ūüďô Silvia Breier: Geld, Macht, Gef√ľhle (2017)

Ein sehr schlaues Buch dar√ľber, wie Geld in unserem Leben wirkt – erst recht, wenn wir glauben, dass uns Geld gar nicht wichtig ist.

Bibel-Stelle: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon

  • „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen h√§ngen und den anderen verachten. Ihr k√∂nnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6,24) (S. 24)
  • Ich denke, das entscheidende Wort ist „dienen“: In wessen Dienst stelle ich mich? Es ist das eine, sich in den Dienst Gottes zu stellen und Geld als Werkzeug daf√ľr zu verwenden. Es ist etwas g√§nzlich Anderes, sich in den Dienst des Geldes zu stellen und Gott als afterthought zu sehen.

Das Festhalten am Geld steht f√ľr das Festhalten am Leben

  • Die Angst vor dem Verlust von Geld steht f√ľr die Angst vor dem Verlust des derzeitigen guten Lebens.
  • „Hinter Verzicht steht in vielen F√§llen die Angst, Mangel zu leiden.“ (S. 32)

Den Abgang selbst gestalten

  • „Die eigene Verg√§nglichkeit anzuerkennen weckt in vielen Menschen, die es gewohnt sind, ihr Leben selbst zu gestalten, auch den Wunsch, ihren Abgang selbst zu gestalten.“ (S. 35)

Verlustangst auch vor Verlust der Wahlmöglichkeiten, die Geld uns bietet.

  • „Geld bietet nicht nur Wahlm√∂glichkeiten, sondern auch die Entscheidungsfreiheit, die passendste Option zu w√§hlen. Es gew√§hrt Optionen auf die Zukunft. Damit verleiht Geld auch Macht. Die Macht, die eigenen W√ľnsche zu realisieren, zu tun, was man will.“ (S. 37)
  • Geld bedeutet damit Freiheit. Und damit wird Geld wichtig f√ľr Menschen, die Freiheit als zentralen Wert in ihrem Leben haben. Sie haben nicht per se Angst davor Geld zu verlieren, sondern vor allem ihre Freiheit und Unabh√§ngigkeit.
  • vgl. Angst vor Altersarmut = Angst vor Abh√§ngigkeit

Control

  • „Menschen, die prinzipiell das Gef√ľhl haben, dass die Welt vorhersehbar und beherrschbar ist, bew√§ltigen Probleme leichter und haben eine h√∂here psychische Widerstandskraft, auch Resilienz genannt. Sie stecken Krisen leichter weg, sind tendenziell ges√ľnder und gl√ľcklicher als Menschen, die davon √ľberzeugt sind, dass die Welt ein bedrohlicher Ort ist.“ (S. 38)

Wo Schuld ist, ist Sinn

  • „Peinigendes f√§llt leichter, wenn man es jemandem schuldet. Wo Schuld ist, ist Sinn.“ (T√ľrcke, S. 44)

Nicht reich muss man sein, sondern unabhängig! (S. 66)

  • Auch reiche Menschen k√∂nnen abh√§ngig sein.
  • Das Life Design auf Unabh√§ngigkeit optimieren, nicht auf Reichtum!

Marcel Reich-Ranicki

  • ‚ÄěGeld allein macht nicht gl√ľcklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Stra√üenbahn.‚Äú (S. 69)

Easterlin-Paradoxon: Relatives Einkommen

  • „Wir neigen leider dazu, unser Gl√ľck von Vergleichen mit anderen abh√§ngig zu machen.“ (S. 71)
  • Easterlin-Paradoxon: „Nicht das absolute Einkommen entscheidet demnach √ľber das Gl√ľcksempfinden, sondern die relative Position, die jemand in einer Gesellschaft einnimmt. Wie gl√ľcklich ein Mensch ist, h√§ngt also von einer relativen Referenzgr√∂√üe ab.“ (Zeyringer, S. 74f).
  • vgl. Wenn die Tesla in der Donaustra√üe parken; wenn ich in Thomas‘ Bungalow bin.

Geld trägt massiv dazu bei, das Ego zu pushen. (S. 74)

  • Wie cool w√§re Lifestyle Entrepreneurship g√§nzlich ohne Ego?

Distanz entfacht Begehren

  • „F√ľr Menschen ist es deshalb auch ganz schwer, verlorenem Geld nicht nachzutrauern und den Verlust zu akzeptieren, weil durch die Distanz zum Geld […] erst das Begehren so richtig entfacht wird.“ (S. 92)

Geld und Erfolg/Versagen

  • „Erfolg wird oft mit Reichtum gleichgesetzt, Versagen mit Armut. Ein Grund, warum wir so ungern √ľber unser Gehalt reden, ist auch die Angst, unser Versagen vor Augen gef√ľhrt zu bekommen, wenn jemand anderer mehr verdient.“ (S. 94)
  • „Heute f√§llt es wesentlich leichter, in der √Ėffentlichkeit √ľber Sex zu sprechen als √ľber Geld.“ (S. 96)

Geld ist Ersatz

  • „Geld ist Ersatz. Sich mit Ersatz zu begn√ľgen ist oft unvermeidlich und besser als gar nichts. Den Ersatz f√ľr die Sache selbst zu nehmen, ist hingegen pervers.“ (T√ľrcke, S. 94)

Eva Illouz: Emotionaler Kapitalismus

  • „Damit meint sie, dass Paare nach √∂konomischen Gesetzen handeln, sich vermarkten und sowohl den eigenen Nutzen als auch den des (m√∂glichen) Partners bewerten.“ (S. 109)

Wie Geld in der Beratung wirkt (S. 118ff)

  • Es kommt immer auf die Person des Beraters an. „Ich kaufe als Klientin nicht nur deren Wissen, sondern wusste auch, was mich erwartete.“ (S. 119)
  • „Erfolgreiche Kurzberatung bedeutet finanzielle Nachteile f√ľr den Berater.“ (S. 120)
  • „Und was ist aus der Sicht eines Klienten eine Beratung wert? Ist es der Betrag, den die Stunden in Summe kosten? Oder ist es das Ergebnis, das im Idealfall eine Verbesserung seiner Situation ist? Wenn Sie Ihr gr√∂√ütes Problem gel√∂st bek√§men, was w√§re Ihnen das wert?“ (S. 121)
  • „Der Analytiker hat nicht […] die M√∂glichkeit, zwischen sich als unverk√§uflicher Person und seinem verkaufbaren Expertenwissen zu trennen. […] In diesem Sinn ist es stimmig, von „sich verkaufen“ zu sprechen.“ (Grabska, S. 121)
    • „Was f√ľr eine verdammte Art und Weise, seinen Lebensunterhalt zu verdienen: sich zu verkaufen.“ (Grabska, S. 121)
    • „Der Analytiker verkauft sich selbst in der Beratung. Doch nur innerhalb seiner professionellen Rolle.“ (S. 122)
  • „Klienten k√∂nnen sich in einer m√§chtigen Position sehen, da sie das Geld bringen, das der Analyst will und braucht. Sie k√∂nnen sich aber auch in ihrem Selbstwert verletzt f√ľhlen, wenn sie das Gef√ľhl haben, der Analyst ist nur an ihrem Geld, nicht aber an ihnen als Person interessiert.“ (S. 122)
  • „Wenn der Berater seinen Beruf auf selbst√§ndiger Basis aus√ľbt und seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, ist er von der Bezahlung durch seine Klienten abh√§ngig. […] Dies ist sicher ein Grund f√ľr die Tabuisierung von Geld in der Beratung, denn die Gef√ľhle von Peinlichkeit, Gehemmtheit und Heuchelei erzeugen bei beiden Parteien Widerstand.“ (S. 123)
  • „Die Bezahlung ist f√ľr die Beratung von enormer Wichtigkeit. […] Der Berater erbringt eine Leistung und erh√§lt eine Gegenleistung. Durch die Bezahlung sind die beiden quitt. Sie befreit den Klienten von allen Verpflichtungen gegen√ľber dem Berater und garantiert dem Klienten somit Unabh√§ngigkeit.“ (S. 123)
  • „Beim Bezahlen schwingt aufseiten des Beraters oft eine gewisse Scham mit, weil man Geld „verlangt“ und sich somit „verkauft“. Damit haben gerade Berufseinsteiger ein gro√ües Problem. Sie m√∂chten den Klienten nicht ausbeuten, da er ja ihre Hilfe braucht, und verlangen deshalb oft weniger als sie eigentlich wollten. Gleichzeitig schwingt hier auch die Bef√ľrchtung mit, das Geld nicht „wert“ zu sein, nicht (genug) daf√ľr geleistet zu haben.“ (S. 123f)
  • „Klienten gehen nach einer Beratungseinheit von uns weg und wir k√∂nnen nur wissen, dass wir das Bestm√∂gliche getan haben. Klienten sehen das √§hnlich. Sie sehen oftmals heim und denken sich, sie haben jetzt eine Stunde nur geplaudert, aber sind in ihrer Probleml√∂sung keinen Schritt weiter.“ (S. 124)

Arm vs. reich

  • „Arme denken kurzfristig, Reiche langfristig.“ (S. 127)

Reiche haben es auch nicht leicht

  • „Menschen, die √ľber so viel Geld verf√ľgen, dass sie eigentlich, wie man meinen k√∂nnte, sorgenfrei leben k√∂nnten, haben es trotzdem nicht unbedingt einfach im Leben. Sie m√ľssen sich ihre Lebensgrenzen selbst setzen, da ihnen alle M√∂glichkeiten offenstehen. Sie m√ľssen alles selbst festlegen, was sie wollen.“ (S. 130)
  • „Hohe Geldsummen sind eine Herausforderung an den Charakter.“ (S. 130)

Geiz

  • „Geiz ist v.a. eine Entt√§uschungsprophylaxe. Es geht dabei ums Festhalten des Geldes, ums Nicht-loslassen-wollen. Es geht nicht um Geld an sich oder das, was man mit dem Geld machen k√∂nnte.“ (S. 133)
  • „Geiz steht psychologisch auch f√ľr das Festhalten am Leben, das Nicht-Hergeben der Vitalit√§t, und gerade bei √§lteren Menschen sehen wir die Form des Altersgeizes […].“ (S. 133)

Neid

  • „Wir beneiden die anderen nicht unbedingt um das, was sie besitzen, sondern um das, was wir glauben, dass sie dadurch f√ľhlen.“ (S. 137)
  • „Interessanterweise verschwindet Neid aber nicht, wenn f√ľr alle genug da ist.“ (S. 137)
  • „Je mehr uns bewusst ist, wieviel Gutes es in unserem Leben gibt, und je dankbarer wir daf√ľr sind, desto zufriedener sind wir mit unserem Leben. Dadurch kommen wir gar nicht mehr so leicht in Verlegenheit, uns mit anderen Leuten zu vergleichen, obwohl dies auf einer unbewussten Ebene immer wieder passiert.“ (S. 138)
  • „Tats√§chlich ist Neid eine Mischung aus mehreren Gef√ľhlen wie Angst, Trauer, Wut, Verachtung und Selbstmitleid.“ (S. 139)
  • „Neid empfinden wir nur innerhalb einer ann√§hernd gleichen sozialen Schicht. Kein Durchschnittsb√ľrger beneidet Superreiche. […] Aber das Gehaltsniveau des Nachbarn w√§re im Rahmen des M√∂glichen, darum beneiden wir ihn um sein neues Auto.“ (S. 139)
  • „Je n√§her man sich steht, desto gr√∂√üer kann der Neid werden. Viele k√∂nnen wahrscheinlich best√§tigen, dass Neid innerhalb der Familie h√§ufig vorkommt, v.a. zwischen Geschwistern […].“ (S. 139)
  • „Wenn erwachsene Geschwister, die sich ein gutes Leben aufgebaut haben, immer noch mit Neid begegnen, laufen ganz alte Muster bei ihnen ab, die in ihren fr√ľhen Kindheitstagen entstanden sind.“ (S. 140)
  • „Unsere Werte sind entscheidend daf√ľr, worauf wir neidisch sind.“ (S. 140)
    • Daher: Neid ist ein guter Indikator daf√ľr, was uns wirklich wichtig ist im Leben. Dort, wo wir Neid versp√ľren, da finden wir auch unseren Sinn.

Vertraulichkeit schafft Vertrauen

  • „Wenn uns Dinge vertraut vorkommen, halten wir sie eher f√ľr wahr und hinterfragen sie nicht. Vertrautheit schafft Vertrauen.“ (S. 164)
  • Kahneman: „Eine zuverl√§ssige Methode, falsche Aussagen zu glauben, ist h√§ufiges Wiederholen, weil Vertrautheit sich nicht leicht von Wahrheit unterscheiden l√§sst.“ (S. 164)

Wahrscheinlichkeiten sind ein Mirakel

  • vgl. Seth Godin
  • „Wir k√∂nnen Wahrscheinlichkeiten schlecht einsch√§tzen. Geringe Wahrscheinlichkeiten gewichten wir zu stark […]. Man nennt dies den „M√∂glichkeitseffekt“.“ (S. 166)
  • „Dem gegen√ľber steht der „Sicherheitseffekt“, wo wir Ergebnisse mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit geringer gewichten als angemessen w√§re.“ (S. 166)
    • vgl. Ehevertr√§ge (oder das Fehlen dieser)
  • „Wenn wir uns sorgen, weil wir eine Bedrohung wahrnehmen, entspricht der Grad unserer Sorgen nicht der Eintrittswahrscheinlichkeit des negativen Ereignisses. Darum hilft es auch nicht, ein Risiko zu reduzieren, um sorgenfrei zu sein. Wir m√ľssen das Risiko komplett ausschalten. Das erkl√§rt, warum wir so gerne Versicherungen abschlie√üen.“ (S. 167)

So tun als ob

  • „Es ist ein wesentliches Merkmal der Verhaltenstherapie, die Klienten aufzufordern, „so zu tun als ob“, denn unweigerlich verhalten sich diese dann auch so wie gew√ľnscht.“ (S. 170)

Geld ist eine Projektionsfläche

  • „Geld ist wie eine Leinwand, wei√ü und unbeschrieben. Erst wenn wir den Projektor anwerfen und ein Bild hineinstecken, k√∂nnen wir etwas erkennen.“ (S. 203)
  • „Geld ist eine Projektionsfl√§che f√ľr unbewusste Gef√ľhle, W√ľnsche und √Ąngste.“ (S. 203)

Wozu ein Coach gut ist

  • „Mir geht es jedoch auch oft so, dass ich zwar wei√ü, was das Problem ist und woher es kommt, aber selbst keine L√∂sung finde. Wenn ich das k√∂nnte, h√§tte ich es ja schon selbst ge√§ndert. In solchen F√§llen investiere ich dann in eine Coaching-Stunde, weil ein Au√üenstehender sehr viel leichter erkennen kann, worum es √ľberhaupt geht, wo meine blinden Flecken sind und wie ich meine Scheuklappen ablegen kann.“ (S. 206)

Es ist uns nicht einmal bewusst, wie wichtig uns Geld ist

  • „Es ist uns nicht einmal bewusst, welch gro√üen Einfluss Geld auf uns hat. Von klein auf ist Geld in unserem Leben pr√§sent und erschleicht sich seinen Platz in unserer Psyche, den wir im Aufrechterhalten unserer Glaubenss√§tze auch noch verteidigen. Wir sind tats√§chlich der Meinung, der Herr im eigenen Haus zu sein und Geldentscheidungen bewusst und rational zu treffen.“ (S. 216)

Was Silvia Breier mir w√ľnscht

  • „Ich w√ľnsche Ihnen, dass Geld in Ihrem Leben die Rolle spielt, die Sie ihm zugestehen m√∂chten, und dass Sie unabh√§ngig von Geld gl√ľcklich und zufrieden mit sich und der Welt sind.“ (S. 217)

Zum meinem Podcast-Interview mit Silvia Breier