Tag#Marketing

Die Folgen deiner Positionierung

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Matthias Barth fragt: Was machst du eigentlich, NACHDEM deine Positionierung steht?

Weil: Deine Positionierung funktioniert nur, wenn du sie auch durchziehst. Von der Website über LinkedIn bis hin zum Erstgespräch mit einem potenziellen Kunden.

Hat das eine einheitliche Linie? Gibt es einen roten Faden? Sagst du in allen Kontexten das Gleiche?

Und: Wie leicht bist du zu überreden, einen Auftrag anzunehmen, der überhaupt nicht zu deiner fein säuberlich ausgearbeiteten Positionierung passt?

Sprachverstärker

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Viele Menschen hören im Alter schlecht. Das ist nicht ihr Verschulden, aber viele nehmen es persönlich.

Hörgeräte sind in diesem Fall äußerst nützliche Geräte. Sie helfen Menschen dabei, weiterhin an Unterhaltungen (und damit am sozialen Leben) teilzunehmen. Eine äußerst sinnvolle Sache, die aber gleichzeitig viel Widerstand erzeugt – selbst bei den Menschen, die eigentlich am meisten von einem Hörgerät profitieren würden.

Unlängst habe ich eine Anzeige von Hansaton gesehen, die ich spannend finde. In dieser Anzeige wurden spezielle Hörgeräte mit “Sprachverstärker-Funktion” beworben. Und ich habe mir gedacht: Das ist eine sehr smarte Idee.

Das Wort “Hörgerät” hat nämlich einen leicht anklagenden Unterton. Schließlich ist es mein Problem, wenn mein Hörvermögen nicht mehr wie früher funktioniert. Es ist ein Defizit meines Körpers, es ist eine Schuld.

“Sprachverstärker” hingegen ist viel weniger beschämend. Es ist nicht meine Schuld, wenn die anderen Menschen zu leise sprechen, dass man sie vernünftig verstehen könnte. Es ist deren Schuld, und mit einem “Sprachverstärker” kann ich das Defizit anderer Menschen ausgleichen.

Rein technisch gesehen ist zwischen einem “Hörgerät” und einem “Sprachverstärker” wahrscheinlich ganz wenig Unterschied.

Aber der Unterschied in den Storys, die sich schwerhörige Menschen über diese beiden Geräte erzählen, ist gewaltig.

Der Kampf um knappe Ressourcen

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Bei der Hauptversammlung von Manner forderte unlängst ein Kleinaktionär mehr Produktinnovationen. Nach dem Motto: Wenn wir mehr neue Produkte herausbringen, dann kaufen die Leute auch mehr.

Aber: Ein neues Produkt ist nicht einfach ein zusätzlicher Umsatzbringer. Ein neues Produkt ist ein weiteres Produkt, das auf einem stark umkämpfen Markt um Regalmeter kämpft. Ein weiteres Produkt, das beworben werden will, das Aufmerksamkeit braucht — von Händler:innen, von Konsument:innen, vom eigenen Vertrieb.

Diese Aufmerksamkeit kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus demselben Budget, aus dem auch allen anderen Manner-Produkte schöpfen.

Die eigentliche Frage lautet also nicht: Neue Produkte — ja oder nein? Die Frage lautet eher: Was ist der bessere Einsatz unserer begrenzten Ressourcen — ein etabliertes Produkt weiter stärken oder die Wette auf ein neues eingehen?

Diese Frage ist eine ständige strategische Abwägung. Und ein Spannungsfeld, das vielen Kleinaktionären überhaupt nicht bewusst ist.

Zwei verschiedene Jobs

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Aktivierung und Branding sind zwei verschiedene Marketing-Jobs, die häufig verwechselt werden.

Aktivierung bedeutet: Jemanden, der gerade kaufbereit ist, zum Kauf zu bewegen. Ein Rabatt. Ein Aufsteller im Supermarkt. Eine zeitlich begrenzte Aktion. Aktivierung wirkt sofort und führt direkt zu Umsatz.

Branding bedeutet: Dafür sorgen, dass jemand überhaupt kaufbereit wird — und zwar für dich, nicht für irgendjemand anderen. Branding ist das, was im Kopf passiert, bevor jemand zum Kaufen aktiviert wird. Branding baut Vertrauen auf und sorgt für Wiedererkennung. Das dauert natürlich, und es lässt sich auch nicht direkt messen.

Aktivierung und Branding sind beide notwendig. Aber sie arbeiten auf unterschiedlichen Zeitachsen.

Ich wünschte, das wäre allen Gründer:innen klar.

Trugschluss

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Kunden, die am Anfang „von selber“ kommen, sind gefährlich.

Weil man glauben könnte, es geht immer so weiter. 

Falsches Marketing

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Viele Selbständige tun sich schwer mit Marketing.

Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich viel Marketing-Kommunikation irgendwie falsch anfühlt.

Zum Beispiel: Man folgt jemandem auf Instagram, weil der Content gut ist — und drei Minuten später kommt eine Automatik-DM: “Hey, danke fürs Folgen! Darf ich fragen, womit du gerade kämpfst?”

Deshalb suchen viele Solopreneure nach einem anderen Marketing. Ein Marketing, das “normal” ist. Nicht so künstlich. Auf Augenhöhe. Ohne diesen schalen Beigeschmack.

Das Problem ist nicht die DM oder die Formulierung. Das Grundübel ist die Haltung dahinter. Eine Haltung, die den anderen zuerst als Lead sieht und erst dann als Mensch (vielleicht).

“Menschliches Unternehmertum” bedeutet also auch, Marketing so zu betreiben, wie man es selber gerne – als Kund:in – erleben würde. Und das nicht ausnahmsweise, sondern grundsätzlich und immer.

Mit Haltung eben.

Mehr Haltung!

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Daniel Friesenecker sagt: Jahrelang haben wir im Content Marketing gehört: “Sei nützlich! Mach Content, der bei deinen Kund:innen Nutzen stiftet!” 

Aber, sagt Daniel Friesenecker: Dieser Ansatz führt uns mittlerweile in die Irre, weil “nützlich ist ChatGPT auch”.

Inzwischen gehe es viel mehr darum, mit dem eigenen Content Haltung zu zeigen. Für etwas zu stehen. Zu sagen, wer man ist und was man denkt. Und auch mal gegen etwas zu sein.

Mit einem Wort: Viel schneller, deutlicher und direkter auf den Kern zu kommen.

Das Schwafeln können wir ruhig der KI überlassen. Die macht das schneller, besser und billiger.

Der ratlose Kunde

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Maggie Patterson sagt: Es geht oft gar nicht darum, mehr Anfragen zu bekommen. Es geht oft allein darum, mehr aus den Anfragen zu machen, die schon da sind.

Das Problem ist häufig: Der Kunde ist interessiert, aber die nächsten Schritte sind nicht klar. Der Kunde muss sie sich selbst zusammenschustern. Und das ist anstrengend! Natürlich verschiebt der Kunde es auf „später“, sich wieder zu melden, weil er sich zuerst mal zusammenreimen müsste, was überhaupt als erstes zu tun ist.

Clear is kind. Mach glasklare und eindeutige Ansagen, wie es weitergeht — z.B. nach dem Erstgespräch. Mach den Prozess transparent: Was, bis wann, wie. Und was danach.

Das erhöht nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde bucht.

Drüber reden

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Ich kann allen Gründer:innen nur raten:

Sprecht über eure Gründung! Sprecht über eure Geschäftsidee! Sprecht darüber, was ihr vorhabt!

Auch und gerade mit Freunden, Bekannten und Familie. Erstens ist es ein gutes Training, seine Geschäftsidee in Worte zu fassen. Und zweitens weiß man nie, wo ein Kontakt, eine Möglichkeit oder sogar ein Auftrag daher kommt.

Drüber reden hilft immer – und besonders bei einer Gründung.

Das Wettrennen der Übertreibung

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Weil wir Angst haben, nicht ernst genommen zu werden, übertreiben wir.

Und weil wir wissen, dass alle anderen auch übertreiben, trauen wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg. Und weil wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen, müssen wir noch lauter übertreiben. Ein Teufelskreis.

Im Online-Marketing ist das besonders gut zu beobachten. Wer selbst lügt — oder zumindest “übertreibt” —, weiß, dass die anderen das auch tun. Die sogenannte trust recession hat hier ihre Wurzel: Nicht in einzelnen schwarzen Schafen, sondern in einem System, das Übertreibung als Normalzustand akzeptiert hat.

Das Tückische daran: Wer die Dinge täglich zu seinen Gunsten zurechtbiegt, merkt irgendwann nicht mehr, dass er das tut. Falsche Informationen werden zum “neuen normal” — nicht aus Bosheit, sondern weil alle es machen.

Die Lösung? Nicht mehr lügen. Ganz einfach.

Der Robin-Hood-Trick

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Von Katrin Gildner habe ich folgende Idee: Lieber von einer Firma bezahlt werden als von den eigenen Followern.

Der Gedanke dahinter ist so simpel wie bestechend. Wer Workshops, Inhalte oder Beratung für Zielgruppen anbietet, die traditionell wenig Kaufkraft haben – Solopreneure, EPUs, Kreative im frühen Stadium –, der kämpft strukturell gegen eine Wand. Nicht weil die Leistung zu wenig wert wäre. Sondern weil diese Zielgruppen schlichtweg kein Geld haben.

Die Lösung: Hol dir das Geld woanders. Nämlich von kaufkräftigen Firmen, die Zugang zu deiner Zielgruppe haben und über Interesse und Budget verfügen, um Angebote für diese Zielgruppen zu finanzieren.

Der Robin-Hood-Ansatz bedeutet nicht, die eigene Zielgruppe aufzugeben. Er bedeutet, das Finanzierungsmodell von ihr zu entkoppeln.

Teile nur das Teilbare

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Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was du weißt, und dem, was du teilen solltest.

Wer einen Podcast aufnimmt, ein Seminar hält oder ein Gespräch führt, hat danach viel in der Hand. Zu viel, um es einfach (auf Social Media) “auszuschütten”.

Teile also nicht die ganze Folge, nicht deine kompletten Notizen, nicht den vollständigen Gedankengang. Teile lieber den einen Tipp, der für sich alleine stehen kann. Der in sich nützlich und ohne viel Kontext verständlich ist.

Wer das beherrscht, wird auch mehr Reichweite bekommen. Denn: Was nützlich ist, verbreitet sich leichter.

[Danke Gordon Schönwälder für diesen Gedanken.]

Begraben oder veröffentlichen

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Michelle Mazur hat unlängst ihren TEDx-Talk veröffentlicht. Die Produktion ist, wie sie selbst zugibt, katastrophal. Schlechtes Licht, schlechter Ton, schlechte Kamera. Sie war, als sie das Video zum ersten Mal gesehen hat, erschüttert. (Ich, zugegebenermaßen, auch.)

Ihr erster Instinkt war: Begraben. Totschweigen. Nie mehr davon reden.

Aber dann hat sie sich erinnert, was sie in dem Vortrag selbst sagt: Ideen können die Welt nicht verändern, wenn niemand sie hört. Und so hat sie ihn dann doch in ihrem Newsletter geteilt. Das muss ganz schön viel Mut gebraucht haben.

Als Solopreneure kennen wir solche Situationen nur zu gut. Das neue Angebot ist nicht fertig genug. Die Website ist noch nicht perfekt genug. Die innere Stimme sagt: “Noch nicht!” Und wir warten. Und warten.

Aber diese Stimme schützt meistens nicht die Qualität — sie schützt unser Ego.

Aber unser Ego ist unserem Erfolg im Business oft im Weg.

Die Zukunft der Website

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Kerstin Müller hat sich Gedanken gemacht, welche Rolle unsere Websites in Zeiten von ChatGPT und Co. spielen werden.

Sie kommt zu folgendem Schluss: Die Zukunft heißt nicht Traffic auf der Website, sondern Inhalte.

Die Klickzahlen sinken, weil KI-Tools wie Google Overviews oder Perplexity die Antwort direkt liefern. Blogartikel, die nur oberflächliches Wissen zusammenfassen, verlieren ihren Traffic. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

Auf die Elemente einer Website umgelegt, würde das bedeuten:

ElementDie „alte“ Website (SEO-Fokus)Die „neue“ Website (KI-Fokus)
TexteLang, Keyword-optimiert, oft trockenKurz, prägnant, stark meinungsgetrieben
BilderStockfotos von lachenden MenschenEchte Arbeitsergebnisse, Gesichter, Whiteboard-Skizzen
Ziel„Hoffentlich klickt jemand auf meine Anzeige.“„Wer hier landet, soll sehen, dass ich die einzige logische Wahl bin.“
InteraktionKontaktformular mit 10 FeldernDirekt-Termin via Calendly oder 1-Klick-WhatsApp

Das Spiel, sagt Kerstin Müller, hat sich grundlegend verändert: Die Frage ist nicht mehr nur „Wie ranke ich bei Google?”, sondern „Wie sorge ich dafür, dass die KI mich als Quelle nennt?”

Sichtbarkeit würde, so gesehen, bedeuten: Du musst so schreiben, dass eine KI dich zitiert, nicht nur, dass Google dich findet.

Webseiten werden nicht verschwinden. Im Gegenteil: Wir werden uns in Zukunft noch besser um unsere Websites kümmern müssen.

Gedankenlose Geschenke

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Wenn man Geburtstag hat, kriegt man gerne mal ein Mail mit Geburtstagsgrüßen von irgendwelchen Firmen, bei denen man Kunde ist – oder war. Mitunter ist auch ein kleines Geschenk dabei.

Mein Freund Martin hat sich unlängst über so ein Geburtstags-“Geschenk” geärgert. Es war ein 5-Euro-Gutschein ab einem Einkaufswert von 50 Euro. Er hat das nämlich nicht als Geschenk empfunden, sondern an schlecht verkleidete Werbemaßnahme, die ihn zum Kaufen animieren soll. Der eigentlich Beschenkte wäre dann nicht er, sondern das Unternehmen.

Über solche “Geschenke” freut man sich nicht, weil sie nicht leiwand sind. Leiwand ist, wenn man am Geburtstag gratis auf den Wiener Donauturm gehen kann. Oder wenn die ÖBB sagen; Wenn du die Vorteilscard hast, kannst du an deinem Geburtstag gratis in ganz Österreich herumfahren.

Darüber freut man sich, weil man wirklich etwas geschenkt bekommt.

Und nicht zuletzt deshalb, weil man das Gefühl hat: Hier hat sich jemand wirklich was überlegt, womit er mir eine Freude machen kann.

Dabei unterstelle ich der 5-Euro-Gutschein-Firma nicht mal eine schlechte Absicht. Vielleicht glauben die Marketing-Leute dort ja wirklich, dass sich die Kunden darüber freuen. Aber ich bin mir sicher: Wenn sich die verantwortlichen Mitarbeiter:innen auch nur eine Stunde lang zusammensetzen würden, kämen sie ohne große Mühe auf etliche viel leiwandere Ideen. Man müsste nur wollen.

Denn besonders bei Geschenken gilt: Mach es gscheit, oder lass es bleiben.

Der Countdown läuft

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Wenn ein Angebot mit künstlicher Verknappung vermarktet wird (Stichwort: Countdown), dann ist etwas im Busch. Denn wer ein wirklich starkes, glaubwürdiges Versprechen hat, braucht keinen künstlichen Druck.

Ich finde: Als Solopreneur hast du weder Zeit noch Ressourcen für aufwändige Conversion-Taktiken. Aber du brauchst sie auch nicht.

Dein Vorteil sind Nähe und Beziehung.

Wer kein Netzwerk hat, zahlt

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Es gibt einen Unterschied, über den in der Gründungsberatung wahrscheinlich zu wenig offen gesprochen wird: Manche Solopreneure starten mit einem starken persönlichen Netzwerk – und andere nicht.

Wer ein gewachsenes Netzwerk mitbringt, hat Zugang zu ersten Kund:innen, zu Weiterempfehlungen, zu Gesprächen, die einen weiterbringen. Dieser “organische” Zugang zum Markt kostet nichts. Er ist einfach da (bzw. über die Jahre vor der Gründung aufgebaut).

Wer dieses Netzwerk nicht hat – oder sich scheut, es “zu nützen” – steht vor einem strukturellen Problem: Er muss sich Aufmerksamkeit nämlich (teuer) erkaufen. Über Werbung, über Social Media oder über Content, der vielleicht irgendwann irgendwen erreicht. Das kostet Geld, Zeit, und/oder Nerven.

Erfolg in der Selbständigkeit ist nicht allein eine Frage von Fleiß oder Talent. Dein persönliches Netzwerk ist ein Startkapital, das in keiner Bilanz aufscheint – und das dennoch in den ersten Jahre deines Unternehmens ein unbezahlbares Asset ist.

Namen statt Zielgruppen

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Viele Gründer:innen haben Schwierigkeiten dabei, ihren “Markt” zu erkennen.

“Meine Zielgruppe sind KMUs in Niederösterreich.” Klingt klar und präzise. Ist es aber nicht. Denn “KMUs in Niederösterreich” kann man nicht anrufen. Man kann ihnen keine E-Mail schreiben. Man kann sie nicht um ein Gespräch bitten.

Ein echter Markt – gerade für Solopreneure – ist keine abstrakte Kategorie. Der Markt für Solopreneure ist eine ganz konkrete Liste mit Namen. Mit Gesichtern. Mit Menschen, zu denen man Zugang hat, direkt oder über andere Kontakte. Marlene vom letzten Netzwerktreffen. Der Thomas, der mal nachgefragt hat. Die Beraterin, die einen Kommentar unter dem LinkedIn-Post hinterlassen hat.

Der Weg zu deiner Zielgruppe beginnt nicht mit irgendeiner Instagram-Kampagne. Sie beginnt mit: Wer steht auf meiner Liste? Und wen davon spreche ich diese Woche an?

Der Markt als falscher Nordstern

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Maria Popova hat einmal etwas Fundamentales über unsere Orientierung im Unbekannten gesagt: Wir tasten blind nach vertrauten Referenzpunkten und basteln uns daraus einen Kompass. Besonders in nebulösen Bereichen wie Kunst oder Philosophie – wo es keinen wahren Norden gibt – greifen wir nach greifbaren Dingen wie “dem Markt”, um uns zu orientieren.

Aber, so Popovas These: Der Markt ist ein miserabler Kompass. Er zeigt nicht nach Norden, sondern immer nur dorthin, wo gestern schon alle hingelaufen sind. “Der Markt will das” – was für ein Aberglaube! Der Markt will gar nichts. Er ist nur die Summe dessen, was bereits gedacht, bereits gemacht, bereits gekauft wurde. Wer sich am Markt orientiert, expandiert nicht seinen Möglichkeitsraum. Er schrumpft ihn auf das bereits Bekannte zusammen.

Popova spricht vom “private locus of the possible” – dem persönlichen Ort des Möglichen, den wir behutsam erweitern sollen. Nicht am Markt orientiert, nicht am Bekannten, sondern an dem, was wir in uns selbst als Potenzial entdecken.

Das ist auch die einzige Art, wie echte Innovation entsteht: Wenn jemand aufhört, nach dem vermeintlichen Nordstern “Markt” zu schielen, und stattdessen ins Dunkle vorangeht.

Die meisten Solopreneure machen sich klein vor dem Markt. Validieren jede Idee, bevor sie überhaupt richtig durchdacht und ausgeleuchtet ist.

Aber warum sollten sie auch jemals ihren eigenen Radius erweitern, wenn der Markt ihnen doch so deutlich sagt, wo’s langgeht?

Spoiler: In die Mittelmäßigkeit.