Nachfolge, neu gedacht

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Klassischerweise läuft es ja so: Ein Unternehmer, sagen wir ein Installateur, will in Pension gehen und sucht einen Nachfolger für seinen Betrieb. Der Nachfolger kann den Betrieb inkl. Gebäude, Mitarbeiter, Werkzeuge, Materiallager und Kunden übernehmen – und zahlt dem Unternehmer dafür eine “Ablöse” (in welcher Form auch immer).

Nun sehe ich es aber kommen, dass in ein paar Jahrzehnten eine Menge Solopreneure in Pension gehen wollen werden. Auch sie haben sich einen Betrieb geschaffen – aber der ist nicht veräußerlich. Denken wir an eine Unternehmensberaterin: Da gibt es kein nennenswertes Vermögen, das man verkaufen könnte. Keine Mitarbeiter, kein Lager, vielleicht nicht mal ein Büro. Die Kundenbeziehungen hängen so sehr an der Beraterin, dass man die nicht einfach an jemanden weitergeben kann.

Wer würde so einen Betrieb kaufen wollen? Praktisch niemand.

Gleichzeitig fände es diese Beraterin aber herzzerreißend, wenn das, was sie ihr Leben lang aufgebaut hat, einfach vor die Hunde gehen würde. Ein Lebenswerk, das nicht fortgesetzt wird, das niemanden mehr interessiert… Eine traurige Vorstellung.

Deshalb glaube ich, dass sich der Betriebs-Nachfolge-Markt umkehren könnte: Nicht der Nachfolger bezahlt dafür, dass er den Betrieb übernehmen kann, sondern der Unternehmer bezahlt den Nachfolger dafür, dass jemand sein Lebenswerk vor der Bedeutungslosigkeit rettet.


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