Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker (2018)

Hervorragendes Buch. Ich habe es bereits zweimal gelesen. Meine Gedanken und Notizen dazu.

S. 12: „Ökonomie ohne Kultur ist inhuman.”

  • RDP meint, es braucht ein Gegengewicht in Form von „Kultur”. Ökonomie völlig frei gelassen führt zu Folgen, die wir als Menschen nicht haben wollen können.
  • „Der rein ökonomische Maßstab als Maß aller Dinge ist unmoralisch. Er führt unweigerlich in die Inhumanität.” (S. 54)

S. 63: Shifting baselines

  • „das allmähliche Verschieben einer Sache in eine ganz neue Dimension in tausend kleinen und für sich genommen kaum bemerkenswerten Schritten.“
  • Da ist ein ganz gefährlicher Prozess!
  • Das gibt es auch im Kleinen, auch innerhalb des eigenen Personal Projects Web.

S. 84: „Althergebrachtes ist anrüchig, weil es alt ist.”

  • Wir glauben ziemlich fest daran, dass Fortschritt immer auch Verbesserung bedeutet. 
  • Nur das stimmt nicht (mehr?) automatisch. 
  • Das Neue ist nicht automatisch besser als das Alte. Zu erkennen, was im Alten wertvoll und schützenswert ist, ist wichtig. Nur wird man dabei leicht zum Fortschrittsfeind abgestempelt, was wäre man im vorigen Jahrhundert stecken geblieben.

S. 111: „Tatsächlich sind alle wesentlichen Fragen der Ökonomie keine ökonomischen allein, sondern auch psychologische, ethische, politische und kulturelle.”

  • Das gilt auch und besonders für Personal Projects und Personal Project Management. Das ist längst nicht nur ein BWL- oder Management-Thema – was man auch daran erkennt, dass Brian Little ein Psychologe, kein Ökonom ist.

S. 113: „Aus antiken Bürgertugenden wurden neuzeitliche Kaufmannstugenden.”

  • Ausgehend von England im 17. und 18. Jahrhundert.
  • Davor war der Kaufmannsstand und sein Gewinnstreben „eher verfemt”.
  • Heute gelten wahrscheinlich nicht mal mehr diese Kaufmannstugenden. Die Tugenden haben die BWL weitgehend verlassen.

S. 217: „Wenn man die Leute ständig anleitet und behandelt wie Idioten, dann benehmen sie sich auch wie Idioten!” (Verkehrsplaner Hans Moderman)

  • Wer sich nur an die Regeln hält, ist nicht besonders vif.

S. 255: Selbstverzwergung

  • Das ist ein spannendes Konzept. Wir machen uns oft selbst zu Zwergen, ohne Not!
  • Das gilt auf gesellschaftlich-politischer Ebene – und auf der individuellen Ebene jedes Bürgers, wenn wir nämlich sagen: „Was soll ICH da schon groß ausrichten?“
  • Und das gilt auch und besonders für mich selbst und meinen Inneren Zwerg (vgl. Michael Altenhofer).

S. 261: „Holen wir uns unsere Autonomie zurück – nicht nur in unserem Interesse, sondern vor allem im Interesse aller zukünftiger Generationen!”

  • Für mich klingt das wie ein Aufruf zu Lifestyle Entrepreneurship!