­čôÖ Ichiro Kishimi / Fumitake Koga: Du musst nicht von allen gemocht werden (2019)

Ein hervorragendes Buch ├╝ber die Psychologie des ├ľsterreichers Alfred Adler, geschrieben von zwei Japanern. Eine echte Entdeckung.

Gelesen: J├Ąnner 2021

Lebensstil:

  • „Der Lebensstil bedeutet die Ausrichtung des Denkens und Handelns im Leben. […] Wie jemand die Welt sieht. Und wie er sich selbst sieht. Denken Sie sich den Lebensstil als ein Konzept, das diese Wege, Bedeutungen zu finden, miteinander vereint.“ (S. 50)
  • Um genauer zu sein: Lebensstil ist „die Art und Weise, wie man sich das eigene Leben w├╝nscht.“ (S. 51)
  • „In der Adler’schen Psychologie stellt man sich Lebensstil [..] als etwas vor, wof├╝r man sich entscheidet.“ (S. 51)┬á
  • Das ist nat├╝rlich ein ganz spannendes Konzept f├╝r die Lifestyle Entrepreneurship Studies – steckt ja schon im Namen, und hat so viele aufregende Aspekte!

Alle Probleme sind zwischenmenschliche Beziehungsprobleme

  • „Das ist eine Vorstellung, die die Grundlage der Adler’schen Psychologie bildet. Wenn alle zwischenmenschlichen Beziehungen aus dieser Welt verschwunden w├Ąren, was hei├čt, wenn man allein im Universum w├Ąre und alle anderen Menschen nicht mehr da, w├╝rden alle Arten von Problemen verschwinden.“ (S. 72)
  • Weil das aber nicht geht, werden wir immer Probleme haben.
  • „So etwas wie eine Sorge, die ausschlie├člich durch das Individuum definiert ist, die nur von innen kommt, gibt es nicht. Welche Art von Sorge auch entstehen mag, der Schatten der anderen ist dabei immer pr├Ąsent.“ (S. 73)
    • z.B. weil wir uns mit anderen vergleichen
    • z.B. weil wir uns sorgen, was andere von uns denken
    • z.B. wenn wir uns um unsere Familie sorgen
    • Es geht immer um den Status, den wir im Gef├╝ge unserer Mitmenschen einnehmen.
  • Wir alle leiden an unseren zwischenmenschlichen Beziehungen!

Das Leben ist kein Wettbewerb

  • „Es gen├╝gt, sich einfach nur immer weiter vorw├Ąrtszubewegen, ohne im Wettstreit mit jemand anderem zu liegen. Und nat├╝rlich gibt es keinen Grund, sich mit anderen zu vergleichen.“ (S. 95)
  • „Ein gesundes Minderwertigkeitsgef├╝hl entsteht nicht aus dem Vergleich mit anderen, sondern aus dem Vergleich mit seinem eigenen Ideal von einem selbst.“ (S. 95)
  • „Ich habe mich von den Orten zur├╝ckgezogen, wo es um Gewinnen und Verlieren geht. Wenn man versucht, man selbst zu sein, wird einen der Gedanke an Wettbewerb unweigerlich behindern.“ (S. 97)
    • Das ist SO ein wichtiger Gedanke! (Findet auch Derek Sivers)

Notwendigkeit nach Anerkennung wird geleugnet

  • Die Adler’sche Psychologie „leugnet die Notwendigkeit, nach Anerkennung von anderen zu suchen. […] Es gibt keine Notwendigkeit, von anderen anerkannt zu werden. Genau genommen darf man auch keine Anerkennung suchen. Dieser Punkt kann gar nicht genug betont werden.“ (S. 137)
  • Anerkennung hilft einem nicht dabei weiter, man selbst zu werden.
  • Denn: „Wir sind nicht auf der Welt, um die Erwartungen der anderen zu erf├╝llen.“ (S. 139)

Aufgabentrennung

  • = man mischt sich nicht in die Aufgaben anderer ein; vgl: Wem „geh├Ârt“ das Projekt?
  • „Im Allgemeinen werden alle Beziehungsprobleme dadurch verursacht, dass man sich in fremde Aufgaben einmischt oder zul├Ąsst, das sich andere in die eigenen einmischen. Eine Aufgabentrennung durchzuf├╝hren gen├╝gt, um die zwischenmenschlichen Beziehungen dramatisch zu ver├Ąndern.“ (S. 145)
  • „Wenn es ums Lernen geht, sagt man [dem Kind], dass dies seine Aufgabe ist, und macht ihm klar, dass man es unterst├╝tzt, wann immer es selbst lernen m├Âchte. Aber man darf sich nicht aufdr├Ąngen. Wenn keine Bitten kommen, w├Ąre es nicht richtig, sich ungefragt in die Aufgaben des Kindes hineinzudr├Ąngen.“ (S. 147)
    • vgl. If people don’t wish to be helped, leave them alone!
    • Das gilt auch f├╝r Gr├╝nder*innen: Ich helfe gerne, aber ich dr├Ąnge mich nicht auf.
  • Leitspruch: „Man kann ein Pferd zur Tr├Ąnke f├╝hren, aber saufen muss es selbst.“
  • „An der Trennung der Aufgaben ist nichts Egozentrisches. Sich in die Aufgaben anderer einzumischen ist jedoch im Grunde eine egozentrische Art zu denken. Eltern zwingen ihr Kind zu lernen; sie mischen sich in sein Leben und seine Wahl des Ehepartners ein. Das ist nicht anderes als eine egozentrische Denkweise.“ (S. 166)

Weisen Sie die Aufgaben der anderen zur├╝ck!

  • „Das ist der erste Schritt dazu, die Last zu reduzieren und das Leben einfacher zu machen.“ (S. 151)
  • „Sich in die Aufgaben anderer einzumischen und diese zu ├╝bernehmen verwandelt das eigene Leben in etwas Schweres und M├╝hsames.“ (S. 151)
  • „Markieren Sie in aller Ruhe eine Grenze, bis zu welchem Punkt die eigenen Aufgaben gehen und von wo an es die Aufgaben von jemand anderen werden. Greifen Sie einerseits nicht in die Aufgaben anderer ein und erlauben Sie es andererseits auch wirklich niemandem, in Ihre eigenen einzugreifen. Das ist ein besonderer und revolution├Ąrer Standpunkt, der nur in der Psychologie Adlers vorkommt und das Potenzial enth├Ąlt, die Probleme in den eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen vollkommen zu ver├Ąndern.“ (S. 155f)

Alles, was wir tun k├Ânnen

  • „Alles, was man in Hinsicht auf sein eigenes Leben tun kann, ist, den besten Weg zu w├Ąhlen, an den man glaubt. Welches Urteil andere Menschen ├╝ber diese Wahl f├Ąllen, steht auf einem anderen Blatt. Das ist deren Aufgabe – und Sie haben keinen Einfluss darauf.“ (S. 153)

Angemessenen Abstand wahren

  • „Wenn man zum Beispiel ein Buch liest und es sich zu nahe vors Gesicht h├Ąlt, kann man nichts erkennen. Genauso verlangen gute zwischenmenschliche Beziehungen einen gewissen Grad an Abstand. Wenn der Abstand zu klein wird und die Menschen zusammenkleben, wird es unm├Âglich, ├╝berhaupt noch miteinander zu reden. Aber der Abstand darf nat├╝rlich auch nicht zu gro├č werden.“ (S. 159)
  • „Man sollte bereit sein, eine Hand zu reichen, wenn sie gebraucht wird, aber nicht auf das Territorium der anderen Person ├╝bergreifen. Es ist wichtig, diese Art angemessenen Abstand zu wahren.“ (S. 159)

Niemand m├Âchte, dass man ihn nicht mag

  • „Es ist sicherlich unerfreulich, nicht gemocht zu werden. Wenn es m├Âglich w├Ąre, w├╝rde man gerne leben, ohne von irgendjemanden abgelehnt zu werden.“ (S. 170)
  • „Aber sehen Sie es einmal so: Was sollte man denn tun, um zu verhindern, dass es Menschen gibt, die einen nicht m├Âgen? Es gibt nur eine Antwort: Man muss sich st├Ąndig auf die Gef├╝hle anderer einstellen und versuchen, es ihnen allen recht zu machen. Bei zehn Personen muss man es zehn Leuten recht machen.“ (S. 165)
  • „Wenn man in einer solchen Weise lebt, um die Erwartungen der anderen zu erf├╝llen, und man sein Leben damit anderen ├╝berl├Ąsst, bel├╝gt man sich selbst, was am Ende dazu f├╝hrt, dass man am Ende auch die anderen bel├╝gt.“ (S. 166)

Freiheit besteht darin, von anderen Menschen nicht gemocht zu werden

  • „Es beweist, dass man seine Freiheit praktiziert und in Freiheit lebt, und es zeigt, dass man in Einklang mit seinen eigenen Prinzipien lebt.“ (S. 170)
  • Sich so zu verhalten, dass man von allen gemocht wird (oder das anstrebt), f├╝hrt zu einem extrem unfreien Leben.
  • „Es kostet etwas, wenn man seine Freiheit leben will. Und der Preis f├╝r die Freiheit in zwischenmenschlichen Beziehungen ist, von anderen Menschen vielleicht nicht gemocht zu werden.“ (S. 170)
  • „Man macht seine Schritte einfach, ohne die M├Âglichkeit zu f├╝rchten, dass jemand einen nicht m├Âgen k├Ânnte. […] Das ist menschliche Freiheit.“ (S. 172)
  • „Haben Sie keine Angst davor, nicht gemocht zu werden. […] Man trennt nur die Aufgaben. Da mag es jemanden geben, der nicht gut ├╝ber sie denkt, aber das ist nicht Ihre Sache.“ (S. 171)
  • „Dass ich nicht gerne abgelehnt werden m├Âchte, ist wohl meine Sache, aber ob Soundso mich mag oder nicht, ist die Sache der anderen Person. […] Nat├╝rlich macht man sich die M├╝he, das Pferd zur Tr├Ąnke zu f├╝hren. Doch ob es s├Ąuft, liegt nicht an uns.“ (S. 172)
    • Nat├╝rlich bin ich freundlich. Das ist meine Sache. Aber ob jemand mich mag, ist nicht meine Sache. Freundlich zu sein, ist meine Aufgabe, und die erf├╝lle ich, so gut ich eben kann.
  • „Der Mut zum Gl├╝cklichsein beinhaltet auch den Mut, nicht gemocht zu werden. Wenn Sie diesen Mut erlangt haben, werden Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen auf einmal ganz leicht werden.“ (S. 173)

Ermutigung

  • „Man lobt nicht, und man tadelt nicht. Diese Art der Unterst├╝tzung, die auf horizontalen Beziehungen basiert, hei├čt bei Adler „Ermutigung“.“ (S. 213)
  • „Wenn man seine Aufgaben nicht zu Ende bringt, liegt das nicht daran, dass man unf├Ąhig ist. In der Psychologie Adlers hei├čt es, dass es hier nicht um Unf├Ąhigkeit geht, sondern einfach darum, dass man „den Mut verloren hat, sich seinen Aufgaben zu stellen“. Und wenn das der Fall ist, muss man zuallererst zu diesem Mut zur├╝ckfinden.“ (S. 213)
  • Er-mut-igung = jemanden zu seinem Mut zur├╝ckf├╝hren

Nicht loben!

  • Stattdessen sagen: Danke! Ich bin froh! Das hat mir geholfen!
  • Keine Beurteilung, sondern Selbstoffenbarung. Etwas von sich erz├Ąhlen, von der Auswirkung auf mich, nicht den anderen beurteilen.
  • Man lobt, um zu manipulieren!
  • „Das Wichtigste ist, andere Menschen nicht zu beurteilen. Das Wort Beurteilung stammt aus einer vertikalen Beziehung. Wenn man eine horizontale Beziehung aufbaut, wird man direkte Worte der Dankbarkeit, des Respekts und der Freude w├Ąhlen.“ (S. 215)
  • Wer bin ich, dass ich einen anderen Menschen beurteile? Und: Ich will ja auch nicht von anderen Menschen beurteilt werden.
  • „Wenn man Worte des Dankes h├Ârt, wei├č man, dass man etwas f├╝r die andere Person getan hat“ (S. 216)

Ich bin f├╝r jemanden hilfreich!

  • Wenn wir dieses Gef├╝hl haben, „haben wir schlie├člich ein wahres Gef├╝hl von unserem eigenen Wert.“ (S. 217)
  • F├╝r jemanden anderen hilfreich sein, das gibt dem eigenen Leben Sinn.
    • vgl. Peter Drucker: Frag dich nicht, wie du erfolgreich wirst. Frag dich, wie du hilfreich wirst.
    • War Drucker von Adlers Psychologie beeinflusst, oder sind beide ├ľsterreicher auf verschiedenen Wegen zur gleichen Schlussfolgerung gelangt?
  • „Betrachtet man die Dinge auf der Ebene des Seins,  sind wir f├╝r andere von Nutzen und haben Wert, einfach weil wir hier sind.“ (S. 220)

Horizontale oder vertikale Beziehungen

  • Man muss das eine oder das andere w├Ąhlen: Entweder horizontale oder vertikale Beziehungen.
  • „Wenn Sie auch nur eine vertikale Beziehung zu jemandem aufbauen, werden Sie, bevor Sie ├╝berhaupt merken, was da vor sich geht, alle Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen als vertikale f├╝hren.“ (S. 226)
  • „Wenn man es geschafft hat, zu wenigstens einer Person eine horizontale Beziehung aufzubauen – wenn man eine Beziehung als Gleichgestellte  im wahren Sinne des Wortes aufbauen konnte -, bedeutet das eine gro├če Umstellung im Lebensstil. Nach einem solchen Durchbruch werden alle zwischenmenschlichen Beziehungen nach und nach horizontal.“ (S. 226)

Uns fehlt nur der Mut!

  • „Es fehlt uns nicht die F├Ąhigkeit. Uns fehlt nur der Mut. Am Ende geht es nur um Mut.“ (S. 239)

Engagement f├╝r andere macht man f├╝r sich selbst

  • „Engagement f├╝r andere [hat] weniger damit zu tun, das „Ich“ loszuwerden und f├╝r jemand anderen von Nutzen zu sein als viel mehr damit, etwas zu tun, um sich des Wertes des „Ich“ wirklich bewusst zu werden.“ (S. 249)
  • „Arbeit ist kein Mittel, um Geld zu verdienen. Arbeit ist das, wodurch wir anderen etwas geben und unseren Beitrag f├╝r die Gesellschaft leisten. Und durch Arbeit k├Ânnen wir wirklich sp├╝ren, dass wir „f├╝r jemanden wichtig sind“, und sogar lernen, den Wert unseres Daseins anzunehmen.“ (S. 249f)
  • Ich mache es f├╝r mich – und f├╝r die anderen. 
  • Ich mache es f├╝r die anderen – und dadurch f├╝r mich.

Gl├╝ck ist das subjektive Gef├╝hl, einen Beitrag zu leisten

  • „Nicht Sie entscheiden dar├╝ber, ob Ihr Engagement n├╝tzlich ist. Das ist die Aufgabe anderer Menschen, und Sie k├Ânnen hier nicht eingreifen. Grunds├Ątzlich gibt es noch nicht einmal eine M├Âglichkeit zu wissen, ob Sie wirklich etwas Sinnvolles beigetragen haben. Das soll hei├čen, wenn wir uns f├╝r andere engagieren, muss unser Beitrag nicht sichtbar sein – wir brauchen als Einziges das subjektive Gef├╝hl, f├╝r jemanden von Nutzen zu sein, ein Gef├╝hl des Engagements eben.“ (S. 264)
  • z.B. Beten: Engagement f├╝r andere, nicht sichtbar
  • „Wenn ich den Stern des Engagements f├╝r andere hoch am Himmel ├╝ber mir habe, werde ich immer das Gl├╝ck und meine Mitmenschen an meiner Seite haben.“

@The Practice

  • „Wenn man wirklich ein Gef├╝hl des Engagements hat, wird es kein Bed├╝rfnis mehr geben, von anderen Anerkennung zu erhalten, weil man sich wirklich bewusst ist, dass man f├╝r andere „von Nutzen ist“, ohne dass man von seinem Weg abweichen m├╝sste, um von anderen best├Ątigt zu werden.“ (S. 266f)

Der Mut, normal zu sein

  • „Warum muss man unbedingt etwas Besonderes sein? Wahrscheinlich weil man sein normales Selbst nicht annehmen kann.“ (S. 272)

Die gr├Â├čte Lebensl├╝ge ├╝berhaupt

  • „Die gr├Â├čte Lebensl├╝ge ├╝berhaupt ist es, nicht im Hier und Jetzt zu leben.“
  • Zu glauben, dass die Vergangenheit bis heute wirkt und dass man die Zukunft mit seinen Pl├Ąnen beeinflussen kann. Vergangenheit und Zukunft existieren nicht!
  • Das Leben ist immer vollst├Ąndig!

Die Macht einer einzigen Person ist gro├č

  • „[…] wenn „ich“ mich ver├Ąndere, wird sich die Welt ver├Ąndern. Das hei├čt, dass die Welt sich nur durch mich und niemand anderen f├╝r mich ├Ąndert.“ (S. 293)