Frank Berzbach: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen (2013)

Überlegungen zu den Schönheiten und Schwierigkeiten, mit denen Künstler in unserer wirtschaftlich orientierten Welt zu tun haben.

Gelesen: Dezember 2019 – Jänner 2020

S. 25: „Alltag ist der Bereich, der sich anfühlt, als sei er quasi naturgegeben.”

  • Wir hinterfragen unseren Alltag praktisch nie.
  • Wir können uns gar nicht vorstellen, dass unser Alltag auch anders sein könnte.
  • Den Alltag zu ändern… das ist eine große Leistung und mit großer Anstrengung verbunden.

S. 26: „Manche Leute meinen, indem man das Geschirr abwäscht, löst man das Problem des schmutzigen Geschirrs. Doch das stimmt nicht, das Geschirr wird schon kurz darauf wieder schmutzig sein.” (Bernard Glassman)

  • Probleme wird es immer geben.
  • Wenn wir die Symptome bekämpfen, bleiben doch die Ursachen, die Wurzeln, die dieses Problem immer von Neuem erwachsen lassen.
  • Dagegen anzukämpfen wäre närrisch. Besser ist es, mit Hingabe das Geschirr zu waschen – an jedem einzelnen Tag des Lebens.

S. 30: „Die Hauptprobleme, die wir auf dieser Welt haben, sind nichts anderes als große hässliche Haufen vieler kleinerer, wesentlich banalerer Probleme. Doch letzten Endes nimmt man sich der großen Probleme an, indem man die kleinen angeht.” (Brad Warner)

  • „Das Leben lässt sich also ändern, wenn wir auf die kleinen, scheinbar unwichtigen Aufgaben schauen.” (S. 30)

Kapitel 2: Die Kunst zu arbeiten

  • Das ist wirklich super. Es geht um die Trade-Offs von Künstler und Einkommen.
  • Speziell 2.1 ist ein super Text über Künstler vs. Unternehmer. Könnte auch für viele Künstler im UGP interessant sein. 
  • Eine Abkürzung zur Gabenökonomie?

S. 57: „Der einzige Weg, selbst glücklich zu werden, besteht darin, anderen das Glück zu bringen. Das gilt auch für die Ökonomie, wenn wir den Blick wieder etwas ausweiten. Die Zufriedenheit von Kollegen, Partnern und Auftraggebern fällt unmittelbar auf Sie zurück.” 

S. 87:  „Psychologisch gesehen ist der Mensch ein Selbstfesselungskünstler.” 

  • Das ist ein tolles Bild.
  • Die Fesseln, die wir uns selbst anlegen, sind unsere Upper Limit Challenges.
  • Oder: Wenn wir uns selbst im Weg sind.

S. 105: „Langsam, Tag an Tag, reihen sich aneinander – vergangene Dinge.” (Yosa Buson)

  • Vgl. Ich lerne, und ich lasse los. 

S. 105: „Befassen wir uns mit dem einen Problem, das jetzt vor uns liegt, dann können wir anschließend weitermachen und uns dem nächsten Problem widmen und damit fertig werden. Auf diese Weise lassen sich unsere Probleme lösen, eines nach dem anderen. Einen anderen Weg gibt es nicht.” (Gudo Wafu Nishijima)

  • Das ist die Quintessenz meiner Fokus-Projekte!

S. 107: „Was das Leben so erschreckend macht, ist die Tatsache, dass wir uns unter dem Schutt unserer chaotischen Gedanken begraben lassen. Wir sollten das nicht tun. Bitte üben Sie wirklich.” (Charlotte Joko Beck)

S. 117ff: Über die „unternehmerische Gesellschaft”:

  • „Während der Mensch im Mittelalter seinen festen Platz zugewiesen bekam, können und müssen wir uns diesen heute erarbeiten. Aber auch, wer wir als Mensch sind, ist nicht mehr natürlich oder göttlich festgelegt. Wir müssen uns als Individuum erst einmal selbst erschaffen. Unsere Kultur verlangt lebenslängliche Arbeit an uns selbst.” (S. 117)
  • „Die Gemeinschaft hilft uns dabei nur selten, der Zeitgeist verlangt, dass wir individuell vorgehen.” (S. 117)
  • „Aber wenn alle gezwungen sind, sich abzugrenzen und einzigartig zu erscheinen, entsteht eine verzwickte Situation. Und diese Paradoxie verursacht Leidensdruck.” (S. 118)
  • „Der französische Soziologe Alain Ehrenberg sieht unsere Gegenwart als eine Zeit, ‚die jeden zu persönlicher Initiative auffordert: ihn dazu verpflichtet, er selbst zu werden.‘” (S. 119)
  • „Die Begriffe Projekt, Motivation und Kommunikation sind die beherrschenden Werte unserer Kultur. Sie sind Losungen der Epoche.” (Alain Ehrenberg) (S. 119)
  • „Und nicht nur unsere Produkte müssen vollkommener werden, sondern auch wir selbst. Nicht nur unsere Aufträge, sondern auch uns selbst sehen wir als Projekt.” (S. 120)

S. 146: „Egal, wie erwünscht oder unerwünscht ein Auftraggeber ist, wenn wir den Job übernehmen, müssen wir ihn auch wirklich annehmen. Dann sollten wir die Aufgabe wieder loslassen, damit in uns die Ideen ungestört und unbewusst reifen können. Nur dann kommen die guten Einfälle.”

  • Das gilt sowas von für das UGP: Sowohl für meine Tätigkeit im UGP als Gesamtes, als auch für die Interaktionen mit jedem einzelnen meiner Kunden: Wenn, dann muss ich es wirklich annehmen.

S. 147: Ästhetisches Grundbedürfnis: „Eine schöne Umgebung inspiriert [die Menschen] dazu, ihr Leben ganzheitlicher zu gestalten und intensiver wahrzunehmen wie kostbar die Welt und all ihre Mitmenschen sind. Die Schönheit von Kunst und Natur erinnern uns an die innere Harmonie und an die Pracht, die sich in der Existenz jedes Menschen manifestieren.” (Bernard Glassman)

  • Etwas Schönes resoniert ganz ursprünglich mit jedem Menschen.

Ein wichtiger Teil von Kreativität ist auch, dass man sein Handwerk exzellent beherrscht.

  • Das gilt für mich als Autor.
  • Das gilt für mich als Creator von B41.
  • Das Handwerk exzellent beherrschen

Zum Weiterlesen:

  • Leonard Koren: Wabi-Sabi für Künstler, Architekten, Designer. (2007)
  • Raimon Panikkar: Den Mönch in sich entdecken. (1987)