TagGünter Faltin

Der redliche Kaufmann

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Günter Faltin nennt die Arbeit seiner Teekampagne “redlich”. Ein Wort, das man im Business-Kontext selten hört. Zu altmodisch vielleicht, zu wenig sexy. Dabei trifft es etwas Wesentliches.

Faltin definiert Redlichkeit so: Fair zu allen Beteiligten. Du verkaufst, was du versprichst. Du zahlst faire Preise. Du machst keine halben Sachen. Kein Theater, keine aufgeblasenen Claims, keine künstliche Verknappung.

Der “redliche Kaufmann” ist für uns Solopreneure womöglich das bessere Ideal als der “disruptive Entrepreneur”.

Redlichkeit braucht keine Werbelyrik. Sie spricht für sich. Und sie zeigt sich in dem, was du tust – nicht in dem, was du darüber erzählst.

Gründungsberatung braucht Stallgeruch

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Es gibt einen Unterschied zwischen jemandem, der über Selbständigkeit redet, und jemandem, der sie lebt.

Die Wirtschaftskammer hat angestellte Gründungsberater:innen. Die Fachhochschulen haben hauptberufliche Lehrbeauftragte, die Entrepreneurship unterrichten. Alles gut ausgebildete Leute mit solidem Wissen. Aber: Sie sind angestellt. Sie kennen die Selbständigkeit aus Büchern, Studien und Konzepten – nicht aus der eigenen Realität.

Was fehlt? Der Stallgeruch. Das Wissen, wie es sich anfühlt, wenn du selbst dafür verantwortlich bist, wie viel Geld reinkommt. Die Erfahrung, dass du deine Sozialversicherung selbst zahlst. Der Moment, wo du merkst, dass niemand außer dir entscheidet, ob du heute arbeitest oder nicht.

Die Zukunftsforscher-Familie Horx nennt das in einem anderen Kontext Doing Future – nicht nur über Zukunft reden, sondern in ihr leben.

Für Gründungsberatung würde das heißen: Doing Selbständigkeit. Wie Prof. Günter Faltin mit seiner Teekampagne. Theoretisches Wissen ist wichtig. Aber wenn du jemandem erklären willst, wie Entrepreneurship funktioniert, solltest du es selbst erlebt haben. Nicht als Experiment, sondern als Realität.

Doing Selbständigkeit ist der Unterschied zwischen Gründungsberatung, die sich richtig anfühlt, und Gründungsberatung, die nur richtig klingt.

Das Problem lieben

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Als Berater ist es total wichtig, dass man gerne Lösungen findet. Dass man gemeinsam mit den Kund:innen versucht, eine Herausforderung, die blockiert, in etwas zu verwandeln, dass Kraft und Mut zum Weitergehen macht.

Aber mindestens genauso wichtig ist es, dass man das Problem liebt.

Ich als Gründungsberater mag es sehr, mit meinen Gründer:innen gemeinsam nachzudenken, wie sie ihr Business voranbringen können. Es ist einfach großartig, wenn wir gemeinsam Lösungen entwickeln.

Aber was mich an der Gründungsberatung in Wirklichkeit reizt, ist das Problem, das es zu lösen gilt. Nämlich: Wie findet man eine Gründungsidee, die stimmig zur Person und stimmig zum Markt ist (wie Günter Faltin sagen würde)? Und wie schaffen wir es, diese Geschäftsidee tatsächlich erfolgreich in die Welt zu bringen?

Ich liebe dieses Problem. Es macht mir Spaß, darüber nachzudenken. Es macht mir Spaß, darüber zu sprechen. Es macht mir Spaß, darüber zu lesen.

Und deshalb wird die Gründungsberatung für mich niemals langweilig werden.

[Danke Gabe Anderson für diesen Gedanken.]

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Venture Capitalists haben ihre ganz eigene Logik. Sie investieren in eine Vielzahl von Start-ups und sind zufrieden, wenn eines von zehn Start-up-Investments erfolgreich ist.

Aus meiner Sicht ein wichtiger Aspekt dabei: Venture Capitalists ist es wurscht, welches der zehn Start-ups erfolgreich ist. Es geht ihnen nicht um die Menschen hinter den Start-ups, sondern rein wirtschaftlichen Erfolg.

Aber was ist mit jeder Einzelnen und jedem Einzelnen der Menschen, die zu den 90% der nicht erfolgreichen Startup-Gründer zählen? Für die sieht die Sache ganz, ganz anders aus. Für sie ist eine gescheiterte Gründung mitunter ein persönliches Drama.

Venture Capitalists ist das aber wurscht. Das muss jedem bewusst sein, der glaubt, in einem VC-Investment sein Heil zu finden.

[Danke Günter Faltin für diesen Gedanken.]

Leseliste: Bücher, die ich 2022 gelesen habe

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  1. Dorie Clark: The Long Game (Meine Notizen)
  2. Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten
  3. Wolf Lotter: Strengt euch an! (Meine Notizen)
  4. Michael A. Singer: Die unbändige Seele
  5. Gerald Schöpfer / Günther Witamwas (Hrsg.): Unternehmertum und Gründergeist (Meine Notizen)
  6. George S. Clason: Der reichste Mann von Babylon (Mein Podcast)
  7. Seth Godin: Permission Marketing
  8. Paul Jarvis: Company Of One
  9. Michael Bungay Stanier: The Coaching Habit (Meine Notizen)
  10. Michael Bungay Stanier: The Advice Trap (Meine Notizen)
  11. Peter Drucker: The Effective Executive
  12. Ichiro Kishimi/Fumitake Koga: Du bist genug
  13. Markus Brunnermeier: Die resiliente Gesellschaft (Meine Notizen)
  14. Andreas Herzog: Mit Herz und Schmäh (Meine Notizen)
  15. Jordan B. Peterson: Beyond Order (Meine Notizen)
  16. Bjørn Thorsten Leimbach: Männlichkeit genießen! (Meine Notizen)
  17. Jessica Hagy: How to be interesting (Meine Notizen)
  18. Gottfried Epp: Positive Self-Leadership (Meine Notizen)
  19. Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville
  20. Wolf Lotter: Zusammenhänge (Meine Notizen)
  21. Austrofred: Alpenkönig und Menschenfreund
  22. August Höglinger: Macht und Verantwortung (Meine Notizen)
  23. Petra Bock: Mindfuck (Meine Notizen)
  24. Derek Sivers: How to live (Meine Notizen)
  25. Austrofred: Ich rechne noch in Schilling
  26. John Stepper: Working Out Loud (Meine Notizen)
  27. Cal Newport: Deep Work (Meine Notizen)
  28. Markus Hengstschläger: Die Lösungsbegabung (Meine Notizen)
  29. Oliver Burkeman: 4000 Wochen (Meine Notizen)
  30. Ben Furman: Ich schaffs!
  31. Evi Hartmann: Ihr kriegt den Arsch nicht hoch! (Meine Notizen)
  32. Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital
  33. Derek Sivers: Anything You Want (Meine Notizen)
  34. Seth Godin: This Is Marketing
  35. Catharina Bruns: Work is not a job
  36. Alois Prinz: Der erste Christ (Meine Notizen)
  37. David Goodhart: Kopf Hand Herz (Meine Notizen)
  38. Garrett B. Gunderson: Killing Sacred Cows (Meine Notizen)
  39. Agatha Christie: Wunderbare Weihnachten

[Meine Leseliste 2021]

Besseres Wirtschaften

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Ein Gedanke vom Entrepreneurship Summit 2020 in Berlin: Ist die Art und Weise, wie wir im Jahr 2020 Wirtschaft gestalten, wie wir Produkte schaffen und verkaufen und wie wir mit den Ressourcen der Erde umgehen, wirklich schon der Weisheit letzter Schluss?

Wann fangen wir an, Wirtschaft neu zu denken? Wann fangen wir an, für faire Produkte faire Preise zu bezahlen? Wann hören wir auf, den riesigen “Marketing-Rucksack” von so vielen Produkten zu finanzieren? Wann hören wir auf, auf Kosten anderer zu leben?

„Wir alle können Ökonomie besser. Tun wir es auch!”, sagt Günter Faltin. Wenn das mal kein Aufruf an uns Lifestyle Entrepreneure ist!