Günter Faltins Entrepreneurship Masterclass 2022/23 🙋‍♂️

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Masterclass 2022/23 — Info-Veranstaltung

  • Gibt es irgendwas, das uns daran hindert zu gründen? “Nein, ich sage, es gibt nichts.”
  • Was uns hindert, sind die Bilder von Unternehmern. Die alten Bilder genauso wie die neuen.
    • Nach dem Motto: “Das ist nichts für Frauen. Das ist auch nichts für sensible Männer.”
    • “Diese Bilder sind alle falsch.” Trotzdem sind diese Bilder tief in unserem Gehirn verwurzelt.
    • Wenn wir so sind, wie wir sind, dann ist das überhaupt kein Hindernis bei der Gründung. Im Gegenteil. Die Wirtschaft würde viel mehr Sensibilität vertragen.
    • Auch die neuen Bilder taugen wenig. In den Medien kommen extrovertierte Unternehmer vor, meist aus dem Silicon Valley, und auch die Skandale in Unternehmen.
  • Das Ziel wäre, das Verhältnis 80% scheitern, 20% sind erfolgreich umzudrehen: 80% schaffen es, 20% scheitern.
  • Man muss sich gut vorbereiten, denn: “Zweifellos ist Entrepreneurship ein riskantes Gebiet.”
  • Wenn man Beratung sucht, dann braucht man einen Berater, der nicht nur weiß, wie man es macht, sondern der es auch selbst gemacht hat.
    • Faltin nennt das Beispiel Hochseil: Wie man auf einem Hochseil läuft, ist relativ einfach erklärt: “Die Balance halten. Das können Sie an die Tafel schreiben, die Formel für Balance.”
    • Die Formel ist auch richtig. Das Problem ist auch nicht die Formel, sondern das Problem ist die Höhe. 20 Meter über dem Boden “sind Sie aufgeregt, da haben Sie Angst — und zwar völlig zurecht”. Man muss lernen, unter Stress die Aufgabe zu bewältigen.
    • “Ich sage Ihnen, es ist gut, wenn man einen Coach hat, der selbst über das Hochseil gelaufen ist.
    • “Wenn Ihnen jemand erzählt, wie Gründen geht, und das sind alle… Alle wissen, wie Gründen geht. Das ist das Verrückte an diesem Thema. Alle wissen, wie es geht. […] Die wenigsten haben es selber gemacht, und noch weniger sind damit erfolgreich. Vergessen Sie diese Leute! Hören Sie nicht mehr hin. Sagen Sie: “Gründe doch selber! Du weißt es ja, wie es geht. Gründe doch und dann melde dich wieder, dann bin ich gespannt, was du sagst.” “
  • Gründen ist “eine gewaltige Anstrengung”. Man macht sich viele Gedanken, hat Sorgen, hat schlaflose Nächte. Natürlich, das gehört dazu.
    • Eine Anstrengung tut auch weh. Anstrengung ist anstrengend — das lässt sich nicht wegdiskutieren. Vgl. Wolf Lotter: Strengt euch an!
    • Aber: Anstrengung lässt sich machen, und Anstrengung lässt sich aushalten.
  • Was muss denn mit meiner Person passieren, damit ich diese gewaltige Anstrengung leiste? → “Stimmig zur Person” → “Wer das tut, was man gerne tut, braucht sein Leben lang nicht zu arbeiten.”
    • ⇒ Wir müssen herausfinden: Was machen wir denn gerne? Was fällt uns denn leicht? Wo liegen unsere Stärken?
    • ⇒ Arbeitstyp; Lerntyp
    • ⇒ “Die Stärken beflügeln.”
  • Die low hanging fruits in der Startup-Szene “sind größtenteils abgeerntet”. Wir müssen uns ein bisschen mehr anstrengen.
  • An Ideen zu “kneten”, das kann man üben. Das ist ein gutes Stück Fingerfertigkeit oder “Gedankenfertigkeit”. Dafür gibt es auch gute Methoden, gerade unter den Kreativitätstechniken.
  • Es reicht ein Treffer! “Das ist die Chance beim Entrepreneurship.”
  • Wer sein Ideenkind in die Welt setzen möchte, braucht viel Eigeninitiative. Es gibt viel Unterstützung, viele Initiativen, viele Methoden, viel Wissen in der Crowd, aber man muss sich selbst drum kümmern.
  • Was ein gutes Entrepreneurial Design leisten muss:
    1. Klare Martvorteile herausarbeiten
      • Marktvorteile müssen nicht nur bestehen, sondern diese Marktvorteile müssen auch klar und rasch erkennbar sein.
    2. Einen Vorsprung vor Imitatoren sichern
    3. Vor technischer Obsoleszenz schützen
    4. Vor wirtschaftlicher Obsoleszenz schützen
    5. Den Finanzierungsaufwand minimieren (um nicht abhängig zu werden von Kapitalgebern)
      • VC kümmern sich nicht um “stimmig zur Person”, und damit steigt auch die Chance auf Scheitern.
    6. Das Marketing muss integraler Bestandteil des Entrepreneurial Design werden.
    • Das ist alles nicht einfach. Jeder einzelne dieser sechs Punkte ist nicht einfach, geschweige denn alle sechs zusammen. Niemand kann das auf Anhieb gut, es kochen alle nur mit Wasser. Aber wenn der Anspruch hoch ist, dann könnte das Ergebnis besser sein als jenes von Gründungen, die sich mit Entrepreneurial Design gar nicht auseinander setzen.
    • ⇒ Ein gutes Konzept ist sehr anspruchsvoll. Deswegen spricht Faltin auch immer von einem “Marathon”.
    • “Es ist ein Gesamtkunstwerk, an dem man hart arbeiten muss.” Man braucht wirklich überzeugende Argumente.
    • Die meisten starten, sobald sie ein paar Puzzleteile zusammen haben. Aber sie haben noch nicht das gesamte Puzzle. Sie wissen nicht, was eigentlich raus kommen soll. “Bevor das Puzzle nicht richtig zusammengesetzt ist, sollten Sie auch nicht gründen.”
  • “Eine große Hilfe haben wir”: Gründen mit Komponenten. Wir können heranziehen, was es schon gibt. Das ist preiswerter und professioneller. Und schneller.
  • Faltin hört im Jahr ca. 200 Konzepte. “Es ist ganz selten, dass jemand mit einem wirklich guten Konzept kommt.” Meistens fehlt schon der erste Punkt, klar erkennbare Martvorteile — “geschweige denn die anderen Punkte”.
    • Das bedeutet einerseits, dass die Latte nicht sehr hoch liegt. Mit nur ein bisschen mehr Konzeptarbeit kann man sehr schnell ein überdurchschnittliches Konzept erarbeiten. (Überdurchschnittlich heißt aber noch nicht “gut”!)
    • Andererseits bedeutet es auch, dass das Scheitern den meisten Gründungen von Anfang an innewohnt. Weil das Konzept von Anfang an schlecht ist (und auch nicht besser wird über die Zeit).
    • 98 Prozent der Konzepte sind wenig durchdacht. Der Betreffende hat sich in das Konzept verliebt und glaubt, es sei großartig.”
  • Faltin über die Crowd: “Je länger ich dabei bin, desto mehr setze ich das auch ein.” Die Crowd ist “ein ganz entscheidender Hebel” bei der Entwicklung eines guten Konzepts.
  • Ein Beleg dafür, dass die Scheiternskultur in Kontinentaleuropa nicht so schnell kommen wird: Man braucht sich nur das Insolvenzrecht in Deutschland (und Österreich) anschauen.
    • “Scheitern hinterlässt Narben. Ist eine schlimme Geschichte. Bitte nicht scheitern. Bitte nicht scheitern, sondern mit der Crowd arbeiten: Testen, testen, testen.”
    • Es ist besser, bei der Konzepterstellung, beim Testen zu “scheitern” und nicht am Markt.
  • Wer ein gutes Konzept hat, braucht sich um Investoren keine Sorgen machen. Nicht er muss sich Investoren suchen, sondern Investoren werden Schlange stehen, weil jeder in ein gewinnbringendes Vorhaben investieren will.
  • Zu gründen “macht lebendig”. “Das macht auch andere Persönlichkeiten aus Ihnen.” Man geht anders mit seinem Leben um. “Sie werden viel kompetenter” in vielerlei Skills. Gründen bringt eine andere Lebensqualität.
    • Gründer “sehen sogar besser aus. Die haben eine andere Ausstrahlung.”
    • Deswegen spricht Faltin auch von Ideenkindern. “Kinder machen einen auch lebendig. Und Kinder sind nicht immer einfach.”
  • “Machen Sie mit! Es ist eine einmalige Chance. Es lohnt sich.”

„Kick-Off“ der Masterclass 2022/23

  • Ziel ist nicht Selbständigkeit (= machen, was alle machen). Denn das funktioniert nicht. Man arbeitet viel und landet doch im Prekariat.
    • Unser Interesse hier kann nicht sein, kleine überlastete, überarbeitete Selbständige zu produzieren.”
  • Ziel ist Entrepreneurship. Innovation im Sinne von Schumpeter. Etwas besser machen.
  • Und das Innovative ist nicht ein Alleinstellungsmerkmal, sondern möglichst viele Alleinstellungsmerkmale. Die Gründung muss auf vielen Füßen stehen, nicht nur auf einem Bein.
  • Gründer-Teams haben einen Honeymoon. Jeder, der allein gearbeitet hat und dann in ein Team kommt, ist begeistert. Der Austausch! Die Ideen! Das Gemeinschaftsgefühl! Es ist viel angenehmer in einem Team zu arbeiten als alleine. Aber: Der Honeymoon geht auch wieder zu Ende. Hält die Partnerschaft auch, wenn die Probleme kommen?
  • Arbeitsteilung: Ja, unbedingt! Sonst wirst du zum kleinen überarbeiteten, überforderten, überlasteten Selbständigen. Aber Arbeitsteilung lässt sich auch anders herstellen als mit einem Gründer-Team (Stichwort: Gründen mit Komponenten).
  • Die deutsche BWL ist entstanden, weil Großunternehmen entstanden sind (ab 1880). Man kann eine AEG nicht mit Daumenregeln leiten. Aber kleine Unternehmen, die kann man sehr wohl mit Daumenregeln führen.Dafür braucht man kein BWL-Studium.
  • Vergleich mit dem Zehnkampf: Wenn ich in einer Disziplin sehr gut oder sogar herausragend bin, kann ich in anderen Disziplinen schlechter sein und trotzdem gewinnen.
    • Wir können in der Disziplin „Management“ nicht so mithalten wie die Großen. Wir können vor allem in der Disziplin „Kapital“ nicht mithalten mit den Großen. Wie man es auch dreht und wendet: Die Chance der Kleinen liegt im Konzept. Da können wir besser, ja sogar deutlich besser als die Großen sein. („David gegen Goliath“)
    • “Versuchen Sie nie, als David die Rolle des Goliath zu spielen. Das wird schief gehen. Da gehen Sie kaputt!”
  • Das Konzept fällt nicht vom Himmel. Wir werden kreativ im Dialog und im Austausch — mit unserer Umwelt, mit anderen Ideen, mit anderen Menschen. Praktisch jedes Konzept wird verbessert, wenn man es (im Rahmen der Masterclass) mit anderen Gründern bespricht und die Weisheit der Crowd anzapft.
  • Wenn ich ein gutes Konzept habe, funktioniert auch Bootstrapping. “Bootstrapping ist eine gute Alternative” und heißt nicht unbedingt, dass man ein kleiner Selbständiger bleiben muss. Bootstrapping bedeutet, um eigenen Umfeld anzufangen und da Begeisterung zu schaffen.
  • Ein wirklich gutes Konzept ist mehr als ein Einfall. Ein gutes Konzept “ist ein Marathon, ist Sisyphos”.
  • In der Gründungsberatung wird “mit einer unglaublichen Überzeugung” vorgetragen, wie es geht. Wie kann es dann sein, dass 80-90% der Gründungen scheitern?
  • Ich habe eine Idee — was ist der nächste Schritt? “Ich brauche Kapital, ist doch klar!” “Ich brauche ein Team, ist doch klar!” Nein, da gibt es sehr wohl Alternativen!
  • VC sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-ups erfolgreich ist. Die Politik ist zufrieden, wenn eine von zehn Subventionen nachhaltig ist. Die haben ihre ganz eigene Logik. Die haben ganz eigene Interessen. Denen ist es wurscht, welcher der zehn erfolgreich ist. Denen geht es nicht um die Menschen dahinter. Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht Erfolgreichen zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Aber um die scheren sich VC und Politik recht wenig. Deswegen “ist meine Ehrfurcht vor denen nicht sehr groß”.
  • “Was gibt es denn noch nicht?” ist keine gute Frage. Denn es gibt eigentlich schon alles und in allen Facetten. Und eine neue Idee “in den Markt zu schieben” ist eine teure Angelegenheit. Und: Wozu etwas machen, was kein Mensch braucht?
  • Eine geeignetere Frage ist: Was kann ich tun, um die Probleme der Zeit zu lösen?
    • Vgl. Otto Scharmer: Landebahnen der Zukunft; leading from the future as it emerges.
    • “Wir haben eine Riesenauswahl an Problemen, auf die wir rasch gute Antworten brauchen.” Also nicht irgendwas erfinden, das keiner braucht, sondern den Rückenwind der Zeit nützen und aktuelle Probleme lösen.
    • ⇒ “Go for a cause!” Sich mit Problemen beschäftigen, für die es sich auch lohnt, seine Lebenszeit einzusetzen!
  • Der Ausgangspunkt der Ökonomie war immer, dass man als Unternehmen “gemeinnützig” ist. Dass man etwas tut, das für die Gemeinschaft nützlich ist. Dann ist auch gar nichts Unmoralisches dabei, damit Geld zu verdienen. Unmoralisch ist es eher, Geld verdienen zu versuchen mit etwas, das keiner braucht und eigentlich auch keiner haben will.
  • Die große Vision, „die Sie vom Stuhl reißen sollte“: Den Rest seines Lebens etwas tun, das man gerne tut. Nie wieder zu arbeiten. Die eigenen Ideenkindern entwickeln und dabei das tun, was man gern macht — und den Rest abgeben. Das ist die große Chance, die wir heute (erstmalig) haben: Beschäftigung im positiven Sinne.

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