Scott Adams: Die Kunst des erfolgreichen Scheiterns (2014)

Ein Comic-Zeichner („Dilbert“) gibt Ratschläge für Leben, Business und Gesundheit. Das hat tatsächlich Hand und Fuß.

Gelesen: November 2020

Ratschläge in Buchform

  • „Was die Sache noch schlimmer macht, ist die grundsätzlich problematische Vorstellung, man könne einem anderen Menschen Ratschläge in Buchform geben. Die Einheitsgröße passt nicht allen und ich wäre daher überrascht, wenn sich in diesem Buch etwas fände, was allen Lesern jederzeit einleuchtet.“ (S. 11)
  • Das sollte man sich als Autor vor Augen halten. Jeder Autor!

Profit als oberste Priorität im Geschäftsleben

  • „Es lässt sich darüber streiten, ob es moralisch vertretbar ist, Profite als oberste Priorität des Geschäftslebens zu betrachten, doch es funktioniert unbestreitbar. Man kann allenfalls behaupten, manche Firmen würden es übertreiben. Doch dieses Risiko birgt jedes Werkzeug. Ein Hammer ist nur sinnvoll, wenn man zu schlagen aufhört, sobald der Nagel vollständig versenkt ist. Schlagen Sie weiter, bricht das Holz.“ (S. 15f)
  • vgl. Wolf Lotter, der ebenfalls die Hammer/Werkzeug-Metapher für den Kapitalismus wählt.
  • vgl. Willkommen in der Marktwirtschaft!

Wie sich Einsamkeit lindern lässt

  • „Ich lernte, dass es dem Einsamen nicht hilft, den Gesprächen anderer zu lauschen. Einsamkeit lässt sich nur lindern, indem man selbst sprich, und vor allem, wenn einem jemand zuhört.“ (S. 19)
  • Gilt auch für Solopreneure: Nicht das Anschauen eines Videos gibt emotionale Kraft, sondern die (online-) Community, in der man „gesehen“ wird.

Gute Ideen sind wertlos

  • „Gute Ideen sind wertlos, denn die Welt hat schon zu viele. Der Markt belohnt die Verwirklichung, nicht die guten Ideen.“ (S. 31)

Systemorientierte Personen

  • „Im Laufe meiner Karriere habe ich stets nach Menschen Ausschau gehalten, die sich an Systemen orientieren statt an Zielen. Soweit ich es beurteilen kann, ist es in den meisten Fällen denen, die Systeme benutzen, besser ergangen. Systemorientierte Personen sind in der Lage, das Gewöhnliche auf neue und zweckdienlichere Art zu betrachten.“ (S. 50)
  • “ „System“-Personen haben jedes Mal Erfolg, wenn sie ihr System einsetzen, weil sie getan haben, was sie zu tun beabsichtigten. „Ziel“-Personen kämpfen immer gegen das Gefühl der Entmutigung an. „System“-Personen fühlen sich jedes Mal gut, wenn sie ihr System anwenden.“ (S. 51)

Definition Ziel vs. System

  • „Sagen wir für unsere Zwecke einfach, ein Ziel ist etwas Spezifisches, das man irgendwann in der Zukunft erreicht oder auch nicht. Ein System ist etwas, das man regelmäßig anwendet und das die Chancen auf Zufriedenheit langfristig steigert.“ (S. 52)
  • Vgl. „The Practice“ von Seth Godin ist ein System, kein Ziel.

Lotterielose kaufen ist kein System

  • „Die Mindestanforderung an ein System ist, dass eine vernünftige Person sich von ihm verspricht, es werde öfter funktionieren, als es dies nicht tut. Lotterielose zu kaufen ist kein System, egal wie regelmäßig Sie es tun.“ (S. 53)

System vs. Leidenschaft

  • „Wie viel Leidenschaft steckt dahinter? Antwort: Null. Dieser Freund hat einfach ein herausragendes System – und dagegen hat Leidenschaft keine Chance.“ (S. 54)

Fokus

  • „Es hilft eine Menge, wenn man zumindest eine allgemeine Strategie verfolgt und einigermaßen fokussiert vorgeht. Die Welt bietet so viele Möglichkeiten, dass ein schnelles Filtern, um einige davon auszuschließen und sich auf andere zu konzentrieren, unabdingbar ist.“ (S. 62)

Beschließen vs. wünschen

  • „Wenn du Erfolg haben willst, frag nach dem Preis und zahl ihn.“ (S. 70)
  • „Erfolgreiche Menschen wünschen sich keinen Erfolg; sie beschließen, alles dafür zu tun. Und dafür benötigen sie ein System.“ (S. 70)

Die Obsession mit der Großzügigkeit

  • „Problematisch an unserer Obsession mit der Großzügigkeit ist, dass wir dadurch kurzsichtig werden. Wir lassen das Fitnesstraining ausfallen, damit wir eine Stunde mehr im Haushalt helfen können. Wir kaufen Fastfood, um einem Mitarbeiter noch bei einem Problem zu helfen. Andauernd setzen wir unsere Zukunft aufs Spiel, damit wir in der Gegenwart anderer großzügig wirken.“ (S. 73)

Was „egoistisch sein“ (nicht) bedeutet

  • „An dieser Stelle sollte ich den Lesern unter Ihnen, die mich beim Wort nehmen, kurz erklären, dass egoistisch zu sein nicht bedeutet, einen auf eine Straße zurollenden Kinderwagen nicht aufzuhalten, nur weil mann dann zehn Sekunden zu spät zur Arbeit erscheinen würde. Wir Menschen sind emotional und gesellschaftlich so stark miteinander verbunden, dass anderen zu helfen oftmals das Beste ist, was wir für uns selbst tun können. Ich vertraue darauf, dass Sie diese Situationen erkennen können. Egoistisch zu sein bedeutet nicht, sich wie ein Soziopath zu verhalten. Es bedeutet lediglich, die Dinge auf lange Sicht zu betrachten.“ (S. 75)

„Energie“ als Leitlinie des Lebens

  • „Mein Vorschlag lautet: Organisieren Sie Ihr Leben so, dass Ihre Energie optimiert wird, und es wird zu etwas Unglaublichem führen, das mehr Gutes als Schlechtes hat.“ (S. 81)

Optimale vs. einfache Systeme

  • „Ich ziehe Vereinfachung immer dann vor, wenn ich ein System anwenden möchte, denn einfache Systeme sind leichter nachvollziehbar als komplizierte. […] Der allerbeste Diät- oder Fitnessplan wird auch der allerkomplizierteste sein. Doch nur bei wenigen Leuten ist der Wille stark genug, komplizierte Pläne auch umzusetzen.“ (S. 87)
  • „Die besten Systeme sind einfach – und das aus gutem Grund. Komplizierte Systeme sind anfälliger fürs Scheitern. Es liegt im Wesen der Menschen, dass sie sich mit einfachen Systemen leichter tun und mit komplizierten schwerer.“ (S. 88)
  • „Einfache Systeme sind wahrscheinlich der beste Weg zum Erfolg. Sind Sie erst einmal erfolgreich, rückt auch das Optimieren mehr in den Blick.“ (S. 88)

Who not how

  • „Und so verhielt es sich bei 90% der Themen, vor denen ich im Laufe meiner Karriere Angst hatte. Wenn Sie nachfragen, werden Sie oft feststellen, dass es eine einfache Lösung gibt, wie zum Beispiel eine Website, die alles erledigt, oder einen Fachmann, der sich gegen angemessene Bezahlung um das Problem kümmert. Denken Sie einfach daran, dass jedes Mal, wenn Sie sich fragen, wie man etwas tut, einige Hundert Millionen Personen sich vermutlich schon einmal dasselbe gefragt haben. Und das heißt normalerweise, dass die nötigen Information bereits gebündelt, vereinfacht und in manchen Fällen auch verkauft worden ist.“ (S. 92f)

Prioritäten als konzentrische Kreise

  • „Es ist sehr hilfreich, wenn Sie sich Ihre Prioritäten wie konzentrische Kreise vorstellen, wie auf einer Zielscheibe. In der Mitte liegt das, was höchste Priorität hat: Sie. Ruinieren Sie sich, dann können Sie sich nicht um die anderen Prioritäten kümmern. Also ist Ihr wichtigster Job, sich um Ihr Wohlergehen zu kümmern.“ (S.  95)
    • Die eigene Gesundheit ist das Wichtigste.
  • Zweiter Ring: Geld: „Wenn Sie Ihre Finanzen nicht geregelt kriegen, belastet das alle anderen, von Ihrer Familie bis zu dem Land, in dem Sie leben.“ (S. 95)
  • Dritter Ring: Angehörige, Freunde, Partner
  • Vierter Ring: Gemeinde, Land, Welt – „in dieser Reihenfolge“

Hartnäckigkeit ist keine Tugend

  • „Es kam vor, dass ich an schlechten Ideen viel zu lange festgehalten habe, weil ich der falschen Vorstellung aufsaß, dass Hartnäckigkeit eine Tugend sei. Ich habe das folgende Muster erkannt: Dinge, die eines Tages gut laufen werden, beginnen bereits gut. Dinge, die niemals gut laufen werden, beginnen schlecht und bleiben es auch.“ (S. 128)
  • „Normalerweise gilt: Wenn sich von Beginn an niemand für Ihre Kunst, Ihr Produkt oder Ihre Idee begeistert, dann bleibt es auch dabei. […] Lassen Sie sich von der Meinung Ihrer Freunde und Angehörigen nicht in die Irre führen. Das sind alles Lügner.“ (S. 133)

Dilbert hatte einen X-Factor

  • „Gibt es einen X-Faktor, dann springt das Publikum oder ein Teil davon sofort darauf an. Die normalen Vorstellungen von Qualität gelten für die wenigen Begeisterten nicht. Mit der Zeit gewinnen die Produkte, die Begeisterung hervorrufen, normalerweise auch an Qualität. Qualität ist ein Luxus, den man sich leisten kann, wenn der Markt einen mit Geld versorgt und man Zeit fürs Herumbasteln hat.“ (S. 132)
  • „Wenn Ihre Arbeit eine gewissen Begeisterung weckt und manche Kunden aktiv werden lässt, dann bereiten Sie sich auf einen harten Weg vor. Womöglich sind Sie an etwas dran, wofür es sich zu kämpfen lohnt.“ (S. 133)

Glück kann man nicht erzwingen, aber…

  • „Glück kann man nicht erzwingen, doch man kann von einem Spiel mit geringen Erfolgschancen zu einem Spiel mit besseren Chancen wechseln.“ (S. 146)
  • „Die Erfolgschancen einer bestimmten Strategie herauszufinden ist schwierig – und zwar erheblich schwieriger, als es aussieht.“ (S. 146)

Aufrichtiges Lob

  • „Erwachsene sehnen sich nach netten Worten. Wenn Sie die Kraft des aufrichtigen Lobs verstehen […], dann werden Sie merken, dass das Unterlassen desselben an unmoralisches Verhalten grenzt. Wenn Sie etwas sehen, was Sie beeindruckt, dann verlangt es der gebührende Respekt vor der Menschheit, dass Sie Ihre Anerkennung ausdrücken.“ (S. 154)

Klare Texte

  • „Durch klare Texte wirkt der Verfasser schlauer und seine Argumente sind überzeugender.“ (S. 172)

Energie

  • „Die Leute reagieren auf die Energie anderer. […] Energie ist ansteckend. Die Menschen spüren sie gerne. Wenn Sie Begeisterung zeigen, werden andere denselben Rausch erfahren wollen.“ (S. 200)

Die Welt als Spielautomat

  • „Ich finde es hilfreich, die Welt als Spielautomaten zu betrachten, der kein Geld von einem will. Das Einzige, worum die Welt einen bittet, ist Zeit, Energie und Fokus, um immer wieder den Hebel zu ziehen.“ (S. 228)

Zeitliche Flexibilität => Zufriedenheit

  • „Wann immer Sie eine wichtige Entscheidung in Ihrem Privatleben oder in Bezug auf Ihre Karriere treffen müssen, sollte eines der Kriterien zeitliche Flexibilität sein. Realistisch gesehen muss man manchmal in den sauren Apfel beißen und länger arbeiten, auf die Kinder aufpassen und seinen Pflichten nachkommen. Versuchen Sie einfach, Ihren zeitlichen Freiraum auf lange Sicht zu vergrößern. Darauf sollten Sie hinarbeiten.“ (S. 246)
  • „Zufriedenheit ist für die meisten Menschen der natürliche Zustand, wenn sie sich gesund fühlen, einen flexiblen Zeitplan haben und in eine gute Zukunft blicken.“ (S. 248)

Ein Ernährungsplan von Ihrem (halbwegs) schlauen Freund (S. 272ff)

  • SA hat eine Liste von Lebensmitteln, von denen er so viel essen kann wie er will, ohne zuzunehmen – solange er sportlich aktiv bleibt.
    • Auf der Liste stehen u.a. Proteinriegel, Erdnüsse, Vollkornnudeln, Karotten, Quinoa, brauner Reis.
    • „Essen Sie so viel gesundes Essen, wie Sie mögen, und sooft Sie mögen.“
  • Die Lebensmittel, die SA im Haus hat, „sind in erster Linie praktisch“. Das Gute ist leicht greifbar. Wenn das Ungesunde nicht leicht erreichbar ist, aber das Gesunde schon, dann bewirkt die menschliche Faulheit, dass man eher zum Gesunden greift, weil es einfacher ist.
  • Auf die Auswirkung bestimmter Speisen auf den Energiepegel achten. Jene Speisen, die den Energiepegel senken, aus dem Haushalt entfernen. Muster finden!
  • Einen Vorrat an bequemen und gesunden Lebensmittel anlegen.
  • „Lassen Sie die Finger von Lebensmitteln, die süchtig machen: weißer Reis, Kartoffeln, Nachtisch, Weißbrot, Frittiertes.“
  • „Wenn Sie aus Müdigkeit hungrig sind, probieren Sie gesundes Essen mit Fett, zum Beispiel Nüsse, Avocados, Proteinriegel und Käse, um das Hungergefühl zu unterdrücken.“

Dem Glück viele Gelegenheiten geben

  • „Ein großer Teil meines Systems ist es, dem Glück viele Gelegenheiten zu geben, mich zu finden, und die Risiken einzugehen, die mir die Chance geben, Erfolg zu haben, selbst wenn ich scheitere.“ (S. 312)
  • „Wenn Sie die persönliche Energie verbessert haben, dann brauchen Sie für Erfolg nur noch Glück. Sie können das Glück nicht direkt beeinflussen, doch Sie können von Strategien mit schlechten Chancen zu Strategien mit guten wechseln.“ (S. 324)
  • „Leute, die viel Glück zu haben scheinen, sind oft Leute, die ein System anwenden, um vom Glück gefunden zu werden.“ (S. 326)

Warum dieses Buch gut zu lesen ist

  • Die Kapitel sind angenehm lang/kurz. Die sind „schaffbar“.
  • Die Kapitel sind unterschiedlich lang. Es sind auch sehr kurze, schnelle dabei.
  • Das Storytelling natürlich!
  • Dadurch ist die Information nicht so dicht, dass sie einschüchternd wäre.
  • Der Humor. Es gibt immer wieder mal was zu lachen.
  • Die Absätze sind durch eine Leerzeile getrennt.
  • Das Buch ist „opinionated“. Man muss ihm nicht in allem zustimmen, aber er drückt klar aus, was er für gut und richtig hält.
  • Er baut eine Beziehung zu mir als Leser auf – absichtsvoll, mit kleinen Kniffen. Er setzt Manipulationstechniken kaum merkbar ein, und zwar zum Nutzen des Lesers.