Roland Düringer: Leb wohl, Schlaraffenland (2013) 📙

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Meine Notizen

Mehr vs. besser

Wir verwechseln “mehr” und “besser” sehr leicht miteinander. Mehr Geld ist nicht automatisch besser. Unsere Generation hat auch mehr Stress, mehr Schulden, mehr chronische Krankheiten. (S. 39)

Der Fortschritt bedeutet immer mehr, besser, schneller. Aber was ist das ZIEL davon? Wozu soll das dienen? Auf welches Ziel wollen wir uns damit hinbewegen? Oder wird alles schneller nur um des schneller werdens Willen? (S. 64)

Ein freies Leben

Ein wirklich freies Leben zu führen bedeutet, Mut zur Verantwortung zu haben. Ein freies Leben kann niemals ein sicheres Leben sein und umgekehrt. (S. 102)

Freiheit bedeutet nicht, stundenlang durch ein Shoppingcenter zu gehen und alles kaufen zu können. Freiheit bedeutet, stundenlang durch ein Shoppingcenter zu gehen und nichts zu brauchen.

Die Selbständigkeit und die Freiheit, die mir mein Beruf bietet, sowie die damit verbundene Möglichkeit, Entscheidungen selbst zu treffen, sind das eigentliche Fundament. Erst diese Rahmenbedingungen ermöglichen mir, vieles zu hinterfragen. (S. 152)

Sobald eine fremde Meinung mit unserem Weltbild kompatibel ist, sind wir gerne bereit, sie zur eigenen Meinung zu machen. Das ist dann aber Nachplappern von Nachgeplappertem, nicht eigenes Denken. (S. 133)

Richtig kaufen

Von Lügnern kaufe ich aus Prinzip nichts. (S. 161)

Wenn ich das Gefühl habe, ich brauche etwas, dann gehe ich in den Laden, schaue mir das Objekt an, kaufe es aber zunächst nicht. Ich muss erst eine “Abkühlphase” von ein bis zwei Wochen einhalten. Danach erst treffe ich die Entscheidung für oder gegen den Kauf. In vielen Fällen stellt sich dann heraus, dass ich das Ding, das ich im Auge hatte, gar nicht brauche, sondern nur haben will. (S. 164)

Ich halte es für sehr wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir eines Tages sterben werden. (S. 137)

Swasiland-Geschichte” über die Apathie im Internet

“Ich versuchte also, herauszufinden, ob das Internet wirklich so eine Macht hat, wenn es darum geht, Dinge in der realen Welt in Bewegung zu setzen. Auf der Straße hatte mich zufällig eine Dame angesprochen, die für ein Kindertagesheim in Afrika Geld sammelt. Sie fragte mich, ob ich für ihr Projekt eine Benefizvorstellung geben würde. Ich dachte mir, wir probieren das gleich etwas anders. Also startete ich ganz einfach einen Aufruf im Internet. Immerhin haben sich auf meinem Webblog etwa 10.000 Besucher selbst als gültige Stimmen geoutet, also die Bereitschaft kundgegeben, für Veränderung einzutreten, Systeme zu verlassen und Eigenverantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Ich gab die Kontonummer des Vereins, der für die Errichtung dieser Tagesheimstätte für Kinder in Swasiland Geld sammelt, bekannt. Jeder, der sich als gültige Stimme verstand, sollte einen Euro spenden. Bei 10.000 Stimmen hätten wir 10.000 Euro zusammenbekommen. Wer nicht spenden wollte, sollte stattdessen eine E-Mail an den Verein senden und kurz begründen, weshalb er oder sie diesen Euro nicht spenden wollte. Das ist ja völlig legitim, da man niemanden zum Spenden zwingen kann.

Von den 10.000 gültigen Stimmen reagierten insgesamt circa 500 durch eine Geldspende oder durch das Versenden einer E-Mail, wobei sich etwa 100 – vielleicht waren es 130 – für die Spende entschieden. So viel bleibt dann von der „Macht” des Internets übrig, wenn es um konkretes Handeln geht. Von 10.000 Menschen haben 500 reagiert, also fünf Prozent. Diese Rate wäre super, wenn ich meinen Aufruf an irgendeine anonyme Masse gerichtet hätte. Meine 10.000 Zuseher sind aber Menschen, die bereits eine erhöhte Bereitschaft haben, aktiv etwas in Bewegung zu setzen. Daher sind fünf Prozent nicht viel. Ich schließe daraus, dass meine Webseite und auch mein Youtube-Kanal für die Zuseher hauptsächlich Unterhaltungswert haben.

Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Trotzdem kamen durch die „Gültigen Stimmen” mehr als 7.000 Euro zusammen. Nicht, weil die Masse einen Euro pro Person gab, sondern weil eine Minderheit sehr viel mehr gab. So glaube ich, dass nicht die Mehrheit für Veränderung und Handeln steht, sondern die Minderheit. Veränderungen zum Wohle der Menschen sind immer von begeisterten und engagierten Minderheiten ins Rollen gebracht worden und niemals von der breiten Masse.” (S. 149f)


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