Maria Popova hat einmal etwas Fundamentales über unsere Orientierung im Unbekannten gesagt: Wir tasten blind nach vertrauten Referenzpunkten und basteln uns daraus einen Kompass. Besonders in nebulösen Bereichen wie Kunst oder Philosophie – wo es keinen wahren Norden gibt – greifen wir nach greifbaren Dingen wie “dem Markt”, um uns zu orientieren.
Aber, so Popovas These: Der Markt ist ein miserabler Kompass. Er zeigt nicht nach Norden, sondern immer nur dorthin, wo gestern schon alle hingelaufen sind. “Der Markt will das” – was für ein Aberglaube! Der Markt will gar nichts. Er ist nur die Summe dessen, was bereits gedacht, bereits gemacht, bereits gekauft wurde. Wer sich am Markt orientiert, expandiert nicht seinen Möglichkeitsraum. Er schrumpft ihn auf das bereits Bekannte zusammen.
Popova spricht vom “private locus of the possible” – dem persönlichen Ort des Möglichen, den wir behutsam erweitern sollen. Nicht am Markt orientiert, nicht am Bekannten, sondern an dem, was wir in uns selbst als Potenzial entdecken.
Das ist auch die einzige Art, wie echte Innovation entsteht: Wenn jemand aufhört, nach dem vermeintlichen Nordstern “Markt” zu schielen, und stattdessen ins Dunkle vorangeht.
Die meisten Solopreneure machen sich klein vor dem Markt. Validieren jede Idee, bevor sie überhaupt richtig durchdacht und ausgeleuchtet ist.
Aber warum sollten sie auch jemals ihren eigenen Radius erweitern, wenn der Markt ihnen doch so deutlich sagt, wo’s langgeht?
Spoiler: In die Mittelmäßigkeit.
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