Das ewige Vergleichen mit Anderen ist “so lähmend wie das Gift einer Schlange”, sagt Martina Fuchs.
Die geerbte Bühne
Wer schon eine Bühne hat, braucht kein Mikrofon mehr zu suchen. Er stellt sich einfach drauf.
Ein Promi startet einen Podcast, eine Influencerin launcht einen Kurs, ein Ex-Politiker schreibt ein Buch. Die Reichweite war vorher schon da — und das neue Produkt profitiert davon. Das Publikum folgt ihnen nicht primär wegen des neuen Angebots, es folgt ihnen, weil es ihnen immer schon gefolgt ist.
Für alle anderen — die, die ohne “geerbte” Aufmerksamkeit starten — bedeutet das: Der Wettbewerb ist nicht fair. Er war es nie. Weil es nicht nur um Inhalte geht, sondern um Beziehungen.
Aber dieses Ungleichgewicht wird gerade verstärkt sichtbar. Denn je mehr geerbte Bühnen belegt werden, desto weniger Platz bleibt für jene, die sich Aufmerksamkeit erst Schritt für Schritt erarbeiten müssen.
Sich Reichweite zu erarbeiten, dauert immer länger. Falls es überhaupt gelingt.
Der Feed zeigt nicht die Welt, er zeigt dich
Unlängst wieder: LinkedIn geöffnet, Feed reingezogen, und nach zehn Minuten die quälende Frage im Hinterkopf: Mache ich eigentlich irgendetwas richtig?
Dabei passiert da etwas Eigenartiges: Der Feed zeigt mir nicht, wie die Welt wirklich funktioniert. Er zeigt mir, wo ich unsicher bin.
Ein Coach mit hundert Reaktionen auf einen einzigen Post trifft mich genau dort, wo ich mir selbst nicht erfolgreich genug vorkomme. Die Zeitmanagement-Queen mit drei extra “freien Stunden” pro Tag trifft mich dort, wo ich das Gefühl habe, selbst zu wenig zu schaffen.
Der Feed ist ein Spiegel der eigenen Zweifel. Und er ist sehr gut darin, diese Zweifel zu finden – und zu nähren.
[Danke Matthias Barth für diesen Gedanken.]
Für und wider Social Media
Die Fußballer Stefan Schwab und Richard Windbichler haben einen leiwanden Podcast, Play 2 Grow.
Unlängst haben sie über Social Media gesprochen. Stefan Schwab sagt, dass er Social Media nicht versteht. Er findet, das ist “ein Kasperltheater”. Es hat keine Substanz, es interessiert ihn nicht, weil in den ganzen Kommentaren “keine Wahrheiten” stehen. Er sagt, was auf Social Media über Fußball gesprochen wird, ist “ganz weit weg von Fußball”.
Richard Windbichler hingegen versteht, dass es bei Fußball auch viel um Entertainment geht. Um das Rundherum. Um die Inszenierung. Kann sein, dass er das in seiner Zeit in Amerika gelernt hat.
Schwab und Windbichler sind wie die beiden Stimmen, die auch in mir sprechen, wenn es um Social Media geht. Wenn ich Vorteile und Nachteile von Social Media für mein Solo-Business abwiege.
Spannend, den beiden beim Reden zuzuhören.
Niemand kauft dein Angebot
Menschen entscheiden sich nicht beim Angebot – sie entscheiden sich beim Zuhören. Wer deine Diagnose nicht teilt, wird deine Therapie nicht wollen. Wer deine Sichtweise nicht übernimmt, wird dein Paket nicht buchen. Punkt.
Für Solopreneure ist das eine wichtige Unterscheidung. Viele präsentieren ihr Angebot, bevor sie ihre Haltung erklärt haben. Sie zeigen das „Was” und „Wie”, bevor das „Warum” klar ist.
Kein Wunder, dass sich das dann nach “Verkaufen” anfühlt – für beide Seiten.
Der Philosoph stört
Social-Media-Plattformen sind keine Diskursräume. Differenzierte Meinungen und tiefgehende Gespräche haben es dort ganz, ganz schwer.
Alles, was die Leichtigkeit und die Gefälligkeit des kontinuierlichen Inhalte-Flusses stört (also differenzierte Argumentationen oder ein echter Meinungsaustausch), wird vom Algorithmus nicht gern gesehen.
Der Clown wird gegenüber dem Philosophen eindeutig bevorzugt, weil der Clown platt ist und sofort Reaktionen auslöst — und kein langes Nachdenken verlangt.
Die Plattformen sind wie Einkaufszentren: Alles ist darauf ausgerichtet, dass man möglichst lang weitergeht und weiterschaut – und seine gute Laune nicht verliert.
Die alte Schule ist die neue Schule
Spannend, dass “Beziehungen pflegen” plötzlich als Marketing-Innovation gilt.
Jahrelang haben uns die Business-Gurus erzählt: Skaliere! Automatisiere! Baue Funnels! Poste Content bis die Finger bluten und hoffe, dass die Algorithmus-Götter gnädig sind. Persönliche Gespräche? Das war die alte Schule. Unsexy. Nicht skalierbar.
Aber was haben wir bekommen? Eine große “Broadcast-Müdigkeit” (Michelle Mazur). Menschen vertrauen dem, was gepostet wird, nicht mehr.
Deshalb ist die “alte Schule” wieder angesagt. Weil alles andere nicht mehr funktioniert. Du musst deine Zielgruppe wieder kennen. Mit ihnen reden. Ihnen zuhören. Beziehungen aufbauen, bevor du etwas verkaufst.
Es ist schon paradox: Was gerade als “innovativer Marketing-Shift” verkauft wird, ist exakt das, was der “redliche Kaufmann” immer schon gemacht hat: Er kennt seine Kund:innen. Er wird weiterempfohlen. Er muss nicht hoffen, dass der LinkedIn-Algorithmus ihn mag.
Vielleicht war die alte Schule nie alt. Vielleicht war nur der Umweg falsch.
Wie heißt deine Strategie?
Philipp Maderthaner sagt: Wenn deine Strategie keinen Namen hat, hast du keine Strategie. Mark Zuckerbergs “Year of Efficiency”, Starbucks’ “Triple Shot Strategy” – die Besten geben ihrer Richtung einen Begriff, der hängen bleibt.
Als Solopreneur:in brauchst du das doppelt.
Nicht weil du deine Mitarbeiter:innen auf die Strategie ausrichten müsstest, sondern weil du dich selbst ausrichten musst. Jeden Tag aufs Neue, in hundert kleinen Entscheidungen: Welches Angebot? Welcher Kunde? Welches Ja? Welches Nein?
Seth Godin sagt; If you can’t state your position in eight words, you don’t have a position.
Also: Versuch mal, deinen strategischen Fokus in acht Worten zusammenzufassen. Wenn du 10 Minuten überlegst und nichts kommt – oder viele verschiedene Versionen –, dann hast vielleicht dein dringendstes Business-Problem gefunden.
Like a Bohrmaschine
Im Intro von Poundcake klingt Eddie Van Halens Gitarre wie eine Bohrmaschine.
Jeder weiß, dass es keine echte Bohrmaschine ist. Aber Eddie Van Halen schafft es, seine Gitarre wie eine Bohrmaschine klingen zu lassen. Und dadurch wird die Sache noch leiwander, als wenn wir eine echte Bohrmaschine hören würden.
Gekonnte Verfremdung ist MAGISCH!
Das Erfolgsrezept für ein fremdes Business
Unlängst bin ich über einen Newsletter gestolpert, der ein Muster beschreibt, das ich aus meiner Beratungspraxis sehr gut kenne.
Jemand kauft sich ein Marketing-Programm. Investiert Zeit und Geld. Folgt den Schritten. Baut den Funnel, schreibt die E-Mails, postet den empfohlenen Content.
Und dann: Nichts. Nada. Niente.
Das Problem liegt nämlich woanders. Die meisten Marketing-Programme verkaufen dir nicht eine Strategie für dein Business. Sie verkaufen dir die Replikation dessen, was für deren Business funktioniert hat.
Das Geschäftsmodell der Person, die dir das Programm verkauft, schaut aber wahrscheinlich komplett anders aus als deines. Sie braucht vielleicht hunderte Kund:innen pro Jahr, du brauchst fünf. Oder umgekehrt. Sie verkauft über automatisierte Systeme, du über persönliche Gespräche. Sie hat ein Team, du bist allein.
Du bist nicht gescheitert. Du hast bloß versucht, den Bauplan für ein fremdes Gebäude auf dein Grundstück zu legen.
Der versteckte Preis der Innovation
Innovation klingt super sexy. Aber Innovation hat auch einen Haken, über den kaum jemand spricht: Wenn du ein echt innovatives, noch nie da gewesenes Angebot hast, musst du dir die Vertriebsstruktur von Grund auf selbst aufbauen.
Das Etablierte hat seine Vertriebswege längst gefunden. Vertriebskanäle funktionieren, Händler:innen kennen die Produkte, Kund:innen wissen, wo sie hingehen müssen. Wenn du mit etwas wirklich Neuem kommst, stehst du da mit deiner brillanten Idee und keiner weiß, wie er sie bekommen soll – oder dass es sie überhaupt gibt.
Innovationen bedeutet also immer doppelte Arbeit. Du entwickelst nicht nur dein vollkommen neues Produkt, du musst auch die komplette Infrastruktur drumherum erfinden. Während die Konkurrenz einfach ihre gut eingefahrenen Wege nutzt.
Die Frage im Gründungsprozess ist also nicht nur: Ist die Idee gut? Sondern: Hast du die Ressourcen, die Vertriebswege mitzubauen – und durchzuhalten, bis sie funktionieren?
Der Installateur, der keine Rohre kennt
Meine Beobachtung als Gründungsberater: Die meisten Marketing-Probleme sind keine Marketing-Probleme.
Wer keine Kund:innen gewinnt, glaubt oft, das falsche Tool zu nutzen. Falscher Newsletter-Anbieter. Falsche Posting-Zeit. Falscher Hashtag. Also wird optimiert, experimentiert, gebucht – neues Webinar, neue Strategie, neues Glück. Aber: Das eigentliche Problem sitzt tiefer.
Das Problem liegt im Geschäftsmodell. Kein klares Angebot. Keine definierte Zielkunden. Keine Klarheit, wofür die Kunden eigentlich bezahlen sollen.
Das sind alles keine Marketing-Fragen. Das sind Grundlagenfragen. Und wer sie nicht beantwortet hat, dem hilft auch der beste Marketing-Kurs nichts – so wie einem Installateur, der keine Rohre kennt, ein neues Werkzeug wenig nützt.
Klar: Symptome behandeln ist einfacher als Ursachen suchen. Und die Anbieter von Marketing-Kursen wissen das.
Taktik-Touristen
So nennt Philipp Maderthaner jene Selbständigen, die in jede Marketing-Taktik “eineprobieren”, die auf Social Media gepredigt wird – aber keine davon richtig machen. Weil sie aufgeben, wenn die Taktik nicht schnell funktioniert. Weil sie keine Geduld haben und viel zu inkonsequent sind.
Das ständige “Eineprobieren” kostet viel Energie – und führt letztlich zu Überforderung.
Ein bissl mehr Strategie, ein bissl mehr Plan, ein bissl mehr Geduld… und das Marketing wäre viel entspannter.
Mehr Substanz für mehr Vertrauen
Die “Vertrauensrezession” – also die Tatsache, dass Menschen skeptischer kaufen und länger überlegen – führt gerade zu interessanten Phänomenen am Coaching- und Beratungsmarkt.
Viele Menschen haben in den letzten Jahren schlechte Erfahrungen gemacht mit Online-Kursen und -Programmen. Das führt dazu, dass diese Menschen vorsichtiger geworden sind. Sie kaufen nicht mehr irgendwas, sondern nur noch das, was wirklich funktioniert.
Das bedeutet: Ein durchdachtes Angebot schlägt zehn halbgare Schnellschüsse. “Weniger, aber besser” könnte der Weg sein, um auf dem Markt langfristig bestehen zu können. Also auf Qualität zu setzen, nicht auf Volumen.
Das ist aber keine leichte Aufgabe – gerade für jene halbgaren “Kolleg:innen” da draußen, die noch versuchen, mit Lautstärke zu kompensieren, was ihnen an Substanz fehlt.
Ein ganz normales Leben
Alain de Botton sagt: Der Wunsch, bekannt und berühmt zu sein, ist eigentlich kein gutes Zeichen.
Es ist für ihn ein Zeichen, dass man keine besonders gute Kindheit hatte. Eine glückliche Kindheit würde seiner Meinung nach nämlich dazu führen, dass man als Erwachsene:r nichts Besonderes mehr sein will, weil man die voll auf sich konzentrierte Aufmerksamkeit in seiner Kindheit (als Baby, als Kleinkind) „abgefrühstückt“ hat.
Nichts Besonderes sein zu wollen, mit einem „ganz normalen Leben“ zufrieden zu sein — das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Und es ist definitiv nicht en vogue in unserer Aufmerksamkeitsökonomie.
Aber möglicherweise ist es genau das, was wir uns in der Tiefe unseres Herzens eigentlich wünschen.
Hohe Erwartungen
Du stellst ein Angebot auf die Website und wartest auf die Anmeldungen. Du sagst ein paar Leuten Bescheid und hoffst auf Weiterempfehlungen. Du suchst nach jemandem mit 20.000 Followern, der den Link zu deinem Angebot an seine Liste schicken soll – und erwartest dir davon ein Dutzend Kunden.
Aber so funktioniert es nicht.
Bei uns Solopreneuren ist die Erwartungshaltung oft viel zu hoch. Wir überschätzen systematisch, was einzelne Maßnahmen bringen.
Die Realität ist nüchterner: Je mehr du investierst, desto mehr bekommst du. Aber nicht sofort, sondern mit der Zeit. Es gibt keine Abkürzungen. Nur aktiven, kontinuierlichen Einsatz. Geduldiges Aufbauen. Wieder und wieder präsent sein.
Das ist für viele Solo-Selbständige ernüchternd. Es kann aber auch befreiend sein. Denn wenn du die Erwartungen runterschraubst, kannst du endlich anfangen, kontinuierlich und strukturiert zu arbeiten – statt auf den großen Durchbruch zu warten.
Die Macht des Benennens
Seth Godin sagt: When you name an idea, you earn power over how you will engage with it.
Wer seiner Idee einen Namen gibt, definiert den Diskurs darüber. Seth Godin hat mit “Permission Marketing” nicht einfach einen Begriff beschrieben. Er hat sich damit die Deutungshoheit über eine ganze Denkrichtung gesichert. Und jede:r, der oder die über diese Art des Marketings spricht, kommt an seinem Begriff nicht vorbei.
Unbenannte Ideen verschwimmen. Sie werden von anderen definiert, umgedeutet, mitunter sogar vereinnahmt. Benannte Ideen hingegen bleiben bei dir. Sie sind greifbar, zitierfähig, verteidigungsfähig. Du bestimmst, was sie bedeuten und was nicht. Du kontrollierst die Konversation darüber.
Viele Solopreneure denken, ihre Arbeit würde für sich sprechen. Aber: Wer seine Ideen nicht benennt, überlässt anderen die Definitionsmacht.
Das ist keine Bescheidenheit, das ist eine verpasste Chance.
Das Label ist nicht so wichtig
Bryan von Visual Thinkery arbeitete jahrelang erfolgreich, konnte aber nicht erklären, was er eigentlich macht. “Visual Thinker” sagte er. “Cartoonist” auch mal. Beides fühlte sich nicht richtig an. Bis ein Kunde das Wort “Sensemaking” in den Raum warf.
Auf einmal ging ihm ein Licht auf. Plötzlich ergab alles einen Sinn.
Vielen Solopreneuren geht es wie Bryan. Sie starten mit einer Idee, experimentieren, passt an, findest heraus, was funktioniert und was nicht. Die Arbeit läuft. Die Kund:innen sind zufrieden. Aber die Frage “Was machst du eigentlich?” bringt sie ins Schwitzen.
Und das ist vollkommen in Ordnung.
Die Bezeichnung ist das Letzte, was du brauchst – nicht das Erste. Solopreneurship ist ein organischer Prozess, bei dem die Arbeit definiert, wer du als Solopreneur bist. Manche finden ihr Label nach drei Monaten. Andere nach drei Jahren. Bryan brauchte “many moons”. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit in der Zwischenzeit weniger wertvoll war.
Mach deine Arbeit. Das Schild kannst du später anbringen.
Niemand verliert gegen die Konkurrenz
Die meisten Solopreneure verlieren nicht gegen die Konkurrenz. Sie verlieren gegen sich selbst. Gegen die Dinge, die sie für unwichtig halten, weil sie nicht direkt mit dem Produkt zu tun haben. Kommunikation. Erwartungsmanagement. Messaging. Erreichbarkeit… fallen mir ein.
Es sind viele Kleinigkeiten, aber diese Kleinigkeiten summieren sich. Nicht sofort. Aber über die Zeit.
Mein Tipp: Mach jeden Tag eine kleine Sache besser in deinem Solo-Business. Nicht (nur) besser für dich, sondern für deine Kund:innen. Denn auch diese kleinen Verbesserungen werden sich über die Zeit summieren.
Dialogfähig
Ich glaube, E-Mail-Marketing funktioniert, wenn es sich anfühlt wie Post von jemandem, der dich kennt. Nicht wie Corporate Communication.
Wer Dialog will, muss dialogfähig sein. Das bedeutet: Eine Absender-Adresse, auf die man antworten kann. Eine Sprache, die nach Mensch klingt.
Alles andere ist kein Dialog. Das ist Spam mit besserer Verpackung.