Tag#BestOf

Das Leben ist nicht unfair zu uns

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Wir Lifestyle Entrepreneure verfolgen den Traum, dass wir unser Lebensmodell und unser Geschäftsmodell in Einklang bringen. Dass sich Arbeit (meistens) nicht wie Arbeit anfühlt und unser Lifestyle Business einen Teil zu unserem Lebensglück beiträgt.

Und gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, was Seth Godin so wunderbar auf den Punkt bringt:

“So the most important thing that I would say to a professional is this:
You are not entitled to the business that you want. All you’re entitled to is understanding what is working in the market and do that.”

Seth Godin, The Freelancer Course

Wenn wir mit unserem Lifestyle Business keinen Erfolg haben sollten, dann ist das nicht, weil die Welt ungerecht ist. Sondern weil wir (noch) nicht verstanden haben, was unser Beitrag auf dem Markt wirklich sein sollte, damit wir maximal hilfreich sind.

In-game coaching

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Als BWL-Trainer bin ich öfters gefordert, während eines Workshops eine Entscheidung zu treffen über den weiteren Verlauf des Workshops. Soll ich einen Teil weglassen? Soll ich eine zusätzliche Übung dazu nehmen? Soll ich die Reihenfolge umdrehen? Oder soll ich beim vorgesehenen Programm bleiben, auch wenn es nicht 100% rund ist?

Im Fußball würde man das in-game coaching nennen. Ein Fußballtrainer muss, je nach Spielverlauf, Anpassungen an der Taktik vornehmen, wenn der Matchplan nicht wie vorgesehen aufgeht.

Wirklich gute Trainer, egal ob am Spielfeld oder im Seminarraum, beherrschen dieses in-game coaching.

Das Problem dabei ist allerdings, dass solche Entscheidungen, die “in der Hitze des Gefechts” getroffen werden, ein besonderes Risiko haben, falsch zu sein. Aber was wäre die Alternative? Unternimmst du nichts, wird es mit ziemlicher Sicherheit sowieso schief gehen.

Also bleibt nichts anders übrig, als nach bestem Wissen und Gewissen Entscheidungen zu treffen. Niemand kann sagen, was die richtige Wahl ist. Und im Nachhinein ist man immer gescheiter.

Also triff deine Entscheidungen for better or for worse. Aber triff sie aus den besten Absichten.

Geschafft!

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Für meine Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule St. Pölten bekomme ich von meinen Studierenden immer sehr freundliche, mitunter begeisterte Evaluierungen. Das freut mich natürlich sehr. Ich lehre nicht, um Applaus dafür zu bekommen, aber er tut trotzdem gut.

Dieses Mal war jedoch ein Feedback dabei, das mich besonders emotional gepackt hat. Es hat nämlich in einem Satz zusammengefasst, worum es mir in meinem Leben geht und was ich an meinen besten Tagen sein und tun will.

Ein*e Studierende*r hat geschrieben:

Ein herzensguter Mensch, der mit Leib und Seele unterrichtet.

Wenn dieser Satz am Ende meines Lebens auf meinem Grabstein steht, dann habe ich es geschafft. Dann habe ich mein Leben gelebt. Dann habe ich keinen Tag meines Lebens zu bereuen.

Schwachbrüstig

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Eine Beobachtung, die ich bei Gründer*innen häufiger mache: Sie haben wirklich gute Ideen. Sie haben viel Motivation. Sie haben die allerbesten Absichten.

Aber: Sie haben schwachbrüstige Strategien. Sie haben keinen richtigen Anpack, um ihre Idee in ein erfolgreiches Business umzuwandeln.

Man könnte auch sagen: Sie haben kein funktionierendes Geschäftsmodell. Oder sie haben überhaupt kein Geschäftsmodell.

In solchen Momenten zeigt sich, wie viel zu gewinnen wäre, wenn Solopreneure mehr Wirtschaftskompetenz hätten.

Im Alter (Freewriting XI)

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Mein Schwiegervater wird heuer 88 Jahre alt.

Er hört schon sehr schlecht, und sein Gedächtnis ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und so kommt es vor, dass er immer wieder von den gleichen Dingen spricht. Seine Lieblingsthemen.

Heute habe ich mal genauer hingehört, was denn die Themen eigentlich sind, die ihm besonders wichtig sind:

  1. Die Arbeit. Dass man “einen Posten” hat, der möglichst sicher ist. Weil sich heutzutage, so meint er, viele Menschen schwer tun, einen guten Job zu bekommen und zu behalten.
  2. Die Familie. Er hat jedes Mal eine Riesenfreude, wenn seine Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder da sind. Es erfüllt ihn mit Stolz, seine Familie zu sehen, seine Nachkommen.
  3. Der Charakter von Menschen. Dass manche Menschen neidisch sind. Dass manche Menschen unehrlich sind. Dass er mit seinen Chefs immer gut ausgekommen ist. Dass er froh ist, unproblematische Nachbarn zu haben.
  4. Seine Frau. Wie froh er ist, dass er sie hat, und wie gut sie sich um ihn kümmert.
  5. Seine Tochter. Wie fleißig sie ist, und dass sie ein guter Mensch ist.

Gut möglich, dass ich in 45 Jahren über die vollkommen gleichen Dinge reden werde.

Freunde des Neuen

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“Das Neue braucht Freunde”, heißt es im Film Ratatouille.

Wenn wir ein neues Angebot, ein neues Produkt, eine neue Geschäftsidee in die Welt bringen wollen, dann brauchen wir genau diese Freunde, sonst wird das nix. Wir brauchen Menschen, die von Anfang an an unser Vorhaben glauben, die uns ermutigen und uns die richtige Richtung weisen.

Diese Freunde des Neuen können unsere tatsächlichen Freunde sein, aber im besten Fall sind es Kund*innen, die sich auf das Neue einlassen, die sich begeistern lassen und anderen begeistert davon erzählen.

Wir sollten unsere Energie also nicht nur darauf verwenden, das Neue in die Welt zu bringen, sondern auch ein Umfeld schaffen, wo Menschen mit dem Neuen Freundschaft schließen können.

Schöne Worte

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Oft tun wir Lifestyle Entrepreneure uns schwer, die richtigen Worte für unsere Angebote zu finden. Wie sollen wir am besten beschreiben, was wir zu bieten haben und womit wir helfen können?

Es gibt viele Wege, sich auszudrücken, aber eine Grundregel scheint mir immer zu gelten: Je ehrlicher du bist, desto schöner werden deine Worte sein.

[Danke Nick Offerman für diesen Gedanken.]

Jenseits der Vorstellung

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“Ich kann mir nicht vorstellen, wie man damit Geld verdienen kann”, sagt ein Berater-Kollege über einen neuen Kunden, der sich als “spiritueller Begleiter” selbständig machen will.

Damit spricht er einen zentralen Punkt in der Gründungsberatung an: Um unseren Kunden mit ihrem Business zu helfen, müssen wir uns dieses Business erst mal vorstellen können. Alles beginnt damit, dass wir unseren Vorstellungsraum erweitern.

Und das ist manchmal gar nicht so leicht.

Verschlafen

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Ein italienischer Bischof hat die Weihnachtsmesse verschlafen, die er eigentlich zelebrieren wollte. Nach dem Abendessen wollte er sich kurz ausruhen und hat versehentlich den Wecker auf 10:50 statt 22:50 gestellt.

Als er drauf kam, war es zu spät. Ein Kollege musste den Gottesdienst für ihn leiten.

Als er verspätet zur Messe erschien, entschuldigte er sich bei der versammelten Gemeinde und sagte: “Wir dürfen uns nicht vor unseren eigenen Schwächen erschrecken.”

Was für ein wunderbarer Satz!

Mögen alle Menschen, die gerade im Begriff sind, sich selbständig zu machen, vor ihren eigenen Schwächen nicht erschrecken, welche die Selbständigkeit gnadenlos aufdecken wird.

[Quelle: orf.at]

Über die Bande spielen

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Wolf Lotter sagt, dass in Unternehmen viel „über die Bande gespielt“ wird: Man spricht die Sachen nicht direkt an, sondern redet darum herum. Die Elefanten im Raum werden nicht direkt adressiert, sondern man spielt ein Theater, wo es eher um Selbstdarstellung, Gesichtswahrung und Fehlervermeidung geht.

Dass das nicht besonders hilfreich ist, dürfte klar sein. Eigentlich ist es sogar völlig kontraproduktiv. Trotzdem ist es ganz oft gelebte Praxis.

Mir fällt aber auf, dass immer mehr Menschen da nicht mehr mitmachen wollen. Sie haben das Über-Bande-Spielen satt. Sie wollen ehrliche Gespräche führen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Auf Augenhöhe, und von Mensch zu Mensch.

Das macht mir Mut.

Hochschulen

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Hochschulen sind Einrichtungen der Erwachsenenbildung.

Nicht alle Menschen an Hochschulen benehmen sich jedoch wie Erwachsene.

Die Verantwortung wahrnehmen

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Ja, es ist nicht immer alles lustig in der Selbständigkeit. Es gibt viel zu tun, und nicht für alles sind wir auch wirklich talentiert. Manches nervt einfach.

Aber das entlässt uns nicht aus der Verantwortung, die wir für unser Business haben.

Wir müssen die Buchhaltung nicht mögen, aber wir bleiben immer dafür verantwortlich. Wir haben eine Abneigung dagegen, unsere Angebote durchzukalkulieren und uns einen Überblick über unsere Kostenstruktur zu verschaffen. Aber das entlässt uns nicht aus der Verantwortung, dass ein funktionierendes Business auch und vor allem bedeutet, dass es finanziell funktioniert.

Treat your business like a f***ing business!

Lieblos

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Dein Angebot ist total wichtig. Es bringt auf den Punkt, womit du anderen Menschen helfen willst und kannst. Womit du, ja, die Welt ein Stück weit besser machen möchtest.

Aber ich sehe so viele lieblos gestaltete Angebote. Wenig durchdacht. Handgestrickt. Nicht professionell. Kaum mehr als unbedingt notwendig. Kraftlos kommuniziert.

Und das finde ich ewig schade. Wenn wir der Welt schon etwas von uns anbieten, warum nicht mit der ganzen Hingabe, zu der wir fähig sind?

Eine ganz spezielle Frage

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Meine Kund*innen in der Gründungsberatung haben tausende Fragen rund um die Selbständigkeit und die Gründung.

Aber: Jede Gründerin und jeder Gründer hat ihre oder seine ganz spezielle Frage, an der sie sich während des gesamten Gründungsprozesses (und häufig noch weit danach) abarbeiten.

Solange diese eine ganz spezielle und ganz individuelle Frage nicht gelöst ist, läuft das Werkl nicht rund.

Die Herausforderung dabei ist, diese eine ganz spezielle Frage überhaupt mal zu identifizieren und in Worte fassen zu können.

Echte Gründungsberatung beginnt erst da, wo Kunde und Berater diese eine ganz spezielle Frage herausgefunden haben.

Wohlgemerkt: Die Frage, nicht die Antwort darauf.

[Danke Sheila Kalenda für diesen Gedanken.]

Verantwortung übernehmen

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Als Unternehmer*in musst du 100 % Verantwortung für deine Entscheidungen, dein Handeln und deine Situation übernehmen.

Aber nicht 120 %.

[Danke Bernhard Reingruber für diesen Gedanken.]

Maschinensemmel oder Handsemmel?

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Eine Kundin wurde unlängst bei unserem Bäcker gefragt, welche Art von Semmeln sie wolle: “Maschinensemmeln oder Handsemmeln?”

Fast reflexartig antwortete die Kundin: “Handsemmeln, bitte.”

Eh klar. So formuliert werden die allermeisten Menschen “Handsemmeln” wählen. Wer will schon was kaufen, das von einer herz- und seelenlosen Maschine gemacht wird, wenn man auch was haben kann, was ein echter Mensch mit echten Händen gemacht hat?

Dabei ist, objektiv gesehen, der Unterschied zwischen Handsemmel und Maschinensemmel wahrscheinlich gar nicht groß. Sie schmecken wahrscheinlich vollkommen gleich. Sie sehen sich wahrscheinlich zum Verwechseln ähnlich.

Und dennoch… Der Grund, warum Handsemmeln teurer sind als Maschinensemmeln, ist genau das Menschliche, das Unperfekte, das Einzigartige.

Dafür sind Kund*innen bereit, einen Aufpreis zu zahlen, obwohl es rational gesehen dafür überhaupt keinen Grund gäbe.

Hinauf, hinunter

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Mein Onkel Florian hat eine interessante Beobachtung gemacht:

Durch das E-Bike fällt es auch ungeübten Radfahrern recht leicht, selbst sehr hohe Berge zu erklimmen. Das Problem ist aber, dass sie sich dafür beim Runterfahren komplett verausgaben – weil auch das Runterfahren sehr anstrengend ist und ihnen das E-Bike dabei nicht mehr hilft. 

So geht es mitunter auch uns Lifestyle Entrepreneuren: Wir wünschen uns, dass wir eine Abkürzung zum Erfolg hätten. Aber wenn wir den Erfolg dann haben, ist längst nicht gesagt, dass wir ihn auch derschnaufen. 

Kunst und BWL

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Kunst und BWL haben viel gemeinsam.

Beide wirken elitär und unzugänglich.

Beide sind erklärungsbedürftig.

Beide müssen demokratisiert werden.

Wenn wir über Wirtschaftspädagogik sprechen, sprechen wir in gewissem Sinne von Kunstvermittlung.

[Danke Klaus Albrecht Schröder für diese Gedanken.]

5000 Folder

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Unlängst hat mir eine Gründerin folgende Geschichte erzählt:

Ein Kollege hat ihr dringend geraten, nicht zu billig zu starten und von Anfang an einen angemessenen Preis für ihre Leistung zu verlangen.

Er selbst sei nämlich viel zu billig. Seinen Preis könne er aber leider nicht erhöhen, weil er vor Jahren 5000 Folder hat drucken lassen und in denen sein billiger Preis steht. Die muss er erst verbrauchen, bevor er einen neuen Folder mit neuen Preisen drucken lassen kann.

Ein besseres Beispiel für den Sunk-Cost-Effekt wird man kaum finden.

Selbstverständlichkeiten

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Wenn man Gründer*innen fragt, was sie denn besonders macht (Stichwort: USP), dann antworten sie häufig mit Selbstverständlichkeiten.

“Ich bin kundenorientiert”, “Ich bin verlässlich und reagiere prompt” oder “Ich biete einen super Service” ist im 21. Jahrhundert nichts Besonderes. Damit lassen sich Kund*innen nicht mehr beeindrucken. Das Service-Level ist in vielen Bereichen so hoch geworden, dass man damit nicht punkten kann, sondern im Gegenteil verliert, wenn man dieses Level nicht halten kann.

Dabei ist es schon eine wirklich gute Leistung, konstant und verlässlich diese Selbstverständlichkeiten zu erfüllen. Das ist wahrlich keine Kleinigkeit.

Und wer es dann noch schafft, mit einzelnen gezielten (!) Akzenten noch zusätzlich einen Wow-Effekt zu erzeugen, der ist der Kaiser.