Tag#Lehren&Lernen

Ohne Konsequenzen

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Für uns Selbständige gilt: Wenn wir konsequenzenlos handeln können, werden wir nicht besser.

Unsere unternehmerische Freiheit ist nur dann wertvoll, wenn wir direktes und hartes Feedback (von den Kunden, vom Markt) bekommen. Und daran wachsen.

Freiheit ohne Feedback-Schleife ist Beliebigkeit.

Floh im Ohr

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Natürlich werden sich nicht alle meine Studierenden nach dem Studium selbständig machen.

Aber manchen kann ich einen Floh ins Ohr setzen, und sie sagen dann später mal: Jetzt mach ich’s!

Informierter oder sicherer?

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David Sigos beschreibt einen Wandel in seiner Praxis als Schulleiter: Früher wollte er Eltern nach Informationsabenden informierter nach Hause schicken. Heute will er, dass sie sich sicherer in der Beziehung fühlen.

Das Konzept „informierter vs. sicherer” lässt sich auch wunderbar auf die Gespräche mit meinen Gründer:innen umlegen. Es wäre total lohnenswert, wenn ich mich vor jeder meiner Beratung fragen würde: Worum geht’s denn heute? Was ist das eigentliche Bedürfnis, mit dem die Person heute zu mir kommt? Will sie meine Expertise, oder braucht sie mich als Mensch?

Meine Gründer:innen kommen nicht nur mit Informationsbedürfnis, sondern auch mit einem Sicherheitsbedürfnis. Dieser Gedanke ist besonders bei Erstgesprächen immens nützlich. Weil ich nämlich vermute, dass das Sicherheitsbedürfnis meist überwiegt.

Aber da beraten wir Expert:innen oft gnadenlos drüber.

Analytische vs. synthetische Gründungsberatung

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Analytische Gründungsberatung fragt: Was ist da? Was fehlt? Was ist riskant? Was hat Chancen auf Erfolg?

Synthetische Gründungsberatung fragt: Was bauen wir daraus?

Die analytische Gründungsberatung endet mit einem Befund. Die synthetische Gründungsberatung liefert einem Entwurf. Beide können “korrekt” sein, beide können hilfreich sein — aber sie führen in unterschiedliche Richtungen.

Wer Analyse betreibt, zerlegt. Wer Synthese betreibt, fügt zusammen. Wer eine Gründungsidee analysiert, bekommt ein Bild der gegenwärtigen Lage. Wer eine Gründungsidee synthetisiert, bekommt ein Bild eine möglichen Zukunft.

Die meisten Gründer:innen, die zu mir kommen, haben schon sehr viel analysiert: ihre Zielgruppe, den Markt, die Chancen und Risiken. Was fehlt, ist jemand, der sagt: Gut. Und jetzt? Was machen wir aus diesen vielen Puzzleteilen?

Mein Gefühl sagt: Analysiert wird in der Gründungsberatung mehr als genug. Wir bräuchten mehr synthetische Gründungsberatung, um bessere Gründungen in die Welt zu bringen.

Mehr Haltung!

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Daniel Friesenecker sagt: Jahrelang haben wir im Content Marketing gehört: “Sei nützlich! Mach Content, der bei deinen Kund:innen Nutzen stiftet!” 

Aber, sagt Daniel Friesenecker: Dieser Ansatz führt uns mittlerweile in die Irre, weil “nützlich ist ChatGPT auch”.

Inzwischen gehe es viel mehr darum, mit dem eigenen Content Haltung zu zeigen. Für etwas zu stehen. Zu sagen, wer man ist und was man denkt. Und auch mal gegen etwas zu sein.

Mit einem Wort: Viel schneller, deutlicher und direkter auf den Kern zu kommen.

Das Schwafeln können wir ruhig der KI überlassen. Die macht das schneller, besser und billiger.

Student Pleaser

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Ein wichtiger Reminder von Barbara Messer für alle Lehrer:innen:

Wenn man gemocht werden möchte, dann lässt man schlechte Leistung laufen. Man nimmt Defizite hin. Weil man nicht antritt, um Leistung zu verbessern, sondern um gemocht zu werden.

“Also ist man liebesdienerich”: Es gibt keine klaren Regeln, Störungen werden durchgelassen, man bewertet milder, als es der Leistung entspricht.

Das ist für eine Lehrperson problematisch. Ja, als Mensch will man gemocht werden, aber in der Rolle als Lehrer ist es die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Schüler:innen besser werden.

Und alles zu tun, was dafür notwendig ist – auch, wenn’s manchmal unangenehm ist.

Der Robin-Hood-Trick

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Von Katrin Gildner habe ich folgende Idee: Lieber von einer Firma bezahlt werden als von den eigenen Followern.

Der Gedanke dahinter ist so simpel wie bestechend. Wer Workshops, Inhalte oder Beratung für Zielgruppen anbietet, die traditionell wenig Kaufkraft haben – Solopreneure, EPUs, Kreative im frühen Stadium –, der kämpft strukturell gegen eine Wand. Nicht weil die Leistung zu wenig wert wäre. Sondern weil diese Zielgruppen schlichtweg kein Geld haben.

Die Lösung: Hol dir das Geld woanders. Nämlich von kaufkräftigen Firmen, die Zugang zu deiner Zielgruppe haben und über Interesse und Budget verfügen, um Angebote für diese Zielgruppen zu finanzieren.

Der Robin-Hood-Ansatz bedeutet nicht, die eigene Zielgruppe aufzugeben. Er bedeutet, das Finanzierungsmodell von ihr zu entkoppeln.

Teile nur das Teilbare

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Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was du weißt, und dem, was du teilen solltest.

Wer einen Podcast aufnimmt, ein Seminar hält oder ein Gespräch führt, hat danach viel in der Hand. Zu viel, um es einfach (auf Social Media) “auszuschütten”.

Teile also nicht die ganze Folge, nicht deine kompletten Notizen, nicht den vollständigen Gedankengang. Teile lieber den einen Tipp, der für sich alleine stehen kann. Der in sich nützlich und ohne viel Kontext verständlich ist.

Wer das beherrscht, wird auch mehr Reichweite bekommen. Denn: Was nützlich ist, verbreitet sich leichter.

[Danke Gordon Schönwälder für diesen Gedanken.]

KI-Mentoren ohne Mandat

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Unlängst wollte mir eine Online-Business-Beraterin mit ihrem Podcast „zeigen, wie du in KI-Zeitalter relevant bleibst“.

Aber: Woher will ausgerechnet sie das wissen? Warum hat gerade sie die Glaskugel, mit der sie in die KI-Zukunft blicken kann? Wo ist ihr Mandat? Was genau berechtigt und befähigt sie, darüber kompetent mit mir zu sprechen?

Diese Frage muss sie sich gefallen lassen.

Wie jede:r Berater:in, der/die derzeit behauptet, die KI-Zukunft zu kennen

Bruchlandung

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Der allererste Gründer, den ich beraten habe, ist gleich mal Pleite gegangen.

Das erzähle ich nicht oft, und ich erzähle es nicht gerne.

Aber immerhin: Es war mir eine Lehre.

Ausgelernt

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Wer wirklich ein Experte ist auf einem Gebiet, der weiß, dass er mit dem Lernen niemals fertig sein wird.

Es sind die Pseudo-Experten, die sagen: Ich brauche keine Weiterbildung mehr, ich weiß schon alles.

Echte Profis bilden sich ständig weiter.

Like a Bohrmaschine

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Im Intro von Poundcake klingt Eddie Van Halens Gitarre wie eine Bohrmaschine.

Jeder weiß, dass es keine echte Bohrmaschine ist. Aber Eddie Van Halen schafft es, seine Gitarre wie eine Bohrmaschine klingen zu lassen. Und dadurch wird die Sache noch leiwander, als wenn wir eine echte Bohrmaschine hören würden.

Gekonnte Verfremdung ist MAGISCH!

Gelassene Beratung

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Das Geheimnis guter (stressfreier) Beratung ist vielleicht, nicht mehr zu wollen, als in dieser einen konkreten Beratungssituation gerade möglich ist. 

Verlockend

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Es tut manchmal weh, sich das als Lehrender einzugestehen, aber: Wir können niemanden zum Lernen bringen.

Alle didaktischen Impulse funktionieren nur, wenn der andere bereits offen für “den Stoff” ist. Barbara Messer bringt es auf den Punkt: Wir können nicht motivieren, aber wir können locken.

Locken bedeutet: Ich mache etwas so attraktiv für mich selbst, dass du Lust bekommst, dabei zu sein. Wenn ich selbst Lust auf meine eigene Lektion habe, wirkt das wie ein starker Magnet.

Das gilt für die Hochschullehre, für die Gründungsberatung, für jede Form von Wissenstransfer. Menschen spüren den Unterschied. Sie spüren, ob jemand wirklich Freude hat oder nur seinen Job macht.

Und sie folgen der Energie, nicht den Argumenten.

Fußspuren

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Ich unterrichte BWL, aber ich sage meinen Studierenden immer: Unternehmen sind von Menschen für Menschen gemacht.

Die Zahlen sind nur die Fußspuren ihrer Entscheidungen.

Rechenschaftspflicht

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Unlängst ist mir klargeworden: Ich habe gegenüber meinen Studierenden eine Rechenschaftspflicht.

Ich bin nämlich nicht nur Wissensvermittler, sondern auch Kulturstifter. Ich präge, wie meine Studierenden später arbeiten, denken und handeln werden. Was und wie ich lehre, wirkt über die Lehrveranstaltung hinaus.

Das bedeutet auch: Meine Studierenden haben Anspruch auf professionelle Betreuung. Gute Anleitung in den wissenschaftlichen und fachlichen Methoden. Erreichbarkeit. Faire Behandlung und Bewertung.

Das ist kein Service, den ich anbiete, weil ich nett bin. Das ist ein ethischer Auftrag an meine Rolle als Hochschullehrender. Denn: Wenn ich von meinen Studierenden redliche Arbeit erwarte, muss ich selbst auch redlich arbeiten.

Integrität kann man nicht lehren, nur vorleben.

Die Lehrer der Lehrer

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Es ist nicht wurscht, von wem man sich was sagen lässt.

Sag mir, wer deine Lehrer sind, und ich sage dir, in welche Richtung du dich entwickeln wirst. 

Drum prüfe auch bei den Lehrer:innen und Berater:innen, auf die du hörst, wer deren Lehrer:innen eigentlich sind.

Findest du die Vorbilder deiner Lehrer:innen auch leiwand? Dann bist du richtig. Wenn nicht, dann…

Das Notizbuch ist voll

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Wir Lifestyle Entrepreneure sind oft Weltmeister im Sammeln von Erkenntnissen. Nach jedem Kundengespräch eine Notiz. Nach jedem Meeting ein Protokoll. Nach jedem Webinar drei Seiten voller Aha-Momente. Die Notizbücher quellen über, die Notion-Datenbanken werden immer umfangreicher, das Evernote-Archiv-System immer ausgeklügelter.

Aber dann?

Malcolm Werchota bringt es auf den Punkt: “Das Protokoll ist nicht wichtig. Was wir aus dem Protokoll machen, ist wichtig.” Der Moment, wo aus der notierten Erkenntnis eine konkrete Handlung wird – den lassen wir gerne aus. Wir bleiben im Dokumentationsmodus stecken.

Das gilt für Kundengespräche (notiert, aber nicht umgesetzt), für Feedback (gesammelt, aber nie integriert), für strategische Erkenntnisse (analysiert, aber nichts verändert).

Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn das Notizbuch geschlossen wird.

Was man nicht lehren muss

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Wenn man von Entrepreneurship Education in Schulen spricht, könnte man meinen, es ginge darum, wie man den Kindern Unternehmertum am besten beibringen könnte. Aber das ist die falsche Frage. Die richtige Frage wäre: Wie verhindern wir, dass wir es ihnen systematisch austreiben?

Kinder sind von Natur aus unternehmerisch. Sie probieren aus, sie basteln Lösungen, sie handeln. Ein Kind, das Bücher und Kuscheltiere am Flohmarkt verkauft, hat nicht vorher eine Vorlesung über Geschäftsmodelle gehört. Oder einen Online-Kurs über sein Money Mindset. Es hat eine Idee und macht einfach. Der Unternehmergeist ist da.

Aber: Was passiert, wenn unseren Kinder über Jahre eingetrichtert wird, dass es eine richtige Lösung gibt? Dass es immer jemanden gibt, der diese richtige Lösung kennt und deine Lösung beurteilt? Und dass du erfolgreich bist, wenn du immer die erwarteten Antworten gibst?

Niemand muss Kindern beibringen, unternehmerisch zu sein. Man muss ihnen nur erlauben, es zu bleiben.

Das Umsetzungs-Paradox (3/3): Das Ende der To-Do-Listen-Pädagogik

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Kathrin Gildner sagt: Viele Solopreneure spüren einen mentalen Overload durch die unendliche Anzahl an Dingen, die sie machen müssten, könnten, sollten. Noch ein Framework, noch eine Methode, noch eine Strategie auf der eh schon viel zu langen Liste.

Sie meint deshalb, dass die klassische “Hier sind 5 Schritte”-Pädagogik´ nicht mehr funktioniert, denn eine “neue Methode” wird nicht mehr als Hilfe, sondern als Last empfunden.

Was Solopreneure stattdessen brauchen: Reduktion, nicht Addition. Nicht “Was könnte ich noch machen?”, sondern “Was kann ich weglassen?” Nicht “Welche Strategie fehlt mir noch?”, sondern “Wie bekomme ich dorthin, wo ich eigentlich hin will?”

Die Antwort darauf ist nicht noch irgendein Online-Kurs, den keiner braucht. Das infinite game des Solopreneurship erfordert eine neue, eine andere Didaktik. Eine, die nicht ständig neue Baustellen aufmacht, sondern hilft, auf den bestehenden Baustellen voranzukommen.