Es ist alles wahr!

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Das sagte der Ostbahn-Kurti immer, wenn er auf der Bühne wieder mal eines seiner G’schichteln erzählt hat.

Er sagte es mit einem Augenzwinkern, aber trotzdem mit Überzeugung. Als Jugendlicher fand ich das lustig, weil ich es für Selbstironie hielt.

Später bin ich dann drauf gekommen, dass sehr viel Weisheit hinter seinen Worten steckte, und dass er das wahrscheinlich sehr genau wusste.

Mit der Wahrheit ist es nämlich so eine Sache, gerade in Geschichten. Manchmal, z.B. in Märchen, ist die Geschichte an sich nicht „wahr“ im strengen Sinn, aber die Geschichte dahinter, die Botschaft, die „Moral“, die ist sowas von wahr.

Jordan Peterson meinte einmal, dass die großen Geschichten der Weltliteratur wahrer als wahr sind. Natürlich sind sie streng genommen erfunden, aber in ihnen findet sich verdichtet so viel Wahrheit über die Menschen, ihre Sehnsüchte, ihre Schwächen, ihr Ringen mit sich selbst und anderen, dass sie wahr sein könnten.

Gute Geschichten müssen nicht wahr sein. Sie sind wahrhaftig.