📙 Jeremy Rifkin: Die empathische Gesellschaft (2009)

Ich hatte mir einen Blick in die Zukunft erhofft, stattdessen gab’s einen umfassenden Blick in die Vergangenheit und auf die Frage, wie sich empathisches Bewusstsein in unserer Gesellschaft ĂŒber die Jahrtausende entwickelt hat. Eh interessant, aber mit wenig Handlungsorientierung.

Carl Rogers

  • „Die empathische Anteilnahme eines anderen kann sogar Leid in Freude verwandeln. Carl Rogers drĂŒckt dies treffend aus: „Wenn ein Mensch feststellt, dass er im Innersten gehört wurde, steigen ihm TrĂ€nen in die Augen. Er weint, so glaube ich, in einem wahren Sinn vor Freude. Es ist, als wĂŒrde er sagen: ‚Gottlob hat mich jemand gehört. Jemand weiß, wie es ist, ich zu sein.‘ “ (S. 24)

Kooperation siegt ĂŒber Konkurrenz

  • „Kooperation siegt ĂŒber Konkurrenz. Geteiltes Risiko und Zusammenarbeit auf der Basis gemeinsam zugĂ€nglicher Informationen statt machiavellistischer Intrigen und Machtspiele werden zur Regel.“ (S. 26)

Donald Winnicott: Individuen und Gemeinschaft

  • „Eine Gemeinschaft wird also nicht von Individuen geschaffen, vielmehr bringt die Gemeinschaft Individuen hervor – erst eine Beziehung, dann das Individuum, nicht umgekehrt. Diese einfache Beobachtung rĂŒttelt an den Grundfesten der Moderne mit ihrer Betonung des autonomen Einzelnen, der der Welt seinen Willen aufzwingt.“ (S. 56f)
  • vgl. Buber: Das Ich wird erst im Du zum Ich.

Die eigene Lebensgeschichte

  • „Die eigene Lebensgeschichte immer wieder neu zu erzĂ€hlen bedeutet, seine IdentitĂ€t stĂ€ndig auszufeilen, um sie jeder Lebensphase und den damit einhergehenden wechselnden Beziehungen und Erfahrungen anzupassen. Jeder Mensch setzt sich aus den Geschichten zusammen, die er und andere ĂŒber ihn erzĂ€hlen.“ (S. 132)

Mit der Druckrevolution entsteht das Konzept der „Autorenschaft“

  • „Die Druckrevolution brachte die IndividualitĂ€t und das Selbst auch insofern voran, als sie der Autorenschaft Bedeutung verlieh. Bis dahin waren nur wenige individuelle Autoren namentlich bekannt. Manuskripte waren hĂ€ufig anonyme Gemeinschaftswerke, an denen viele Schreiber ĂŒber lange Zeit hinweg gearbeitet hatten. Der Begriff der Autorenschaft verlieh dem Einzelnen einen einmaligen Status und hob ihn aus der Kollektivstimme der Gemeinschaft heraus.“ (S. 195f)
  • „Mit Autorenschaft verbindet sich die Vorstellung vom Individuum als kreativer Kraft. Allein schon die Idee persönlicher KreativitĂ€t wĂ€re Menschen frĂŒherer Epochen nicht in den Sinn gekommen.“ (S. 196)
  • „SelbstverstĂ€ndlich gab es vereinzelt Schreiber, die sich inspiriert fĂŒhlten und deren Namen bekannt sind – Augustinus oder Thomas von Aquin -, aber es herrschte immer der Eindruck, die Inspiration kĂ€me von außen.“ (S. 196)
  • „Individuelle KreativitĂ€t geht Hand in Hand mit dem Begriff persönlicher Leistung. In einer Autorenkultur wird jeder zum Autor seiner eigenen Leistungen.“ (S. 196)
  • „Die Idee der Autorenschaft fĂŒhrte schließlich zur Vorstellung, dass es einen Eigentumsanspruch an den eigenen Worten gibt. Gesetzliche Regelungen zum Urheberrecht machten die Kommunikation zwischen Menschen erstmals zu einer Ware. Dass man einen Eigentumsanspruch auf Gedanken und Worte haben konnte und andere dafĂŒr bezahlen mĂŒssen, markierte eine wesentliche VerĂ€nderung in der Geschichte der menschlichen Beziehungen.“ (S. 197)

Gilden

  • „Jedes Handwerk und Gewerbe grĂŒndete eine Zunft oder Gilde, um die TĂ€tigkeit seiner Mitglieder zu regeln. Diese VerbĂ€nde waren fĂŒr die Einhaltung von QualitĂ€tsstandards ihres Berufsstandes verantwortlich, legten Herstellungs- und Verkaufsmengen und angemessene Preise fĂŒr GĂŒter und Dienstleistungen fest. Bestimmend fĂŒr die Gilden- und Zunftwirtschaft waren Traditionen, nicht MarktkrĂ€fte. Es ging weniger um Gewinne als um die Erhaltung etablierter Arbeits- und Lebensweisen. Gilden und ZĂŒnfte waren gegen offene MĂ€rkte, freie ArbeitskrĂ€fte, Kommerzialisierung von Grund und Boden und Preiskonkurrenz – also gegen alle wesentlichen Elemente einer modernen Ökonomie.“ (Jeremy Rifkin, Die empathische Gesellschaft, S. 214f)
  • Und sind es bis heute (vgl. “Innungen” bzw. Fachgruppen der WKO)

Charlotte BĂŒhler: Ziel des Menschen

  • „Der Psychologin Charlotte BĂŒhler zufolge, die zu den BegrĂŒnderinnen der Humanistischen Psychologie zĂ€hlt, „lebt der Mensch mit IntentionalitĂ€t, das heißt mit Absicht und Ziel. Ziel des Menschen ist es, dem Leben einen Sinn zu geben, indem er es innerhalb eines grĂ¶ĂŸeren Kontextes begreift. Innerhalb dieses grĂ¶ĂŸeren Kontextes, auf den sich der Einzelne bezieht, möchte er Werte schaffen.“ “ (S. 306)