Gerald Hörhan: Investment Punk (2010) – Version 2021

Ich mag Gerald Hörhans Bücher. Ja, sie sind provokant, und er kommt stellenweise ein bisschen großkotzig rüber. Aber das Buch ist sehr flüssig und unterhaltsam zu lesen, und was er sagt, hat Hand und Fuß. Das kann man längst nicht von jedem Business-Buch sagen.

Eure Konzepte sind überholt

  • „Wenn ihr bei der ökonomischen Gestaltung eures Lebens so weitermacht wie bisher, werden die meisten von euch in absehbarer Zeit unter die Räder kommen. Hundertprozentig. Eure persönlichen wirtschaftlichen Konzepte sind schon jetzt überholt und werden in Zukunft immer weniger funktionieren.“ (S. 10)
  • Wir operieren oft noch mit Konzepten aus dem 20. Jahrhundert, die damals schon schlecht funktioniert haben (oder die wir in Wirklichkeit nie ganz verstanden haben), und die in der Netzwerkgesellschaft des 21. Jahrhunderts endgültig ausgedient haben.
  • Das gilt natürlich auch für Lifestyle Entrepreneure

Bereit sein, ein Punk zu sein

  • „Wer reich werden will, muss bereit sein, ein Punk zu sein.“
  • Gegen den Strom schwimmen. Mutig sein. Aushalten aufzufallen. Nicht das tun, was alle tun, das Offensichtliche.

Berater, die es selbst nicht wissen

  • „Wie ihr investieren sollt, sagen euch später die Vermögensberater, die es selbst nicht wissen, weil sie sonst nicht als Vermögensberater arbeiten würden. Das System betreibt systematisch eure Verdummung in ökonomischen Dingen.“ (S. 15f)
  • Das trifft (leider) mitunter auch auf Gründungsberater zu: Gründungsberater, die noch keinen Tag in ihrem Leben selbständig waren.

Ihr merkt nicht, wie viele von euch zermalmt werden

  • „Ihr merkt nicht, wie viele von euch stolpern und vom Hamsterrad zermalmt werden. Weil ihr nicht hinseht und weil es die Opfer selbst geschickt verschleiern. Sie tun weiterhin so, als wären sie gut drauf.“ (S. 16f)
  • Ja, das betrifft auch die Lifestyle Entrepreneure, die sich auf Social Media super erfolgreich und super happy inszenieren, während sie in Wirklichkeit krachen wie eine Kaisersemmel.

Bildungsbürger

  • „Auch wenn ihr es nicht glauben wollt, weil ihr euch als Bildungsbürger für etwas Besseres haltet: Die naive Masse, das wart schon immer ihr.“ (S. 21)
  • vgl. Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten

Umschauen vs. Nachdenken

  • „Aber ihr denkt nicht nach. Ihr verwechselt Nachdenken mit Umschauen: Ihr schaut euch um, damit ihr wisst, was die anderen tun, und macht es dann möglichst genau nach. Das wirkliche Nachdenken überlasst ihr anderen.“ (S. 21)
  • Nachdenken = 2x um die Ecke denken; wirklich originelle Einfälle haben.
  • Das trifft so zu auf Solopreneure. Viele machen das Offensichtliche und denken nicht mal einmal um die Ecke.

Sympathiewerte

  • „Ich konzentriere mich selten auf meine Sympathiewerte. Das hieße, in meine Schwächen zu investieren. […] Wer auf Sympathie setzt, will es meistens allen recht machen, und am Ende ist er ein Hampelmann.“ (S. 25)
  • Versus: Freund-lich sein als Strategie
  • Ich vermute: Wenn Hörhan von Haus aus sympathischer wäre, wenn das seine Stärke wäre, dann würde er sie sicher für sich nutzen und hätte diesen Absatz anders geschrieben.

Es häufen sich günstige Gelegenheiten

  • „Im Konjunkturtief häufen sich in meiner Branche die Gelegenheiten, und ich war schon immer schlecht darin, interessante Geschäfte auszulassen. Firmen, die in den guten Zeiten die ökonomischen Grundregeln missachtet haben, sind jetzt günstig zu haben.“ (S. 44)

Gute Geschäfte = win-win

  • „Ein gutes Geschäft, und das ist längst auch wissenschaftlich erwiesen, ist immer eines, bei dem am Ende beide Seiten zufrieden sind.“ (S. 46)
  • Nobody wins unless everybody wins. Das gilt ganz besonders für Solopreneure und wie sie ihr Business verstehen (sollten).

Unsinn, wenn ihn alle machen

  • „Ihr erkennt Unsinn nicht als Unsinn, wenn ihn alle machen.“ (S. 48)
  • Wenn es alle so machen, dann muss es doch zum Erfolg führen, oder?
  • Mich erinnert das an breitgetretene „Erfolgsrezepte“ wie die b.school oder die Launch Strategy. Wenn es alle so machen, dann muss es doch auch das Richtige für mich sein. Oder?

Kannst du mit Geld umgehen? (vgl. S. 56)

  • Kannst du mit Geld umgehen?
  • Wie willst du jemals erfolgreich sein, wenn du nicht mit Geld umgehen kannst (= es richtig gebrauchen kannst)?

Falsche Sicherheit

  • „Das ist das beliebteste Produkt.“, „Das machen jetzt alle so.“
  • „Ist es nicht eigenartig, wie sehr euch dieser simple Satz in Sicherheit wiegt?“ (S. 95)
  • vgl. Glaubwürdigkeitsindikatoren

Was wir hören wollen und worauf wir reinfallen

  • „Eure Finanzberater wissen ganz genau, worauf ihr hereinfallt. Sie sagen euch, was ihr hören wollt, und es macht die Sache nicht besser, dass die meisten von ihnen vermutlich selbst daran glauben.“ (S. 97)
  • vgl. all die Online-Coaches und b.school-Absolventinnen

Die verhängnisvolle Kombination aus Gier und Angst

  • „Wenn alle kaufen, weckt das eure Gier. Was die andern haben, wollt ihr auch haben. Ihr habt Angst, dass ihr etwas verpasst.“
  • „Wenn die Kurse fallen, habt ihr Angst, etwas von dem zu verlieren, das alle haben. Je tiefer die Kurse fallen, desto panischer verkauft ihr.“ (S. 101)

Reichtum basiert auf Beharrlichkeit

  • „Reichtum basiert auf Beharrlichkeit, auf dem ständigen Wiederholen von etwas, das funktioniert.“ (S. 116)

Die Entwicklung der eigenen Strategie

  • „Lasst euch bei der Entwicklung eurer eigenen Strategie nicht dadurch frustrieren, dass ihr ganz klein anfangen müsst, während andere über Nacht reich zu werden scheinen. Wenn jemand einmal einen Treffer landet, der wie ein Lottohauptgewinn aussieht, steht in Wahrheit fast immer eine erprobte, beharrlich angewandte Strategie dahinter.“ (S. 119)

Konsum ist keine intelligente Investition

  • „Dabei verwechselt ihr Konsumausgaben auch noch mit Investitionen. Ihr sagt: Ich investiere in eine neue Ledercouch. Oder: Ich investiere in einen neuen Tennisschläger. Es gibt natürlich mehr oder weniger intelligente Arten zu konsumieren, aber: Konsum ist niemals eine intelligente Investition.“ (S. 136)

Die Konsumpyramide

  • Je mehr wir verdienen, desto mehr Geld geben wir auch wieder aus. Nämlich für Konsum. Mit unserem Gehalt wachsen auch unsere Wüsche. Weil wir auch das haben wollen, was die anderen haben: tollen Neuwagen, große Wohnung, teurer Urlaub im Luxushotel etc. Dahinter steckt ein System – die Konsumpyramide.
  • „Die Konsumpyramide definiert fast alle eure privaten Ausgaben.“ (S. 134)
  • „Die Konsumpyramide hat nur einen Zweck: Euch das im Hamsterrad erstrampelte Geld wieder aus der Tasche zu ziehen.“ (S. 138)
  • „Denn das System sorgt dafür, dass ihm immer genau das Leben habt, das ihr euch gerade nicht leisten könnt. Es wird nach oben hin nie besser, und wie es ganz oben ist, findet ihr ohnehin nie heraus. Es geht euch in Wirklichkeit nie besser als damals, als ihr noch nichts hattet. Es geht euch sogar eher schlechter, weil ihr damals wenigstens noch die Hoffnung hattet. Weil ihr dachtet, dass es stimmt: Dass ihr umso glücklicher sein werdet, je weiter nach oben ihr es in der Konsumpyramide schafft.“ (S. 138f)

Der L-Faktor (S. 145ff)

  • L wie Lebensqualität
    • Beispiel: Der Preisunterschied zwischen einem neuen Porsche und einem gebrauchten ist substanziell, der Unterschied im L-Faktor ist aber gering.
    • „Es gibt praktisch keinen Unterschied an L-Faktor zwischen einem neuen und einem gut erhaltenen gebrauchten Golf.“ (S. 148)
    • Für mich gilt das auch ganz stark für gebrauchte Bücher.
  1. Der L-Faktor ist ein individueller Wert, das heißt, jeder Mensch kann ihn nur für sich definieren.
    • Und: Er ist auch in verschiedenen Bereichen unterschiedlich. Ich lege keinen Wert auf teure Neuwagen, aber ich will mir den besten Tee leisten.
  2. Der L-Faktor ist grundsätzlich etwas Positives.
  3. Der L-Faktor kostet Geld.
  4. Die Konsumkonventionen der Mittelschicht bieten wenig L-Faktor für viel Geld.
  5. Wer gegen diese Konventionen rebelliert, kann für wenig Geld viel L-Faktor bekommen.
  • „Durch Kreativität und Geschick lässt sich mindestens ebensoviel L-Faktor gewinnen wie durch Geld.“ (S. 153)

Reiche Menschen kümmern sich um ihre eigenen Angelegenheiten

  • „Ihr kümmert euch ständig um die Angelegenheiten anderer Leute. Reiche Menschen kümmern sich um ihre eigenen.“ (S. 155)

Selbständigkeit ist vom System gar nicht gewollt

  • „Selbständigkeit wäre die beste Möglichkeit, von denen, die nichts haben, zu denen, die viel haben, aufzusteigen. Aber wenn ihr das tut, strampelt ihr nicht mehr brav im Hamsterrad. Das System hat deshalb kein Interesse daran, dass ihr euch selbständig macht.“ (S. 161)
  • „Jungunternehmerförderungen staatlicher Stellen sind wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Die meisten Förderungen sind dermaßen bürokratisch, dass sie Jungunternehmern bloß die Energie für ihr eigentliches Geschäftsmodell rauben.“ (S. 161)

Jungendliche wollen nicht selbständig werden

  • „Fragt einmal Jungendliche, ob sie Unternehmer werden wollen. Sie wollen nicht. Zu gefährlich. Zu anstrengend. Zu viel Verantwortung. Selbständige gelten unter euch zumindest als Steuerhinterzieher, die erschlichenes Vermögen auf Karibikinseln horten.“ (S. 164)
  • „Wenn sich einer von euch selbständig macht und Misserfolg hat, gilt er als Versager. Wenn er es schafft, gilt er als Arschloch.“ (S. 164)

Rechnen können – und wollen

  • „Die Drehbücher, die Wirtschaftskapitäne schreiben, bestehen aus Zahlen.“ (S. 165)
  • „Ihr braucht keine besondere mathematische Begabung. Für ein wirtschaftlich erfolgreiches Leben reichen simple Additionen, Subtraktionen, Multiplikationen und Divisionen. Um eure eigenen ökonomischen Drehbücher zu schreiben, müsst ihr nicht besser rechnen können […].“ (S. 166)
  • „Ihr braucht es nicht extra zu lernen. Ihr müsst nur positiv dazu stehen und es einfach tun.“ (S. 166)

Ein wacher Geschäftssinn

  • „Ein wacher Geschäftssinn ist die Grundlage jedes Vermögens.“ (S. 173)
  • „Ihr vernachlässigt euren Geschäftssinn. Gelegentlich erkennt ihr eine Geschäftsidee vielleicht sogar, macht aber nichts daraus. Ihr denkt vielleicht: Das wäre doch was! Aber mehr als ein Bonmot bei einer Unterhaltung wird nie daraus. Wird der Geschäftssinn vernachlässigt, schläft er irgendwann ein.“ (S. 166)
  • In Krisenzeiten erwacht der Geschäftssinn!

Unternehmer haben steuerliche Vorteile beim Aufbau ihres Vermögens

  • „Unternehmer haben steuerliche Vorteile beim Aufbau ihres Vermögens. Als Angestellte müsst ihr euer Einkommen zuerst versteuern, und was übrig bleibt, könnt ihr investieren. Ein Unternehmer investiert zuerst und versteuert dann den Rest.“ (S. 175)
  • DAS muss ich auch kapieren, was SILBE betrifft. Was ich in SILBE investiere (= tatsächliche Investments), das investiere ich steuerschonend!

Die Ängste vor dem Unternehmertum sind Phantomängste

  • „Eure Ängste vor dem Unternehmertum sind allesamt Phantomängste. Sie sind entstanden, weil sich eure Eltern zu Hause beim Essen nur über Karrierechancen, mächtige Chefs und böse Kollegen unterhalten haben, statt darüber, wie und wo man gute Geschäfte machen könnte und wer gerade mit welchem Geschäftsmodell viel verdient.“ (S. 179)

Business-Härte

  • „Voraussetzung für Selbständigkeit ist auch die Fähigkeit zu einer gewissen Härte. Härte ist kein schlechter Charakterzug, sondern eine gute unternehmerische Eigenschaft.“ (S. 182)
  • „Ich will zu denen gehören, die auf dieser Liste [der bevorzugten Gläubiger] ganz oben stehen. Es zahlt sich aus, hier Energie und Ideen zu investieren. Nur am Anfang war das anstrengend, als ich mir den Ruf, hart und konsequent zu sein, erst aufbauen musste. Wen man ihn einmal hat, spart man sich allerdings neunzig Prozent aller Unannehmlichkeiten. Mein Prinzip dabei ist einfach: Ich selbst halte Wort. Wenn mich jemand bescheißt, werde ich unangenehm. Das ist eine Frage der Philosophie.“ (S. 183f)
    • Ich selbst halte Wort. Ich bin integer.
    • Deshalb erwarte ich, dass du auch Wort hältst. Wenn du es nicht tust, dann ändern sich die Spielregeln. Dann werde ich ungemütlich. Dann ist es vorbei mit meiner Freundlichkeit.

Freiheit ist der größte Luxus

  • „Luxus macht nicht glücklich, aber Freiheit tut es sehr wohl. Wer schlafen, arbeiten, essen gehen und Urlaub machen kann, ohne seinen Chef fragen zu müssen, wer wohnen und leben kann, wie er will, ohne an seinen Banker denken zu müssen, wer keinem Dresscode und keinem Zeiterfassungssystem mehr unterliegt […]. Das verändert die Lebensqualität mehr als alles andere.“ (S. 186)

Meine Notizen zu diesem Buch aus 2013