Prämissen hinterfragen

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Unlängst hat eine Podcast-Kollegin ihren Podcast mit folgender Aussage gestartet:

Das Kaufverhalten der Kunden, ob on- oder offline, hat sich im aktuellen Wirtschaftsklima gegenüber der letzen Jahre grundlegend verändert. Das ist ganz einfach ein fact.

Diese Taktik kann man immer wieder beobachten: Jemand behauptet etwas und tut so, als wäre diese Behauptung eine unwiderlegbare Tatsache.

Bei mir als gelernten Sprachwissenschaftler schrillen hier aber die Alarmglocken. Weil ich kenne das Konzept der Prämissen.

Prämissen sind die Vorbedingungen, damit eine Aussage gültig sein kann. Und hinter praktisch jeder Aussage, die uns als Tatsache verkauft wird, stecken jede Menge Prämissen – also Vor-Annahmen, die auch alle gültig sein müssen, damit diese Aussage gültig sein kann.

Hinter der Aussage meiner Podcast-Kollegin stecken unter anderem folgende Prämissen:

  • Das Wirtschaftsklima ist 2024 schlechter als noch vor ein paar Jahren.
  • In einem schlechteren Wirtschaftsklima kaufen Menschen nicht so gerne.
  • Das betrifft alle Käufer*innen.
  • Das betrifft alle Branchen.
  • Es gibt einen Unterschied im Kaufverhalten online und offline.
  • Die Veränderungen wirken sich auf beide Bereiche (online und offline) gleich aus.
  • Die Veränderung, die die Kollegin feststellt, ist für sie grundlegend.
  • Die Veränderung ist daher auch von allen anderen Menschen als grundlegend zu empfinden.
  • Grundlegend bedeutet grundlegend negativ.
  • Wer 2024 verkaufen will, muss diese negative Veränderung wahrnehmen und sein Verhalten ändern.
  • usw. (wahrscheinlich fehlt noch ein Dutzend Prämissen, die ich nicht aufgezählt habe.)

Jede einzelne dieser Prämissen kann richtig sein, oder sie kann falsch sein. Aber darum geht es mir hier gar nicht. Es geht mir nicht darum, dieser Aussage zuzustimmen oder sie zu widerlegen.

Es geht mir darum, darauf hinzuweisen, wie leicht und wie oft es uns passiert, dass wir die Prämissen einer Aussage als gegeben hinnehmen und gar nicht mehr hinterfragen. Wir nicken sie einfach ab. Und damit tun wir uns keinen Gefallen.

Denn man sieht: Hinter jeder Aussage stehen eine Menge Annahmen. Und es ist höchst unwahrscheinlich, dass alle zutreffen.

[PS: In der Startphase deines Lifestyle Business gibt es kaum etwas Wertvolleres, als wenn du jemanden hast, der deine Prämissen hinterfragen kann. Also jemanden, der einen Blick auf die Annahmen lenkt, von deinen du bei deiner Geschäftsidee (unbewusst) ausgehst. Ein leiwander Gründungsberater macht das – behutsam, aber konsequent.]

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