, als Lifestyle Entrepreneure sind sie nach oben hin nicht mehr limitiert. Wie viel sie verdienen, liegt in ihrer Hand.
  3. Beziehungs-Freiheit: Lifestyle Entrepreneure wollen sich aussuchen können, mit wem sie zusammenarbeiten. Sie wollen mit Kunden arbeiten, die zu ihnen passen. Sie lieben die Freiheit, zu einem unpassenden Auftrag auch mal “nein” sagen und einen unguten Kunden “kündigen” zu können. Und sie suchen sich ihre Kooperationspartner ganz genau aus – nicht danach, wie viel Umsatz sie bringen könnten, sondern danach, ob die Chemie stimmt.
  4. Sinn-Freiheit: Für den Lifestyle Entrepreneur bedeutet Freiheit auch, nicht (mehr) entfremdet zu arbeiten. Ihre Arbeit soll Sinn haben. Der Sinn (oder auch: der Purpose) der Tätigkeit ist ihnen mindestens genauso wichtig wie der Umsatz. Oft ist der Sinn sogar wichtiger, und Lifestyle Entrepreneure sind für diese Sinn-Freiheit auch bereit, unsichere Einkommensflüsse in Kauf zu nehmen.

Freiheit und immer wieder Freiheit. Das Streben nach größtmöglicher Freiheit ist das verbindende Element aller Lifestyle Entrepreneure, so unterschiedlich sie sonst auch sein mögen.

2. Lifestyle Entrepreneuren sind Business und Privatleben gleich wichtig

„A lifestyle entrepreneur is somebody who goes into business not primarily for financial rewards but for lifestyle reasons.“

Mark Henricks

Lifestyle Entrepreneure versuchen, ein Business aufzubauen, das möglichst gut zu ihrem Lebensabschnitt, ihrer Familiensituation, ihren Hobbys und ihren sonstigen Interessen passt — und nicht umgekehrt. Sie sind nicht bereit, ihre Lebensqualität für ihr Unternehmen zu „opfern“. Es gibt schließlich Wichtigeres als geschäftlichen Erfolg.

Lifestyle Entrepreneuren geht es darum, ein langfristig gutes Leben zu führen. Das gute Leben an sich steht für Lifestyle Entrepreneure im Vordergrund. Arbeit ist ein wichtiger Teil davon, aber längst nicht der einzig wichtige.

Die „Work-Life-Balance” ist für Lifestyle Entrepreneure ein ständiges Thema. Der Wunsch, Beruf und Privatleben perfekt zu integrieren und alle Facetten der eigenen Persönlichkeit ausgewogen zu berücksichtigen, führt allerdings mitunter zu Überforderung. Den perfekten Lifestyle für sich zu designen und ein dazu passendes Lifestyle Business aufzubauen, das allzeit glücklich macht — das ist ein sehr, sehr hoher Anspruch.

3. Für Lifestyle Entrepreneure gilt: Passion > Profit

„They operate the business to sustain a minimal level of cash flow necessary to support the lifestyle.“

Martin Zwilling

Ein Lifestyle Business soll genügend Geld einbringen, um den Lifestyle ihres Gründers zu finanzieren. Lifestyle Entrepreneure orientieren sich in Sachen Geld an dem, was sie „brauchen“, um gut zu leben. Diese (gedankliche) Umsatz- bzw. Gewinngrenze ist ihre finanzielle Messlatte.

Das kann dazu führen, dass Lifestyle Entrepreneure „zu klein denken” und das volle (finanzielle) Potenzial ihres Business nicht ausschöpfen. Ihre finanziellen Ziele sind oft niedrig gesteckt, weil sie Geld an sich nicht motiviert. Ja, es wäre schön, mehr Geld zu verdienen, aber dafür mein Wochenende opfern? Nein, danke!

Dadurch entsteht das Phänomen, dass Lifestyle Entrepreneure nicht wirklich reich werden — eben weil sie mit einer bestimmten Geldmenge zufrieden sind und dann einfach aufhören, mehr zu arbeiten. Die Aussicht auf mehr Geld (Umsatz) bedeutet für viele Lifestyle Entrepreneure auch die Aussicht auf mehr Arbeit — und damit eine Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Lifestyle Entrepreneure bräuchten für ihr Business daher Möglichkeiten zu wachsen, ohne mehr zu arbeiten. Mehr Gewinn mit weniger Arbeit: Das ist kein Traum vom warmen Eislutscher, das ist möglich. Aber es braucht Strategie, Durchhaltevermögen und ein Denken außerhalb etablierter Tretmühlen.

4. Lifestyle Entrepreneure gründen ein Business nach ihren persönlichen Interessen

„Einem Lifestyle Entrepreneur ist meist nicht sein Profit das Wichtigste, sondern die Vereinigung seines Unternehmens und dessen Produkten mit seinen persönlichen Werten und Interessen.“

startalps.co

Lifestyle Entrepreneure sind von einer Begeisterung von ihrem Thema angetrieben. Sie interessieren sich für ihr Fachgebiet und haben hohe intrinsische Motivation. Sie empfinden Freude und Stolz bei dem Gedanken, dass sich die Arbeit, die sie in ihrem Business leisten, „nicht wie Arbeit anfühlt“. Sie empfinden ihr Business als Herzensangelegenheit.

Dadurch vernachlässigen sie aber mitunter jene wichtigen unternehmerischen Tätigkeiten, die ihnen keinen so großen Spaß machen — Dinge wie Kundenakquise, Werbung, Buchhaltung, Controlling, Finanzplanung und so weiter. Und weil sie niemand zu etwas zwingen kann, bleiben diese wichtigen Aufgaben häufig liegen.

5. Lifestyle Entrepreneure sind oft Solopreneure

Aktuell hab ich keinen Bock darauf, Menschen zu managen. Ich will coole Sachen machen und genug Geld verdienen, sodass ich in meiner Freizeit noch coolere Sachen machen kann.

Jenni Kosche

Es ist nicht zwingend so, aber meistens: Lifestyle Entrepreneure haben keine Angestellten. Sie wollen meist auch keine haben — auch nicht in der Zukunft. Sie sind gerne solo unterwegs.

Nicht, weil sie sich keine Angestellte leisten könnten. Sondern, weil sie Angestellte als mühsam und als Einschränkung ihrer Freiheit empfinden. Es interessiert sie nicht, Mitarbeiter*innen zu haben, denen sie ständig sagen müssen, was als nächstes zu tun ist. Es interessiert sie nicht, ständig jemandem “nachzuwassern”. Sie setzen die Eigenverantwortung und die Eigenmotivation, die für sie selbstverständlich ist, auch bei anderen Menschen voraus. Dadurch sind ihre Ansprüche an potenzielle Mitarbeiter*innen (unrealistisch) hoch, und wenn sie es doch mit Angestellten probieren, führt das regelmäßig zu Frustrationserlebnissen auf beiden Seiten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Lifestyle Entrepreneure alles selbst machen (müssen). Idealerweise haben sie ein Netzwerk von Partner*innen, denen sie vertrauen und die häufig ebenfalls Lifestyle Entrepreneure sind.

Lifestyle Entrepreneure sind in jedem Fall alleinige Besitzer ihres Unternehmens. Sie haben keine anderen Mit-Eigentümer*innen und damit auch niemanden, der ihnen in ihr Business hineinredet. Lifestyle Entrepreneure suchen auch keine Angel Investors, weil ihnen ihre Unabhängigkeit viel wichtiger ist als mögliche Wachstums- oder Ertragschancen.

6. Lifestyle Entrepreneure haben keinen Exit-Plan

You may be surprised to learn that, for the vast majority of businesses operating in the U.S. today, the method of exiting the business will be to wind down operations when the current owner ceases to be active in the business.

Paul Stevenson

Lifestyle Entrepreneure haben in der Regel keinen Exit-Plan. Sie gründen ihr Lifestyle Business nicht mit dem Ziel, es später zu verkaufen.

Das ist auch eine wichtige Abgrenzung zwischen einem Lifestyle Business und einem Start-Up: Klassische Start-Ups werden von Anfang an mit dem Ziel gegründet, dass sie später einträglich verkauft werden können. Lifestyle Entrepreneuren geht es aber nicht um diesen „Exit”. Der entscheidende „Exit” hat bereits vor der Gründung des Lifestyle Business stattgefunden — nämlich der Ausstieg aus einer Arbeitswelt von sinnbefreiten Bullshit-Jobs.

Wenn ihnen ihr Business keine Freude mehr macht, lassen es Lifestyle Entrepreneure einfach auslaufen. Sie suchen keinen Nachfolger für ihr Lifestyle Business. Wie sollte eine Betriebsnachfolge auch funktionieren bei einem Business, das so maßgeschneidert ist für den jeweiligen Lifestyle Entrepreneur? Ja, sie träumen vielleicht davon, dass ihre Tochter oder ihr Sohn später mal in ihre Fußstapfen treten und den Laden übernehmen wird. Aber wenn nicht — auch kein Problem.

Lifestyle Entrepreneure wollen ja oft gar nicht in Rente gehen. Warum sollten sie auch jemals aufhören zu arbeiten, wenn ihnen ihre Arbeit so viel Spaß macht? In Ausübung ihres Herzensbusiness möge sie der Tod ereilen.

Zusammenfassung: Du hast ein Lifestyle Business, wenn du…

  • selbständig bist und es liebst, über deine Zeiteinteilung und deine Projekte selbst zu entscheiden.
  • manchmal fast ein schlechtes Gewissen hast, dass du für eine Arbeit bezahlt bekommst, die dir so viel Spaß macht.
  • dir spontan an einem Dienstag Vormittag Zeit nehmen kannst, um im Kindergarten deines Sohnes beim Kasperltheater mitzumachen.
  • lieber einer Kundin absagst, als einen freien Tag mit deinen Freunden zu opfern.
  • genug verdienst, um dir und deiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig weißt du, dass es wahrscheinlich nichts wird mit dem Traum vom “seven figure business”.
  • alleine arbeitest und du auch nicht vor hast, mit deinem Business zu wachsen.
  • keine Ahnung hast, wie lange du dein Business noch machen wirst. Am liebsten für immer.

Lesenswert

David Zwilling: Don’t Let Lifestyle Entrepreneurs be a dying breed (Link)

Jenni Kosche – Jenni.works: Lifestyle vs. Growth Business (Link). Eine Unternehmerin, die entdeckt, dass sie womöglich eine Lifestyle Entrepreneurin ist.

Brigitte und Ehrenfried Conta Bromberg: Solopreneur. Alleine schneller am Ziel (Amazon; meine Notizen zum Buch) Nicht jeder Solopreneur ist ein Lifestyle Entrepreneur, aber die meisten Lifestyle Entrepreneure sind Solopreneure.

Seth Godin: The Bootstrapper’s Bible (Link). Wie man ein Business aufzieht, ohne Investoren zu brauchen und sich trotzdem mit den Großen anlegen zu können.

Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital. (Amazon) Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein.

Seth Godin: Das Manifest des Bootstrappers

Kleben Sie dies auf Ihren Badezimmerspiegel und lesen Sie es jeden Abend vor dem Schlafengehen laut vor:

  1. Ich bin ein Bootstrapper. Ich habe Initiative und Einsicht und Mut, aber nicht viel Geld. Ich werde Erfolg haben, weil meine Bemühungen und mein Fokus größere und besser finanzierte Wettbewerber besiegen werden. Ich habe keine Angst. Ich konzentriere mich auf das Wachstum meines Geschäfts – nicht auf Unternehmenspolitik, beruflichen Aufstieg oder andere unnötige Ablenkungen.
  2. Ich werde meine Fähigkeiten einsetzen, um der Keyplayer in jeder Abteilung meines Unternehmens zu werden, und gleichzeitig erkennen, dass die Unterstützung von Experten das Geheimnis meines Erfolgs sein kann. Ich werde ein leidenschaftlicher und intelligenter Benutzer von Technologie sein, um meine zwei wertvollsten Vermögenswerte zu erhalten: Zeit und Geld.
  3. Meine Geheimwaffe ist das Wissen, wie man Bürokratie abbaut. Meine Größe macht mich schneller und flinker als jeder Konkurrent jemals sein könnte.
  4. Ich bin ein Laserstrahl. Ablenkungen werden versuchen, meinen Fokus zu trüben, aber ich werde nicht von meinem erklärten Ziel und Plan abweichen – bis ich sie ändere. Und ich weiß, dass Pläne gemacht wurden, um geändert zu werden.
  5. Ich bin langfristig dabei. Der Aufbau eines Unternehmens, das von Dauer ist, trennt mich vom Opportunisten und ist eine Investition in meine Marke und meine Zukunft. Überleben ist erfolgreich, und jeder Tag, der vergeht, macht es mir noch leichter, meine Ziele zu erreichen.
  6. Ich verspreche, mehr über mein Thema zu wissen als jeder andere. Ich werde lesen und lernen und lehren. Mein größtes Kapital ist der Wert, den ich für meine Kunden durch meine Bemühungen erzeugen kann.
  7. Mir ist klar, dass es für mich auf dem Rückweg schöner ist, wenn ich Menschen auf dem Weg nach oben gut behandle. Ich werde in meinen Geschäften gewissenhaft ehrlich und offen sein und meine Position als furchtloser Bootstrapper nicht nutzen, um unfaire Vorteile zu erlangen. Mein Ruf wird mir folgen, wohin ich auch gehe, und ich werde täglich in ihn investieren und ihn streng schützen.
  8. Ich bin der Außenseiter. Mir ist klar, dass andere mir meinen Erfolg gönnen, und ich werde ihre Hilfe dankbar annehmen, wenn sie mir angeboten wird. Ich verstehe auch die Macht von Gefälligkeiten und werde sie anbieten und gewähren, wann immer ich kann.
  9. Ich habe weniger zu verlieren als die meisten anderen – eine Tatsache, die ich zu einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil machen kann.
  10. Ich bin ein Verkäufer. Früher oder später wird mein Einkommen von den Verkäufen abhängen, und diese Verkäufe können nur von mir getätigt werden, nicht von einem Vertreter. Ich werde verkaufen, indem ich anderen helfe, das zu bekommen, was sie wollen, indem ich Bedürfnisse identifiziere und sie erfülle.
  11. Ich bin eine Guerilla. Ich werde hartnäckig, konsequent und bereit sein, in das Marketing von mir und meinem Unternehmen zu investieren.
  12. Ich werde messen, was ich tue, und mich oder meine*n Lebenspartner*in nicht belügen. Ich werde strikte finanzielle Ziele setzen und meine Leistung ehrlich bewerten. Ich werde mir Grenzen für Zeit und Geld setzen und diese auch nicht überschreiten.
  13. Vor allem werde ich mich daran erinnern, dass die Reise die Belohnung ist. Ich werde jeden Tag lernen und wachsen und genießen.

Quelle: Seth Godin: The Bootstrapper’s Manifesto, https://seths.blog/wp-content/uploads/2013/09/8.01.bootstrappersbible-1.pdf

Übersetzung: Günter Schmatzberger