Ryunosuke Koike: Die Kunst des Nicht-Denkens (2013)

Ein buddhistischer Mönch aus Japan schreibt darüber, was aus seiner Sicht in der heutigen Zeit schief läuft. Das ist natürlich ziemlich radikal und ungewohnt, aber nicht lebensfremd.

Gelesen: Juni 2017

VORWORT

Seite 11: „Der Grund für unser Scheitern liegt in unserem unnötigen Denken.“

Seite 11: Unser Denken hindert uns – es hindert uns, so zu leben, wie wir es wollen.

STIMME

Seite 45: Wir sollten uns auch im Alltag bemühen, unsere Stimme objektiv zu betrachten, denn dann merken wir, wenn wir gerade wieder schnell sprechen oder laut geworden sind und unnötige Stimulationen aussenden – und wir werden ganz von allein mit dieser Art zu sprechen aufhören. 

AUSREDEN

Seite 53: Beim ersten Mal ist ein Fehler fast immer verzeihlich, doch tritt der gleiche Fehler beim zweites oder drittes Mal auf, werden die anderen glauben, das ist der Betreffende gar nicht besser machen will. 

Seite 53: Wir dürfen aber auch nicht denken, dass mit unserer Entschuldigung nun alles erledigt sei, sondern müssen in Zukunft einen konkreten Handlungsrahmen vorgeben, an dem wir selbst wachsen können.

Seite 55: Knallen Sie eine Ausflucht nach der anderen mit einem Maschinengewehr ab.

Seite 59: Warum machen wir Zusagen, wenn wir gar nicht wissen, ob wir sie halten können? Obwohl wir – langfristig gesehen – an Wertschätzung verlieren und das Zerbrechen eines gegenseitigen Vertrauensverhältnisses in Kauf nehmen, verlangen wir nach kurzfristiger Anerkennung. Und geben Versprechungen ab.

SEHEN UND AUGEN

Seite 94: Ein klarer Raum mit wenigen Dingen ist für die Augen besser als ein Zimmer, in dem Chaos herrscht.

  • Was kann ich sonst noch fünf meine Augen Gutes tun?

Seite 96: Wir sollten Dinge meiden, deren Anblick uns stark stimuliert.

Seite 96: Beispielsweise sollten wir davon ablassen, ständig in unsere E-Mails zu schauen oder nachzuprüfen, ob auf unserem Handy Nachrichten eingetroffen sind. Wir sollten auch nicht permanent unsere Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge oder Aktiengewinne überprüfen.

Seite 96: Wir sollten versuchen, den Anblick von Dingen, die unser Ego und unsere Eitelkeit stark stimulieren, möglichst zu vermeiden.

Seite 97: Ständiges Missverständnis: „Ich leide, der andere aber nicht!“

BLOGGEN

Seite 114: Sie haben den Blog zwar mit dem Wunsch eingerichtet, wahrgenommen zu werden, aber niemand liest in dem elektronischen Tagebuch oder schreibt einen Kommentar, wenn es nicht besonders interessant oder originell ist.

Seite 114: Wir sind in unserem Stolz verletzt, und daher wollen wir es mit dem Schreiben lassen.

Seite 114: Mit dem Schreiben und Öffentlichmachen unseres Tagebuchs entsteht das Verlangen, bekannt zu werden – und es ist qualvoll, einsehen zu müssen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht.

Seite 117: Aber für Anerkennung und Glücksversprechen gehen wir stillschweigend Tauschbeziehungen ein: denn auch wir müssen jetzt die Tagebücher unserer Freunde lesen und Kommentare versenden.

Seite 117: Jetzt müssen wir nicht nur selbst Tagebuch schreiben, sondern auch noch die elektronischen Verlautbarungen anderer lesen und kommentieren. Wir dürfen nicht schreiben was wir tatsächlich denken, nämlich „Das interessiert mich nicht“.

Seite 119: Wir sollten uns bemühen, mehr Zeit fürs Schreiben aufzuwenden. Wir sollten einen Text formulieren, der einen Informationswert hat, die Leser erfreut und Qualität besitzt.

Seite 119: Wir sollten das streichen, was für die anderen unnütz ist, wir sollten nur die wirklich interessanten Hinweise behalten.

Seite 119: Weiterhin sollten wir vermeiden, über etwas zu schreiben, das uns gerade geärgert hat.

Seite 120: Bei Kommentaren, die wir erhalten, sollten wir nicht himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt sein.

Seite 120: Es ist sowieso besser, sich nicht um die Zahl der Besucher, die die eigene Seite anklicken, zu kümmern. Es ist sinnvoll, sie nicht weiter deuten zu wollen.

Seite 121: Wir sollten im Umgang mit dem Internet eine gewisse Distanz halten und uns eine Richtlinie schaffen, nach dir wir beurteilen können, ob unser Geist dabei ermüdet oder nicht.

DER SELBSTWERT ALS AKTIENKURS

Interessant: den Grad der wehrt Schätzung (Anerkennung, beliebt sein) wie einen Aktienkurs sehen: ständig in Bewegung, ständig im Auge, volatil, ständig bewertet.  

Seite 123: Wir haben das Gefühl, dass unsere Aktien gesunken sind. Das lässt unser Ego und dessen Qual anschwellen.

Seite 126: Menschen reagieren empfindlich auf die schwankende Wertschätzung ihrer Person.

HANDY

Seite 127: Wenn es Ihnen trotz dieser Absicht nicht gelingt, weniger auf ihr Handy zu sehen, sind Sie bereits süchtig. Vielleicht schockiert sie das, doch Sie sollten unbedingt versuchen, sich von dieser Abhängigkeit frei zu machen.

Seite 129: Hinzufügen möchte ich noch, dass es auch äußerst anregend und schön sein kann, hin und wieder einen Brief zu schreiben und zu bekommen.

PLANEN

S. 130: Um etwas zu planen, benutzen wir unseren Kopf, und möglicherweise könnten einige von Ihnen nun glauben, dass dies im Widerspruch zu dem hier vorliegenden Buch steht, das ja dazu rät, nicht zu denken. Wenn wir aber von Anfang an einen Plan haben, der uns bei unserer Arbeit als Grundlage dient, brauchen wir weniger Zeit, um noch an dies und das zu denken, was sich letztlich positiv auf Körper und Geist auswirkt.

S. 130: Es gehört wesentlich zur Natur des Menschen, dass er, je nachdem, ob alles nach seinem Plan läuft oder nicht, gut oder schlecht gelaunt ist. Deswegen sollten wir so verfahren, wie wir es uns anfangs vorgestellt haben.

  • Deswegen ist Life Design so wichtig. Es legt die Grundlage für „gute Laune” (Glück).

S. 131: Machen wir uns vorher klar: Wenn wir unseren Plan nicht umsetzen, werden wir uns hinterher schlecht fühlen.

S. 131: Haben wir die Abfolge einmal entschieden, sollten wir grundsätzlich keine Änderung mehr vornehmen.

S. 133: Wenn Sie für eine Aufgabe eine Stunde eingeplant haben, sollten Sie, bis der Wecker nach sechzig Minuten klingelt, sich ganz dieser Aufgabe widmen.

ESSEN

S. 135: Wir schlagen uns den Bauch voll, um unsere Sorgen zu lähmen, und machmal reicht uns das immer noch nicht, und wir essen noch mehr.

S. 138: Da wir für gewöhnlich unser Essen einfach in uns hineinstopfen, haben wir kein unmittelbares Geschmackserlebnis, und das Gefühl der Zufriedenheit stellt sich nicht ein. Folglich essen wir zu viel.

S. 142: Wenn etwas mit Liebe und Sorgfalt angerichtet wird, essen wir es wahrscheinlich auch mit Liebe und Sorgfalt.

S. 144: Ich habe das Bedürfnis, mir qualitativ hochwertiges Gemüse zu besorgen, das wirklich nach etwas schmeckt.

GELD

S. 155: Geld führt nur zur Verfettung des Ego.

S. 155: Geld ist etwas, das unser Ego extrem stimuliert. Unbewusst hängt unser Selbstwert- und Sicherheitsgefühl von der Menge Geld ab, die wir besitzen. Und diese Menge wollen wir vergrößern.

S. 156: Ich habe den Eindruck, dass die meisten Japaner heutzutage ihr akkumuliertes Geld nur für sich selbst verwenden wollen. Dabei sollte es für einen guten Zweck verwendet werden.

  • Geld soll weitergegeben werden, fließen.
  • Dieser „gute Zweck” muss nicht selbstlos sein. Das eigene UN kann ein guter Zweck sein, wenn ich damit Menschen helfen kann. 

S. 159: Was die Verwendung von Geld angeht: Wir sollten es für Dinge ausgeben, die unserem Körper wirklich guttun oder für unsere Lebensgrundlage notwendig sind, und das restliche Geld für Vergnügungen und andere Dinge verwenden, die wir mögen.

S. 159: Bei den für unser Leben wichtigen Lebensmitteln zu sparen oder bei notwendigen Ausgaben für unsere Arbeit minderwertige Produkte zu wählen, ist eine falsche Lebenseinstellung.

S. 159: Wir sollten auch immer daraus achten, wem wir unser Geld geben. 

S. 160: Wir sollten das Geld denjenigen geben, die sorgfältig und mit Liebe hochwertige Dinge herstellen.

RICHTIGES HELFEN

S. 174: Kaum hat jemand ein Problem, überkommt uns Tatendrang.

S. 175: Tatsächlich ist das Wichtigste, was wir für Menschen tun können, die Schwierigkeiten haben, still zu sein. Zu schweigen und ihnen zuhören.

S. 176: Wichtig ist, dass unser Gegenüber zur Ruhe kommt und sich entspannt und das der andere sich in unsere Nähe geborgen fühlt.

S. 178: Uns beherrscht die Gier nach Durchblick.

S. 179: Wenn wir auf hilfsbedürftige Menschen treffen, müssen wir von vornherein erkennen, dass der Drang nach Durchblick unter dem Deckmantel der Freundlichkeit aufwallt.

S. 180: Besonders beim Mitleid geht es meist wohl eher um ein Gefühl der Überlegenheit.

S. 180: Wir geben uns der Vorstellung hin, dass wir, weil wir Mitleid haben, gute Menschen sind. In unserer Aufregung reden und handeln wir, aber wir denken nicht wirklich über die Lage des anderen nach.

S. 181: Wenn man sich zu sehr um jemanden sorgt, gerät der andere unter Druck, weil er es ja ist, der die Sorgen verursacht.

TOD UND TRAUER

S. 182: Bei einer Totenfeier ist es daher wichtig, nicht zu klagen, sondern Liebe zu empfinden.

S. 183: Wenn wir inbrünstig darum beten, dass der Tote in Frieden ruhen möge, stellt sich auch bei uns Ruhe ein.

MENSCHEN MEIDEN

S. 184: Die buddhistische Lehre ist hier gewissermaßen strenger, denn sie besagt, dass wir uns von Beziehungen, die uns negativ stimmen oder unsere Leiden verstärken, und von Menschen, bei deren Umgang wir an Niveau verlieren, distanzieren sollen.

S. 184: Es geht darum, ob im Umgang mit solchen Personen unser Geist ruhig und klar wird oder aber unruhig und trübe. 

S. 185: Sie sollten Menschen meiden, bei denen Ihre Gefühle eher den unruhigen und trüben entsprechen.

S. 186: Für Eltern und Kinder, Geschwister, Liebespaare und Kollegen gilt gleichermaßen, dass es Zeiten gibt, in denen sie gute Freunde werden können, und Zeiten, in denen dies nicht gelingt. Da andere immer Einfluss auf uns ausüben, ist es sehr wichtig, mit wem wir Umgang pflegen.

KINDER

S. 187: Die meisten Kinder wachsen mit Lob und Tadel ihrer Eltern und Lehrer heran.

S. 187: Wenn Kinder gelobt werden, weil sie tun, was ihnen aufgetragen wird, und getadelt, weil sie die Erwartungen ihrer Eltern nicht erfüllen, bekommen sie das Gefühl, dass ihre Eltern nur Kinder wollen, die gehorchen. Und dass sie, wenn sie nicht tun, was ihnen aufgetragen wird, nicht gewollt sind. Kinder leiden sehr, wenn sie nicht das grundsätzliche Vertrauen besitzen, für ihre Eltern wirklich unentbehrlich zu sein.

S. 187: Da die Aktien mit jedem Lob steigen, möchten Kinde gelobt werden.

S. 187: Ohne Lob und Tadel tun Kinder ganz natürlich nur das, was sie tun wollen.

S. 188: Wir sollten uns nicht jedes Mal über ihre Noten freuen oder enttäuscht sein, sondern wir müssen Gelassenheit bewahren.

S. 188: Bei guten Noten sollten wir kein übereiltes Lob aussprechen, sondern wirkliches Interesse zeigen und die Leistungen der Kinder ansprechen. 

S. 188: „Ich interessiere mich nicht so sehr für die Noten als solche, sondern für dich.”

  • Nur muss das auch wirklich so gemeint sein. Wenn ich mixed messages sende, dann fühlen sich die Kinder zerrissen.

S. 189: Unsere Kinder kämpfen gewissermaßen an unserer statt, und dafür loben und tadeln wir sie und versuchen sie zu beherrschen.

S. 189: Wenn Kinder nicht hören wollen, haben auch die Eltern schuld.

S. 189: Wir müssen dafür sorgen, dass zumindest keine gefährlichen Dinge in ihrer Nähe stehen oder Dinge, die sie nicht kaputt machen dürfen, damit wir nicht schon gleich zu Anfang losschimpfen müssen.

S. 190: Werden die Kinder dann sprachlich verständiger, können wir in bestimmten Fällen mit ihnen schimpfen.

S. 191: Wir sollten versuchen, weder von oben Druck auszuüben noch uns von unten einzuschmeicheln, sondern einfach in Verhandlung treten.

DUNKLES UND DÜSTERES

S. 195: Die Menschen verschließen dem Unangenehmen gegenüber unbewusst die Augen und tun so, als wenn nichts wäre.

S. 195: Wir wollen aber die unangenehmen Seiten in uns genau erkennen und uns mit diesen dem anderen anvertrauen. Wir sollten den Mut zur „Kapitulation” besitzen. In einer Welt, in der niemand verlieren und jeder wetteifern möchte, glauben wir zu unterliegen, wenn wir kapitulieren. Tatsächlich aber halten diejenigen, die zuerst kapitulieren können, das Heft in der Hand.

KRANKHEIT DES DENKENS

S. 197: Da Menschen, die der Krankheit des Denkens verfallen sind, die Angewohnheit haben, ständig nach Stimulation zu verlangen, fordern sie, sobald die Reize nachlassen, gleich wieder neue und flüchten sich permanent ins Denken. Im Denken wiederum flüchten sich sich zu den stärksten Reizen, sie flüchten sich in die Sorge, in die Angst oder in Leiden wie das der Wut.

BETEN FÜR SICH SELBST

S. 198: Eine weitere Methode der Meditation ist die Meditation der liebenden Güte. Sie besteht darin, für uns selbst Mitgefühl zu entwickeln und für uns zu beten. 

  • „Möge ich mich nicht mehr quälen.“

S. 199: Wenn wir die ganze Zeit beten, haben wir keine Zeit mehr, irgendwelche sinnlosen Gedanken in unserem Hirn zu wälzen. 

MEDITATION UND DENKEN

S. 231: Wir erkennen beim Meditieren, was wir wirklich denken, worüber wir uns aber für gewöhnlich hinwegtäuschen.

S. 232: Wir brauchen die Konzentration, um uns selbst zu betrachten und die Muster unseres Gehirns zu verändern. Dafür meditieren wir.

  • Um uns „umzuprogrammieren”.