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Hoffnungen und Sorgen

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Wenn man ein großes neues Projekt startet, dann sind damit Hoffnungen und Sorgen verbunden.

Nicht alle Hoffnungen werden sich erfüllen. Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert.

Nicht alle Sorgen werden eintreten. Gott sei Dank.

Manchmal wechseln Sorgen und Hoffnungen sogar die Seiten.

Was tatsächlich passieren wird, können wir nicht wissen. Müssen wir auch nicht.

Es genügt, bei sich zu bleiben.

Deine Fankurve

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Die Menschen, die dich in deinem Business bedingungslos unterstützen…

Die Menschen, die an der Seitenlinie stehen und dich anfeuern, bei jedem Wetter – egal, wie es gerade läuft, einfach deinetwegen…

Die Menschen, die sich deine spinnerten Ideen anhören und dich bestärken, auch wenn sie es nicht ganz verstehen…

Wissen diese Menschen eigentlich, wie sehr du ihnen dankbar bist?

Nein?

Dann ist JETZT der Moment, das zu ändern.

Das Online-Business Missverständnis

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Unlängst bin ich über einen Gedanken gestolpert, der mir in dieser Deutlichkeit neu war: Ich bin Gründungsberater. Ich mache Beratungen. Und wenn ich diese Beratungen per Zoom mache, dann ist das — kein Online-Business!

Ein Offline-Business (z.B. eine 1:1-Beratung) in einen virtuellen Raum (z.B. Zoom) zu verlegen ändert den Raum – das Geschäftsmodell bleibt aber gleich.

Das Geschäftsmodell eines echten Online-Business dreht sich um ein einziges Wort: Skalierung. Skalierung bedeutet: Was ich einmal entwickle, kann ich beliebig oft liefern — ohne dass meine Zeit linear mitläuft.

Gründungsberatung ist das genaue Gegenteil davon: Jede Session ist anders, jede kostet mich meine persönliche Lebenszeit, das Skalierungspotenzial geht gegen null.

Zoom ist ein Kanal – kein Geschäftsmodell.

[Danke Stefanie Kneisz für diesen Gedanken.]

Das X auf der Linie

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Eine Übung für alle Gründer:innen:

Stell dir eine Linie vor. Links steht Freiheit, rechts steht Sicherheit. Und jetzt: Wo setzt du dein X?

Freiheit und Sicherheit schließen sich aus – aber die meisten Gründer:innen wünschen sich beides: Die Freiheit der Selbständigkeit gepaart mit dem sicheren Einkommen und der Planbarkeit einer Anstellung.

Aber das Spannungsfeld von Freiheit und Sicherheit ist nicht auflösbar. Du kannst dich in diesem Spannungsfeld nur verorten, nach deiner ganz persönlichen Präferenz. Wer sich nicht aktiv verortet, landet trotzdem irgendwo — nur eben unbewusst. Und dann wundert man sich, warum die Selbständigkeit nicht das ist, was man sich vorgestellt hat.

Wer sich aktiv im Spannungsfeld positioniert, hört auf, zu beklagen, was er nicht hat — und fängt an, das zu gestalten, wofür er sich entschieden hat.

Der zuverlässige Reflex der Selbstständigkeit

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Wenn es nicht läuft, dann arbeitet der Solopreneur mehr.

Umsatz zu niedrig? Ordentlich dahinterknien! Projekt ins Stocken geraten? Wochenende opfern!

Dieser Reflex funktioniert bei Solopreneuren so zuverlässig, dass man ihn kaum noch bemerkt. Er fühlt sich sogar richtig an — nach Verantwortung, nach Ernsthaftigkeit, nach Entrepreneurship.

Aber das ist keine Strategie. Das ist eine Gewohnheit. Und: Gewohnheiten skalieren nicht.

Irgendwann sind die Stunden aufgebraucht. Und dann? Noch noch mehr arbeiten?

Fleiß beantwortet die strategischen Fragen nicht. Er verdrängt sie nur.

Teile nur das Teilbare

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Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was du weißt, und dem, was du teilen solltest.

Wer einen Podcast aufnimmt, ein Seminar hält oder ein Gespräch führt, hat danach viel in der Hand. Zu viel, um es einfach (auf Social Media) “auszuschütten”.

Teile also nicht die ganze Folge, nicht deine kompletten Notizen, nicht den vollständigen Gedankengang. Teile lieber den einen Tipp, der für sich alleine stehen kann. Der in sich nützlich und ohne viel Kontext verständlich ist.

Wer das beherrscht, wird auch mehr Reichweite bekommen. Denn: Was nützlich ist, verbreitet sich leichter.

[Danke Gordon Schönwälder für diesen Gedanken.]

Evidente Kompromisse

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Ja, es kann sein, dass du in deinem Gründungsprojekt Kompromisse machen musst. Sogar ziemlich sicher.

Aber die Frage ist: Welche Kompromisse?

Wahrscheinlich nicht die Kompromisse sind, die du glaubst machen zu müssen.

Mach keine Kompromisse ohne Evidenz. Verlass dich nicht auf deine Annahmen, sondern hol dir die ganz konkreten Rückmeldungen vom Markt: Welche Kompromisse fordern deine Kund:innen von dir?

Zuerst die Evidenz, dann der Kompromiss.

Es hängt nur von dir ab

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Mach dir keine Sorgen, dass dir jemand deine gute Geschäftsidee klauen könnte.

Mach dir lieber Gedanken darüber, wie du deiner guten Idee mit einer exzellenten Umsetzung gerecht werden kannst. 

Die Glaskugel

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Ein sehr leiwander Gründungsberater-Kollege hat auf seinem Schreibtisch eine Glaskugel – so eine, wie man sich vorstellt, dass Wahrsager:innen verwenden..

Ich finde: Das ist ein sehr nützliches Tool in der Gründungsberatung.

Nicht, um aus der Glaskugel “Erkenntnisse” zu gewinnen. Sondern um zu verdeutlichen: Niemand von uns kann in die Zukunft schauen. Auch wir Gründungsberater:innen nicht. Wir arbeiten mit Hypothesen, Intuitionen, Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungen. Das ist nicht nichts, aber mehr haben auch wir nicht anzubieten.

Das Gute daran: Als Selbständige:r kann man sich seine Zukunft gestalten!

Wir brauchen, was unsere Zukunft als Solopreneure betrifft, keine Sicherheiten. Wir brauchen keine Menschen, die uns die Zukunft voraussagen. Was wir brauchen, ist Selbstvertrauen, Mut und Initiative. Und Menschen, die diese in uns stärken.

Das reicht.

Der Feed zeigt nicht die Welt, er zeigt dich

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Unlängst wieder: LinkedIn geöffnet, Feed reingezogen, und nach zehn Minuten die quälende Frage im Hinterkopf: Mache ich eigentlich irgendetwas richtig?

Dabei passiert da etwas Eigenartiges: Der Feed zeigt mir nicht, wie die Welt wirklich funktioniert. Er zeigt mir, wo ich unsicher bin.

Ein Coach mit hundert Reaktionen auf einen einzigen Post trifft mich genau dort, wo ich mir selbst nicht erfolgreich genug vorkomme. Die Zeitmanagement-Queen mit drei extra “freien Stunden” pro Tag trifft mich dort, wo ich das Gefühl habe, selbst zu wenig zu schaffen.

Der Feed ist ein Spiegel der eigenen Zweifel. Und er ist sehr gut darin, diese Zweifel zu finden – und zu nähren.

[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]

Die stille Seite des Sonntags

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Manche Fragen stellen sich nur in ruhigen Momenten.

Unter der Woche ist man zu beschäftigt dafür. Man checkt ständig die Inbox, schaut ob der letzte LinkedIn-Post performt hat, zählt die Follower auf Insta. Man weiß rational, dass es keine Rolle spielt — und checkt trotzdem drei-, viermal am Tag. Das Wissen hilft nicht gegen den Reflex.

Aber: “Genug” ist kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Es ist eher eine Entscheidung — und zwar eine, die sich nur in stillen Momenten treffen lässt.

Nicht dein Leben

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Gründungsberater:innen haben meistens eine Meinung. Über Geschäftsmodelle, über Preise, über Wachstumspläne. Das ist nicht per se schlecht. Aber es gibt einen Unterschied, der in der Praxis selten gemacht wird: den Unterschied zwischen fachlicher Position und moralischer Bewertung.

Casey Davis, eine US-amerikanische Therapeutin, hat das Konzept der moralischen Neutralität ursprünglich für die Arbeit mit Erwachsenen entwickelt, die sich wegen unerledigter Haushaltsaufgaben massiv selbst verurteilten. Ihr Kerngedanke: Der eigene Wert als Mensch hängt nicht davon ab, ob man arbiträre gesellschaftliche Standards erfüllt.

Ich finde, moralische Neutralität passt auch gut in die Gründungsberatung. Ein Geschäftsmodell, das Schaden anrichtet, ist nicht moralisch neutral, eh klar. Aber ob jemand keine Mitarbeiter will, ob jemand bewusst klein bleiben möchte, ob jemand lieber 2.000 € im Monat verdient und dafür jeden Freitag frei hat – das sind keine moralischen Fragen. Das sind Prioritäten. Und es ist nicht mein Job als Gründungsberater, diese Prioritäten zu korrigieren.

Moralische Neutralität als Haltung bedeutet nicht, keine Meinung zu haben. Es bedeutet zu wissen, wo die eigene Meinung aufhört und das Leben der anderen Person beginnt.

Gut gemacht, trotzdem schlecht

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Auch Folgendes ist denkbar: Du hast alles richtig gemacht, und das Ergebnis ist trotzdem suboptimal.

Es liegt nicht immer alles nur an dir!

Du hast nicht die volle Kontrolle über das Ergebnis eines Prozesses. So leid es mir tut, und so sehr du dir das auch wünschen würdest.

Der rotierende Wahnsinn

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Unlängst habe ich bei Tad Hargrave einen witzigen Satz gelesen:

“A healthy village doesn’t mean that no one’s crazy. It’s just that not everyone is crazy at the same time.”

Deswegen sind der vertrauensvolle Austausch mit anderen Solopreneur:innen so wichtig. Denn in gesunden Beziehungen rotiert der Wahnsinn: Heute bin ich überfordert, morgen du. Heute kannst du mich auffangen, nächste Woche ich dich. Wer gerade stabil ist, hilft dem anderen ein bisschen, wieder zu seiner Mitte zu finden.

Das gilt auch für den Umgang mit deinen Kund:innen. Ein Problem entsteht erst, wenn alle gleichzeitig durchdrehen. Wenn deine Kundin und du beide gestresst sind und beide patzig werden, dann eskaliert die Situation.

Manchmal bedeutet das: Die E-Mail erst morgen beantworten, wenn du wieder klar denkst. Manchmal: Einen Business Buddy anrufen, der/die gerade nicht im Drama steckt.

Und manchmal einfach nur: Erkennen, dass du heute der/die Verrückte bist – und entsprechend vorsichtig agieren.

Ein Feiertag, nur für dich

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Heute, am 26. März, ist Make Up Your Own Holiday Day.

Jeder Feiertag ist irgendwann mal von jemandem erfunden worden. Oder, besser gesagt: Feiertage werden nicht gefunden, sie werden gemacht. Von jemandem, der beschlossen hat: Dieser Tag soll anders sein. Dieser Tag bedeutet etwas.

Für Solopreneure ist das eine merkwürdig übersehene Möglichkeit. Du hast alle Freiheiten — auch die, dir selbst einen Feiertag zu gönnen.

Nicht irgendeinen. Deinen ganz persönlichen Feiertag. Vielleicht den Jahrestag deiner Gründung. Oder den Tag, an dem du die erste Kundin gewonnen hast. Oder den Tag, an dem du aufgehört hast, etwas zu tun, das dir nicht gut getan hat. Irgendeinen Tag, der für dich eine ganz besondere Bedeutung hat — und den du von nun an jedes Jahr markierst, vielleicht sogar feierst.

Markiere dir diesen Tag ganz dick im Kalender. Jetzt.

Wie heißt deine Strategie?

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Philipp Maderthaner sagt: Wenn deine Strategie keinen Namen hat, hast du keine Strategie. Mark Zuckerbergs “Year of Efficiency”, Starbucks’ “Triple Shot Strategy” – die Besten geben ihrer Richtung einen Begriff, der hängen bleibt.

Als Solopreneur:in brauchst du das doppelt.

Nicht weil du deine Mitarbeiter:innen auf die Strategie ausrichten müsstest, sondern weil du dich selbst ausrichten musst. Jeden Tag aufs Neue, in hundert kleinen Entscheidungen: Welches Angebot? Welcher Kunde? Welches Ja? Welches Nein?

Seth Godin sagt; If you can’t state your position in eight words, you don’t have a position.

Also: Versuch mal, deinen strategischen Fokus in acht Worten zusammenzufassen. Wenn du 10 Minuten überlegst und nichts kommt – oder viele verschiedene Versionen –, dann hast vielleicht dein dringendstes Business-Problem gefunden.

Like a Bohrmaschine

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Im Intro von Poundcake klingt Eddie Van Halens Gitarre wie eine Bohrmaschine.

Jeder weiß, dass es keine echte Bohrmaschine ist. Aber Eddie Van Halen schafft es, seine Gitarre wie eine Bohrmaschine klingen zu lassen. Und dadurch wird die Sache noch leiwander, als wenn wir eine echte Bohrmaschine hören würden.

Gekonnte Verfremdung ist MAGISCH!

Du sollst nicht lügen

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Es gibt keine Alternative zur Wahrheit. 

Auch die Lüge ist keine Alternative.

Im Gegenteil: Die Lüge ist eine Anerkennung der Wahrheit.

Individuell und gemeinsam

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Von Matthias Horx habe ich gelernt: Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend.

Spannend ist die Kombination aus Trend und Gegentrend beim Megatrend “Individualisierung”: Die Menschen brauchen ihre Individualität weiterhin, aber sie wollen diese Individualität in Gemeinschaft erleben.

Das ist ganz spannend für mich als jemanden, der sinnvolle Angebote für Gründer:innen und Solopreneure entwickelt. Ich merken nämlich auch: Solopreneure sind der Inbegriff von Individualisten, aber sie “wollen ihre Individualität in einem neuen Setting erleben und ausüben”, sagt Oona Horx Strathern.

Ich könnte mir vorstellen, dass mich diese spannende Kombination im Jahr 2026 noch viel beschäftigen wird.

Im Krieg

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Gestern habe ich mit einem Gründer gesprochen, der aus dem Iran kommt.

Es ist schwer, sich auf die Gründung zu konzentrieren, wenn in deinem Heimatland Krieg herrscht und du in Sorge um die Sicherheit deiner Familie bist.

Oder, anders formuliert: Egal, welche Sorgen du gerade in deinem Business hast… Wahrscheinlich ist es ein Luxus-Problem.