Nora Blum: Radikale Freundlichkeit (2025) đź“™

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Meine Notizen

Was ist Freundlichkeit eigentlich?

“Der englische Psychologe David Canter liefert einen Ansatz, der folgende drei Elemente als “Essenz” von Freundlichkeit ausmacht: Toleranz, Empathie und proaktives Handeln.” (S. 24)

  • “Zudem macht Canter klar, dass Freundlichkeit nicht bedeuten kann, zu allem lieb Ja zu sagen.” (S. 25)
  • “Canters Begriffsverständnis basiert auf einer respektvollen Grundeinstellung sich selbst und anderen gegenĂĽber.” (S. 25)

❤️ Freundlichkeits-Übung 1: Die “45-Sekunden-Regel” in den Öffis

“Immer, wenn ich in ein öffentliches Verkehrsmittel einsteige, und auch bei jeder neuen Station, lasse ich die ersten 45 Sekunden mein Handy in der Tasche und nehme mein Umfeld wahr. […] Danach entscheide ich mich bewusst, ob ich mein Smartphone nutze oder nicht. Oft bedeutet das, dass ich es am Ende tatsächlich raushole und arbeite. Manchmal bedeutet es aber auch, dass ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch komme.” (S. 67)

Warum wir uns nicht häufiger unterstützen

Die zwei häufigsten Gründe, die genannt werden:

  1. Ich habe Angst, missverstanden zu werden
    • “Auf eine gewisse Weise machen wir uns mit unserem Hilfsangebot verletzlich. Wir könnten zurĂĽckgewiesen werden. Es könnte peinlich werden. Wozu also das Ganze? Dabei unterschätzen wir auĂźerdem systematisch, wie viel Freude wir unserem GegenĂĽber mit einer freundlichen Geste tatsächlich bescheren könnten.” (S. 76)
  2. Mir fehlt die Zeit
    • “Gerade dann können freundliche Gesten helfen, dein inneres GefĂĽhl von verfĂĽgbarer Zeit zu stärken.” (S. 77). Durch freundliche Gesten entsteht ein GefĂĽhl von FĂĽlle, und dieses GefĂĽhl kann sich auch auf deine Zeitwahrnehmung auswirken.
    • “Ähnliche, scheinbar widersprĂĽchliche Effekte gibt es ĂĽbrigens auch beim Thema Geld. Wir fĂĽhlen uns reicher, wenn wir Geld verschenken.” (S. 78)

❤️ Freundlichkeits-Übung 2: Random acts of kindness

“Seit ich bewusst freundliche Gesten in meinen Alltag einbaue, kann ich das nur bestätigen: Fast alle Personen reagieren positiv darauf. Die wenigsten missverstehen mich und niemand hat bisher unschön reagiert.” (S. 77)

  • Mach mal eine Ideensammlung: Welche random acts of kindness könntest du machen? An Bekannte, an Fremde, an Viki, zuhause, im BĂĽro, an deine Studierenden, an deine GrĂĽnder:innen etc.
  • Oft sind es wirklich Kleinigkeiten, die keine 5 Minuten “kosten”.

❤️ Freundlichkeits-Übung 3: Schenk der Welt ein Lächeln

“Andere anzulächeln, ist wohl die einfachste Form aktiver Freundlichkeit. Dieses Signal kostet weder Geld noch Zeit und macht sowohl dein Gegenüber als auch dich selbst glücklich.” (S. 81)

❤️ Freundlichkeits-Übung 4: Höre richtig zu

“Neben dem Lächeln ist das tiefe Zuhören ebenfalls eine wichtige Geste der Freundlichkeit. Wie sie funktioniert? Wir sind mit unserer Aufmerksamkeit bei unserem Gegenüber, bleiben neugierig und stellen Fragen.” (S. 83)

Ehrenamtliche Tätigkeiten

“Mittlerweile konnte eine Vielzahl an Studien zeigen, dass ehrenamtliche Arbeit mit einer erhöhten Lebenszufriedenheit und niedrigeren Werten an Stress und Depression einhergeht.” (S. 89)

  • “Freiwillige Arbeit kann in uns das GefĂĽhl von Selbstwirksamkeit stärken. Wir unterstĂĽtzen in einem Bereich, der Hilfe benötigt, und können ĂĽber unsere persönliche Arbeit die notwendige UnterstĂĽtzung leisten. Oft bekommen wir direktes Feedback von den Menschen, mit denen wir interagieren, und sehen bestenfalls, wie unser Tun einen Unterschied macht.” (S. 91)
  • vgl. Lese-Papa
  • Spannender Gedanke: Was, wenn ich mir mit Die SILBE Stiftung mein eigenes Ehrenamt schaffe? Wenn die Stiftung die gemeinnĂĽtzige Organisation ist, die ich die längste Zeit schon suche und fĂĽr die ich mich engagieren möchte?

❤️ Freundlichkeits-Übung 5: Such dir ein Ehrenamt

  • Welches Ehrenamt passt zu mir? “SpaĂź bei der Sache ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Faktoren. Es werden in so vielen Bereichen helfende Hände gebraucht, dass man sich aus meiner Sicht mit gutem Gewissen die Bereiche aussuchen kann, fĂĽr die man brennt. Am Ende erhöht das nur die Wahrscheinlichkeit, dass du dich länger engagierst.” (S. 95)
  • Wie viel Zeit habe ich zur VerfĂĽgung? “Möchtest du dich regelmäßig engagieren oder lieber unregelmäßig zu besonderen Anlässen? […] Wenn du wenig Zeit hast, ist vielleicht eine unregelmäßig getaktete Tätigkeit fĂĽr dich besser, man sollte sich aber grundsätzlich auf Zusagen deinerseits verlassen können.” (S. 96)
    • z.B. Wahlhelfer vs. Bi+ Community
  • Und dann: Starte ein Experiment. Probiere es fĂĽr eine vorab definierte Zeit aus. Und dann schau, ob es dir genug taugt, um weiterzumachen.

Konflikte freundlich austragen

“Persönlich halte ich unsere Schwierigkeit, Konflikte (freundlich) zu fĂĽhren, fĂĽr eine der größten Quellen von Unfreundlichkeit. WĂĽrden wir offener miteinander umgehen und weniger Angst davor haben, auch mal etwas Kritisches zu sagen, könnten wir viel Unfrieden vermeiden. […] Immer wieder begegnet mir das Missverständnis, dass Freundlichkeit bedeutet, nichts Kritisches sagen zu dĂĽrfen. […] Insbesondere in krisen- und konfliktreichen Zeiten ist die Fähigkeit, aufzustehen und Kritisches empathisch und wertschätzend auszusprechen, von hoher Relevanz.” (S. 117)

  • “Die wenigsten von uns beherrschen die Kunst einer freundlichen KonfliktfĂĽhrung. Ich persönlich kenne zumindest kaum Menschen, die es schaffen, Konflikte wohlwollend und konstruktiv anzusprechen.” (S. 122)

Stress macht (leider) oft antisozial

“Wenn wir im Stress sind, verändern wir uns.” (S. 166)

Freundlich mit Neid umgehen

“Neid. Ein Gefühl, aus meiner Sicht so unangenehm, so eklig, so schambehaftet, wie es nur geht. Wir alle kennen es: Diesen kurzen Stich im Herzen, wenn ein anderer etwas bekommt, das wir selbst gerne hätten.” (S. 198)

“[Neid ist] schon immer da gewesen und wurde schon immer verurteilt. In der christlichen Tradition gilt er als einer der sieben Todsünden. Schon der erste Mord der Menschen wurde laut Altem Testament aus Neid begangen.” (S. 199)

“Ich selbst hatte in den ersten Jahren meiner unternehmerischen Arbeit noch viel mit “schlechten” NeidgefĂĽhlen gegenĂĽber anderen GrĂĽndern und vor allem (Achtung, Scham!) GrĂĽnderinnen zu kämpfen. Sie waren mir ähnlicher, mit ihnen konnte ich mich vergleichen und wurde auch öfter mit ihnen verglichen. Insbesondere, wenn es in meinem Unternehmen nicht gut lief, spĂĽrte ich dieses unangenehme GefĂĽhl. Je stärker mein SelbstwertgefĂĽhl bezĂĽglich meiner unternehmerischen Leistungen im Laufe der Jahre wuchs, desto weniger hatte ich mit Neid zu kämpfen.” (S. 202)

“Das Leben ist kein Nullsummenspiel, bei dem man nur gewinnen kann, wenn ein anderer verliert. Mit der Ausnahme weniger direkter Wettbewerbssituationen – sei es eine Beförderung oder Sportwettkämpfe – nehmen wir uns im Leben meistens nichts weg, wenn ein anderer gewinnt. Wieso also sich nicht füreinander freuen?” (S. 204)

“Ich selbst habe mich vor einigen Jahren entschieden, an meinen NeidgefĂĽhlen zu arbeiten. Ich wollte nicht mehr neidisch sein, insbesondere nicht auf Menschen, die ich mag. Ich wollte diesen Stich im Herzen nicht fĂĽhlen und nicht die Scham, mit der mein Neid verbunden war. Ich wollte mich uneingeschränkt freuen können.” (S. 206)

❤️ Freundlichkeits-Übung 6: Schenk deinem Neid dein Ohr

“Wenn du jemanden um etwas Materielles, wie ein Auto, beneidest, dann frag dich, welches tiefe Bedürfnis hinter dem Wunsch liegen könnte. Wie der Neidforscher [Rolf] Haubl so treffend sagt: “Der neue Porsche, mit dem der Nachbar Neid erregt, verdeckt, dass es um anderes geht – um Anerkennung, Zufriedenheit, Glück, Sinn oder Ähnliches.”” (S. 207)

Lästern

“Wenn wir über eine Person mit anderen lästern, erreichen wir gleich mehrere Dinge: Wir werten die uns überlegene Person ab und beruhigen über die Abwertung unser Selbstwertgefühl. Außerdem beeinflussen wir gleichzeitig die Wahrnehmung anderer.” (S. 204)

  • Das kennt man vom Arbeitsplatz.

❤️ Freundlichkeits-Übung 7: Ein neuer Umgang mit bettelnden Menschen

  • “Am Ende habe ich mich fĂĽr mich einen neuen Umgang mit bettelnden Personen entschieden: Ich gebe immer etwas. Und mit “immer” meine ich wirklich immer, es sei denn, ich habe nichts dabei.” (S. 224)
  • “Mich kostet meine Entscheidung, bettelnden Personen Kleingeld zu geben, maximal 20 Euro im Monat. Ich gebe meistens 1 bis 2 Euro, und die Situation kommt maximal ein paar Mal pro Woche vor. FĂĽr mich persönlich ist das ein Betrag, der mir aktuell nicht wehtut […].” (S. 226)
  • “Was ich dafĂĽr bekomme, ist fĂĽr mich viel mehr: Mir sind Bahnfahrten nicht mehr so unangenehm. Ich muss keine Entscheidung mehr treffen, ob ich Geld gebe oder nicht, denn ich gebe ja immer etwas. Statt unangenehm zur Seite zu gucken, schaue ich der Person in die Augen und sage: “Hier ist etwas Kleingeld. Ich wĂĽnsche Ihnen noch einen schönen Tag.” Das macht jede Bahnfahrt nicht nur weniger unangenehm, sondern beschert mir immer wieder GlĂĽcksmomente.” (S. 226f)
  • “AuĂźerdem kommt noch ein schöner Nebeneffekt hinzu: Mein Gebeverhalten hat einen Einfluss auf die Menschen um mich herum. Wenn ich beginne, in der Tasche zu kramen und nach Kleingeld zu suchen, merke ich, wie auch andere Menschen um mich herum plötzlich ihre Geldbörse herausholen.” (S. 227)
  • “Was ich aber vorschlagen wĂĽrde: Probiere es einen Monat aus.” (S. 227)

Verzeihen

“Die Ergebnisse [einer Studie] zeigten, dass die Hälfte der geschiedenen Frauen und ein Drittel der Männer noch zehn Jahre nach der Scheidung noch wĂĽtend auf ihren frĂĽheren Partner bzw. ihre Ex-Partnerin waren. Unabhängig davon, dass viele von ihnen bereits neu geheiratet hatten, wurden sie trotz der langen Zeit noch immer von Erinnerungen an frĂĽhere ZurĂĽckweisungen und Kränkungen geplagt.” (S. 241)

Ein Blick nach vorn

“Seit ich mich auf dem Weg der radikalen Freundlichkeit befinde, werde ich oft gefragt, wo meine Leichtigkeit und Lebensfreude herkommen.” (S. 246)


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