Wolf Lotter: Zusammenhänge – Wie wir lernen, die Welt wieder zu verstehen

Webinar der Kontist-Stiftung, 20. Oktober 2020

Die Menge der Information, die wir zur Verfügung haben, sagt nichts über deren Qualität aus.

Wir wollen immer eine Antwort haben, die richtig ist. Aber so funktioniert die Welt nicht — mehr. Das ist aber die traditionelle Denk-Tradition der abendländischen Kultur. Deswegen können wir uns nur schwer davon verabschieden. Die westliche Kultur versucht immer, Eindeutigkeiten zu schaffen – auch dort, wo es keine Eindeutigkeiten gibt.

  • Es fällt uns so schwer zu denken in „sowohl – als auch“!

Es geht nicht mehr darum, Komplexität zu reduzieren, sondern Komplexität zu erschließen.

  • Wenn es nicht mehr nur eine Wahrheit, eine Antwort, eine Linie gibt, „dann kommt das große Unbehagen“. Das sind wir nicht gewohnt, damit können wir nicht umgehen.
  • Zumindest bei uns in der westlichen Welt. Die chinesische Kultur kann mit einer Vielzahl von Gleichzeitigkeiten besser umgehen. Deswegen ist die chinesische Wirtschaft auch viel „agiler“.

Die moderne Netzwerkgesellschaft besteht aus Zusammenhängen, die immer wieder neu entstehen.

Konrad Paul Lissmann: Wissen ist, was man versteht und erklären kann.

  • Viele können sich nicht mehr „erklären“.
  • Man muss aber verstehen und erklären können, um gestalten zu können!
  • „Schreib dein eigenes Handbuch!“

Wir müssen uns austauschen und das, was wir wissen, anderen erklären – und zwar so, dass sie es auch verstehen können.

  • „Es ist relevant, dass ich weiß, was ich weiß – und dass ich es abrufen kann.“
  • vgl. Peter Drucker: Wissen produktiv machen.

Es braucht eine neue Allgemeinbildung:

  • Kultur der Vielfalt vermitteln.
  • Ökonomie verstehen als Ökonomie der Vielfalt; Ökonomie ≠ Kapitalismus
  • Organisationen müssen neu gedacht werden (zeigt Corona-Krise eindringlich)
  • => „Neuer Humanismus“, anschließend an die großen Humanisten wie Erasmus von Rotterdam

Selbst denken und selbst was tun!

  • Wissen ist nur dann wertvoll, wenn man es „produktiv macht“ (Peter Drucker), d.h. wenn man mit dem Wissen etwas tut und wenn man es teilt.
  • Ich muss mich selbst aktivieren, und ich muss mich selbst zuständig machen.
  • „Einige sind sehr weit, und andere sind sehr weit hinten.“

Wir brauchen weniger Manager, die für andere Leute denken, sondern wir brauchen Ermöglicher (Leader), die neue Prozesse und Ideen anfangen.

  • „Es ist die Zeit der Leute, die neue Vorschläge einbringen können und wollen.“
  • Keine Bürokraten, keine Verwalter, keine Bewahrer — „weil diese Leute keine Antworten mehr haben.“ „Weil aus dieser Ecke nichts kommt.“

„Durchblick ist eine Eigenleistung.“

  • „Nichts wird funktionieren, wenn die Leute es nicht zu ihrer Sache machen.“
  • Es reicht nicht, nur die „richtigen Politiker“ zu wählen, und dann wird alles gut.
  • Jeder muss für sich lernen, Vielfalt auszuhalten — nämlich besonders auch die Vielfalt in der Gesellschaft, die einem nicht gefällt. Nicht nur die Kekse, die einem selbst schmecken, sondern auch alle anderen Kekssorten, die eben für Andere sind.

Bild des „Försters“: Ein Förster sieht den Wald, und er sieht die einzelnen Bäume. Gleichzeitig. Und er kann das eine vom anderen unterscheiden. Und er erkennt die Zusammenhänge zwischen Bäumen und Wald – und umgekehrt.

  • „Wir müssen zu Förstern werden.“
  • Auf diese Art und Weise machen wir Wissen produktiv.