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Gewinn ist Nachweis, nicht Ziel

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Am Anfang einer Gründung steht oft die Frage: “Wie verdiene ich Geld?”

Aber das ist die falsche Frage.

Die richtige Frage lautet: “Wofür würde jemand mir Geld geben?” Nicht irgendwem. Dir. Für welche Fähigkeit, welche Leistung, welches Ergebnis würde jemand ausgerechnet dich bezahlen?

Gewinn zu machen ist kein Ziel. Gewinn ist der Nachweis, dass du Wert geschaffen hast. Ein Feedback-Signal: Jemand anderem war deine Leistung wichtig genug, um dafür zu bezahlen.

Wer Geld verdienen will, denkt in Marketing, Sichtbarkeit, Positionierung. Wer Wert schaffen will, denkt in Können, Verbesserung, Ergebnis.

Der Unterschied? Der eine fragt: “Wie überzeuge ich jemanden?” Der andere fragt: “Wie werde ich so gut, dass die Überzeugungsarbeit überflüssig wird?”

Gewinn ist wichtig, keine Frage. Aber er kommt nur, wenn er verdient ist.

Deine USP

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Ich finde, die USP (unique selling proposition) ist bei einem Ein-Personen-Unternehmen ein völlig überschätztes Konzept.

Es wäre ein unglaublich hoher Anspruch, als einer von tausenden Unternehmensberater:innen, Fotograf:innen oder Psychotherapeut:innen eine echte USP zu haben – also wirklich unique zu sein..

Es gibt nichts Neues unter der Sonne, heißt es schon in der Bibel. Viele Gründer:innen quälen sich damit, ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, und kommen drauf: Alles wurde schon irgendwann mal gedacht, gemacht, angeboten.

Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Deine USP als Solopreneur sind deine Kontakte. Punkt. Insbesondere die Resonanz-Beziehungen, die du im Laufe deines Lebens (in deiner Ausbildung, als Angestellte:r, im privaten Umfeld) hergestellt hast und noch herstellen wirst.

Diese Resonanzbeziehungen sind dein wahres Asset. Die kann dir niemand wegnehmen.

Es sind die anderen Menschen, die dich einzigartig machen – nicht du selbst.

Schwächen ausnützen

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Der Markt gibt Unternehmen einen starken Anreiz, auf die Schwächen der Menschen einzugehen und von ihnen zu profitieren — und nicht, diese Schwächen zu mindern oder gar zu beseitigen.

Davon lebt z.B. nicht nur die Tabak-Unternehmen, sondern auch große Teile der Lebensmittelindustrie.

Es wird immer Unternehmen geben, die dem Menschen das liefert, was er gerne möchte — auch, wenn es ihm eigentlich schadet.

Weil es sich (noch?) zu sehr lohnt.

Kalkulatorische Löhne für Idealisten

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Meine Beobachtung: Die meisten idealistisch motivierten Solopreneure vergessen, ihre eigene Arbeitszeit zu kalkulieren.

Du gründest ein Business, weil du die Welt ein bisschen besser machen willst. Nachhaltigkeit, Gemeinwohl, faire Produkte. Und du denkst dir: “Ich kann ja erstmal auf mein Gehalt verzichten. Für den Anfang.”

Aber: Deine Arbeitszeit kostet Geld. Immer. Auch am Anfang. Auch wenn du sie gerade nicht bezahlt bekommst. Auch wenn du für eine gute Sache arbeitest.

In der BWL nennt sich das kalkulatorischer Lohn. Du rechnest deine Zeit mit einem realistischen Stundensatz in deine Kosten ein – auch, wenn du das Geld gerade nicht ausbezahlst.

Ich sehe das immer wieder in Beratungsgesprächen. Die Rechnung geht auf – aber nur, weil 40 Stunden unbezahlte Idealismus-Arbeit pro Woche nicht mitgerechnet wurden.

Das funktioniert vielleicht ein Jahr. Oder zwei. Aber dann brennst du aus.

Ein Business, das nur funktioniert, wenn du dich selbst ausbeutest, ist kein nachhaltiges Business. Das ist ein Hobby mit Existenzangst.

Sich anbieten vs. etwas anbieten

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Sich anbieten: Sag mir, was ich für dich tun kann. Ich helfe dir gerne und so gut ich kann. Du kannst von mir alles haben. Sag mir einfach, was du brauchst.

Etwas anbieten: Schau her, das mache ich. Das biete ich dir sehr gerne an. Willst du es haben?

Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, und beide Ansätze haben ihren Wert.

Im Business gilt allerdings: Wer sich anbietet, überlässt dem Kunden die Definitionsmacht. Mitunter ist der Kunde mit der Aufgabe zu definieren, was er eigentlich braucht, überfordert.

Und: Wer sich anbietet, der wird entmutigt, wenn die Kunden nur verhalten reagieren und (gerade) nichts brauchen.

Der göttliche Funke

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Unlängst habe ich einen Gründungsberater-Kollegen davon sprechen hören, dass eine Geschäftsidee einen “göttlichen Funken” haben kann. Also sowas wie einen ganz besonderen Impuls, der einer Idee Leben einhaucht und der diese Idee einzigartig macht.

Das ist ein sehr spannender Gedanke. Es mag vielleicht schwer sein zu beschreiben, was dieser “göttliche Funke” genau ist, und es ist unmöglich, diesen göttlichen Funken herstellen oder erzwingen zu wollen.

Aber dass es sowas wie einen göttlichen Funken gibt, scheint mir unbestritten. Die besten Gründungsideen, die ich als Gründungsberater begleitet habe, hatten dieses ganz spezielle Etwas. Nicht, weil sie besonders ausgefallen oder spektakulär gewesen wären, sondern weil man merken konnte:

Hier ist jemand mit sehr viel Liebe und Hingabe am Werk. Hier hat jemand Herz und Hände am rechten Fleck.

Delfine und Business

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Eine Bekannte war unlängst auf den Malediven.

Dort hat sie an einem Delfin-Watching-Ausflug teilgenommen.

Delfine hat sie keine gesehen. So ist die Natur.

Für die Tour zahlen musste sie trotzdem. So ist Business.

Alles funktioniert

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Unlängst wieder hat mich eine Gründerin in einem Erstgespräch gefragt, welcher Marketing-Kanal der beste für sie wäre.

Meine Antwort auf diese Frage ist immer die gleiche: Alles funktioniert! Jeder Marketing-Kanal wird einen Effekt haben. Du kannst dich nicht falsch entscheiden. Du musst nur einen auswählen (der gut zu dir passt und der dir im besten Fall auch ein bisserl Spaß macht) – und dann dran bleiben.

Ich glaube, meine Gründer:innen denken sich dann manchmal: Das ist zu schön, um wahr zu sein. Das kann ich nicht recht glauben.

Aber lass es mich anhand einer Grafik erklären, die ich bei Lauftrainer Wilhelm Lilge kennengelernt habe:

Die Grafik zeigt Folgendes: Wenn man ein Anfänger beim Lauftraining ist, dann ist der Bereich, der “trainingswirksam” ist, sehr breit. Mit anderen Worten: Egal, auf welche Art du dich am Anfang bewegst, es wird ein Fortschritt sein. Weil praktisch jede Form von Bewegung besser ist als keine Bewegung.

Erst, wenn du mit deinem Lauftraining weiter fortgeschritten bist, wenn sich dein Körper an die Bewegung gewöhnt hat, wird es notwendig, dass du die Trainingsreize gezielter setzt. Dann wird es notwendig, dass du ganz strategisch und mit Plan vorgehst, damit du dich nicht unter- und nicht überforderst.

Und genauso ist es auch beim Marketing: Am Anfang ist jedes Marketing besser als kein Marketing. Du kannst bei deinem Marketing gar nicht so viel falsch machen, dass es nicht irgendeinen Effekt hätte.

Erst später, mit mehr Erfahrung und mehr Wissen über dich, dein Business und deine Kund:innen, macht es Sinn, Schritt für Schritt planvoller und strategischer zu werden.

Aber am Anfang gilt beim Laufen und beim Marketing gleichermaßen: Fang einfach mal irgendwo an – und hör nicht gleich beim ersten Gegenwind wieder auf!

brand eins hat Geburtstag

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Das Wirtschaftsmagazin brand eins feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen.

Ich mag brand eins. Ich bin Abonnent, und man könnte sagen: Ich bin ein Fan.

Ich wurde, wie alle Leser:innen, von brand eins (mehrmals) eingeladen, ein paar Geburtstags-Worte an den Verlag und die Redaktion zu senden. Es wäre ja auch nicht viel verlangt gewesen: Ein paar nette Worte an die tollen Leute, die das einzige Magazin machen, das ich abonniert habe und regelmäßig und gerne lese.

Ich hab’s nicht getan. Ich habe mir keine Zeit dafür genommen. brand eins ist mir wichtig, aber scheinbar doch nicht wichtig genug, um mich in Aktion zu bringen.

So, wie es mir mit brand eins geht, geht es mir oft. Und so, wie es mir mit brand eins geht, geht es vielen Menschen.

Gute Projekte und Initiativen werden dadurch mit Schweigen, Desinteresse und Apathie bestraft. Es kommt scheinbar nichts zurück, nicht mal bei besonderen Anlässen.

Und so geht es uns auch, wenn wir versuchen, für unser Lifestyle Business Aufmerksamkeit und engagement zu bekommen. Es ist verdammt schwer heutzutage, irgendein Feedback zu bekommen auf unsere Podcasts, Social-Media-Beiträge, Videos, Newsletter etc.

Aber lass uns nicht vergessen: Ich bin und bleibe Abonnent und Fan von brand eins. Das Magazin ist mir nicht wurscht. Ich habe nicht reagiert, aber das bedeutet nicht, dass es mir nicht wichtig ist.

Was du tust, kümmert viel mehr Menschen, als es scheint.

Finanzkapital und Humankapital

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Spannender Gedanke von Scott Galloway:

Es gibt Branchen, die haben ein overinvestment in human capital.  Mit anderen Worten: In diesen Branchen gibt es zu viele Menschen, die ihr Know-How und ihre Arbeitskraft einbringen, sodass der “Marktwert” dieser Menschen und ihrer eingebrachten Leistungen nicht besonders hoch ist.

Das mag vielleicht nur eine fancy Art sein zu sagen: Such dir eine Branche, in der du nicht so viel Konkurrenz hast. Aber bei mir hat in dieser Aussage noch ein weiterer Aspekt resoniert, nämlich den Blickwinkel des Kapitals.

Man sagt ja oft, dass es Solopreneure gut haben, weil sie für den Start ihres Business nicht viel Kapital brauchen. Was man damit eigentlich meint: Sie brauchen nicht viel Finanzkapital (sprich: Geld), um ihr Business zu starten. Aber: Jedes Business braucht Kapital-Investment, und Solopreneure investieren halt ihr Humankapital.

Es gibt also Branchen, in denen steckt viel Finanzkapital, und es gibt Branchen, in denen steckt viel Humankapital. Letztere sind Branchen, die besonders attraktiv für Solopreneure sind.

Schlau wäre aus unternehmerischer Sicht, als Selbständiger in einem Markt (in einer Branche) zu arbeiten, in der es viel Finanzkapital, aber wenig Humankapital gibt. Dann tut man sich wahrscheinlich leicht, Aufträge zu bekommen.

In der Tat arbeiten aber viele Selbständige in Branchen mit wenig Finanzkapital, aber viel Humankapital. Das Problem dabei: Wenn es in einer Branche bereits viel Humankapital gibt, kommt man mit mehr Humankapital nicht weiter. Man bräuchte Finanzkapital, um entscheidende unternehmerische Fortschritte auf diesem Markt zu machen.

Und genau das bringen viele Solopreneure ja per definitionem nicht ein – und schaffen sich damit automatisch das Dilemma, das im schlimmsten Fall im Präkariat endet.

Immer wieder einladen

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Was machst du, wenn du deinen Arbeitskollegen schon dreimal eingeladen hast, dich mal daheim zu besuchen oder zu einem Abendessen vorbeizukommen – und dein Arbeitskollege ist dieser Einladung bei keinem Mal gefolgt. Immer ist irgendwas dazwischen gekommen, nie hat es gepasst.

Wirst du ihn noch ein viertes Mal einladen? Oder sagst du dir: Jetzt habe ich ihn eh schon dreimal eingeladen, jetzt ist er dran. Er soll sich selber melden, wenn’s ihm irgendwann mal passt. Oder sonst soll er es halt bleiben lassen.

Früher oder später geben wir das Einladen auf. Wir wollen ihm ja nicht auf die Nerven gehen. Und wir sind uns zu schade dafür, immer wieder eine Abfuhr zu bekommen.

Genau hier liegt einer der schwierigsten Herausforderungen, wenn wir uns selbständig machen.

In der Selbständigkeit sind wir nämlich aufgefordert, unsere potenziellen Kund*innen immer und immer und immer wieder einzuladen, mit uns zusammenzuarbeiten. Nicht dreimal, nicht dreißigmal, sondern dreihundertmal.

Wir müssen lernen, die Ablehnungen und dem Nicht-Folgen unserer Einladungen nicht persönlich zu nehmen, sondern darauf zu vertrauen, dass es irgendwann schon passen wird.

Und bis es soweit ist, sprechen wir unsere Einladungen aus. Immer und immer und immer wieder.

Die neue Mitbewerberin

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Jössasna, jetzt hast du schon wieder eine neue Mitbewerberin entdeckt!

Plötzlich war sie da, wie aus dem Nichts. Du bist zufällig im Internet auf sie gestoßen. Und sie bietet genau das an, was du auch anbietest. Oder behauptet das zumindest. Auf jeden Fall könnte sie dir Kunden wegnehmen – und das ist nicht gut.

Wie reagierst du? Zunächst mit Panik. Mit einer Mischung aus Ärger und Verzweiflung. Warum muss das Business nur so hart und ungerecht sein?

Dann versuchst du, so viel wie möglich über die neue Mitbewerberin herauszufinden. Du suchst und recherchierst. Und schließlich findest ihre Schwachpunkte, denn die hat jede*r. Und diese Schwachpunkte studierst du so lange, bis es dir wieder besser geht und du denkst: Alles wieder gut, die ist eh nicht so toll. Keine Gefahr.

So weit, so vorhersehbar. Aber was geschieht jetzt? Reicht es dir, deine neue Mitbewerberin abzuwerten und ziehst dann gedanklich weiter?

Oder wärst du bereit, für einen Moment aus dem Gefühl des Mangels in ein Gefühl der Fülle zu gehen? Wärst du bereit, dir zehn Minuten zu nehmen und dich zu fragen: Was kann ich von meiner neuen Mitbewerberin lernen? Welche Chance tut sich da gerade auf, um etwas in meinem eigenen Business besser zu machen, das ich vorher gar nicht gesehen habe? Welches Geschenk habe ich da heute bekommen?

Es liegt an dir zu entscheiden, ob die neue Mibewerberin ein Fluch oder ein Segen für dein Business ist.

Chef auf Urlaub

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Gestern habe ich meinen Chef in den Urlaub geschickt.

In letzter Zeit ist er mir schon auf die Nerven gegangen mit seinen ständigen neuen Ideen. Immer kriegt er irgendwo irgendwelche Inspirationen daher, und dann will er immer, dass alles sofort und gleichzeitig umgesetzt wird. Weil andere es auch so machen. Weil andere genau das Gegenteil machen. Weil

Ich habe auch genug gehabt von seinen ständigen Zweifeln. Sollen wir lieber so tun oder doch besser so? Zeitweise ist er herumgelaufen wie ein kopfloses Huhn und hat alle mit seinem selbstgemachten Stress angesteckt. Er war überhaupt keine Hilfe mehr in letzter Zeit.

Also habe ich, der Mitarbeiter in mir, mit dem Chef in mir ein ernstes Gespräch geführt und gesagt: Chef, geh bitte in den Urlaub. Du machst mich ganz wurlert in letzter Zeit. Mach doch bitte mal zwei Wochen Pause. Lass mich mal in Ruhe arbeiten an den Projekten, die wir uns vorgenommen haben. Lass mich einfach mal machen, ohne dass du dich ständig einmischt. Zwei Wochen, mehr verlange ich gar nicht. Wirst sehen, das wird dir gut tun. Und mir auch.

Gott sei Dank hat’s der Chef in mir eingesehen. Jetzt ist er also weg. Und der Mitarbeiter in mir kann endlich in Ruhe arbeiten. Hallelujah!

Wahrheit und Lügen

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Unerfahrene und Ahnungslose kann man leicht anlügen. Ja, sie wollen mitunter sogar angelogen werden. Sie wollen hören, dass es leicht ist und dass es schnell geht und dass sie sich überhaupt nicht anstrengen müssen.

Die Erfahrenen haben schmerzlich gelernt, dass sie angelogen wurden. Sie fallen auf diese Lügen nicht mehr herein. Im Gegenteil: Sie sehnen sich nach der Wahrheit. Sie sehnen sich nach jemandem, der sagt, dass es nicht leicht ist, es nicht schnell geht und dass sie sich ordentlich anstrengen müssen.

Erfahrenen kann man keine Lügen mehr auftischen. Unerfahrenen jedoch ist es schwer, die Wahrheit zu verkaufen.

Die zweite Strophe

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Wer kennt die zweite Strophe der Bundeshymne? Wer kennt die zweite Strophe von Stille Nacht, heilige Nacht? Wer kennt die zweite Strophe von Ein Männlein steht im Walde?

Die erste Strophe kennen die meisten, das ist keine große Kunst. Der wirkliche Kenner, der Profi kennt auch die zweite Strophe.

So ist es auch in der Gründungsberatung: Die erste Strophe kennt bald wer. Die Guten erkennst du daran, dass sie auch die zweite Strophe in- und auswendig können.

Und die wirklich, wirklich Guten können auch die dritte.

Wir kaufen Potenziale

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Sagt der Soziologe Hartmut Rosa.

Wir kaufen immer mehr Dinge, ohne sie zu konsumieren.

Beispiel: Ich kaufe ein Buch, lese es aber nicht. Ich kaufe das Potenzial des Buches ein, ohne das Potenzial tatsächlich zu nutzen. Der Konsum, also das Lesen des Buches, ist nämlich sehr zeitintensiv. Daher macht es mir viel mehr Spaß, ein neues Buch zu kaufen als ein bereits gekauftes zu konsumieren.

Und das betrifft ganz viele Dinge. Ich kaufe ganz viel Potenzial ein, “auf Vorrat”. Aber dieses Potenzial bleibt zum großen Teil ungenutzt.

Dieses Potenzial “auf Vorrat” empfinde ich aber nicht als ermächtigend, sondern im Gegenteil: Es blockiert mich. Das viele Potenzial, das ich mir nie erschließe, erdrückt mich, lähmt mich, macht meinen gedanklichen Rucksack schwerer.

Ungenutztes Potenzial ist nicht nur kein Gewinn, sondern ein Netto-Verlust.

Wir alle spielen Theater

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Unlängst war ich mit dem Zug unterwegs. Ich habe mir ein Erste-Klasse-Ticket gekauft, weil das hat den Vorteil, dass ich vor der Fahrt noch in die ÖBB Lounge am Bahnhof durfte.

Um in die Lounge zu kommen, muss man sein Erste-Klasse-Ticket beim Eingang herzeigen. Ich zeige also pflichtschuldig und keine Sekunde länger als notwendig mein Handy-Ticket her, die Frau am ÖBB-Schalter schaut pflichtschuldig (und halbherzig) drauf.

Wir beide haben gerade Theater gespielt. Ich habe so getan, als wäre ich motiviert, mein Ticket herzuzeigen, und die Angestellte hat so getan als wäre ihr wichtig, mein Ticket zu kontrollieren. Eine reine Farce, und doch ist dieses Theater genau das, was die gesellschaftliche Norm von uns beiden erwartet hat.

Und das Paradoxe daran: Ich denke, wir beide wussten in dem Moment, dass wir hier gerade Theater spielen. Aber das war nicht entscheidend. Entscheidend war nur, dass keiner von uns aus der Rolle fällt. Wir haben beide getan, was von uns erwartet wurde, und dann hatten wir wieder unsere Ruhe.

Und jetzt überleg dir mal, wie viele Interaktionen jeden Tag genau so ein Theater sind, wo wir nur so tun, als ob sie uns wichtig wären. Ich glaube, es sind viele.

Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, bei der einen oder anderen dieser Theaterstücke mal den Vorhang zu lüften und zu fragen: Was tun wir hier eigentlich?

Immer das gleiche Problem

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Es ist egal, ob es sich um ein Solo-Business oder einen Fußballverein handelt, der highway to hell hat folgende Stationen:

  1. Zuerst übernimmt man sich mit einem Investitions- oder Entwicklungsprojekt. Das Projekt dauert länger und wird teurer als in den schlimmsten Befürchtungen.
  2. Dann, wenn das Projekt endlich fertig ist, bleiben die Einnahmen (Umsätze) hinter den Erwartungen zurück. Der erhoffte Sprung nach vorne entpuppt sich als kleiner Hupfer.
  3. Dadurch sind die Kosten höher als die Einnahmen. Nicht einmalig, nicht ausnahmsweise, sondern dauerhaft. Die Kosten laufen den Einnahmen davon. Jeder Tag, an dem man weiterarbeitet, vergrößert das Problem nur.
  4. Schließlich geht irgendwann das Geld aus. Die Liquidität ist futsch, und der Hut brennt lichterloh.

Ist dieser Prozess erst mal in Gang gesetzt, ist es ganz schwer, wieder raus zu kommen. Was tatsächlich hilft, ist, sich gar nicht erst in diese Situation zu begeben. Sprich: Sich dreimal zu überlegen, ob man sich diese Rieseninvestition wirklich leisten kann.

Meine Faustregel: Geh bei der Kostenschätzung vom Worst Case aus, und dann verdopple den Betrag. Dann bist du einigermaßen realistisch dabei.

Zahlt sich deine großartige Investitionsidee dann immer noch aus? Wenn ja: Go! Wenn nein, dann weißt du jetzt, wie du dir eine Menge Schmerzen sparen kannst.

Die richtige Hilfe

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Wenn du in deinem Business feststeckst, ist ein guter Zeitpunkt, dir Hilfe zu holen.

Aber mit der Hilfe ist es nicht so einfach. Hilfe ist nur dann Hilfe, wenn sie die richtige Hilfe ist. Und es ist gar nicht so leicht herauszufinden, welche Hilfe dich im Moment tatsächlich weiterbringen würde? Ein Coach? Ein Berater? Eine VA? Ein Kurs? Ein Gruppenprogramm? Ein externer Dienstleister? Ein Business- oder Kooperationspartner? Ein Buch? Ein Gespräch mit einer Freundin? Ein Babysitter? Ein Co-Working-Space? Ein Social-Media-Post?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, und deswegen ist es zwingend erforderlich, dass wir gut nachdenken, bevor wir uns irgendeine Art von Hilfe holen.

Denn: Wenn wir ein Problem mit der falschen Art von Hilfe angehen, vergrößern wir es eher, als es zu lösen.

Value Based Pricing im Kinderzimmer

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Unlängst hat mir meine Tochter (5) erklärt, warum ich sie fürs Zusammenräumen des Kinderzimmers bezahlen sollte.

Ihr Argument: Wenn wir im Sommer alle gemeinsam zum Ritter-Rost-Musical gehen, dann gefällt mir das ja. Und wenn sie ihr Kinderzimmer zusammenräumt, dann gefällt mir das mindestens so gut wie das Ritter-Rost-Musical, oder? Und deswegen muss ich ihr fürs Zusammenräumen auch so viel Geld zahlen, wie mein Ticket fürs Ritter-Rost-Musical kostet.

Das ist Value Based Pricing in a nutshell. Erklärt und argumentiert von einer Fünfjährigen.

Das kann ja noch heiter werden.