Frank Berzbach: Die Form der Schönheit (2018) 📙

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Meine Notizen

Schönheit und Form

“Nur die Natur, oder vielmehr die Kulturlandschaft, die wir oft fĂĽr die Natur halten, kann von sich aus “schön” sein. Meist allerdings ist die Natur vor allem bedrohlich und erhaben. Natur ist nur dann schön, wenn sie zugänglich wird, wie es die Geschichte der Gärten, die Gartenkunst erzählt. Im Garten begegnen wir der Natur auf eine aushaltbare Weise wieder. Die ungefilterte Begegnung mit ihr – auf den Weltmeeren, in der WĂĽste oder im Hochgebirge – hat oft wenig mit Schönheit zu tun, sondern ist eher eine Erfahrung ĂĽberwältigender Demut. Man kommt sich klein und unbedeutend vor. Der Mensch ist ein Mängelwesen. Aber einen Garten können wir anlegen, kultivieren, zur Philosophie erheben und darin glĂĽcklich und unglĂĽcklich sein.” (S. 10)

  • Ersetze “Natur” durch “Markt” — gilt auch! (vgl. Wir mĂĽssen uns die richtigen Gärten wählen, damit wir wie ein Gärtner in unserem Markt wirken können.)
  • vgl. Zugangsökonomie. Zugänglichkeit ist der SchlĂĽssel zur Schönheit der Natur und der Märkte.
  • “Man kann nur mit, nie gegen die Natur gärtnern.” (S. 11)

“Auch in ein Kaffeehaus zu gehen, sich allein seinen Platz zu suchen, dort still zu sein und zu lesen, ohne jemanden zu stören, hat viel WĂĽrde. In der gleichen Zeit hätte man der Welt viel Unheil zufĂĽgen können.” (S. 16)

Jean-François Lyotard: “Die Idee will das Unbegrenzte, Form und damit Kunst ist aber per definitionem Begrenzung.” (S. 49)

Jean-François Billeter: “Das Wort verleiht der Idee nicht nur eine mehr oder weniger beständige Form, sondern es erschafft ein Ding.” (S. 53)

Sex, Erotik und Schönheit

“Sex ist nicht die schönste Nebensache der Welt, er ist – sonst wäre er nicht so präsent – gar keine Nebensache, sondern ein tragender Pfeiler von Beziehungen. Die GrĂĽnde fĂĽr Untreue sind nicht fehlende Gesprächsthemen, Geld oder Desinteresse, sondern meist fehlende sexuelle Befriedigung.” (S. 61)

“Die weibliche Schönheit, Sex und Erotik werden zu wenig und zu anspruchslos gefeiert, nicht zu viel. Sie werden zu viel in vulgärer Weise benutzt, das Niveau ist ihnen abhanden gekommen.” (S. 62)

“Es ist ĂĽberfällig, die körperliche Liebe aus dem Zusammenhang von “Sex & Crime” herauszulösen, sie endlich aus dem “Buch der Vorurteile” zu streichen. Sex ist nicht verwerflich, er ist nicht gefährlich, er macht die Menschen nicht böse (wie Macht oder Geld). Die Welt wäre friedlicher und schöner, wenn es mehr davon gäbe. Ein Tag, der mit erfĂĽlltem Sex beginnt, ist schöner!” (S. 63f)

Die Irrungen der Moderne

“Nicht nur die Orte des alten Handels, der Heiligkeit und der geistvollen Getränke sind voller Schönheit. Die Kirchen, Tempel und Bibliotheken, Bars, Tee- und Kaffeehäuser erfĂĽllen das BedĂĽrfnis ebenfalls. Oft sind diese Orte aber nur fĂĽr einen Lebensbereich relevant; entweder zum Beten oder zum Trinken, sie sind wie die Räume eines Hauses. In der KĂĽche wird gekocht, im Schlafzimmer geliebt, im Wohnzimmer gelesen und im BĂĽro gearbeitet. Erst die Moderne schafft jedoch die irrige Vorstellung, es habe Vorteile, strikt nach Funktionen zu trennen; also vor allem Arbeit, Leben und Liebe zeitlich und örtlich zu isolieren.” (S. 94)

  • vgl. Home Office

“Die Freiheit heute fĂĽhrt dazu, dass einerseits der Formverfall vieles hässlich macht, andererseits alles so vernĂĽnftig, nĂĽchtern und ökonomisiert ist, dass an die Stelle der Sehnsucht nur noch Ă„ngstlichkeit und Selbstzweifel getreten sind. Es scheint keine Regeln mehr zu geben, aber gegen sie zu verstoĂźen wird bestraft! (Wer fĂĽhlt sich in dieser Gesellschaft eigentlich noch aufgehoben und wohl?)” (S. 95)

“Das Plädoyer fĂĽr mehr Schönheit als Quelle von GlĂĽck, Antrieb fĂĽr Kreativität, Aufmerksamkeit fĂĽr Liebe und sinnstiftende Angelegenheit meint immer etwas Geheimnisvolles und Tiefes. Daher machen “Schönheitsoperationen” die Frauen hässlicher, aber die Chirurgen reicher.” (S. 99)

  • vgl. Gegentrend “Deep Talk”

“Anlass fĂĽr beide BĂĽcher ist die Weigerung, Arbeit und Leben als Gegensätze zu sehen, die in Harmonie gebracht werden mĂĽssten. Kreative Formen des Arbeitens brauchen keinen “Ausgleich”, und ich glaube, der Mensch braucht auch keine “Hobbys”.” (S. 109)

  • Ein Hobby ist fĂĽr FB “ein eng umzäunter, gefahrenloser Bereich, in dem Scheinfreiheit ausgelebt wird.” (S. 9)
  • “Beuys wollte “Freiheit statt Freizeit” — und es erklärt sich von selbst, dass dieser Mann kein “weekend” kannte. Die Werktage waren fĂĽr ihn Feiertage der Selbstwirksamkeit.” (S. 9)

Schönheit und ein gutes Leben

Die Grundlage der Kunst: “Etwas zu sagen zu haben und es in die Welt bringen. Zuhören können und atmosphärische Dimensionen erfassen. Dies liebevoll zu tun und mit dem Willen, die Welt zu verschönern; schlieĂźlich gute Formen zu finden, zu prägen und ihre Wirkung genieĂźend zu nutzen â€“ dies macht die Form der Schönheit im Alltag aus. Sie ist die wichtigste Quelle der Lebenskunst.” (S. 99)

  • gute Formen — vgl. Gattungskunde (Conta Gromberg)

Stichwort “cool”: “Bob Dylan, Paul McCartney oder die Beastie Boys konnte man nicht aus der Ruhe bringen – dennoch handelt es sich um Herren mit deutlichen Positionen und Charakter. Weil sie gemacht haben, was sie wollten und nicht, was andere erwarteten. Diese Souveränität beeindruckt, sie ist attraktiv – sie ist: die Schönheit.” (S. 42f)

“Hässliches ist destruktiv und zu gefällige Schönheit kann hässlich sein.” (S. 110)

“Ich halte eine buddhistische Denkweise fĂĽr eine existenzielle Einsicht: Womit wir uns beschäftigen, das wächst in uns. Ich finde: Wer sich der Schönheit widmet, der hat ein besseres Leben.” (S. 111)


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