Online-Kurs: Digitale Beratung

O

ÖSB Moodle, November 2020

Stefan Köhler: Videokonferenzen professionell gestalten

  • Die Rode-Mikrofone liefern natürlich einen besseren Ton als das eingebaute Mikrofon im Laptop oder mitunter auch in der Webcam.
    • Guter Sound ist deswegen wichtig, weil sonst das Zuhören für die Zuhörer (noch) anstrengender ist.
  • Als Beleuchtung empfiehlt Stefan Köhler das LED Video Licht von Samtian mit der orangen Folie. Zwei Leuchten inkl. Stative inkl. Akkus sind um 80 Euro zu haben „und reichen völlig“ für normale Video-Konferenzen mit Abstand bis zu 2m (also nicht für größere Studio-Settings).
  • „Mischlicht-Situation“ entsteht, wenn sich Tageslicht mit Kunstlicht mischt – z.B. weil die linke Gesichtshälfte mit Tageslicht beleuchtet wird und die rechte mit einer Schreibtischlampe. Da besser auch auf der Sonnenseite ein kleines Kunstlicht anschalten, dann wirkt das harmonischer.
    • Wenn jetzt auch noch von oben ein Licht dazu kommt (von der Deckenleuchte), dann wird der ganze Kopf vom Hintergrund schön abgehoben.
  • Hintergrund: Am besten schaut das natürlich aus mit Green Screen.
    • Wenn man einen virtuellen Hintergrund von Zoom mit einem Green Screen kombiniert, „wirkt das schon wesentlich professioneller“.
    • Je dunkler das Hintergrundbild, desto weniger Schatteneffekt.
    • Wenn man ein selbst aufgenommenes Bild als Hintergrund verwendet (z.B. von einer Bücherwand), dann sollte das Bild nicht scharf sein, sondern verschwommen – damit es nicht vom Gesicht ablenkt. Das schaut dann richtig gut aus. Der Hintergrund wirkt beruhigend.
      • Bei Skype gibt es ein automatisches „Hintergrund weichzeichnen“. „Dieses Verschwommene reicht, finde ich, völlig.“
  • Kleidung: Nicht schwarz, sondern etwas, das sich vom Hintergrund gut abhebt.

Stefan Verra: 3 wichtige Tipps für Videokonferenzen

  • Von Kopf bis Bauch sichtbar sein. Damit man nicht nur die Körpersprache im Gesicht sieht, sondern auch jene der Hände.
    • Wenn man am Tisch sitzt: Zumindest ein kleiner Rand des Tisches sollte noch sichtbar sein, wo die Hände aufliegen.
  • Augenkontakt: Fehlender Augenkontakt „ist ein Softwareproblem“. Man sollte auf die Kamera schauen, nicht ins Gesicht. „Das ist irritierend“, weil man den anderen nur mehr aus dem Augenwinkel wahrnehmen kann.
    • Aber, ich sage: Ich will die Körpersprache meines Gegenüber optimal wahrnehmen.

Sandra Holze mit Sophie Krüger: Das perfekte Outfit für deine Video-Auftritte

  • Das wichtigste Kriterium für den Hintergrund: Er soll nicht ablenken von der Person.

Alois Huber & Ralf Eric Kluschatzka: Online beraten – no-go oder Chance?

  • „Da viele körpersprachliche Signale fehlen, mögen SupervisorInnen wichtige Impulse und Feedbacks von KundInnen übersehen/überhören/überspüren.“
  • „SupervisorInnen haften für den Datenschutz und müssen sich daher vorab informieren, ob die installierte Software der DSGVO entspricht.“
  • Online-Beratung kann als anstrengender empfunden werden als F2F-Beratung – sowohl für die KundInnen, als auch für die BeraterInnen.
  • Tipp: „Verhalten Sie sich möglichst „normal“.“
  • Das „Nach-Hause-Gehen“ traditioneller Seminare entfällt. Nach Seminarende werden of noch wichtige Themen angesprochen und Fragen „informell“ geklärt. Es könnte daher eine gute Idee sein zu sagen: „Ich bleibe noch einige Minuten online, damit Sie…“.
  • „Das Wichtigste beim Tele- und Online Beraten ist und bleibt das Atmen! Fokussieren Sie darauf, achten Sie auf die eigene Atmung und auf die der KundInnen.“
  • „Ihre beraterische Sicherheit ist entscheidend für den Erfolg der Beratung.“ Das gilt natürlich und besonders für Online-Beratung.

„Der Dreh“ Podcast: Folge #5: Blended Counseling (von und mit Emily Engelhardt), 28. April 2020

  • Blended Counseling ist das systematische (!) und sinnvolle (!) Verknüpfen verschiedner Beratungsformen.
  • Online-Beratung wird (unterschwellig) immer als minderwertig empfunden. Die „richtige“ Beratung ist und bleibt die F2F-Beratung, oder?
    • Eben nicht. Es gibt nicht ohne Grund seit Jahren erfolgreiche Online-Beratungsangebote.
  • Ursprüngliche Idee: Die ersten Beratungen finden online statt und „öffnen die Tür“ zu den F2F-Beratungen („sanfter Einstieg“ in die Beratung; es wird Vertrauen und Beziehung aufgebaut).
    • Vgl. Online-Webinare als Default-Einstiegsprodukte von LSB und anderen Berater*innen.
    • „Ich glaube, es wäre ganz gut, wenn wir uns jetzt mal treffen würden.“ Wenn ein Berater das sagt, löst das beim Kunden natürlich was aus. Deswegen genau prüfen:
      • Warum schlage ich das vor?
      • Und warum schlage ich das JETZT vor?
      • Was ist denn meine Hypothese dahinter, dass sich dann auch in der Beratung verändern würde?
  • Blended Counseling ist aber mehr: An welcher Stelle nutze ich welche Medien für die Beratungen?
    • Da spielen natürlich auch pragmatische Überlegungen eine Rolle (z.B. kann Kund*in leicht zur persönlichen Beratung kommen?). Da stehen aber eher organisatorische Überlegungen eine Rolle. Das ist noch nicht Blended Counseling.
    • Blended Counseling hat den Anspruch, dass mit einer anderen Form der Beratung eine bestimmte Wirkung erzielt wird. Mit dem Wechsel des Mediums ist ein Wirkziel verknüpft.
  • „Schreiben Sie’s mir auf!“ – Manchmal kann man über bestimmte Themen nicht so leicht reden. Der Berater könnte vorschlagen, dieses Thema in eine e-Mail-Beratung zu verlagern. Oder das schriftliche Dokument in der nächsten Beratung zu besprechen.
  • Auch eine verkürzte Vorstellung von Blended Counseling: Gegen Ende der Beratung dann anzubieten, dass man mir noch e-Mails schreiben kann. 
  • Beratung ist kein Gesprächsprozess, sondern ein Kommunikationsprozess. Es gibt viel mehr Formen der Kommunikation als ein Gespräch. 
  • Um Blended Conseling optimal nützen zu können, müssen die Berater*innen in verschiedensten Medien optimal geschult sein. Sie müssen sich ein breites Spektrum an Kompetenzen aneignen.
    • Das ist anspruchsvoll!
    • Dafür müssen sie in ihrer Ausbildung qualifiziert werden!
    • Beratungseinrichtungen müssen auch die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen (Internetverbindung, Software, Hardware).
  • Corona löst gerade einen Boom in der Videoberatung aus. „Ich bin noch ein bisschen skeptisch, in wie weit sich das halten wird.“ Wenn wir wieder zum „normalen Leben“ zurückkehren, wird Videoberatung dann noch diesen wichtigen Stellenwert behalten?
    • Schriftliche Online-Beratung ist für einige Zielgruppen wesentlich zugänglicher als Videoberatung.
    • Gute Videoberatung braucht gute technische Ausstattung, Qualitätssicherung und Organisation. „Das Ganze kostet Geld, insofern muss ich dafür auch Mittel bereitstellen.“
    • Andere Kanäle müssen weiterhin bereitstehen. Wechsel des Settings muss reibungslos gelingen. 
  • Qualitätssicherung: Leute müssen gut qualifiziert sein, damit auch die Qualität der Beratung stimmt.
    • z.B. durch Supervision. 
  • Blended Counseling stellt auch die grundsätzliche Frage: „Was ist für uns eigentlich Beratung?“
    • Gilt natürlich auch und besonders für das UGP.
  • Blended Counseling hätte das Potenzial, „das Zukunftsmodell der Beratung zu sein“ – abseits von jetzt aus der Hüfte geschossenen Corona-Notlösungen.
    • „Die Ratsuchenden stehen nicht mehr nur noch vor dem Fenster unserer Beratungsstelle und warten darauf, dass wir sie rein lassen, sondern sie sind vor allen Dingen eben auch im Netz unterwegs – und wir müssen sie da abholen.“