Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Abkürzungen geben

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(Manche) Menschen suchen nach Abkürzungen.

Sie haben so viel anderes zu tun, deshalb wollen sie genau gesagt bekommen, was sie tun sollen. Für diese klaren “Vorschriften” (Handlungsanleitungen) sind sie auch bereit, Geld zu zahlen, weil es für sie eine Abkürzung zum Ziel ist.

Für Berater*innen kann daher gelten: Nicht labern, sondern zum Punkt kommen. Konkrete Hilfe geben hin zur Problemlösung. Und das Ganze in verständlichen, klaren Worten kommunizieren.

Das ist eine Form von value creation.

(siehe auch dieser Blog)

Gehmeditation

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Vor vielen Jahren habe ich mal bei einer Gehmeditation teilgenommen.

Die Idee dabei ist, dass man achtsam einen Schritt vor den anderen setzt, ganz langsam und bewusst. Im besten Fall wird dadurch eine so alltägliche Tätigkeit wie das Gehen zu einer unkomplizierten Achtsamkeitsübung.

So zumindest die Theorie. Wenn da der monkey mind, der Affe im Kopf, nicht wäre.

Es war nämlich so: Diese Gehmeditation fand in einer Gruppe statt. Wir sind im Kreis gegangen, einer hinter der anderen. Und während der gesamten Gehmeditation war ich ständig in der Sorge, ob ich eh nicht zu langsam gehe und damit alle hinter mir aufhalte. Soll ich lieber ein bisschen schneller gehen, damit ich die anderen bei ihrer Meditation nicht behindere? Was, wenn mir jemand auf die Ferse steigt, weil ich so langsam dahinschleiche? Und so weiter, und so weiter. Die ganze Zeit lang.

Und damit war natürlich sämtliche Achtsamkeit beim Teufel. Weil mein Kopf wieder mal mit einem Problem beschäftigt war, das es ausschließlich in meinem Kopf gegeben hat. Denn meine Mit-Meditierenden hätten leicht an mir vorbei gehen können, wenn sie das gewollt hätten. Hat niemand gemacht. Alles nur in meinem Kopf.

Und, in welcher “Gehmeditation” bist du jetzt gerade wieder unterwegs?

So macht es keinen Spaß

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Unlängst habe ich mit meinem Sohn (7) und einem gleichaltrigen Freund ein Brettspiel gespielt.

Der Freund kannte das Spiel bereits, wir nicht. Also hat er uns die Spielregeln erklärt — zumindest seine Version davon. Er kannte die Regeln ungefähr, aber nicht gut. Aber das wäre nicht das Problem gewesen.

Unlustig wurde es, als er begann, die Regeln während des Spiels zu ändern — nämlich so, wie er sie brauchte.

Es macht keinen Spaß, mit so jemandem zu spielen.

PS: Natürlich geht es hier längst nicht nur um Brettspiele und Kinder.

Wie bei Shakespeare

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Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist oft wie bei einem Shakespeare-Stück:

“In den Stücken von William Shakespeare ist es für Liebende meist ziemlich kompliziert, zueinander zu finden. Ständig kommt es zu Missverständnissen, Menschen werden getäuscht und es passieren die aberwitzigsten Verwechslungen. Neuseelands Forscher haben herausgefunden, dass es Lehrern und Schülern miteinander ganz ähnlich geht. Wie in einer Liebesbeziehung scheint ihr Verhältnis von unausgesprochenen Annahmen geprägt, die oftmals falsch sind. Über die wahren Erwartungen des anderen wissen Lehrer und Schüler oft überraschend wenig.”

Verena Friederike Hasel: Der tanzende Direktor, S. 170

Dieses wunderbare Bild im Buch “Der tanzende Direktor” von Verena Friederike Hasel resoniert sehr in mir und erzeugt den großen Wunsch, diesen “wahren Erwartungen” auf die Spur zu kommen.

Darauf möchte ich mich bei meinen (Hochschul-)didaktischen Bemühungen in der nächsten Zeit konzentrieren.

Erfolgreich gescheitert

E

Unlängst erzählte mir ein Freund von einer herausfordernden Denkaufgabe und sagte: “Wir sind natürlich gescheitert, aber wir sind zumindest erfolgreich gescheitert.”

Ja, es gibt sie: Erfolg-reiches Scheitern und erfolg-reiche Fehler.

Gewöhn dich an diesen Gedanken. Es wird dir und deinem Business gut tun.

Gesellschaftliches Entrepreneurship

G

Es ist nicht einfach, auf die Herausforderungen der Zukunft Antworten zu finden. Und es ist noch schwieriger, andere Menschen von diesen Antworten zu überzeugen und im besten Fall zu begeistern.

Was es dafür bräuchte, hat ein sehr schlauer Freund von mir unlängst so beschrieben: Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Erzählung. Wir brauchen ein “Narrativ der ständigen Entscheidungsfreude”, ein “Narrativ der Möglichkeiten.”

Wir müssen die Vorläufigkeit all unseres Tuns akzeptieren, ja zu einem feature unseres Tuns machen. Und wir müssen uns damit abfinden, dass wir mehr denn je gefordert sein werden, Entscheidungen zu treffen. Lauter vorläufige Entscheidungen, und wir müssen mutig um-entscheiden, sobald wir schlauer geworden sind.

Das erinnert mich an den Zugang zum Leben, den Unternehmer*innen haben. Und das könnte bedeuten, dass wir gesellschaftliches Entrepreneurship brauchen, um tragfähige Antworten für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.

Simple Lösungsvorschläge, die lange gelten, haben ausgedient.

Gute und schlechte Fehler

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Unlängst meinte ein HR-Leiter in einem Meeting: Wenn ich etwas Neues mache und es schiefläuft ist es kein Fehler, weil ich es ja nicht wusste.

Diese Logik ist spannend, hat aber ihre Tücken. Ich würde nämlich so sagen:

  1. Wenn sich etwas, das ich getan habe, im Nachhinein als falsch herausstellt, dann war das ein Fehler. Egal, ob es unabsichtlich oder unwissentlich geschehen ist. Auch im Recht heißt es: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
  2. Aber: Fehler gehören zum Lernen dazu. Wenn wir keine Fehler machen, können wir uns (oder ein Unternehmen) nicht weiterentwickeln. Fehler helfen uns zu wachsen, auch wenn (oder gerade weil) sie unangenehm sind.
  3. Das bedeutet: Es gibt verschiedene Arten von Fehlern. Fehler, die passieren, weil man etwas Neues ausprobiert, weil man etwas wagt, sind vollkommen anders zu bewerten als Fehler, die passieren, obwohl man es längst besser wissen sollte.
  4. Es gibt also “gute” Fehler, aus denen wir was lernen können, und “schlechte” Fehler, die wir unserer natürlichen menschlichen Dummheit zu verdanken haben.
  5. Leider haben wir im Deutschen keine unterschiedlichen Worte für diese beiden grundverschiedenen Arten von Fehlern. Bei uns heißt alles Fehler, und wir machen da überhaupt keinen sprachlichen oder konzeptuellen Unterschied. Und das ist ein großes Problem. Darauf wollte der HR-Leiter wahrscheinlich hinaus.

Zusammengefasst könnte man Folgendes sagen: “Gute” Fehler sind okay, auch wenn sie im Ergebnis schmerzhaft sind. Für “gute” Fehler sollten wir uns nicht schämen, sondern sie als Geschenk begreifen, aus dem wir lernen und an dem wir wachsen können. Damit sie uns beim nächsten Mal nicht mehr passieren und wir uns auf neue “gute” Fehler konzentrieren können, die uns weiterbringen.

Jahre und Erfahrung

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Nur, weil jemand seit zehn Jahren einen Gewerbeschein angemeldet hat, heißt das nicht, dass dieser Jemand zehn Jahre Erfahrung hat als Selbständiger.

Und nur, weil jemand neu im Business ist, heißt das nicht, dass sie naiv und grün hinter den Ohren ist.

Es heißt aber auch nicht das Gegenteil. Es heißt per se gar nichts.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, automatisch Jahre und Erfahrung gleichzusetzen.

Zufriedenheits-Business

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Eine meiner Hypothesen lautet, dass viele (und immer mehr) Solopreneure bewusst oder insgeheim nach einem Lifestyle Business streben.

In einem Lifestyle Businesses geht es sehr viel darum, was “genug” ist. Um erfolgreicher Lifestyle Entrepreneur zu sein, ist es wichtig ist herauszufinden, wann man zufrieden ist. Man ist quasi im “Zufriedenheit-Business”.

Das bedeutet nicht, dass man mit seinem Lifestyle Business nicht immer weiter streben kann und dass man keinen Ehrgeiz mehr haben darf. Im Gegenteil: Ich finde, wir dürfen ruhig einen ordentlichen Anspruch haben an uns selbst und in unserem Leben.

Aber es bedeutet, dass wir wissen müssen, dass der Lohn für unser Streben nicht irgendwann am Ende kommt wie im Finale einer Weltmeisterschaft. Sondern dass der Wert unseres Strebens im Streben an sich liegt, in jedem einzelnen Moment. 

Shifting gears

S

Unlängst von Arnold Schwarzenegger gelernt:

Wenn sich die Situation schlagartig ändert, weil etwas Ungeplantes passiert oder man in einer Sackgasse gelandet ist, dann heißt es, den Modus wechseln. Nicht am ursprünglichen Plan festhalten, sondern schauen, was jetzt möglich ist und was nicht. Sich neu orientieren, die Prioritäten neu ordnen und sich aufmachen auf die neue Mission.

Arnold Schwarzenegger nennt das shifting gears.

Und das ist genau das, was ich im November 2023 vor habe.

Josef Zotter

J

Ich habe höchsten Respekt vor Josef Zotters unternehmerischer Leistung. Er ist ein Visionär, der den Platz am Markt für hochqualitative und fair produzierte Schokolade gesehen hat, als ihn die meisten Anderen für einen kompletten Spinner gehalten haben.

(Und seine Schokoladen sind gut, da legst die Ohren an. Ein Traum.)

Und dennoch frage ich mich als Gründungsberater: Was können Gründer*innen von Josef Zotter wirklich lernen?

Ist es wirklich immer eine so gute Idee, mit voller Überzeugung an einer Idee festzuhalten, an die sonst niemand glaubt und auf die auch keiner gewartet hat?

Bei Josef Zotter hat es superb funktioniert. Aber auf jeden Josef Zotter kommen zwanzig andere Visionäre, denen der Markt die kalte Schulter für ihre außergewöhnliche Idee zeigt.

Coachende Haltung

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Unlängst von Dr. Andrea Klein gelernt:

Als Hochschullehrer kann ich kein Coach für meine Studierenden sein. Das gibt die Zeit und das geben die Rahmenbedingungen nicht her.

Auch als Gründungsberater bin ich kein Coach, sondern Berater.

Aber: Ich kann in beiden Rollen, als Lehrender und als Berater, eine coachende Haltung einnehmen. Das bedeutet, dass ich einen wohlwollenden Zugang, einen freundlichen Blick und ein Interesse an der Entwicklung meiner Studierenden bzw. Gründer*innen habe.

Von einer coachenden Haltung profitieren nicht nur Studierende und Gründer*innen, sondern es macht auch für mich selbst die Arbeit menschlicher und damit wertvoller.

Angemessene Reaktion

A

Du kannst nicht alles kontrollieren in deinem Leben. Auch wenn der Manager in dir sich das so sehr wünscht.

Es geht auch gar nicht darum, alles vorherzusehen und vorauszuplanen.

Es geht darum, dass wir das Vertrauen in uns selbst entwickeln, dass wir zu jeder Zeit angemessen reagieren können werden.

Die Freude kommt nicht später

D

Leo Babauta hat 17 Tipps für Menschen zusammengetragen, die sich selbständig machen möchten.

Tipp Nummer 11 lautet: The joy doesn’t come later. Und ich denke, dass das ein sehr weiser Hinweis ist.

Viele Selbständige arbeiten auf ein bestimmtes Ziel hin. Wenn ich erst mal über 100.000 Euro Umsatz mache. Wenn ich erst mal fünf Mitarbeiter habe. Wenn ich erst mal zehn Kunden habe. Dann…

Was dann? Was ist dann anders als vorher? Oder, anders formuliert: Wenn du deinen Weg als Selbständige*r nicht jetzt schon als leiwand empfindest, dann wirst du auch nicht mehr Freude empfinden, wenn du dein vermeintliches Ziel erreicht hast.

Oder vielleicht schon, aber nur kurzfristig. Schau lieber, dass du jeden Tag Freude an deinem Tun hast, dann brauchst du nicht darauf warten, dass dir irgendwann der große Wurf gelingt.

Inkonsequent

I

Unlängst ist meiner Tochter (5) aufgefallen, dass ich mich nicht (immer) an meine eigenen Regeln halte.

Willkommen in der Welt der Erwachsenen.

Fangfragen

F

Nicht jede Frage, die nicht eindeutig zu beantworten ist oder die das Potenzial hat, uns in die Irre zu führen, ist eine Fangfrage.

Im Gegenteil: Praktisch jede wichtige Frage, die uns das Leben stellt, ist uneindeutig und potenziell irreführend.

Auf dem Weg zu unserem persönlichen Lebensglück müssen wir gut darin werden, die vermeintlichen Fangfragen des Lebens mutig zu beantworten.

Externalisierte Kosten

E

Ein Riesenproblem in der Version des Kapitalismus, die wir aktuell betreiben: Externe (oder externalisierte) Kosten.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen erzeugt und verkauft Produkte, die umweltschädlich sind, weil sie sehr schwer recyclebar sind. Dieses Unternehmen macht Gewinn mit diesen Produkten, aber die Kosten für das Recycling hängt sie der Allgemeinheit um. Dafür fühlt sich das Unternehmen nicht zuständig.

Ergo sind auch die Kosten für das Recycling nicht im Preis des Produktes inbegriffen. Der Preis des Produktes ist also “künstlich” kleiner gehalten, als er tatsächlich wäre, weil die Kosten des Recyclings “externalisiert” wurden. Sprich: Diese Kosten sind von der Öffentlichkeit (d.h. vom Steuerzahler) zu tragen.

Wir müssen uns als Gesellschaft da hin bewegen, diese externen Kosten tatsächlich in die Verkaufspreise der Produkte einzupreisen. Damit wir eine echte Kostenwahrheit haben. Damit jede*r Konsument*in erkennen kann, welches Produkt welche tatsächlichen Kosten erzeugt. Dann wären Flugreisen erheblich teurer, und bei McDonald’s gäbe es keinen einzigen billigen Burger mehr, weil die gesundheitlichen Folgekosten von Fast Food von McDonald‘s mitzutragen wären.

Die Unternehmen wären also (endlich!) in der Pflicht, sich um alle von ihnen verursachten Kosten zu kümmern, wenn sie Gewinn machen wollen.

Als Folge würden sehr bald einige besonders teure (= schädliche) Unternehmen sich vollkommen umorientieren oder ihren Betrieb einstellen müssen.

Und das wäre eine sehr gute Nachricht.

Eine gute Leistung

E

An manchen Tagen läuft’s nicht rund.

Kann sein, dass du nicht gut geschlafen hast. Kann sein, dass das Wetter mitspielt. Kann sein, dass dich andere Menschen irritieren. Was auch immer, ist eigentlich egal.

An solchen Tagen ist es schon eine gute Leistung, seine Aufgaben professionell über die Bühne zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Karre nicht vollkommen auseinanderfliegt.

Für diese gute Leistung darfst du dir auch an solchen miesen Tagen auf die Schulter klopfen.

Personalverrechnung

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Im Sommer hatte ich heuer erstmals eine Ferialpraktikantin.

War eh super, aber womit ich nicht gerechnet habe: Wie viel Verwaltungsaufwand ich mir damit ins Haus geholt habe. Wie viele verschiedene Meldungen an die Sozialversicherungen ich abgeben muss. Welche Fristen ich dabei einhalten sollte. Und prompt habe ich eine Frist versäumt.

Mag schon sein, man beim ersten Mal eben Fehler macht und dass ich mich in Zukunft leichter tun würde mit den administrativen To Dos.

Aber ich lerne eher daraus: Ich werde es mir in Zukunft zweimal überlegen, ob ich mir nochmal eine Ferialpraktikantin leisten möchte.

Und wahrscheinlich geht es unzähligen anderen Ein-Personen-Unternehmen ganz gleich wie mir.

Wasser predigen, Wein trinken

W

Es ist eine Sache, Dinge gut erklären zu können. Gut lehren zu können.

Und es ist eine vollkommen andere Sache, diese Dinge auch wirklich selber immer konsequent anzuwenden.

Vergiss daher nie: Auch deine besten Lehrer sind nur Menschen – und damit genauso fehlbar wie du.