🎙 Lutz Langhoff: German Angst – ist Gründen russisches Roulette?

be on fire Podcast #16, 6. Jänner 2022

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Meine Notizen

Wie groß ist das Risiko wirklich, sich selbständig zu machen?

Die Angst vor dem Scheitern

  • = Angst vor dem Gesichtsverlust; Angst davor, seinen Status zu verlieren; “die Angst, im Nichts zu landen”.
  • “Dieses eklige, tiefsitzende Gefühl, das Leben könnte sich irgendwo in der Bedeutungslosigkeit auf einmal abspielen.”

Wenn Lutz Langhoff an der Uni mit seinen Studenten über Gründen und Unternehmertum spricht, “ist das eigentlich immer der spannendste Partwenn’s um die eigene Angst geht. Wenn in Workshops mit Studenten wirklich mal über ein, zwei Tage zum Thema Angst gearbeitet wird — oder Hoffnung und alles, was man sich wünscht. Das ist ja der Gegenpart.”

Gute Frage: “Wie in aller Welt geht man damit um, dass so viele Gründungen scheitern?”

  • Wie kann ich es als Gründungsberater mit meinem Gewissen vereinbaren, wenn neun von zehn meiner Gründer scheitern?
  • Vorwurf an ihn: “Sie nutzen die Leute nur aus. Sie wollen nur Geld damit machen. Sie nehmen die Kohle, beraten die — und dann landen die im Scheitern.”
  • “Sie spielen mit Ihren Gründern russisches Roulette. Aber bei Ihnen, Herr Langhoff, ist nur ein Lauf frei, in allen anderen sind Kugeln.”
  • “Da liegt sie nun, die German Angst in all ihrer Schönheit vor mir.”

Was bedeutet es überhaupt, dass 9 von 10 Gründern scheitern?

  • Scheitern in der Statistik bedeutet, dass eine Unternehmung abgebrochen wurde. Man hat angefangen und wieder aufgehört. Die Gründe, warum man aufhört, sind aber sehr vielfältig.
  • 18 % aller Gründer nehmen ein Jobangebot an, das ihnen besser passt als ihre Selbständigkeit. Ist das ein Scheitern?
  • Ein Drittel aller Gründungen sind von vornherein als Überbrückung gedacht und werden danach beendet. Ist das ein Scheitern?
  • Ungefähr 20 % aller Gründungen werden “nur zum Test” gemacht. Man probiert die Selbständigkeit nur aus. Ist das ein Scheitern?

Über 50 % aller Gründungen werden komplett aus Eigenmitteln angefangen. â€œAus Erfahrung kann ich sagen dass eigentlich fast alle dieser Gründer weniger Geld einsetzen, als ihr Auto kostet.”

  • “Jetzt eine ehrliche Frage”: Ist mein Leben gescheitert, wenn ich mein Auto schrotte? Ja, es ist blöd und ohne Vollkasko teuer, aber gescheitert?
  • Emotional ist es “natürlich ein anderes Ding”. Man knabbert lange dran.
  • Aber ist das wirklich ein Scheitern im Sinn des russischen Roulette? Dass man im Elend landet? Dass das Leben nicht weiter geht?

Ja, wir werden aus so einem Scheitern unsere Lektionen zu lernen haben, die weh tun, “wo wir wirklich auf die Schnauze fallen. Aber man kann ohne Weiteres wieder aufstehen”.

KfW Gründungsmonitor: Nur 2 % aller Beendigungen erfolgt aufgrund von Insolvenz.

“Die nächste ganz ehrliche Frage”: Wir leben in Deutschland (bzw. Österreich). “Selbst wenn alles zerbricht und wir richtig, richtig auf die Schnauze fallen und alles weg ist… Ich habe immer noch Hartz IV. Das bringt keinen Spaß, ich will da selber nicht landen, ich hab da echt keinen Bock drauf. Aber das ist nicht der Punkt.” Der Punkt ist: Auch mit Hartz IV (bzw. Notstandshilfe oder Mindestsicherung) “kann man noch ein sinnvolles, gutes, schönes Leben führen. Es ist möglich.”

Fazit: Vor allem für Erstgründer gilt, die Investitionen in einem Rahmen zu haben, dass ein Scheitern nicht existenzbedrohend ist. Wenn alles schief geht, ist es blöd und tut es weh, aber man hat maximal so viel verloren, wie ein Auto kostet.