Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Ärzte aller Art

Ä

Es gibt die Kassenärzte. Die sind eh okay. Vielleicht ein bisschen überlastet, vielleicht ein bisschen weniger Zeit oder Interesse, als du gerne hättest. Aber wahrscheinlich bekommst du eine richtige Diagnose. Auf jeden Fall zahlst du nichts (oder nicht viel).

Dann gibt es die Wahlärzte. Die nehmen sich Zeit, bis alle deine Fragen beantwortet sind. Die tun mehr, als notwendig. Dafür kostet es aber auch (deutlich) mehr.

Und schließlich gibt es die “Alternativmediziner”. Die sind eigentlich gar keine Ärzte. Aber sie behaupten trotzdem, dass sie dir helfen können. Ihre Herangehensweise ist mitunter eigenartig, aber manchmal gelingt es ihnen tatsächlich, die Probleme ihrer Patientnen zu lösen. Es ist halt ein bisschen Glückssache. Und manchmal geht gewaltig was schief.

Alles hat seine Berechtigung, und jeder Arzt findet seine Patienten. Wichtig ist nur, dass Ärzte und ihre Patienten wissen, worauf sie sich miteinander einlassen.

[Und, falls es nicht offensichtlich ist: Was für Ärzte gilt, gilt genauso sehr für Gründungsberater und ihre Gründer.]

Eigenzeit

E

An alle Lifestyle Entrepreneuren da draußen: Habt den Mut, euch Zeit zu lassen. Eure eigene Zeit. Habt den Mut, euch die Zeit zu nehmen, die ihr braucht, um euren Unternehmer:innen-Traum in die Welt zu bringen.

Nehmt das Business ernst, das sich da in euch und mit euch entwickeln will. Habt die Courage, dieses Business in eine Form zu gießen und auf die Außenwelt treffen zu lassen. Aber lasst euch nicht unter Druck setzen dabei.

Vor allem nicht von denen, die euch weiß machen wollen, dass ihr nach einem Jahr schon ein „six figure business” haben könnt oder sollt. Weil das ist ein Blödsinn.

Es braucht seine Zeit, ein Lifestyle Business aufzubauen. Und (viel) Geduld.

Aber die Zinsen, die ihr dafür erwarten könnt, sind unvergleichbar.

Angst + 10 %

A

Zum Dauerbrenner-Thema “Wie finde ich den richtigen Preis?” ein spannender Ansatz von Michael Bungay Stanier:

Er geht davon aus, dass effektive Preisgestaltung vor allem Übung erfordert. Deshalb sollte man seinen üblichen Preis um 10 Prozent erhöhen und vor dem Spiegel so lange üben, bis man sich dabei sicher fühlt, diesen “Angst + 10%”-Preis zu nennen.

Also: Wenn dein Stundensatz normalerweise 100 Euro wäre (oder, noch besser, wenn dir dieser Stundensatz an sich schon ein bisschen Angst macht), dann erhöhe ihn um zehn Prozent auf 110 Euro und sag ihn dir zwanzigmal in den Spiegel-Gesicht.

Dabei kommst du dir vielleicht ein bisschen blöd vor, aber so verliert der Preis seine einschüchternde Wirkung auf dich. Mit der Zeit gewöhnst du dich an den Preis. Du wirst sicherer beim Aussprechen.

Und wenn du den Preis sicher aussprechen kannst, dann fällt es auch deinen Kund:innen leichter, den Preis zu akzeptieren. Weil es so klingt, als wäre das der völlig normale und vollkommen übliche Stundensatz.

Gründungsfehler

G

Kein Gründungsberater der Welt kann dir garantieren, dass dein Business dauerhaft erfolgreich sein wird. Diese Glaskugel wurde noch nicht erfunden.

Aber: Laut einer aktuellen Studie des KSV war 2023 jede fünfte Insolvenz in Österreich auf Gründungsfehler zurückzuführen – also auf fehlendes branchenspezifisches oder betriebswirtschaftliches Know-how (11,2 %), auf ein Fehlen jedweder Eignung, ein Unternehmen zu gründen (4,8 %) oder auf zu wenig Eigenkapital (4,5 %). 

Diese Fehler wird dir ein guter Gründungsberater zu vermeiden helfen.

Und sofort hast du die Erfolgsaussichten deines Business um 20 % erhöht.

Abkürzungen

A

Wenn dir ein Gründungs- oder Unternehmensberater eine Abkürzung (für deinen Business-Erfolg) verspricht, dann kannst du dich an folgende Faustregel halten:

Was kurzfristig aussieht wie eine Abkürzung, ist langfristig wahrscheinlich ein Umweg.

Was kurzfristig aussieht wie ein Umweg, ist langfristig wahrscheinlich eine Abkürzung.

Non-profit overhead

N

Welche Overheadkosten tragen bei dir gar nichts dazu bei, dass du deine potenziellen Kund*innen erreichst, für sie nützlich bist und am Ende Umsatz machst?

Welche Rechtfertigung hat dieser Overhead dann überhaupt?

Irrelevant werden

I

Viele Gründer*innen arbeiten fleißig auf den Moment hin, wo sie es dann geschafft haben. Wo sie dann Reichweite und Einnahmen und Einfluss haben. Dann ist alles in Butter.

Von den Solopreneur*innen, die es dorthin geschafft haben, weiß ich aber, dass dann längst nicht alles in Butter ist. Sobald das Ziel erreicht ist, setzt die Sorge ein, das Erreichte wieder zu verlieren. Dass die Kund*innen irgendwann ausbleiben. Dass der Umsatz einbricht. Oder, am Allerschlimmsten: Dass man (wieder) irrelevant wird.

Die Sorgen werden nicht kleiner. Nur anders.

Eine Frage der Reihenfolge

E

Wichtiger Reminder von Seth Godin: Es kommt auf die Reihenfolge an.

Du glaubst vielleicht: Wenn du dann mal genug Umsatz und Gewinn gemacht hast, kannst du auch ordentlich in Marketing oder Beratung oder Prozesse investieren.

Dabei ist es so: Du musst zuerst in Marketing, Beratung und Prozesse investieren, damit du irgendwann Umsatz und Gewinn machen kannst.

Die Wächter in uns

D

Wir alle haben sie – diese inneren Stimmen, die flüstern, rufen und manchmal miteinander streiten. Der Zauberer, voller Kreativität und Möglichkeiten. Die Resistance, stets vorsichtig und beschützend. Der Zen-Meister, auf der Suche nach Balance und Gegenwärtigkeit.

Das sind keine zufälligen Gedanken. Es sind unsere Wächter, unser Inneres Team.

Wir sollten nicht versuchen, einzelne Wächter zum Schweigen zu bringen oder Favoriten unter ihnen zu wählen. Es geht darum, ihnen zuzuhören, ihre Rollen zu verstehen und Harmonie in ihrer Dissonanz zu finden.

Denn wenn wir unseren gesamten inneren Chor annehmen – die Optimisten und die Pessimisten, die Träumer und die Pragmatiker – erschließen wir eine Quelle der Weisheit, die viel tiefer ist als jede einzelne Stimme allein es sein könnte.

Dein Inneres Team ist deine größte Ressource.

Paradoxe Beziehung

P

In gewisser Weise ist die Beziehung zwischen einem Solopreneur und einem Gründungs- bzw. Unternehmensberater paradox.

Gerade, wenn der Solopreneur den Input am nötigsten hätte, ist die Hürde, den Berater zu kontaktieren, am höchsten.

Leiwand wäre, wenn sich der Berater in diesem Moment von selber melden könnte.

Neue Kuscheltiere

N

Meine Tochter (6) hat mir unlängst Folgendes erklärt: Wenn sie ein neues Kuscheltier bekommt, dann kuschelt sie am liebsten mit diesem neuen Kuscheltier. Aber nur so lange, bis sie wieder ein neues Kuscheltier bekommt. Dann kuschelt sie am liebsten mit dem ganz neuen, und das “alte” Kuscheltier muss dann mit weniger Kuscheln auskommen.

Das erinnert mich frappant an uns Lifestyle Entrepreneure. Auch wir widmen gerne unserem neuesten Projekt am meisten Zeit, bis wir ein neues neuestes Projekt haben. Dann muss sich das “alte” Projekt in die zweite Reihe stellen – auch dann, wenn es eigentlich sinnvoll gewesen wäre, weiter dran zu bleiben.

Wir alle haben unsere Lieblingskuscheltiere, und das ist auch okay.

Aber irgendwann dürfen wir erwachsen werden und erkennen: Unser Lifestyle Business ist kein Streichelzoo.

Verzögerte Wirkung

V

Eine schöne Metapher für alle, die versuchen, etwas zu bewegen und zu bewirken – beobachtet unlängst an der Donau in Oberösterreich:

Da fährt ein Motorboot die Donau hinauf. Es ist längst außer Sichtweite, da erreichen die Wellen erst das Ufer.

Laut und deutlich und kräftig. 

Ein cooles Business

E

Ob dein Business wirklich “cool” ist, merkst du erst im Sommer.

Und erst wenn du ein ganzes Jahr mit deinem Business verbracht hast, kannst du wirklich sagen, ob der Sommer tatsächlich die “heißeste” Jahreszeit ist.

[Danke Camillo Patzl für diesen coolen Gedanken!]

Downgrade

D

Kurz vor Abreise schreiben mir die ÖBB: Die Zuggarnitur in meinem Railjet hat sich “geändert” (sprich: verschlechtert).

Es ist nun eine Ersatzgarnitur mit alten Waggons unterwegs. Die 1. Klasse ist nicht so bequem wie gewohnt, meine Sitzplatzreservierung ist hinfällig, Und, ja, WLAN gibt’s leider auch keins.

Ist das ein Problem?

Es liegt nur an mir.

Naivität

N

Naivität kann wirklich eine große Hilfe sein.

Kann.

Ein bisschen länger neugierig

E

Wie es normalerweise läuft: Jemand schlägt mir eine Idee vor, die ich mir selber auch schon überlegt, aber (noch) nicht umgesetzt habe. Und ich fange sofort an, all die Punkte zu nennen, die ich mir überlegt habe, warum diese Idee (jetzt) nicht umsetzbar ist.

Wie ich es gern hätte: Jemand schlägt mir eine Idee vor, und ich sage: Ah, interessant, daran habe ich auch schon gedacht. Warum glaubst du, dass das eine gute Idee ist? Wie könntest du dir vorstellen, dass das funktionieren könnte? Was würdest du sagen, könnte ich tun, damit es mir leichter fällt? usw.

Ich bin ein Problemdenker, damit muss ich leben.

Aber ich hätte total gerne, dass ich öfter ein bisschen länger neugierig bleiben könnte…

Ich wachse

I

Ich wachse. Wie alles in der Natur wachse auch ich weiter.

⇒ Ich kann in meinem Business noch in einiges hinein-wachsen.

Wenn’s nicht läuft

W

Wenn es in deinem Business und besonders mit dem Umsatz nicht so läuft wie geplant, liegt es wahrscheinlich an einem der folgenden drei Probleme:

  1. Du hast den Bedarf am Markt überschätzt.
  2. Du hast deine Bereitschaft, alles in deinem Business zu tun, was notwendig ist, überschätzt.
  3. Das Timing hat (bisher noch) nicht gepasst.

Love and affection

L

Der kanadische Populär-Philosoph Neil Young bringt in einem seiner Songs ziemlich gut auf den Punkt, wie man den langfristigen Erfolg in einem Lifestyle Business messen könnte, und zwar abseits irgendwelcher Kennzahlen:

A little love and affection
In everything you do
Will make the world a better place
With or without you.

Neil Young – Falling From Above

Autorität durch Langsamkeit

A

Wie würde ein König den Raum betreten? Wie ein gehetzter Kellner?

Etwas langsamer sprechen, etwas langsamer gehen, etwas länger warten.

Wohlgemerkt: Etwas langsamer, nicht zu langsam.

„Langsame” Menschen wirken in sich ruhend.

Und damit souverän.

[Danke Stephan Heinrich für diesen Gedanken.]