📙 Markus Hengstschläger: Die Durchschnittsfalle (2012)

Ein Plädoyer dafür, dass wir etwas machen aus unseren Talenten und uns nicht mit dem Durchschnitt zufrieden geben.

Meine Learnings

  1. Jeder Mensch hat Talente, sicher mehrere, vielleicht sogar viele.
  2. Talent allein reicht nicht fĂĽr auĂźergewöhnliche Leistungen. FĂĽr Erfolg braucht es auch harte Arbeit, und zwar: Die harte Arbeit, seine Talente zu entdecken und die harte Arbeit, sein Talent erfolgbringend umzusetzen (= „üben, ĂĽben, ĂĽben“). Kurz: Leistungsvermögen braucht auch Leistungsbereitschaft.
  3. Es gibt keinen Erfolg, der nur von einem Talent bestimmt wird. Je mehr Talente zu möglichst vielen tollen Leistungen eingesetzt werden können, desto größer ist der Erfolg. Beispiel Star-Dirigent: Der muss nicht nur ein guter Musiker sein, sondern auch ein guter Organisator, eine starke FĂĽhrungspersönlichkeit, ein fleiĂźiger Arbeiter und vieles mehr.
  4. Fehlende Talente können (bis zu einem gewissen Grad) durch Enthusiasmus, enormen Einsatz, intrinsische Motivation und Fleiß wettgemacht werden. Als gutes Beispiel nennt Hengstschläger dafür Herbert Grönemeyer, der eigentlich nur ein mittelmäßiger Sänger ist.
  5. Jeder Mensch hat das Recht, seine Begabungen zu ignorieren, um das zu tun, was ihm mehr SpaĂź macht – unabhängig von seinen Begabungen. (Im Gegensatz zu: Jede Gabe ist auch eine Verpflichtung.)

Meine Notizen

Hinweis: Ich habe das Buch im April 2016 gelesen. Damals habe ich (leider) noch keine Seitenangaben fĂĽr meine Zitate notiert.

Welche Talente werden in Zukunft gebraucht?

  • Jeder Mensch hat Talente, sicher mehrere, vielleicht sogar viele.
  • Wer kann sagen, welche Talente in Zukunft gebraucht werden? Wer hat die Glaskugel, mit der er/sie sagen kann, was in Zukunft „nĂĽtzlich“ sein wird und was nicht? Das Bildungssystem? Die Arbeitsmarkt-Experten? Die kennen und verstehen ja nicht mal die Probleme der Gegenwart!
  • „Ob man etwas „braucht“ oder nicht, entscheidet die Umwelt. Ob besondere Eigenschaften von Vor- oder Nachteil sind, entscheidet die Zukunft.“ (S. 47)

Lebenslanges Lernen

  • LLL ist bitter nötig, weil es die einzige Möglichkeit ist, die sonst verborgenen Talente zu bergen und (!) (dann) in besondere Leistungen umzusetzen.

Jeder Mensch ist individuell

  • Die Evolution schafft immer wieder Neues und Individuelles, um dann von der Umwelt prĂĽfen zu lassen, ob es Vorteile bringt (survival of the fittest). Wenn nicht, wird es radikal ausgemustert.
    • Das gilt auch fĂĽr “den Markt”. Auch der ist radikal.
  • Jeder Mensch ist genetisch anders. Diese Individualität wird noch gesteigert durch seine individuelle Umwelt.
    • Ein Mensch ist individuell, weil er biologisch individuell ist und seine Umwelt individuell ist.
  • „Auffallen ist immer mit Angst verbunden.“

Der Durchschnitt ist ungerecht

  • „Der Durchschnitt ist eigentlich ungerecht und nur schwer zu verkaufen.“ (S. 67) -> die ĂĽberwiegende Mehrheit von uns liegt nicht im Mittel!

Talente sichtbar machen

  • „Das Talent, die Begabung ist nicht automatisch sichtbar. Sichtbar, messbar und vergleichbar ist nur die besondere Leistung.“ (S. 71)
    • ⇒ Es ist schwer, „unentdeckte“ Talente festzustellen (fĂĽr Lehrer, Eltern, …).
    • ⇒ Welche Instrumente gibt es dafĂĽr?

Talent und Genetik

  • „Der Schluss der Wissenschaft ist klar: Der Mensch ist stets das Produkt der Wechselwirkung zwischen Umwelt und Genetik.“ (S. 76)
  • Negativer Stress, z.B. ausgelöst vom Druck der Eltern, kann zu einer epigenetischen „Falschverwendung“ des vorhandenen genetischen Repertoires fĂĽhren
    • ⇒ Stress macht krank
    • ⇒ Druck, Stress, Angst, … unterdrĂĽckt etwaige biologische Leistungsvoraussetzungen
    • ⇒ intrinische Motivation ist so wichtig und nachhaltig
  • Es gibt eine genetische Begabung fĂĽr das GlĂĽcklichsein.

Talent allein reicht nicht

  • Talent allein reicht nicht. FĂĽr besondere Leistungen (= Erfolg) braucht es auch harte Arbeit (= ĂĽben).
  • „Jede besondere Leistungsvoraussetzung wird erst durch die harte Arbeit, sie zu entdecken und umzusetzen, zu einer besonderen Leistung.“ (S. 78)
  • Manche Autoren meinen mit „Talent“ angeborene Begabungen (= Leistungsvoraussetzungen), andere das Ergebnis (= besondere Leistungen, Erfolg).
  • Leistungsvermögen vs. Leistungsbereitschaft
    • Genie vs. Arbeitsbiene
    • Jazzer – Impro vs. Klassische Musik – Skript
    • Wie ist das bei mir? Lebe ich von meinen Begabungen? Bin ich auch bereit, die nötige Arbeit reinzustecken? Womit verschwende ich Zeit und Talent?
  • ⇒ Man kann zu keinem Beruf wirklich „geboren“ sein. (vgl. S. 141)

Leistungsvoraussetzungen

  • Faktoren aus der Umwelt: Ausbildung, Bildung, Vorbilder, Bereitschaft, hart zu arbeiten, Konsequenz, Konstanz, „üben, ĂĽben, ĂĽben“, …
  • Auch das Temperament ist eine individuelle persönliche Leistungsvoraussetzung (= Talent), auch im Wesentlichen genetisch (im Gegensatz zu Persönlichkeit = sozial geprägt)
  • „Es gibt keinen Erfolg, der nur von einer Leistungsvoraussetzung bestimmt wird.“ (S. 119)
    • Je mehr Talente zu möglichst vielen tollen Leistungen eingesetzt werden können, desto größer ist der Erfolg.
    • Bsp: Was ein Star-Dirigent alles können muss.
  • Jemand, der fehlende Leistungsvoraussetzungen durch enormen Einsatz wettmacht, ist auch ein „high achiever“.
  • Bsp. Grönemeyer: „Vieles, sehr vieles kann durch Enthusiasmus, intrinsische Motivation und FleiĂź wettgemacht werden.“ (S. 170)

Empathie ist ein Talent

  • Empathie hängt sehr stark von den Genen ab.
    • => Es gibt weniger und höher empathische Familien.

Mit unseren Talenten umgehen

  • Von AuĂźergewöhnlichem hält uns ab: Angst, Bequemlichkeit, SicherheitsgefĂĽhl, einer von vielen sein wollen.
  • Jeder Mensch hat das Recht, seine Begabungen zu ignorieren, um das zu tun, was ihm mehr SpaĂź macht.

Mehr dazu: Markus Hengstschläger: Wie manage ich (m)ein Talent?