Jeremy Rifkin: Access – Das Verschwinden des Eigentums (2000) 📙

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Meine Notizen

Netzwerke statt MĂ€rkte

  • „Im kommenden Zeitalter treten Netzwerke an die Stelle der MĂ€rkte, und aus dem Streben nach Eigentum wird Streben nach Zugang, nach Zugriff auf das, was diese Netzwerke zu bieten haben.“ (S. 10)

Geistiges Kapital wird zur treibenden Kraft

  • „Konzepte, Ideen und Vorstellungen – nicht Dinge – sind in der neuen Ökonomie die GegenstĂ€nde von Wert.“ (S. 11)

VerkÀufer -> Anbieter, KÀufer -> Nutzer

  • „Drehte sich auf den herkömmlichen MĂ€rkten alles um VerkĂ€ufer und KĂ€ufer, stehen heute Anbieter und Nutzer im Mittelpunkt.“ (S. 12)

Gatekeeper

  • „Im Zeitalter der Netzwerke gewinnen Anbieter, die wertvolles geistiges Kapital angehĂ€uft haben, zunehmend an Macht ĂŒber die Bedingungen, unter denen Nutzer auf gewinntrĂ€chtige Ideen, Wissen und Fachkenntnisse zugreifen können.“
  • Siehe 2021: Die Gatekeeper, die ĂŒber die Kunden-Daten verfĂŒgen, die ĂŒber die Kunden verfĂŒgen, definieren die Spielregeln des Zugriffs – z.B. Facebook, Google, Apple, Amazon, Netflix, …

Der Graben zwischen Vernetzten und Nichtvernetzten

  • „Der Graben zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden ist tief, der zwischen den Vernetzten und den Nichtvernetzten ist allerdings noch tiefer.“ (S. 23)
  • Zugang ist noch ungerechter verteilt als Besitz?!?
  • vgl. Winner-take-all: Neben den großen Gatekeepern hat kaum ein Unternehmen Platz.

Access ist der SchlĂŒsselbegriff des 21. Jahrhunderts

  • “ „Access“, Zugang, ist der SchlĂŒsselbegriff, wenn wir verstehen wollen, was sich an unserer Wahrnehmung von Welt und Wirtschaftsgeschehen verĂ€ndert hat – er wird die Metapher des kommenden Zeitalters sein.“ (S. 25)

Rasende Geschwindigkeit

  • „Heute haben Verbraucher, und zwar alle bis hin zum Endverbraucher, kaum Zeit, eine neue Technik, ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung kennen zu lernen, bevor ihre verbesserten Nachfolger erhĂ€ltlich sind. In einer derart durchkommerzialisierten Umgebung ist die Vorstellung von Eigentum oder Besitz wirklich fehl am Platz. Warum sollte man den Wunsch haben, eine Technik oder ein Produkt zu besitzen, wenn sie wahrscheinlich veralten, noch bevor sie bezahlt sind?“ (S. 34f)
    • vgl. iPhone: Menschen nutzen kaum alle Funktionen des aktuellen Modells, um kurze Zeit spĂ€ter ein neues Modell zu kaufen, von dem sie noch weniger Funktionen nutzen.

Teilen als Erfolgsfaktor

  • „In einer vernetzten Wirtschaft wird kommerzieller Erfolg zunehmend nach der Vorstellung bemessen, „was mein ist, ist auch dein, und was dein ist, ist auch mein“. Das Muster des auf Netzwerken beruhenden Austauschs bildet das Teilen wirtschaftlicher AktivitĂ€ten ab.“ (S. 69)

Die schwerelose Ökonomie

  • „Das Rennen der Zukunft […] wird unter den neuen, leichtgewichtigen Firmen ausgetragen, die nicht von umfangreichen gebundenen Vermögenswerten belastet sind.“ (S. 72)
  • „Der Wechsel in eine Ökonomie, in der Erfolg zunehmend an der Kontrolle von Ideen, also am intellektuellen und immateriellen Kapital gemessen wird, stellt die konventionellen Bewertungsmethoden in Frage.“ (S. 72)
    • er meint wohl: Vermögen

Was fĂŒr ein Unfug!

  • „In den neuen Bewertungsmodellen der vernetzten Wirtschaft wandert physisches Kapital stetig von der Habenseite auf die Sollseite, wo es als Betriebskosten aufgefĂŒhrt wird, wĂ€hrend immaterielle Werte zunehmend ihren Weg auf die Habenseite finden werden.“ (S. 74)
  • Er hat wirklich keine Ahnung von Buchhaltung und Bilanzierung. Und/oder die Übersetzer nicht. Das ist wirklich ein grober Unfug.

Wie prophetisch!

  • „Waren die Menschen des Industriezeitalters damit beschĂ€ftigt, sich Materie anzueignen und neu zu formen, ist die erste Generation im Zeitalter des Zugangs mehr daran interessiert, den menschlichen Geist zu manipulieren. […] Die eigene mentale PrĂ€senz ausdehnen zu können, universell verknĂŒpft zu sein und auch das menschliche Bewusstsein beeinflussen und formen zu können, das ist das Ziel, das die Wirtschaft ĂŒber die Branchen hinweg motiviert.“ (S. 75)
  • Er kannte Social Media damals noch nicht!

Revolution des Kapitalismus: Kunden bekommen nur mehr temporÀren Zugang, ihnen gehört nichts mehr

  • „Der Kapitalismus lĂ€sst die MĂ€rkte hinter sich und erfindet sich selbst schrittweise neu: in Gestalt von Netzwerken.“ (S. 77)
  • „Die zentrale Operation der Marktwirtschaft, die zwischen VerkĂ€ufer und KĂ€ufer ausgehandelte Übertragung von Eigentum, wird seltener werden. Der kurzfristige Zugang wird lukrativer scheinen als der Erwerb.“ (S. 77)
  • Kirkham und McGowan: „Wenn ich Ihnen etwas verkaufe, haben Sie es gekauft. Wenn Sie es gekauft haben, gehört es Ihnen. Und wenn Ihnen etwas gehört, können Sie damit tun, was Sie wollen.“ Nichts davon gilt fĂŒr Lizenzvereinbarungen. (S. 84)
  • vgl. Don’t build on rented land (Facebook, Instagram etc.)
  • vgl. Apple Music statt CDs: Mir gehört meine Musik nicht mehr. Ich erwerbe den Zugang dazu, ich lease. Aber Apple kann jederzeit entscheiden, mir meine Musik (mit allen Playlists, Bewertungen, mit meiner ganzen Geschichte dahinter) wieder wegzunehmen!

Meine Wohnung als Ort der Produktion

  • „Mit der industriellen Produktion wurde das Haus zur Wohnung: von einem Ort der Produktion zu einem der Konsumtion umgewandelt.“ (S. 110)
  • Ich will meine Wohnung wieder zu einem Ort der Produktion machen! (vgl. Home Office)

Dienstleistungen werden zugÀnglich gemacht

  • „Produkte werden gekauft, Dienstleistungen dagegen zugĂ€nglich gemacht.“ (S. 115)

Der Kunde bleibt ungeschult

  • „Da er sich nie selbst mit den Details dieser Dienstleistungen beschĂ€ftigen muss, bleibt der Kunde hĂ€ufig ungeschult und unwissend bezĂŒglich der wirkenden KrĂ€fte und kann mit der Zeit immer abhĂ€ngiger von den „Experten“ werden, die seine Angelegenheiten managen.“ (S. 140)
  • Ich sehe es als Aufgabe eines Dienst-Leisters, seine Kunden zu „schulen“. Geschulte Kunden sind loyale Kunden – weil sie loyal sein wollen, nicht weil sie aus OhnmĂ€chtigkeit keine Alternativen sehen.

Marketing Myopia (Theodore Lewitt)

  • = Unternehmen sind zu sehr an den Produkten interessiert, die sie herstellen, und zu wenig an den Konsumenten, denen sie dienen sollten. (S. 144)

Interessengemeinschaften

  • „Unter Marketingexperten steigt das Bewusstsein dafĂŒr, dass der Aufbau von sogenannten „Interessengemeinschaften“ die effektivste Möglichkeit ist, die Aufmerksamkeit der Kunden zu gewinnen, zu halten und lebenslange Beziehungen zu knĂŒpfen.“ (S. 147)

Der Übergang von Eigentum zu Zugang

  • „Der Übergang von Eigentum zu Zugang ist oft eine recht unsystematische Angelegenheit. Diese Transformation verĂ€ndert manchmal so wenig, dass dies praktisch unbemerkt geschieht und erst im Nachhinein sichtbar wird.“ (S. 155)

Was die Werbefachleute kapiert haben

  • „Die Werbefachleute haben realisiert, dass die Menschen zuallererst Konsumenten von Symbolen und weniger der Produkte selbst sind. Die Werbung ĂŒbernimmt die Rolle eines Vermittlers und Interpreten von kulturellen Bedeutungen. Sie dient als BrĂŒcke, die unablĂ€ssig die Lebensgeschichte einer Person mit den großen ErzĂ€hlungen verbindet, welche die Kultur ausmachen.“ (S. 238)
  • No story, no glory.

Szenarios, Geschichten, Fantasien

  • „Im Zeitalter des Zugangs, in dem Szenarios geschrieben, Geschichten erzĂ€hlt und Fantasien ausagiert werden, ist es nebensĂ€chlich, Dinge herzustellen und auszutauschen und Eigentum zu akkumulieren.“ (S. 263)

Autorenschaft im Zeitalter des Hypertext

  • „Hypertexte verwischen die traditionelle Vorstellung von Autorenschaft. Weil das Medium auf InklusivitĂ€t und Verbundenheit beruht, statt auf ExklusivitĂ€t und Autonomie, gibt es oft keine klare Grenze, die die BeitrĂ€ge verschiedener Menschen voneinander trennen könnte. Die Menschen nehmen Materialien aus verschiedenen Quellen, zu denen sie Zugang haben, zerschnippeln und bearbeiten sie, picken dies und das heraus und kombinieren ihre FundstĂŒcke neu.“ (S. 278f)
    • Das ist DEFINITIV das, was ich mit SILBE mache.
    • Das ist z.B. genau das, was Roam Research möglich macht und fördert.
  • „Hypertext fĂŒhrt zu dem, was der französische Literaturtheoretiker Roland Barthes den „Tod des Autors“ genannt hat […].“ (S. 279)

Der unheimliche Multizugang

  • „[Robert J.] Lifton behauptet, dass heute jeder, der es sich leisten kann, „Zugang zu jedem Bild oder jeder Idee, die irgendwo in der heutigen Welt entstehen oder aus irgendeinem kulturellen Augenblick der gesamten Menschheitsgeschichte stammen“, haben könnte. Dieser „unheimliche Multizugang“ hat seiner Meinung nach keinen VorlĂ€ufer in der Menschheitsgesichte.“ (S. 285)

Wenn der materielle Mangel ĂŒberwunden ist

  • „In einer Gesellschaft, die den materiellen Mangel ĂŒberwunden hat, bekommen immaterielle Werte PrioritĂ€t: Die Suche nach SelbsterfĂŒllung und persönlicher VerĂ€nderung wird zum wichtigsten Ziel. In einer solchen Gesellschaft wird das Recht, nicht aus einem „vollen Leben“ ausgeschlossen zu sein, zum wichtigsten Eigentumswert, ĂŒber den eine Person verfĂŒgen kann.“ (S. 321)
  • vgl. Kapitalismus wandert in der BedĂŒrfnispyramide nach oben (The School of Life)
  • „Nicht mehr Autonomie und Eigentum, sondern Inklusion und Zugang werden zum PrĂŒfstein fĂŒr das Maß der persönlichen Freiheit. Diese zeigt sich in den Möglichkeiten eines Menschen, Beziehungen aufzubauen, Allianzen zu schließen und an Netzwerken gemeinsamer Interessen teilzunehmen. Verbunden zu sein, macht frei. Autonomie, einst gleichgesetzt mit persönlicher Freiheit, schlĂ€gt in ihr Gegenteil um. Wer in der vernetzen Welt „autonom“ ist, ist isoliert und nicht verbunden.“ (S. 323)

Lifestyle Entrepreneure sind dem Spiel nÀher als der Arbeit!

  • „Die Annahmen und Regeln des Spiels unterscheiden sich sehr von denen, die traditionell die Arbeit beherrschen. Erstens ist Spiel unterhaltsam, es dient dem VergnĂŒgen. […] Zweitens ist Spiel eine freiwillige TĂ€tigkeit. Man kann Menschen nicht zum Spielen nötigen oder zwingen. An einem Spiel kann man nur in freier Entscheidung teilnehmen.“ (S. 352)
    • Die Spiele-Metapher ist ev. am besten geeignet, um das Wesen von Lifestyle Businesses zu beschreiben. Lifestyle Businesses sind keine klassische „Arbeit“.
    • vgl. You can’t say you can’t play.
  • „Spiel ist spontan. Zwar gibt es Regeln – manche implizit, andere explizit -, und das Spiel ist oft ernst, wird oft geleitet und ist zielorientiert, aber es ist im Allgemeinen weniger rigide als traditionelle ArbeitsplĂ€ne in der Fabrikhalle oder den BĂŒros. […] Es findet seine Belohnung in sich selbst. Und das  spontane Spiel […] kann nicht so leicht quantifiziert werden wie Arbeit.“ (S. 353)
    • Das trifft definitiv auf Lifestyle Businesses zu.
  • „Die Spieler geben sich frei „der Liebe zum Spiel“ hin. Das Ziel ist VergnĂŒgen und eine BestĂ€tigung des LebensgefĂŒhls. Also steht Spiel in scharfem Kontrast zur Arbeit, deren Ziel es ist zu enteignen, abzutöten, zu verarbeiten und zu produzieren.“ (S. 354)
  • „Wir werden niemals wirklich frei sein, wenn wir uns nicht vollkommen dem reinen Spiel hingeben können.“ (S. 357)
    • BGE ermöglicht diese Hingabe, weil Erwerbszwang rausgenommen wird und Leichtigkeit ins Spiel kommt.
  • Reifes Spiel: „Wenn Menschen einander verpflichten, dann sind sie an einem sehr reifen Spiel beteiligt.“ (S. 357)
    • Spielen ≠ unverbindlich

Welche ZugÀnge wollen wir?

  • „Das Zeitalter des Zugangs wird jeden von uns vor diese grundsĂ€tzliche Frage stellen, wie wir unsere elementarsten Beziehungen zueinander neu gestalten wollen. Zugang hat vor allem damit zu tun, welche Ebenen und Arten der Teilnahme wir wollen: Es geht nicht nur darum, wer Zugang bekommt, sondern auch welche Erfahrungen und Welten der Beteiligung des Zugangs wert sind. Mit der Antwort auf diese Frage entscheiden wir ĂŒber die Gesellschaft, in der wir im 21. Jahrhundert leben werden.“ (S. 359)

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