Tag#Lehren&Lernen

Günter kocht (2)

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Das Personal Project „Günter kocht“ hat eine hidden agenda.

Ja, es geht natürlich darum, dass ich kochen lerne. Dass ich mir und meiner Familie ein gutes Essen kochen kann, ohne dass das zu einem Riesentamtam für mich wird.

Darüber hinaus geht es aber noch um zwei weitere wichtige Punkte:

  1. Ich will meine Inkompetenz normalisieren.
  2. Ich will üben, mutig zu sein, indem ich Dinge ausprobiere, die ich noch nie gemacht habe.

All das in der Sicherheit meiner eigenen Küche. Niemand schaut mir zu.

Und trotzdem bewegt sich was in mir… in die richtige Richtung.

Günter kocht (1)

G

Seit Jahresanfang habe ich ein neues Personal Project. Es heißt: Günter kocht. Jedes Monat probiere ich, ein Gericht zu kochen, nach Rezept.

Für viele ist das keine große Sache, für mich schon. Weil: Ich bin ein Anfänger in der Küche.

Und deshalb mache ich bei diesem Projekt auch ständig Anfängerfehler:

  • Ich lese mir das Rezept vor dem Kochen nicht vollständig durch.
  • Ich richte mir fast alle, aber eben nicht komplett alle Zutaten und Werkzeuge vorher her.
  • Ich unterschätze die Arbeitszeit, die ich für ein Gericht brauche.
  • Ich wähle viel zu schwierige Rezepte für mein Kompetenzlevel aus.
  • Ich ärgere mich, wenn etwas nicht nach Wunsch gelingt.

Es ist nicht angenehm, so inkompetent zu sein. Aber das muss ich aushalten (auch wenn mir das nicht leicht fällt). Denn so funktioniert Lernen: Du bist ein Anfänger und machst Anfängerfehler, bis du es nicht mehr bist und die Fehler von Fortgeschrittenen machst.

Vorausgesetzt, du bleibst dran. Und Dranbleiben ist exakt das, was ich vorhabe.

Ich werde meine Anfängerfehler einfach aussitzen.

Besser informiert

B

Wer besser informiert ist, kann nicht nur besser mitreden.

Wer besser informiert ist, hat auch mehr Selbstsicherheit, Fragen (und Nachfragen) zu stellen.

Und: Wer besser informiert ist, traut sich auch eher, nach besseren Alternativen, Preisen und Konditionen zu fragen.

[Danke Bettina Fuhrmann für diesen Gedanken.]

Unterhalten vs. instruieren

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Authentisch. Unperfekt. Mit Schmäh. Es könnte jederzeit was Überraschendes passieren. -> So funktionieren Videos, die unterhalten sollen.

Straight. Ein bisschen steril. Berechenbar. Ohne Ecken und Kanten. -> So funktionieren Videos, die instruieren sollen.

Ja, die wirklich tollen Lernvideos instruieren und unterhalten. Aber für den Anfang reicht es wahrscheinlich, zu entscheiden, was dir wichtiger ist und dich dann an die jeweiligen Spielregeln zu halten.

Erklärvideos

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Unlängst habe ich ein Raster kennengelernt, anhand dessen man die Qualität von Erklärvideos bewerten kann.

Die Wissenschaftler dahinter haben sich sehr viel Arbeit gemacht und 20 verschiedene Qualitätskriterien identifiziert. Diese Kriterien haben sie in vier Bereiche gegliedert, und sie geben auch Hinweise, die man bei der Erstellung von Erklärvideos beachten kann. Sehr hilfreich, könnte man meinen.

Was bei mir als jemand, der ab und zu quick-and-dirty-Erklärvideos macht, aber tatsächlich angekommen ist: Wow! Zwanzig Sachen, die ich falsch machen kann.

Fall erledigt

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Ich habe den Vortrag gehört. Ist der Fall damit erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und sogar Fotos gemacht und die Powerpoint abgespeichert. Ist jetzt der Fall erledigt?

Ich habe den Vortrag gehört und mir sogar Notizen gemacht und die Notizen in Notion abgespeichert. Ist der Fall jetzt endlich erledigt?

Keine Ahnung. Wann dein Lernen beginnt und wann es endet, entscheidest du.

Grundsätzlich: Als Zuhörer ist dein Part um nichts weniger aktiv als der des Vortragenden.

Und als Faustregel gilt: Je weniger du dich angestrengt hast, desto weniger wirst du wahrscheinlich gelernt haben.

Das Plateau lieben

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Unlängst habe ich im Buch Stroh im Kopf? von Vera F. Birkenbihl gestöbert. Hier ein weiterer Gedanke daraus:

In jedem Lernprozess machen wir am Anfang große Fortschritte. Wir können uns erstaunlich viel in kurzer Zeit aneignen. Mit der richtigen Motivation schaffen wir in relativ kurzer Zeit eine ansehnliche Grundkompetenz in jedem Thema und bei jeder Fähigkeit.

Aber dann kommt unweigerlich ein Plateau. Wir üben und lernen zwar weiter, aber wir kommen scheinbar nicht von der Stelle. Die Zeit der schnellen Fortschritte ist vorbei, jetzt ist jeder kleine Kompetenzgewinn mühsam erkämpft.

Bis das Plateau wieder vorüber ist und wir zum nächsten Quantensprung in unserer Kompetenzentwicklung ansetzen.

Birkenbihls Idee ist deshalb, dass wir uns von diesen Lernplateaus nicht frustrieren lassen, sondern im Gegenteil, dass wir die Plateaus lieben lernen.

Denn dass ein Lernplateau auftritt, ist ein sicheres Zeichen, dass Lernen stattfindet. Und wenn wir es schaffen dranzubleiben, werden wir jedes Plateau irgendwann überwinden und zu neuen Höhenflügen ansetzen.

Was ein Seminar bringt

W

Unlängst habe ich im Buch Stroh im Kopf? von Vera F. Birkenbihl gestöbert. Hier ein Learning daraus:

Birkenbihl stellt sich darin (in einem Exkurs) die Frage, ob ein Seminar „etwas bringen“ kann und kommt zu folgender Antwort:

Je höher der Punkt an Ihrer Lern-Kurve zum Seminar-Thema bereits ist, desto mehr werden Sie profitieren.

Vera F. Birkenbihl: Stroh im Kopf?, S. 79

Und es stimmt: In so vielen Formen der Lehre und Weiterbildung gilt das Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Wer schon was weiß, der wird mehr erfahren. Wer zu Beginn des Seminars mit leeren Händen da steht, wird auch am Ende nicht viel mehr haben.

Mit dem Einordnen warten

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Konzepte und Modelle sind nützlich, keine Frage.

Aber wenn wir zu schnell sind beim “Einordnen” (vor allem bei Dingen, die wir noch gar nicht richtig verstanden haben), dann landen wir im falschen Ladl, und das Konzept erklärt in Wirklichkeit gar nichts. Und hilft auch niemandem weiter.

Ein bisschen länger neugierig sein, würde uns Michael Bungay Stanier raten.

Taube Ohren

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Ich glaube, fast alle Lehrer*innen da draußen haben Schüler*innen, an denen sie sich die Zähne ausbeißen.

Als Gründungsberater habe ich erst heute wieder mit so jemandem telefoniert. Egal, was ich sage, es scheint einfach nicht anzukommen. Die berühmten tauben Ohren.

Fast Eddie Felson (Paul Newman) bringt im Film Die Farbe des Geldes wunderbar auf den Punkt, woran es liegen kann:

Entweder unterrichte ich dich nicht richtig, oder du hörst mir nicht zu.
Oder du hörst zu, aber du verstehst nicht.

Fast Eddie Felson in „Die Farbe des Geldes

Eines von den dreien also. Wenn ich jetzt nur wüsste, was…

Zum Schmied, nicht zum Schmiedl

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Wenn wir etwas wirklich lernen wollen, dann sollten wir nicht von Menschen lernen, die selbst nur ihre eigenen Erfahrung anzubieten haben.

Wir sollten lernen von Menschen, welche die Konzepte dahinter durchschaut haben.

Von Menschen also, die uns verständlich erklären können: Warum funktioniert etwas, und warum funktioniert etwas anderes (bei mir) nicht?

Die Quelle ist nicht wichtig

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Für alle Berater*innen und Lehrer*innen:

In unserer Kultur geht es immer mehr weg von „Von wem ist das?“ hin zu „Wofür ist das gut?„.

Wissen vermitteln

W

Wichtiger Reminder, immer wieder:

Nur, weil ich etwas erkläre, heißt das nicht, dass beim Gegenüber Wissen entsteht.

Weil: Wissen ist das Produkt eines konstruktiven und kollaborativen Prozesses.

Schwere Übung

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Empfohlen von Derek Sivers:

1. Versuche das Gegenteil dessen zu finden, was du für gut und richtig hältst.

2. Denk wirklich darüber nach. Könnte das stimmen? Was davon stimmt – und warum?

Beispiel: Lifestyle Entrepreneure sind keine richtigen Unternehmer.

Mach das 20 Minuten lang. Und dann schau, was dabei raus kommt.

Die Zauberkraft von Konzepten

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Gute Konzepte – zur richtigen Zeit am richtigen Ort – erklären uns die Welt.

Sie bringen Licht in Situationen, wo Dunkel herrschte. Sie verändern den Blickwinkel in Richtung Klarsicht. Sie lösen Aha-Erlebnisse aus und wirken verlässlich gegen Verwirrung.

Gute Konzepte wirken Wunder.

Viel hilft viel?

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Ein neues Bildungs-Angebot der Wirtschaftskammer Österreich für Gründer*innen rühmt sich damit, dass es Zugang zu über 16.000 Kursen ermöglicht.

Grundsätzlich ist jedes Angebot willkommen, das Gründer*innen unterstützen soll.

Aber 16.000 Kurse? Im Ernst?

So viel Angebot ist in Wirklichkeit gar kein Angebot. Das Problem für Gründer*innen ist ja nicht, an Wissen und Information zu kommen. Das Problem ist, Orientierung zu finden in der Informationsflut. Zu wissen, was relevant ist und was nicht. Zu unterscheiden, was für den Start essenziell ist und was nur Ablenkung.

Es käme also nicht auf den Umfang an, sondern auf die Auswahl. Dafür bräuchten Gründer*innen Unterstützung – nicht für noch mehr ungefilterte Information.

Metaverse

M

Ich bin zu jung, um mich nicht nicht mehr für das Metaverse zu interessieren.

Einen Schritt voraus

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Um „Lehrer*in“ (Trainer*in, Berater*in, Coach, Facilitator, …) zu sein, musst du zuerst Expertenwissen haben. Du musst etwas haben, worin du mehr weißt als andere.

Dann musst du wissen, wie du mit deinem Wissen anderen helfen kannst, ein Problem zu lösen oder ein Ziel schneller zu erreichen. Kurz: Du musst etwas zu sagen haben!

Du musst aber nicht jetzt schon alles wissen. Du musst in deinem Thema nicht schon „ausgelernt” haben. Du musst nur mehr wissen als deine Schüler*innen, damit du ihnen auch was weitergeben kannst. Aber du kannst dir dein Thema nach und nach aneignen, den Wissen Schritt für Schritt erweitern – als lebenslange*r Student*in deines Themas.

Das Gefährliche ist die Hemmung, etwas nicht zu tun, weil man noch nicht alles weiß. Hab keine Sorge, dass du nicht gut genug ausgebildet oder vorbereitet wärst. Kompetenz wird nicht erworben, sondern zugeschrieben – und das zumeist bereitwillig und ohne viel zu hinterfragen.

Trainer-Angst

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Die unausgesprochene Angst jedes Trainers, wenn er vor seiner Seminar-Gruppe steht:

„Ich habe Angst, dass ihr erkennt, dass ich gar nicht so gut bin, wie ihr denkt.“

Falsche Annahmen

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Manchmal führen falsche Annahmen trotzdem zu einen im Endeffekt positiven Ergebnis.

Dennoch wäre es besser, wenn dieses positive Ergebnis aufgrund korrekter Annahmen erreicht worden wäre.

Der Zweck heiligt nämlich nicht die Mittel.