Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Zwerge

Z

Das Land Niederösterreich hat ein Netzwerk für Ein-Personen-Unternehmen initiiert: Wir sind 1. Dessen Ziel ist die Vernetzung dieser “Einzelkämpfer:innen” sowie eine bessere Sichtbarkeit der niederösterreichischen EPU insgesamt.

Alles sehr löblich. Alles sehr sinnvoll. Aber manchmal geht ein Schuss auch mal daneben.

Im Rahmen der #noegartenzwergtour ist “Wir sind 1” mit zwei Gartenzwergen unterwegs und möchte zeigen,

“wie vielfältig, kreativ und engagiert EPU in Niederösterreich sind – und das mit einem Augenzwinkern. Statt langweiliger Firmenporträts gibt’s bei uns Outdoor-Videoportraits mit Zwerg, Herz und Humor. In diesem Sommer besuchen wir niederösterreichische EPU – vom Studio bis zur Werkstatt – und lassen Gustl, den G‘schaftigen und Sissi Social den EPU über die Schultern schauen und auch sich selbst das ein- oder andere Mal so richtig in Szene setzen.”

EPU-Firmenportraits mit Gartenzwergen… Pfuh!

Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Nein, ich bin mir sicher, dass das keine gute Idee ist.

Worte haben Bedeutung, und deshalb ist es nicht wurscht, welche Metaphern man verwendet. EPU und Zwerge in einen sprachlichen und bildlichen Zusammenhang zu bringen, mag zwar kreativ sein, aber was soll uns das sagen? Dass EPU lustige Zwerge sind? Dass EPU zwar lieb sind, aber nicht besonders ernst zu nehmen? Dass EPU sich als drollige Dekoration eignen? Dass EPU wie Gartenzwerge auch gerne mal im Regen stehen gelassen werden?

Als ob die Selbstverzwergung vieler EPUs nicht reichen würde.

Geoff Burch: Go it Alone! (1997) 📙

G

Ein dreißig Jahre altes Buch über Solopreneurship. Viele Weisheiten aus dem Buch sind heute noch genauso gültig wie damals. Das Besondere ist aber: Das Buch ist extrem lustig geschrieben, wie ein Business-Kabarett-Abend zum Lesen. Empfehlung für alle solo-selbständigen Freunde des trockenen britischen Humors.

(mehr …)

Lebenszeichen

L

Ein Lebenszeichen ist, wenn du deiner Umgebung signalisierst: Hey, ich bin lebendig! Bei mir tut sich was!

Ein Lebenszeichen ist aber auch, wenn dir dein Leben ein Zeichen schickt: Hey, da tut sich gerade was! Schau mal genauer hin!

Hilfreich sein

H

Hilfreich zu sein muss nicht unbedingt nur heißen, dass man eine Lösung hat.

Hilfreich kann man auch sein, wenn man jemandem hilft, ein Problem besser zu verstehen.

Hilfreich zu sein kann auch heißen, dass man Optionen aufzeigt, welche der andere zuvor nicht gesehen hat.

Hilfreich kann man auch sein, wenn man dem Gegenüber zeigt, dass er gesehen, geschätzt und verstanden wird.

Hilfreich zu sein kann manchmal auch einfach nur bedeuten, jemanden mit seinem Problem erst zu nehmen.

[Danke David Bornstein für diesen Gedanken.]

Gefühlte Wahrheit

G

Justin Vernon (aka Bon Iver) sagt in einem wunderbaren Gespräch mit Krista Tippett etwas ganz Spannendes:

You can’t convince people with words. You just can’t. It’s not happening and it will not happen. You have to convince them with something that is already in there, something that they already have.

Das ist genau das, was Musik macht. Sie berührt uns innerlich, und somit ist sie “wahr”. Nicht wegen dem, was im Song gesagt wird, sondern wegen dem, was wir spüren, wenn wir ihn hören.

Gutes Marketing (oder überhaupt: gute Kommunikation) ist wie gute Musik.

Wir verändern nichts

W

Wir Solopreneur:innen sollten eigentlich am innovationsfreudigsten von allen Unternehmern sein.

Weil: Wir können, wenn wir wollen, unsere Strategie, unsere Zielgruppe, unser Produktangebot von heute auf morgen ändern. Wir haben keinen Aufsichtsrat, den wir fragen müssten. Wir müssen keine Business Cases abgeben. Wir haben keine Shareholder, deren Zustimmung wir bräuchten. Es liegt einzig und allein an uns selbst.

Ich beobachte jedoch eher das Gegenteil. Viele Solopreneur:innen merken, dass es in ihrem Solo-Business zwickt und zwackt und dass sie etwas verändern müssten – aber sie tun nichts.

Solopreneur:innen fallen Innovationen und Veränderungen wahnsinnig schwer. Eh klar, weil sooo wahnsinnig viel dran hängt. Wir müssen ja jedes Detail der Veränderung selbst umsetzen. Und diese Aussicht kann uns sehr schnell überwältigen.

Dann bleiben wir lieber bei dem Business, das wir haben – auch wenn es hatscht.

Lauter Ahnungslose

L

Ein wichtiger Reminder von Bob Lefsetz:

The dirty little secret is most people don’t know most things.

Was sie natürlich nicht davon abhält, über most things eine Meinung zu haben.

Gefühlt erfolgreich

G

Ja, man kann “Erfolg” nicht eindeutig definieren. Jeder Mensch hat dafür andere Maßstäbe. 

Aber jeder Mensch hat ein eindeutiges Gefühl dafür, ob er gerade “erfolgreich” ist oder nicht. 

Lösung: Geld

L

Ein Problem, das sich mit Geld lösen lässt, ist kein Problem. Just throw money at it. Dazu ist Geld ja da.

Ein Problem, das sich nicht mit Geld lösen lässt, aber von dem ich glaube, dass ich es mit Geld lösen kann (indem ich etwas kaufe, um mein Gewissen zu beruhigen, um mich selbst in eine bessere Stimmung zu versetzen)…

Das funktioniert hingegen nicht.

Lauter Verrückte!

L

So wie ich denke, denkt sonst niemand.

Das weiß ich. Aber ich vergesse es immer wieder.

Deswegen bin ich von der Welt auch immer wieder überrascht.

Verdächtige Freundlichkeit

V

Wir Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Kindness.

Kindness ist mehr als Freundlichkeit. Kindness ist Offenheit, Toleranz, Respekt. Mit anderen Worten: Kindness ist gelebte Menschlichkeit.

Gleichzeitig gibt es (bei uns) ein Misstrauen gegenüber Kindness, sagt Matthias Horx, „weil sie immer als taktisch und strategisch benutzt wird“. 

Aber es gibt sie noch da draußen: Die Menschen, die einfach deswegen kind sind, weil sie können. Weil sie gute Menschen sind. Weil dadurch die Welt zu einem besseren Ort wird.

Hast du nicht auch Lust, öfter mal einer dieser Menschen zu sein?

13 Wochen Urlaub

1

Passend zum heutigen Schulschluss:

Unlängst hat mein Nachbar angemerkt, dass es schon irgendwie leiwand ist, Lehrer zu sein, weil man 13 Wochen im Jahr Urlaub hat.

Stimmt natürlich.

Aber die entscheidende Frage ist:

Sind 13 Wochen Urlaub ein gut genuges Argument, um die anderen 39 Wochen des Jahres aufzuwiegen?

Oder, anders formuliert: Ist die Zeit, wo man nicht an seinem Arbeitsplatz ist, wirklich ein geeignetes Argument dafür, dort zu sein?

Ein schlechter Tag

E

Wie gut du in deinem Business wirklich bist, zeigt sich an deinem schlechtesten Tag.

Wenn alles schief geht, wenn sich scheinbar die ganze Welt gegen dich verschworen hat…

Bist du auch an so einem Tag noch fähig, was Gutes hervorzubringen?

KI, aber heimlich

K

Unlängst habe ich von einer Studie gelesen, in der herausgefunden wurde, dass dass die Mehrheit aller Büroangestellten KI nutzt, ohne dass der Chef Bescheid weiß. Sie tun es heimlich, und wenn man es ihnen verbietet (KI bedeutet ja auch Risiken für Unternehmen!), dann ignoriert die Mehrheit der Befragten diese Vorgabe einfach.

So weit halte ich die Studie für plausibel, weil sie sich mit meinen eigenen Erfahrungen rund um institutionelle KI-Richtlinien deckt.

Dadurch, so heißt es in dem Artikel weiter, geraten zunehmend “Arbeitsergebnisse in Unternehmen in Umlauf, die nicht auf ihre Richtigkeit geprüft wurden”.

Da sage ich allerdings: Haltaus! Dass die Menschen nicht alles, was sie produzieren, auf Richtigkeit checken, war auch schon vor ChatGPT so.

Das kann man der KI wirklich nicht in die Schuhe schieben.

Kinder machen Business

K

Unlängst habe ich einen Vormittag lang in der dritten Volksschulklasse meines Sohnes unterrichtet. 17 Neunjährige, eine Lehrerin und ich haben ein Unternehmen gegründet: einen Apfelsaft-Stand.

Dieses Projekt war, wie man sich vorstellen kann, in mehrerlei Hinsicht spannend. Aber eine Erkenntnis hat sich mir besonders eingeprägt:

Die Probleme, die Neunjährige bei der Zusammenarbeit in mehreren Teams haben, sind haargenau dieselben wie bei den Erwachsenen.

Oder, anders formuliert: Erwachsene haben immer noch die gleichen Probleme wie Neunjährige, wenn sie in verschiedenen Abteilungen zusammenarbeiten sollen – und oft auch noch haargenau die gleichen Lösungsstrategien.

Unzugänglich

U

Das Iron Law of the Market besagt: Ein Angebot, das nicht nützlich ist, wird vom Markt verschwinden.

Oft scheitern Angebote aber gar nicht so sehr daran, dass sie nicht nützlich wären.

Sie scheitern daran, dass sie nicht zugänglich sind.

Geteilte Kunst

G

Unlängst habe ich in einem Blog-Post die Frage gestellt: Was ist eine Kunstsammlung wert, wenn man sie nicht herzeigen kann?

Das hat zu einem spannenden Gespräch mit Martin geführt – nämlich über die Frage, ob z.B. Kunstwerke nicht auch an und für sich einen Wert haben.

Worauf wir gemeinsam gekommen sind: Ja, ein Kunstwerk hat einen Wert “an sich”, einen intrinsischen Wert. Ein Kunstwerk ist nicht deswegen wertlos, weil es “nur” der Künstler oder die Kunstsammlerin sehen kann.

Aber es bekommt mehr Wert, wenn es auch anderen Menschen zugänglich ist.

Selbst, wenn das Kunstwerk in einem Museum hängt und dort von niemandem betrachtet wird — allein, dass es gesehen werden könnte, macht schon einen Riesenunterschied.

Unsere gemeinsame Hypothese: Das meiste im Leben wird mehr wert, wenn man es teilt.

[Genau diese Idee (oder so was Ähnliches) motiviert mich auch seit Jahren, diesen Daily Blog zu schreiben. Er könnte ja gelesen werden. Und ab und zu spreche ich tatsächlich mit jemandem über ein Blog-Post. Das empfinde ich jedes Mal als ausgesprochen wert-voll.]

Kurze oder lange Silbe?

K

Unlängst wurde ich unfreiwillig Zeuge von schlechtem Unterricht.

Ein Kind sollte den Unterschied zwischen Silben mit langen Vokalen und Silben mit kurzen Vokalen erkennen. Also: BIE-ne (langer Vokal, dann kurzer Vokal) vs. Pin-gu-in (lauter kurze Vokale).

Die Lehrerin war sehr bemüht und geduldig, das muss man ihr wirklich zugute halten. Aber das Problem war: In ihren Erklärungen haben alle Vokale gleich lang geklungen. Das Kind konnte den Unterschied zwischen den langen und den kurzen Vokalen nicht deutlich genug hören.

Mit anderen Worten: Der Kontrast zwischen den verschiedenen Möglichkeiten war nicht stark genug. Und das Ergebnis: Das Kind hat nichts gelernt, sondern bis zum Ende der Übung nur geraten. Weil es bis zum Schluss die Unterscheidung nicht hinbekommen hat. Für das Kind klang beides gleich.

So geht es übrigens auch unseren Kunden oft, wenn sie versuchen, verschiedene Angebote zu vergleichen. Es sieht nur so aus, als ob unsere Kunden sich nicht die Mühe machen wollten, sich genau zu informieren.

In Wirklichkeit bleibt auch ihnen nichts anderes übrig als zu raten, weil die Unterschiede einfach nicht deutlich genug erkennbar sind.

Me too

M

Die Marktwirtschaft hat eine wunderbare Eigenschaft: Jeder darf mitspielen. Du musst niemanden um Erlaubnis fragen.

Du hast ein gutes neues Angebot? Dann biete es am Markt an! Zeig es her, stell es anderen Menschen vor – und der Markt wird dich belohnen, wenn deine Idee wirklich so gut war, wie du dachtest.

Aber auf das zwanzigste Me-Too-Produkt hat aber niemand gewartet. Mit 08/15 wird der Markt dich eiskalt abservieren.

Die Aufgabe des Unternehmers ist die Innovation, sagt Joseph Schumpeter. Das Bessere. Das Passendere. Das Zugänglichere.

“Me Too” fehlt die Innovationskraft, und deswegen wird “Me too” vom Markt bestraft.

“Me too” ist als Anspruch einfach viel zu wenig.

Das kann doch nicht so schwer sein!

D

… ist einer der größten Aberglauben überhaupt.

Es kann doch nicht so schwer sein, Lehrerin zu sein – die paar Stunden Unterricht am Tag, die vielen Ferien!

Es kann doch nicht so schwer sein, ein Kaffeehaus aufzumachen – das bringt doch jeder zusammen!

Es kann doch nicht so schwer sein, den Ball ins Tor zu treffen – das schafft ja sogar ein Fünfjähriger!

Das sagen typischerweise Menschen, die noch keine Sekunde in ihrem Leben unterrichtet, in einem Kaffeehaus gearbeitet oder professionell Fußball gespielt haben.

Denn wenn sie das hätten, dann wüssten sie: Hinter dem, was vermeintlich so leicht ausschaut, steckt VIEL harte Arbeit.

Man sieht sie halt nur nicht.