Rutger Bregman: Im Grunde gut (2020)

Ein ganz, ganz wichtiges Buch. Seien wir realistisch und glauben wir an das Gute in den Menschen!

Gelesen: September – Oktober 2020

„Wir werden zu dem, was wir lehren.” (Ökonom Robert Frank)

  • Gilt aus seiner Sicht besonders für Lehrende in der Wirtschaftswissenschaften: Wer immer den homo oeconomicus unterrichtet, der glaubt irgendwann wirklich, dass es ihn gibt.

Der Mensch wird vom Bösen verführt.

  • Hannah Arendt: Der Mensch wird vom Bösen verführt, das im Gewande des Guten daherkommt. (S. 201)
  • Das Böse ist stärker, aber das Gute ist häufiger.

Wir haben einander.

  • „Wir sind in der Großstadt, in der überfüllten U-Bahn und auf vollen Plätzen nicht allein. Wir haben einander.” (S. 221)

Nominelles Motivationsvorurteil (Chip Heath)

  • Wir selbst halten uns für bestens intrinsisch motiviert, aber wir vermuten von anderen, dass sie sich nicht selbst motivieren können.
  • „Wir gehen ständig davon aus, dass es die anderen nur wegen des Geldes tun. Zum Beispiel fand Heath in einer Befragung von Jurastudenten heraus, dass 64 Prozent das Fach studierten, weil es schon immer ihr Traum gewesen war oder weil sie es einfach interessant fanden. Aber nur zwölf Prozent glaubten, dass das auch für andere Studenten gelte. Die anderen? Sie machen es doch nur wegen des Geldes!” (S. 294)
  • Das ist auch das Problem mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen: Ich könnte ganz sicher damit umgehen und was Sinnvolles damit machen, aber die anderen, die würden sich natürlich nur auf die faule Haut legen.

Zitate von Jos de Blok:

  • „Die Kluft zwischen der Führungsspitze und normalen Arbeitnehmern – in der Pflege, in der Bildung und sonst wo – ist enorm. […] Die Chefs pflegen vor allem untereinander Kontakt. Sie haben bei Schulungen und Kongressen alles so geregelt, dass sie sich gegenseitig auf die Schulter klopfen können und bestätigen, alles richtig zu machen.” (S. 300)
  • „Es gibt eine Vorstellung über Fachkräfte, nämlich, dass sie nicht strategisch denken können. Dass sie keine Vision haben. Aber Fachkräfte stecken voller Ideen. Sie denken an tausend Dinge, nur hört man ihnen nicht zu. Denn Manager glauben, dass sie, wenn sie sich irgendwas aus den Fingern gesaugt haben, sie die Fachkräfte unbedingt daran teilhaben lassen müssen.” (S. 300f)
  • „Meine Erfahrung ist, dass viele Manager entsetzlich wenige Ideen entwickeln. Sie haben ihren Job bekommen, weil sie ins System passen. Und weil sie folgsam sind. Aber nicht, weil sie große Visionäre sind.” (S. 301)
  • „[..] in Wirklichkeit [läuft] die normale Arbeit ohne jedes Management, und sogar besser.” (S. 301)
  • „Es ist einfacher, etwas schwieriger zu machen, aber es ist schwierig, etwas einfacher zu machen.” (S. 303)
  • Leitungsebenen mögen es lieber schwierig: „Denn das macht den Job interessanter. Und dann kannst du auch sagen: Siehst du wohl, ich bin unverzichtbar, um diese ganze Komplexität zu beherrschen.” (S. 303)
  • „Die Welt profitiert oft mehr von Kontinuität als von kontinuierlichen Veränderungen.” (S. 304)
  • „Weil man einander nicht vertraut, werden immer mehr Vorbehalte eingebaut. Allerlei Kontrollen, die in viel Bürokratie münden. Es ist wirklich absurd zu sehen.” (S. 304f)
  • „Je simpler die Finanzierung, desto mehr Aufmerksamkeit wird dem Inhalt gewidmet. Je komplizierter die Finanzierung desto mehr wird nach Möglichkeiten gesucht, das System zu missbrauchen. Dann wachsen die Finanzabteilungen, und die haben dann das Sagen über die Inhalte.” (S. 305)

Das, was wir „wissensbasierte Wirtschaft” nennen

  • „Könnte es sein, dass das ein großer Teil dessen, was wir die „wissensbasierte Wirtschaft” nennen, auf diese Weise funktioniert? Dass gut ausgebildete Manager und Berater simple Dinge so komplex wie möglich gestalten, um sich unentbehrlich zu machen beim Managen eben dieser Komplexität?” (S. 303)

Kinderleichte Philosophie

  • „Wenn man Mitarbeiter behandelt, als wären sie verantwortungsbewusst und zuverlässig, dann sind sie es auch.” (S. 306)

Motivation trotz Zielvorgaben

  • „Natürlich gibt es inzwischen unzählige Lehrer und Banker, Akademiker und Manager, die alle durch und durch motiviert sind, anderen zu helfen. Aber diese Motivation haben sie eher trotz statt wegen des Wirrwarrs an Zielvorgaben, Regeln und Richtlinien.” (S. 307)

Eine neue Bewegung

  • „Die eigentliche Frage besteht darin: Wie schaffen wir eine Gesellschaft, in der sich Menschen selbst motivieren? Diese Frage ist weder links noch rechts, noch ist sie kapitalistisch noch kommunistisch. Wir sprechen von einer neuen Bewegung. Über einen neuen Realismus. Denn nichts ist mächtiger als Menschen, die etwas tun, weil sie es tun wollen.” (S. 307)

Gutes tun

  • „Es ist leicht, Gutes zu tun, wenn man selbst auch gut behandelt wird. Leicht, aber nicht genug. Oder, wie Jesus sagte: „Wenn ihr nämlich nur liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? […]” Die Frage ist, ob wir noch einen Schritt weiter gehen können. Was wäre, wenn wir nicht nur das Gute in unseren Kindern, unseren Kollegen und unseren Mitbürgern, sondern auch in unseren Feinden vermuten würden?” (S. 355)

Auch der andere, der bist du

  • „Es ist nur allzu leicht zu vergessen, dass mir der andere, nur hundert Meter von mir entfernt, aufs Haar gleicht.” (S. 399)

Freundlichkeit ist ansteckend

  • „Jede gute Tat ist ein Stein in einem Teich, der Wellenringe auslöst, die sich meterweit um den Stein herum ausbreiten. „Wir sehen meist nicht”, erzählt einer der Forscher, „wie unsere Großzügigkeit, vermittelt über ein soziales Netzwerk, das Leben Dutzender oder vielleicht sogar Hunderter anderer Menschen beeinflusst.” Freundlichkeit ist ansteckend wie die Pest.“ (S. 432)
  • „[Jonathan] Haidt entdeckte, dass Menschen häufig überrascht und gerührt sind, wenn sie simple Gesten, die von Gutherzigkeit zeugen, beobachten.” (S. 432)

Seien Sie realistisch!

  • „Seien Sie also realistisch. Outen Sie sich. Folgen Sie Ihrer Natur und schenken Sie Vertrauen. Schämen Sie sich nicht für Ihre Großzügigkeit und tun Sie das Gute bei hellem Tageslicht.” (S. 433)