Dalai Lama: Ratschläge des Herzens (2003) 📙

D

Meine Notizen

Einleitung — An alle

Ein großer Teil unseres Leids rührt daher, dass wir zu viel denken und dass wir nicht auf gesunde Art und Weise denken. (S. 20)

Manchmal ist es unausweichlich zu leiden, so zum Beispiel bei der Geburt, bei Krankheiten, im Alter und im Sterben. Das Einzige, was wir dagegen tun können, ist, die Angst davor zu verringern. (S. 20)

An die jungen Menschen

Je mehr wir uns für die Welt rund um uns interessieren und je mehr wir nach dem Warum und dem Wie der Dinge fragen, desto klarer wird unser Bewusstsein und desto besser kann sich unsere Eigeninitiative entwickeln. (S. 27)

Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass das Leben keine leichte Angelegenheit ist. Damit wir ein gutes Leben führen können und uns nicht schon beim ersten Problem der Mut verlässt, müssen wir innere Kraft entwickeln. (S. 28)

Aber das Vertrauen in sich selbst und die Fähigkeit, auf eigenen Beinen zu stehen, scheinen mir wesentlich zu sein für ein gelungenes Leben. Ich meine hier nicht eine dumme Selbstsicherheit, sondern das Bewusstsein für unser inneres Potenzial, die Gewissheit, dass wir uns ändern und bessern können — und dass es dafür nie zu spät ist. (S. 29)

Berücksichtigt alle Kriterien, zieht die Möglichkeiten in Betracht, die eurer Situation am ehesten entsprechen, und entscheidet euch dann. Habt ihr einmal eine Entscheidung getroffen, dann bleibt auch dabei. Auch wenn ihr auf Schwierigkeiten stoßt — seid entschlossen, sie zu überwinden. Habt Vertrauen in euch und mobilisiert eure ganze Energie. (S. 32)

Ich habe manchmal den Eindruck, als verhielten wir uns wie verwöhnte Kinder. (S. 32)

Wenn dann endlich der Augenblick gekommen ist, in dem wir unser Leben selbst in die Hand nehmen und unsere Bürde selber tragen können, dann erwarten wir, dass alles ganz reibungslos vor sich gehen muss! Diese Haltung steht in Widerspruch zur Realität. In dieser Welt bleiben niemandem Schwierigkeiten erspart. (S. 33)

An die alten Menschen

Denken Sie an all die Menschen, die jung sterben, und freuen Sie sich darüber, dass Sie ein langes Leben haben dürfen. (S. 38)

An alle, die ein Familienleben führen

[…] die Zufriedenheit rührt vielfach daraus, dass man keine anderen Lebensformen kennt. (S. 48f)

Sobald wir mit anderen Menschen zusammenleben, müssen wir ihm Zuneigung entgegenbringen und seinen Gedanken und Wünschen gegenüber achtsam sein. Beide müssen ihren Teil der Verantwortung tragen, egal, was geschieht. (S. 52)

Eine Familie ist eine ernste Angelegenheit. Tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht, um eine glückliche Familie zu haben; sorgen Sie für ihre Bedürfnisse und die Erziehung der Kinder, damit sie eine glückliche Kindheit haben. (S. 54)

Leben Sie größeren Wert auf Qualität als auf Quantität. Diese Regel gilt für alle Lebenslagen. (S. 54)

An alle, die im Überfluss leben

Sicherlich ist es befriedigend, sagen zu können: “Ich bin reich!” Das verleiht Energie, und die Gesellschaft interessiert sich für einen. Aber ist das wirklich den ganzen Stress wert, der mit dem Aufbau eines Vermögens einhergeht? (S. 62)

Reiche Leute sind ständig unruhig und auf der Hut. (S. 62)

Der einzige Vorteil, den Reichtum meiner Meinung nach bietet, besteht darin, dass man anderen besser helfen kann. (S. 62)

Wer viel Geld besitzt, sollte es am besten dafür verwenden, […] den Bewohnern dieser Erde zu einem glücklicheren Leben zu verhelfen, indem man Lösungen für ihre Probleme findet. (S. 64)

An alle, die in Armut leben

Materielle Armut darf uns nicht daran hindern, großzügige Gedanken zu haben. In Wirklichkeit sind die viel wichtiger als jeder Reichtum. Deshalb besitzen wir von dem Moment an, in dem wir ein Gehirn und einen menschlichen Körper haben, alles worauf es ankommt — auch wenn wir arm sind —, und es gibt nicht den geringsten Grund zu resignieren und aufzugeben. (S. 67)

Wir dürfen nicht dem Irrglauben verfallen, dass uns Komfort und Reichtum Glück bringen könnten, wenn in unserem Inneren kein Friede herrscht. (S. 69)

An die Behinderten und alle, die sie pflegen

Egal, was kommt, verlieren Sie nie den Mut. Wer sich immer wieder sagt “Ich werde es schaffen”, wird auch sein Ziel erreichen. (S. 74)

An die Sterbenden und alle, die ihnen beistehen

Wenn Sie gläubig sind, dann machen Sie sich im Moment des Sterbens Ihren Glauben bewusst und beten Sie. Glauben Sie an Gott, so sagen Sie sich , dass es zwar traurig ist, am Ende des Lebens angelangt zu sein, dass es aber gottgewollt ist und es einen tieferen Grund geben muss, der sich unserem Verstehen entzieht. Diese Vorstellung wird Ihnen gewiss hilfreich sein. (S. 77)

An die Homosexuellen

Bevor wir eine Regel kritisieren, sollten wir versuchen, die wahren Hintergründe zu verstehen. (S. 90)

An die Politiker

Wenn wir immer ehrlich sind, dann werden uns auch alle, denen unsere Ideen gefallen, unterstützen und sich uns anschließen. (S. 93f)

An die Lehrer

Wenn Sie unterrichten, dann seien Sie bemüht, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern versuchen Sie auch, in Ihren Schülern ein Gefühl für die grundlegenden menschlichen Qualitäten zu wecken und in ihnen Redlichkeit, Mitgefühl, die Fähigkeit zu verzeihen und Verständnis für andere Menschen wachsen zu lassen. (S. 103)

Begnügen Sie sich nicht mit Worten, seien Sie selbst ein Vorbild. Dann werden sich die Schüler besser an das erinnern, was Sie ihnen sagen. (S. 104)

Kurz gesagt: Zeigen Sie sich in jeder Hinsicht verantwortlich für die Zukunft Ihrer Schüler. (S. 104)

An alle, die Krieg führen

Sobald Menschen Waffen in die Hände bekommen, neigen sie dazu, sich ihrer auch zu bedienen. (S. 117)

Wenn wir Frieden in der Welt schaffen wollen, dann müssen wir zuerst Frieden in uns selbst schaffen. (S. 118)

An alle, die sich anderer Menschen annehmen

Je mehr uns das Wohlergehen anderer Menschen am Herzen liegt, desto besser sorgen wir auch für unser eigenes Glück. Aber daran dürfen wir nie denken, wenn wir Gutes tun! Erwarten Sie keine Gegenleistung, haben Sie nur das Wohlergehen des anderen im Auge. (S. 121f)

Genauso wenig sollten Sie sich gegenüber dem Menschen, dem Sie helfen, überlegen fühlen. Egal, ob Sie ihm Ihr Geld, Ihre Zeit oder Ihre Energie opfern, tun Sie es stets aus einer Haltung der Demut heraus. (S. 122)

Wenn Sie jemandem helfen, dann begnügen Sie sich nicht damit, seine unmittelbaren Probleme zu lösen, indem Sie ihm zum Beispiel Geld geben. Geben Sie ihm auch die Mittel in die Hand, die es ihm erlauben, seine Probleme selbst zu lösen. (S. 122)

An alle, die glücklich sind

Um dauerhaft glücklich zu sein, müssen wir zuallererst erkennen, dass auch Leid zum Leben gehört. (S. 125f)

Nach buddhistischer Auffassung führt die Beschäftigung mit der Existenz des Leids nie zu Pessimismus oder Verzweiflung. Sie lässt uns die eigentlichen Gründe für unser Unglücklichsein erkennen, nämlich Begierde, Hass und Nichtwissen, und durch dieses Erkennen können wir uns davon befreien. Mit Nichtwissen ist hier das Unverständnis für die Natur der Wesen und Dinge gemeint. Es ist die Ursache der beiden anderen Gifte. Sobald das Nichtwissen sich auflöst, haben Hass und Begierde keine Grundlage mehr, und die Quelle des Leids ist erschöpft. (S. 127)

An alle, die unglücklich sind

Selbst wenn Sie einen geliebten Menschen wie Ihren Vater oder Ihre Mutter verlieren, sollten Sie sich fassen und sich sagen, dass das Leben in einem gewissen Alter eben zu Ende geht. Als Sie klein waren, haben Ihre Eltern alles getan, was in ihrer Macht stand, um Sie großzuziehen. Jetzt gibt es nichts, was Sie bereuen müssten. (S. 133)

An alle, die von Ängsten geplagt werden

Wenn Sie von Ängsten geplagt werden, weil es Ihnen an Selbstvertrauen mangelt, und wenn Sie glauben, dass nichts, was Sie in Angriff nehmen, gelingen kann, dann denken Sie ein bisschen nach. Versuchen Sie herauszufinden, warum Sie sich von vornherein auf verlorenem Posten fühlen. Sie werden keinen stichhaltigen Grund dafür finden können. Das Problem rührt von Ihrer Art zu denken her, nicht von einer tatsächlichen Unfähigkeit. (S. 142f)

Das wirksamste Mittel, um Angst zu bekämpfen, besteht darin, sich weniger mit sich selbst, sondern mehr mit den anderen zu beschäftigen. Wenn wir die Schwierigkeiten anderer Menschen voll und ganz erkennen, dann verlieren unsere eigenen Ängste an Bedeutung, Wenn wir anderen helfen, nimmt unser Vertrauen in uns selbst zu, und unsere Angst wird schwächer. Natürlich muss unser Wunsch zu helfen echt sein. (S. 143)

An alle, die schnell in Wut geraten

Unsere wirklichen Feinde sind die geistigen Gifte: Unwissenheit, Hass, Begierde, Eifersucht, Stolz. Sie allein können unser Glück zerstören. (S. 153)

Jeder Lernprozess braucht seine Zeit, und es ist unmöglich, alles zu wissen, aber es ist gut, ein bisschen weniger unwissend zu werden. (S. 154)

An alle, die ihren Begierden ausgeliefert sind

Wirtschaftlicher Erfolg ist eine gute Sache. […] wirtschaftlicher Erfolg ist gut für uns selbst, für die anderen, für die gesamte Gesellschaft. (S. 162)

Aber die Entwicklung der Wirtschaft darf nicht zu Lasten menschlicher Werte gehen. Man muss fair bleiben und darf seinen inneren Frieden nicht dem Gewissen opfern. […] Ich glaube, dass wahrer Fortschritt nur mit Idealen möglich ist. (S. 162)

An alle, die traumatische Erfahrungen gemacht haben

Sprechen Sie von Ihrem Problem, werden Sie es los, behalten Sie es nicht aus falscher Scham oder Scheu für sich.(S. 173)

An die Schüchternen

Es ist paradox: Je mehr wir uns schützen wollen, desto weniger Vertrauen haben wir in uns selbst […]. (S. 176)

An alle, die gern kritisieren

Sagen Sie, was Sie denken, offen und ehrlich. Stellen Sie klar, was einer Klarstellung bedarf. Unterscheiden Sie das Falsche vom Richtigen. Auch Zweifel muss man äußern können. Auch auf die Gefahr hin, dass Ihre Worte hart klingen: Sagen Sie, was Sie denken. Sie gewinnen dadurch Klarheit und entziehen Gerüchten die Grundlage. Wenn wir uns nur in zuckersüßer Höflichkeit ergehen, bleibt immer eine Basis für lügnerische Gerüchte zurück. (S. 191)

An alle, die anderen Leid zufügen

Seien wir nicht gleichgültig, denn dies hieße zu vergessen, aber verzeihen wir uns selbst: “Damals habe ich mich geirrt, aber das wird sich nicht mehr wiederholen. Ich bin ein menschliches Wesen, ich bin in der Lage, meine Fehler zu überwinden.” Wenn wir die Hoffnung verlieren, dann deswegen, weil wir uns nicht selbst verziehen haben. (S. 195)

Die Liebe ist das höchste Mittel, um Wesen zu verändern […]. Wenn Sie es schaffen, ihnen diese Liebe zu zeigen, ohne zu schwanken oder nachzulassen, dann wird es Ihnen gelingen, diese Menschen eines Tages in ihrem Innersten zu berühren. (S. 197)

Man muss unendliche Geduld aufbringen. Aber wenn Ihre Absicht vollkommen rein ist und Ihre Liebe, Ihr Mitgefühl konstant ist, wird es Ihnen gelingen. (S. 197f)

An alle, die gleichgültig sind

Gebete und andere spirituelle Praktiken haben zwar ihre Wirkung, aber es ist vor allem das Handeln der Menschen, das die Welt formt. (S. 199)

  • vgl. Gott hat keinen Schreibtisch

An alle, die einen Glauben haben

Jeder Mensch hat die Freiheit, zu glauben oder nicht zu glauben. Aber wenn Sie einer Religion angehören und an die Lehren dieser Religion glauben, sollten Sie ihr eine große Bedeutung beimessen und versuchen, nicht nur einen Gelegenheitsglauben zu praktizieren. (S. 203)

Wichtig ist, dass unser Geist von der Lehre, der wir uns zugehörig fühlen, durchdrungen wird und dass wir sie auch im Alltagsleben anwenden. Das schafft man nicht von heute auf morgen. Das kommt durch beharrliche Übung. (S. 206)

An alle, die sich keiner Religion zugehörig fühlen

Die Nichtgläubigen bilden die Mehrheit der Menschheit, und ihre Art zu denken und zu handeln spiegelt zwangsläufig eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der Welt. (S. 210)

  • vgl. BWL, die von Nichtgläubigen geschrieben wurde vs. BWL der Gläubigen (vgl. Christliche Soziallehre)
  • Wir leben in deiner säkulären Welt. Viele Erklärungen sind säkulär. Das heißt aber nicht, dass nicht mitunter die religiösen Erklärungen die besseren wären.
  • vgl. Sunday School (VO): Der säkulären Deutung der Wirtschaftswelt eine religiöse daneben stellen.

An alle, die von großem Glauben erfüllt sind

Der überzeugte Glauben basiert auf dem klaren Wissen, dass das, was man erstrebt, auch erreicht werden kann. Er beruht auf Vernunft. (S. 222)

  • vgl. Wer nicht an die Auferstehung Christi glaubt und nicht glaubt, dass er selbst auch die Auferstehung erreichen kann, der hat keinen überzeugten Glauben.
  • Es ist schwer, an etwas zu glauben, das man für unmöglich zu erreichen hält. Man kann (auch) im Glauben nicht gegen den Kopf arbeiten.

An alle, die Buddhisten werden wollen

Bevor man sich auf etwas einlässt, muss man sich genau erkundigen. (S. 231)

  • Wer sich auf etwas einlässt, ohne seine Hausaufgaben erledigt zu haben, und dann enttäuscht wird, der ist selber schuld.
  • Vor allem vor großen/langfristigen Zusagen sollte man wirklich jedes Detail gründlich anschauen und prüfen: Ist wirklich das Gesamtpaket gut für mich — und nicht nur einzelne Details, für die ich Feuer und Flamme bin?

An alle, die den Buddhismus praktizieren

Auf dem spirituellen Weg ist man anfangs oft guten Mutes, dann erwartet man Ergebnisse, und letzten Endes verliert man die Lust und wird der Sache überdrüssig. Das ist ein Zeichen dafür, dass es einem an Weitblick mangelt. Es ist ein Fehler, sich schnelle Resultate zu erhoffen […]. (S. 234)

  • vgl. ein Business ohne Strategie (= “Weitblick”): Man probiert was, bekommt nicht die erhofften Ergebnisse — und versucht was Neues.
  • Andererseits: Ein Lifestyle Business ist kein “spiritueller Weg”. Man darf sich sehr wohl kurzfristige Ergebnisse erwarten (in Form von Umsatz und Gewinn), auch wenn man ein 40 year project // The Long Game spielt.
  • Versteht man sein Lifestyle Business hingegen primär als Beziehungsprojekt, stimmt diese Aussage wieder zu 100 Prozent.

Zum Schluss

Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass das Leben eines Menschen kurz ist und wir aus dieser kurzen Zeit auf Erden besser etwas Nützliches machen sollten, für uns und für die anderen. (S. 242)

Paradoxerweise kann man sich selbst nicht helfen, wenn man nicht auch den anderen hilft. Ob wir wollen oder nicht, wir sind alle miteinander verbunden, und niemand kann nur sein eigenes Glück verwirklichen. (S. 242)

Setzen wir unsere Intelligenz für die richtige Sache ein. Wenn wir das nicht tun, worin unterscheiden wir uns dann von den Tieren? (S. 243)

Wollen wir unserem Leben wirklich einen Sinn geben und glücklich sein, müssen wir beginnen, gesund zu denken.(S. 243)

Kultivieren wir Liebe und Mitgefühl, die dem Leben wirklich einen Sinn zu geben vermögen. Alles andere ist nebensächlich. (S. 244)


Entdecke mehr von schmatzberger.com

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.