🙋‍♂️ Prof. Peter Zellmann: Die Veränderungen in der Arbeitswelt als Chance für die EPU

Vortrag beim 12. EPU-Erfolgstag der WKNÖ, 9. November 2019, Eventhotel Pyramide Vösendorf

„Die Zukunft bietet viel mehr Chancen als Risiken. Es kommt nur darauf an, was wir daraus machen.“

Veränderungen in der Gesellschaft

  • Wer den Wandel der Gesellschaft nicht nachvollziehen kann, kann auch die neuen BedĂĽrfnisse der Kunden nicht bedienen.
  • Neues Lebenszeitbudget: Wir haben ungeheuer viel Lebenszeit hinzugewonnen.
    • „Jedes zweite Neugeborene wird 100 Jahre alt.“
    • Von der 3- zur 5-Generationen-Gesellschaft
  • Wertewandel
    • = „das Aufholen bisher zu wenig beachteter Werte“: das Weibliche, das Ă–kologische, das Emotionale.
    • „sowohl als auch“ statt „entweder oder“

„Die personenbezogene Dienstleistung wird den Arbeitsmarkt der Zukunft prägen.“

  • Empathie und Zeitmanagement sind dabei die entscheidenden Faktoren.
  • Bisher gĂĽltige Konzepte (i.e. Geschäftsmodelle) funktionieren im Wandel nicht mehr.
  • „Automatisierung ist sicher keine Dienstleistung!“
    • „Pseudo-Auslagern von Dienstleistungen ist nicht die Zukunft einer Leistungsgesellschaft.“ (-> Digitalisierung, Virtualisierung, Automatisierung sind nicht der Weisheit letzter Schluss)
    • Automatisierte Dienstleistungen (z.B. Bankgeschäfte, Telefonschleife, FAQ, virtuelle Online-Akademien) sind das Gegenteil der personenbezogenen Dienstleistungen.
  • Der MENSCH wird zum bestimmenden Wertschöpfungsfaktor. Das ist die gesicherte (!) Grundlage fĂĽr die Zukunft der EPU.
  • „In Zukunft wird mindestens so viel ‚high touch‘ wie ‚high tech‘ gefragt sein.“
    • Von Angesicht zu Angesicht, persönlich.
      • Wer mit seinen Kunden ins Gespräch kommen kann, wer mit seiner „Zielgruppe“ von Angesicht zu Angesicht reden kann, wer am eigenen Leib erfährt, was seine Nächsten brauchen… der ist der KING!
    • ≠ dienen, sondern: wissen, informieren, beraten, betreuen, erklären, helfen, lernen, pflegen, organisieren, sich um etwas kĂĽmmern, Probleme lösen, fĂĽr andere da sein…
    • … auf relativ (!) hohem Ausbildungsniveau = Auf gleichbleibendem Bildungsniveaus braucht es eine ANDERE Ausbildung (sonst werden wir in Zukunft ein Heer aus arbeitslosen Akademikern haben, weil sie zwar hoch gebildet sind, aber nicht die emotionale Kompetenz der Zukunft beherrschen, weil sie diese im Schul- und Bildungssystem nie gelernt haben. => Wir mĂĽssten damit im Kindergarten schon anfangen!).
    • „Persönlichkeitsbildung wird so wichtig wie Wissensvermittlung.“
  • Allerdings: Es braucht dazu vollkommen neue Rahmenbedingungen, die von der Politik aber „vielleicht noch zu wenig geschaffen sind“.
    • Das ist DIE Chance fĂĽr EPU: Können wirklich personenbezogen dienstleisten.
    • EPU mĂĽssen Vorreiter sein. Sie können neue Spielregeln rasch ĂĽbernehmen, wenn sie den Wandel in der Gesellschaft im Auge behalten.
    • EPU mĂĽssen selbst aktiv werden, nicht auf (politische) Vorgaben warten.
  • „Zeit ist die Ressource des 21. Jahrhunderts.“ -> Respekt fĂĽr die Zeit des Kunden lernen; dem Kunden Zeit sparen helfen.
  • Persönliche Informationskompetenz: Nicht der Inhalt ist es, was uns derzeit so aufscheucht, sondern der Verkauf der Inhalte. Wir mĂĽssen lernen, mit der FĂĽlle der Informationen umzugehen.
    • vgl. Es braucht Kommentatoren und Kuratoren, die wiederum personenbezogen Informationen filtern und auswählen helfen – und damit dem Kunden wiederum Zeit sparen.

Trendforschung ≠ Zukunftsforschung

  • Trends werden gemacht! ≠ bottom-up, von den Menschen. Dieser Eindruck entsteht immer wieder, dass Trends etwas wären, das „in der Luft liegt“. Trends werden erzeugt.
  • Ein Trend ist nicht „die Zukunft“.
  • Welche Zukunft will ich eigentlich haben, und was will ich fĂĽr diese wĂĽnschenswerte Zukunft tun?
  • „Zukunft passiert nicht. Zukunft ist das, was wir daraus machen.“
  • Auftragsforschung ≠ Grundlagenforschung: Ein Auftragsforscher wird immer das liefern, was dem Kunden zum Gesicht steht. 
    • „JĂĽngste Studien“ haben immer eine Agenda. Aufpassen, was du glaubst!

Digitalisierung ≠ die Zukunft

  • Digitalisierung = ein Werkzeug; es kommt auf uns an, wie wir dieses Werkzeug handhaben (z.B. auch durch politische Rahmenbedingungen).
  • Zukunft ist wesentlich mehr als technische Machbarkeit.

Jeremy Rifkin: Zeitalter der Empathie

  • Personenbezogene Dienstleistung lebt von empathischen Fähigkeiten.
  • Auch fĂĽr unsere Kunden wird die Persönlichkeitsentwicklung wichtiger!!!
    • Nicht nur ich, sondern auch meine Kunden mĂĽssen Mindset-Arbeit lernen, um mit einer veränderten Gesellschaft (= veränderte Kunden, veränderter Markt) erfolgreich (= gewinnbringend) umgehen zu können und somit zukunftsfit zu sein.
    • => Mindset-Themen werden immer, immer wichtiger fĂĽr Unternehmer UND ihre Kunden. Das ist ein groĂźer Markt fĂĽr personenbezogene Dienstleistungen.
    • Dazu gibt es derzeit wahrscheinlich bei weitem noch nicht genug professionelles Angebot. Es kommt mir nur so vor, als wĂĽrde es von virtuellen Akademien nur so wimmeln, die diese Themen schon abdecken. Der Bedarf wird aber weiter steigen, v.a. an high quality. Es könnte noch viel mehr Lars Bobache geben in der Zukunft!
    • Und: Die Zukunft ist eben NICHT die virtuelle Akademie, sondern die Interaktion von Mensch zu Mensch: Entweder face to face oder meinetwegen auch technisch vermittelt wie bei Seth Godin. Es geht um die anderen Menschen mindestens genauso sehr wie um die Inhalte. (vgl. auch UGP: die Menschen schätzen die Beratung und die Seminare, aber mindestens genauso den Austausch mit anderen GrĂĽndern.)
  • Empathie = Verständnis fĂĽr das TATSĂ„CHLICHE BedĂĽrfnis meiner Kunden; nicht das verkaufen, was ich gerade auf Lager habe, sondern genau herausfinden, was der Kunde wirklich braucht und ihm genau das anbieten.
  • DafĂĽr notwendige Kompetenzen:
    • Umgang mit Emotionen
    • SelbstwertgefĂĽhl, Bereitschaft zu Neugier und offenem Zugang auf Neues
    • Respektvoller Umgang, angemessenes Auftreten
    • Kommunikationskompetenz (Rhetorik)
    • Konfliktmanagement
    • Selbstorganisation
    • Selbstreflexion, Selbstkritik
  • Wer diese Fähigkeiten bisher nicht gelernt hat (in Schule oder Hochschule), muss sie JETZT umgehend nachholen – weil er sie auf dem (Arbeits-)Markt der Zukunft brauchen wird wie einen Bissen Brot => immenser Bildungsbedarf, der da entsteht.
    • Auch die Lifestyle Entrepreneure mĂĽssen diese Kompetenzen (und auch Mindsets) nachholen, die sie in der Schule hätten lernen sollen und die sie auf den Märkten der Zukunft brauchen, um erfolgreich in ihrem Business zu sein.
  • Empathie ist nicht immer nur positiv; Populisten sind „hohe Empathiker“; Sie können sich einfĂĽhlen, spĂĽren sehr gut, was ihre Zielgruppe denkt und fĂĽhlt. In deren Hand ist Empathie jedoch dark magic. 

Was EPU besser können als die anderen:

  1. Vertrauen schaffen: von Mensch zu Mensch, Verständnis für Lebensstile der Menschen; wissen, was den Menschen wichtig ist.
    • => Individualisierung der Gesellschaft fĂĽhrt zu immer mehr „tribes“.
    • EPU können ganz bestimmte kleinteilige „tribes“ ansprechen, die ihnen nahe sind…
    • … und können zu diesen ganz bestimmten Gruppen Vertrauen aufbauen.
  2. Verlässlichkeit ausstrahlen: nein sagen lernen, aber wenn man ja sagt, dabei bleiben.
  3. Zuhören um zu verstehen, nicht um zu antworten (= die empathische Kompetenz); wir ALLE hören viel zu wenig bis zum Ende zu! „Das kann eine Geschäftsgrundlage sein!“, das ist ein Qualitätsmerkmal, das EPUs definitiv von GroĂźunternehmen unterscheidet.
  4. Zeit sparen helfen: „Anderen helfen, Zeit zu sparen – durch Kompetenz, durch richtigen Inhalt, durch ‚das erledige ich fĂĽr dich‘.“ Zeit ist die Ressource der Zukunft.
  • „Nehmen Sie ein Drittel, ein Viertel, die Hälfte mit, und machen sie das, was Sie fĂĽr plausibel halten!“
    • Es besteht fĂĽr jedes anwesende EPU die Chance, etwas aus diesen Informationen, aus den Chancen des Wandels zu machen. Wie viele werden die Chance nĂĽtzen?
    • Wie viele werden die Arbeit auf sich nehmen, die mit dem Heben dieser Chancen verbunden ist? Wie viele werden den Mut und die Ausdauer haben, auf diese Zukunft zu wetten? Wie viele werden der Versuchung widerstehen können, dann doch auf das Althergebrachte zu setzen, das sie schon kennen und das sich im Zweifel sicherer anfĂĽhlt?
    • In welcher Gruppe willst DU sein? WofĂĽr entscheidest du dich, GĂĽnter?
  • „Wenn Ihnen von diesen vier Dingen drei einen Schub verleihen, dann bin ich schon sehr zufrieden. Zwei wären auch gut. Weniger sollten es nicht sein.“
  • „Die gesellschaftliche Entwicklung spricht fĂĽr Sie! Diese Entwicklung ist aber kein Selbstläufer. Sie mĂĽssen das Potenzial fĂĽr sich selbst wirklich entwickeln.“
    • Er meint, was er sagt. Er ist als Wissenschaftler davon ĂĽberzeugt. Das ist nicht das Wunschdenken eines EPU, sondern das sind die Forschungsergebnisse eines seriösen Wissenschaftlers, der den ganzen Tag nichts anderes tut als darĂĽber nachzudenken und sich damit auseinanderzusetzen.