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Die Mindset-Ausrede

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Unlängst ein Gespräch über Geld in der Selbständigkeit. Ja, klar: Das Mindset spielt eine Rolle, gerade wenn es ums Geld geht. Innere Blockaden, limitierende Glaubenssätze, das ganze Programm. Stimmt schon.

Aber…

Bevor wir uns in monatelange Mindset-Arbeit stürzen, könnten wir in unserem Solo-Business vielleicht ein paar hard facts erledigen: Hast du eine durchdachte Produkt-Treppe? Gibt es eine Sales-Struktur, die diesen Namen verdient? Hast du eine Pricing-Strategie oder bestimmst du deine Preise auf Zuruf?

Das sind alles keine Mindset-Fragen. Das sind Hausaufgaben. Konkrete, erledigbare Aufgaben. Kein Coach der Welt kann dir die abnehmen. Das musst du selbst machen.

Und zwar ganz unabhängig davon, ob dein Money Mindset aligned ist oder nicht.

Gelassene Beratung

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Das Geheimnis guter (stressfreier) Beratung ist vielleicht, nicht mehr zu wollen, als in dieser einen konkreten Beratungssituation gerade möglich ist. 

Die Latte liegt am Boden

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Wenn man sich aktuell im Bildungs- und Beratungsmarkt umschaut, dann hört man immer wieder, wie gesättigt der Markt ist, wie viele bereits das Gleiche machen, wie schwierig es geworden ist, überhaupt noch aufzufallen. Der Markt sei brutal kompetitiv. Man müsse sich differenzieren, eine Nische finden, die Personal Brand aufbauen.

Das mag alles so sein. Aber: Wogegen genau willst du dich differenzieren?

Gegen die Freelancer, die nicht zurückschreiben? Gegen die Unternehmen, bei denen man drei Mal nachfragen muss, bevor überhaupt ein Angebot kommt? Gegen die Dienstleister:innen, die mitten im Projekt lieber ein neues Projekt anfangen, sobald es ein bisschen mühsam wird?

Ja, der Markt ist umkämpft. Aber die meisten Solopreneure schlagen sich selbst.

Verlockend

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Es tut manchmal weh, sich das als Lehrender einzugestehen, aber: Wir können niemanden zum Lernen bringen.

Alle didaktischen Impulse funktionieren nur, wenn der andere bereits offen für “den Stoff” ist. Barbara Messer bringt es auf den Punkt: Wir können nicht motivieren, aber wir können locken.

Locken bedeutet: Ich mache etwas so attraktiv für mich selbst, dass du Lust bekommst, dabei zu sein. Wenn ich selbst Lust auf meine eigene Lektion habe, wirkt das wie ein starker Magnet.

Das gilt für die Hochschullehre, für die Gründungsberatung, für jede Form von Wissenstransfer. Menschen spüren den Unterschied. Sie spüren, ob jemand wirklich Freude hat oder nur seinen Job macht.

Und sie folgen der Energie, nicht den Argumenten.

Denk-Arbeit

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„Denken fühlt sich an wie Nichtstun”, sagt Gabriele Fischer in einem spannenden Gespräch mit Wolf Lotter.

Und weiter: „Ich glaube, wir sind es einfach nicht gewohnt, dass Denken als vollwertige Arbeit anerkannt wird. Wenn du zu Hause auf dem Sofa sitzt und an die Decke starrst, sieht das für deine Familie, für deinen Partner und vor allem für dich selbst nicht nach Arbeit aus.“

Und so meldet sich „das schlechte Gewissen des Freiberuflers“ (Wolf Lotter): Man könnte nachdenken (oder einfach nichts tun), aber man „traut“ sich nicht.

Wie gut ich das kenne…

Feuer am Dach

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Alles, was du vernachlässigst, wird irgendwann dringend. Die Buchhaltung, die Beziehung, der Zahnarztbesuch – das Muster ist immer dasselbe.

Was auf deiner Liste steht noch im Status “kann warten”?

Gegen das Leben

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Wenn du mit der Imperfektion haderst, dann stemmst du dich gegen das Menschsein an sich. 

Ein Käfig ohne Gitter

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Maggie Patterson beschreibt ein Phänomen, das vermutlich die meisten Solopreneure kennen: Wir bauen uns unser Business, weil wir Zeit und Freiheit wollen. Für Familie, Hobbys, Freunde – oder einfach nur Ruhe.

Und wenn wir dann die Gelegenheit hätten, diese Freiheit zu genießen? We freeze.

Da ist plötzlich der freie Nachmittag. Die Woche ohne Kundentermine. Und was machen wir? Wir öffnen den Laptop, werkeln an der Website herum oder brainstormen unser nächstes Produkt. Irgendwas “Produktives” halt.

Wir kämpfen also für eine Freiheit, die wir dann nicht leben können. Weil wir uns selbst ein schlechtes Gewissen machen.

Besser ist immer super

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Das klingt banal, ist aber das Gegenteil vom Perfektionismus, der uns Solopreneuren oft im Weg steht.

Wer sich optimal vornimmt, blockiert sich selbst — wer sich besser vornimmt, kommt jeden Tag einen Schritt weiter.

Eine der nützlichsten Fragen beim Aufbau eines Solo-Businesses ist: “Wie mache ich es heute ein bisschen besser als gestern?”

Das Anti-Angeber-Programm

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Mir kommt manchmal vor, wir Solopreneure haben eine Art “Anti-Angeber-Programm” installiert.

“Keiner mag einen Angeber”, steckt in unserem Hinterkopf. Und wenn wir dann die Chance haben, uns und unsere Arbeit zu präsentieren, dann machen wir uns selbst klein – um nur ja nicht wie ein Angeber zu wirken. Wir setzen auf Understatement, weil wir denken, das hätte Klasse.

Eine vernünftige Selbstpräsentation hat überhaupt nichts mit Angeben zu tun. Es ist schlicht das Nennen von Fakten. Du hast etwas geleistet? Haben deine Kund:innen durch dich Erfolg? Hast du einen großen Auftrag bekommen? Dann sag es. Ohne “eigentlich” und “ein bisschen” und “naja, ist ja nichts Besonderes”.

Die anderen können nur mit den Informationen arbeiten, die du ihnen gibst.

[Danke Katharina Lewald für diesen Gedanken.]

Das Notizbuch ist voll

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Wir Lifestyle Entrepreneure sind oft Weltmeister im Sammeln von Erkenntnissen. Nach jedem Kundengespräch eine Notiz. Nach jedem Meeting ein Protokoll. Nach jedem Webinar drei Seiten voller Aha-Momente. Die Notizbücher quellen über, die Notion-Datenbanken werden immer umfangreicher, das Evernote-Archiv-System immer ausgeklügelter.

Aber dann?

Malcolm Werchota bringt es auf den Punkt: “Das Protokoll ist nicht wichtig. Was wir aus dem Protokoll machen, ist wichtig.” Der Moment, wo aus der notierten Erkenntnis eine konkrete Handlung wird – den lassen wir gerne aus. Wir bleiben im Dokumentationsmodus stecken.

Das gilt für Kundengespräche (notiert, aber nicht umgesetzt), für Feedback (gesammelt, aber nie integriert), für strategische Erkenntnisse (analysiert, aber nichts verändert).

Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn das Notizbuch geschlossen wird.

Genug

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Echte unternehmerische Freiheit beginnt, wenn du “genug” für dich definiert hast. Nicht das nächste Umsatzziel – sondern der Punkt, an dem du sagst: Das reicht.

Wer “genug” hat, rebelliert gegen ein System, das auf ewigem Wachstum, permanenter Unzufriedenheit und Konsum aufbaut. Nicht durch laute Parolen, sondern durch eine bewusste persönliche Grenzziehung.

Du spielst einfach nicht mehr mit. Das ist radikaler, als es klingt.

Niemand verliert gegen die Konkurrenz

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Die meisten Solopreneure verlieren nicht gegen die Konkurrenz. Sie verlieren gegen sich selbst. Gegen die Dinge, die sie für unwichtig halten, weil sie nicht direkt mit dem Produkt zu tun haben. Kommunikation. Erwartungsmanagement. Messaging. Erreichbarkeit… fallen mir ein.

Es sind viele Kleinigkeiten, aber diese Kleinigkeiten summieren sich. Nicht sofort. Aber über die Zeit.

Mein Tipp: Mach jeden Tag eine kleine Sache besser in deinem Solo-Business. Nicht (nur) besser für dich, sondern für deine Kund:innen. Denn auch diese kleinen Verbesserungen werden sich über die Zeit summieren.

Das Umsetzungs-Paradox (3/3): Das Ende der To-Do-Listen-Pädagogik

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Kathrin Gildner sagt: Viele Solopreneure spüren einen mentalen Overload durch die unendliche Anzahl an Dingen, die sie machen müssten, könnten, sollten. Noch ein Framework, noch eine Methode, noch eine Strategie auf der eh schon viel zu langen Liste.

Sie meint deshalb, dass die klassische “Hier sind 5 Schritte”-Pädagogik´ nicht mehr funktioniert, denn eine “neue Methode” wird nicht mehr als Hilfe, sondern als Last empfunden.

Was Solopreneure stattdessen brauchen: Reduktion, nicht Addition. Nicht “Was könnte ich noch machen?”, sondern “Was kann ich weglassen?” Nicht “Welche Strategie fehlt mir noch?”, sondern “Wie bekomme ich dorthin, wo ich eigentlich hin will?”

Die Antwort darauf ist nicht noch irgendein Online-Kurs, den keiner braucht. Das infinite game des Solopreneurship erfordert eine neue, eine andere Didaktik. Eine, die nicht ständig neue Baustellen aufmacht, sondern hilft, auf den bestehenden Baustellen voranzukommen.

Warum nicht?

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Bevor du in deinem Business etwas Neues startest:

Warum machst du nicht zuerst das Meiste aus dem, was du bereits hast?

Und ja, das könnte bedeuten, dass du noch ein bisschen mehr in diese Sache investieren musst: mehr Geld, mehr Sorgfalt oder mehr Liebe.

Der Lotto-Sechser

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„If I won the lottery, I‘d be chronically offline“, sagt Maggie Patterson.

Und du?

Ist offline sein (zu können) der neue ultimative Luxus?

Die stille Zeit

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Die Weihnachtszeit bringt das Bedürfnis nach Rückzug. Abstand gewinnen, nachdenken, sich sammeln.

Aber: Die gemütliche Couch im Wohnzimmer gibt dir keine Antworten über dein Leben. Sie gibt dir nur deine eigenen Gedanken zurück.

Die Welt da draußen – Menschen, Begegnungen, echte Gespräche – geben dir die Antworten, die du suchst.

Deine USP

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Ich finde, die USP (unique selling proposition) ist bei einem Ein-Personen-Unternehmen ein völlig überschätztes Konzept.

Es wäre ein unglaublich hoher Anspruch, als einer von tausenden Unternehmensberater:innen, Fotograf:innen oder Psychotherapeut:innen eine echte USP zu haben – also wirklich unique zu sein..

Es gibt nichts Neues unter der Sonne, heißt es schon in der Bibel. Viele Gründer:innen quälen sich damit, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, und kommen drauf: Alles wurde schon irgendwann mal gedacht, gemacht, angeboten.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Deine USP als Solopreneur sind deine Kontakte. Punkt. Insbesondere die Resonanz-Beziehungen, die du im Laufe deines Lebens (in deiner Ausbildung, als Angestellte:r, im privaten Umfeld) hergestellt hast und noch herstellen wirst.

Diese Resonanzbeziehungen sind dein wahres Asset. Die kann dir niemand wegnehmen.

Es sind die anderen Menschen, die dich einzigartig machen – nicht du selbst.

Lebenswert

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Ein Gedanke von vorgestern beim Aufwachen:

Im besten Fall wäre mein Leben eine Sammlung lebens-werter Dinge.

Unvermittelbare Ideen

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Du hast eine brillante Idee. Wirklich gut durchdacht. Vielleicht sogar innovativ. Und sie liegt jetzt da, in deinem Kopf, in deinen Notizen, in deinem Konzeptpapier.

Und nichts passiert.

Weil eine Idee sich nicht von selbst aktiviert. Sie braucht Vermittelbarkeit. Sie muss in eine Form gegossen werden, die andere Menschen “greifen” können. Solange deine Idee nur in ihrer vollen Komplexität existiert – mit allen Nuancen, allen Vorbehalten, allen Abhängigkeiten – bleibt sie umverfügbar.

Das Problem ist nicht die Idee. Das Problem ist die fehlende Übersetzung, die fehlende Zugänglichkeit. Du musst sie so weit reduzieren, dass jemand anderes sie versteht, ohne dein komplettes Vorwissen zu haben. Damit jemand sagen kann: “Ach, das ist wie X, nur für Y.” Erst dann wird aus deinem Gedanken eine Idee, die Wirkung entfalten kann.

Die Idee allein hat keine Power. Die Kraft liegt in der Form, die du ihr gibst.