Tag#Lebensfragen

Lebendigkeit

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Damit sich das Leben lebendig anfühlt, muss es auch ein bisschen gefährlich sein.

Man könnte sagen: Im Normalzustand lebt ein Mensch, in Gefahr aber wird er lebendig.

Gefahr bedeutet aber nicht lebensbedrohende Gefahr. Gefahr bedeutet eine gewisse Unruhe, eine Veränderungsbereitschaft, eine Neugier auf das Neue, die wir uns kultivieren sollten. Eine gewisse Spannung, die uns auf Trab hält. Diese Spannung bringt Lebendigkeit.

Ent-Spannung ist schön, aber nicht auf Dauer.

Phantomschmerzen

P

Die Angst vor dem Schmerz ist eigentlich schlimmer als der Schmerz selbst.

Weil er das Leiden verlängert – und zwar unnötig. Es würde ja reichen, wenn wir uns um den Schmerz kümmern, wenn er da ist. Und es ist überhaupt nicht produktiv, gespannt darauf zu warten, wann den jetzt endlich der Schmerz einsetzen wird. Jetzt? Jetzt? Jetzt?

Noch dazu wäre es ja möglich, dass der Schmerz, wenn er denn einsetzt, gar nicht so schlimm ist wie in unserer Vorstellung.

Dann haben wir uns umsonst gefürchtet. Und wozu soll das bitte gut sein?

Der Leidensweg

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Wir haben zwei Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen: Akzeptieren oder verändern.

Wir wählen aber meistens die dritte Option: Wir leiden.

[Danke Marcel Clementi für diesen Gedanken.]

Das kaputte Keramik-Ei

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Unlängst beobachtet in der Kindergarten-Gruppe meiner Tochter:

Die Kinder haben für Ostern Keramik-Eier gebastelt. Schön mit Glitzersand verziert, jede*r eines. Mit Holzstab zum Reinstecken in die Erde. Sehr schön eigentlich.

Das Problem mit Keramik ist halt, dass sie zerbrechlich ist. Und so geschah es, dass einem Kind beim Anziehen das Keramik-Ei runtergefallen ist. Es war natürlich kaputt – beyond repair, wie man so schön sagt.

Der Bub war sichtlich unglücklich darüber, aber er hat kein Wort gesagt. Und wie war die Reaktion des Erwachsenen? Vorwürfe. Ich hab ja gesagt, du sollst darauf aufpassen. Ich kann jetzt auch nicht zaubern. Das kommt davon…

Ich will dem Vorwerfenden jetzt keine Vorwürfe machen. Ich werfe sicher nicht den ersten Stein. Wahrscheinlich war er auch traurig über das Missgeschick und hat seine Trauer eben nur mit Vorwürfen ausdrücken können. Wir sind alle nur Menschen, und wir können eben auch nicht raus aus unserer Haut.

Aber eines war offensichtlich: Geholfen haben die Vorwürfe dem Buben nicht. Und dem zerbrochenen Ei klarerweise auch nicht.

Kann ich nur hoffen, dass sie wenigstens dem Erwachsenen geholfen haben.

Hoffnung

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Die Hoffnung ist das Schlimmste.

Zumindest manchmal. Nämlich dann, wenn die Hoffnung immer und immer wieder enttäuscht wird. Es ist schwer, darüber nicht zu verzweifeln.

Mitunter wäre es besser, gar keine Hoffnung mehr zu haben. Dann könnte man das Thema abhaken und sich neu orientieren.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und manchmal gehen wir mit ihr und an ihr zugrunde.

Höhen und Tiefen

H

Es ist im Solo-Business genau gleich wie im übrigen Leben: Es gibt Höhen und Tiefen.

Aber eines dürfen wir dabei nicht vergessen: Es gibt Hochs und Tiefs für alle Menschen.

Das Leben ist nicht ungerecht zu uns. Zumindest nicht ungerechter als zu allen anderen Menschen auch.

Der einzige Unterschied: Wenn andere Menschen leiden, sehen wir das halt meistens nicht. Und so bilden wir uns ein, dass nur wir leiden. Oder dass wir besonders oft leiden. Oder dass wir besonders tiefe Tiefs haben. Und die Anderen nicht.

Nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit.

[Danke Julia Mack-Amantidis für diesen Gedanken.]

Überfordert von der Fülle

Ü

Einige (viele?) Menschen können mit der Fülle der Möglichkeiten nicht umgehen, die das 21. Jahrhundert bereithält. Sie können mit dem Überangebot an Angeboten und an materiellen Ressourcen nicht umgehen.

Sie haben nie gelernt, nein zu sagen. Sie wissen nicht, wann es genug ist. Sie machen sich keine Gedanken darüber, was es für negative Konsequenzen hat, wenn sie Ressourcen verschwenden.

Und daher treffen sie für sich schlechtere Entscheidungen, als wenn sie weniger Möglichkeiten gehabt hätten.

Das Eigene

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Herauszufinden, was das Eigene ist (der eigene Weg, die eigene Strategie, die eigenen Produktivitäts-Hacks), ist anstrengend.

Da wäre es doch viel leichter, einfach Stephen Kings Bleistift zu verwenden.

Nur: Stephen King führt dich in die Irre. Das Eigene führt dich zum Erfolg.

Hässliches Entlein

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Wenn man eine kleine Ente erwartet, ist ein Schwan-Küken sehr schiach.

Aber an sich ist ein Schwanenbaby ein sehr schönes Tier.

Der große Bogen

D

Wenn du am Ende deines Lebens Bilanz ziehst und zurückschaust, dann wird es völlig egal sein, ob du dieses Todo heute erledigt hast oder morgen oder gar nicht. Es wird wurscht sein, ob du dieses Projekt angegangen bist oder jenes oder keines davon. Es wird dich nicht interessieren, wie gut oder schlecht dein Umsatz im Februar 2024 war.

Was an diesem Tag für dich zählen wird, ist nicht was du getan hast, sondern wie du es getan hast. Mit welcher Intention du an die Dinge herangegangen bist, die du gemacht hast. Aus welchen Gründen du deine Entscheidungen getroffen hast. Wie du mit den Menschen, die dich auf deinem Lebensweg begleitet haben, umgegangen bist.

Es wird zählen, wie du deine Ideale, deine Werte und deine Fähigkeiten in deinem Leben zum Ausdruck gebracht hast. Nicht im Detail, denn Details sind irrelevant. Sondern im großen Bogen, der sich von deinem ersten Atemzug bis zu deinem letzten spannt.

Auf diesen Bogen wirst du zurüchschauen. Und dieser Bogen wird aus Wie-Bausteinen, nicht aus Was-Bausteinen gebaut.

Vergiss das nicht, Günter.

Längst vergessen

L

Scott Galloway sagt: In hundert Jahren werden alle Menschen, die mir heute lieb und teuer sind, tot sein, und niemand wird sich an meine Erfolge und meine Fehler erinnern.

Das ist traurig, und gleichzeitig ist es befreiend.

Begleitender Neid

B

Wenige Dinge sind so gewiss wie der Umstand, dass du dein Leben lang von Neid begleitet wirst.

Da ist einerseits der Neid der Anderen. Wenn dir etwas gelingt, wenn du dir was erlaubst oder wenn sich eine Investition für dich auszahlt, wirst du mit Gewissheit auf Menschen treffen, die auch wollen, was du hast. (Wohlgemerkt: nur das Ergebnis, nicht die ganze Arbeit dahinter.)

Andererseits (und viel interessanter) ist da der Neid, den du empfindest. Die Dinge, die du auch gerne hättest. Neid ist ein verlässlicher Indikator für die Dinge, die dir wichtig sind im Leben.

Das ist grundsätzlich auch okay so. Neid ist ein Teil des Lebens. Ungesund wird es nur, wenn:

  1. dein Neid in Missgunst umschlägt.
  2. du Menschen um Dinge beneidest, die eigentlich gar nicht deinen eigenen Werten entsprechen.

Neid ist ein guter Indikator, aber ein schlechter Reiseleiter.

Auf Kante genäht

A

Über die Jahre sind in ganz vielen sozialen Systemen die Puffer weggefallen.

Das betrifft Familien ebenso wie Unternehmen, egal, wie groß oder klein sie sind. Wenn alles nach Plan läuft, geht sich alles gerade so aus. Aber wehe, es kommt etwas dazwischen. Wehe, Mama wird krank oder ein Lieferant kann nicht rechtzeitig liefern. Wenn mal etwas aus dem Ruder läuft, entgleist gleich der ganze Zug.

Das beste Mittel, um nachhaltig und gesund zu leben (als Unternehmer oder als Familienvater), wäre, nach und nach die Puffer aufzubauen: finanziell, zeitlich und energetisch.

Die Natur ist schließlich auch kein Effizienzkaiser.

Ein Grund zum Feiern

E

Ostern ist schwer zu begreifen, auch für Erwachsene. Ich glaube, kaum jemand begreift das Fest. Deswegen wird es auch so wenig gefeiert.

Ich glaube, wir feiern zu Ostern, dass wir „vom Tod auferstehen“ (= unsterblich) werden, wenn wir unser Leben zur Gänze annehmen und ohne Furcht leben. Dann kann uns nichts einmal der Tod etwas anhaben. 

Wäre das nicht eine wundervolle, befreiende, „rettende“ Nachricht? Wäre das nicht der allergrößte Grund zu feiern?

Klein halten

K

Andere Menschen haben dich nicht gerne groß. Den meisten Menschen geht es besser, wenn du klein bist: nicht zu auffällig, nicht zu erfolgreich und schon gar nicht zu glücklich. Zumindest nicht glücklicher als sie.

Das geht bis in den Freundeskreis und sogar in die engste Familie hinein. Weil jede Form von Glück und Erfolg immer auch eine Provokation ist: Warum geht es dem so gut und mir nicht?

Im Anderen sehen wir, welches Potenzial wir selbst auch hätten, aber (noch) nicht ausschöpfen. Und anstatt davon motiviert zu werden, reagieren viele Menschen mit Neid und Missgunst und machen andere nieder.

Das muss allen bewusst sein, die sich selbständig machen und ganz besonders allen Lifestyle Entrepreneuren. Glaub ja nicht, dass sich jede*r in deinem Umfeld mit dir freut, wenn du mit deinem Lifestyle Business erfolgreich und glücklich bist.

Die höchste Schule

D

„Die wichtigste Bildungseinrichtung, die bedeutendste und höchste Schule, das sind wir selbst“, sagt Wolf Lotter.

Wir lernen nirgends sonst so schnell wie durch die eigene Erfahrung, besonders durch schmerzhafte Fehler.

Wir irren uns vorwärts. Und dafür gibt es auch keine Abkürzungen.

Miteinander

M

Eine der schönsten Besonderheiten an der Gründungsberatung ist für mich, dass ich mitunter von meinen Gründer*innen genauso viel lerne wie sie von mir.

Unlängst hat mir eine Gründerin in einem Nebensatz eine ganz besondere Lebensweisheit mitgegeben:

Das wirklich Wertvolle im Leben entsteht immer durch Interaktion.

Und ich glaube: Sie hat damit vollkommen und uneingeschränkt recht.

Liebe und Sinn

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Spannender Gedanke von Gary Chapman:

Es ist schwer, Sinn in seinem Leben zu finden, wenn man nicht liebt und sich geliebt fühlt. Ohne Liebe verbringen (vergeuden?) wir viel Zeit damit, Sinn, Selbstwert und Sicherheit zu suchen.

Wer Sinn in seinem Business (oder in seinem Job) sucht, sucht vielleicht nach Liebe – am falschen Ort.

Intelligenz

I

Intelligent zu sein ist super, aber es ist nicht genug.

Denn auch sehr intelligente Menschen können sehr dumme Entscheidungen treffen.

Garten

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Ich wohne in einer Mietwohnung ohne eigenen Garten.

Und dennoch kann ich mir meinen eigenen „Garten“ wählen. Irgendetwas in meinem Leben, um das ich mich mit genauso viel Liebe und care kümmere wie ein Gärtner um seinen Garten. 

Jeder Mensch sollte so einen „Garten“ haben, dem er sich mit aller Hingabe widmet. 

[Danke Nick Offerman für diesen blühenden Gedanken.]