Tag#Marketing

Zahlen, was geht

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Das Burgtheater macht gerade “Pay what you can”: Für ausgewählte Vorstellungen bekommen Theaterinteressierte die Möglichkeit, “so viel für ihre Karte zu zahlen, wie die eigene finanzielle Situation zulässt”.

Und ich frage mich: Kaufen jetzt wirklich nur die Leute, die sich sonst keine Theaterkarte leisten würden, oder kaufen auch die Leute, die sowieso zu der Vorstellung gehen wollen und jetzt ein Schnäppchen abstauben?

Wäre wirklich interessant, mit den Burgtheater-Leuten zu plaudern, was sie aus dieser Aktion gelernt haben.

Hidden Social Agenda

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Vielleicht das größte Problem der Social Media Plattformen im Jahr 2026:

Dass es überall eine Hidden Agenda gibt. Bei den Betreibern genauso wie bei den Usern.

Und dass diese Agenden überhaupt nicht zusammenpassen.

Im Zoo

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Unlängst aus einem Design-Thinking-Workshop mitgenommen:

Wer wissen will, wie die Tiere leben, muss in den Dschungel gehen, nicht in den Zoo.

Wir Solopreneure sind viel zu oft im Zoo unterwegs, wenn wir uns eigentlich in die freie Wildbahn wagen sollten. Weil es im Zoo sicherer ist als im Dschungel, klarerweise.

Aber der Markt ist nun mal kein Ponyhof.

Kerstin Hoffmann: Prinzip kostenlos (2012) 📙

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Ein Klassiker des Online-Marketings. Kerstin Hoffmann beschreibt ein Prinzip, das heute als „Content Marketing“ gang und gäbe ist. Im ersten Teil des Buches finden sich einige grundlegende erhellende Gedanken, der zweite Teil ist aber hoffnungslos veraltet.

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Wer mit dir arbeitet, spricht für dich

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Wir Solopreneure haben keine PR-Abteilung.

Was wir haben: Eine Kundenliste. Und die sagt auch etwas aus.

Wer mit dir zusammenarbeitet, wer dein Angebot kauft, wer deinen Namen weitergibt — das alles sendet ein Signal.

Das ist ein Argument dafür, zumindest gelegentlich hinzuschauen: Von wem kommt mein Umsatz? Und was sagt das eigentlich über mich und mein Solo-Business?

Der große Schmäh von der Reichweite

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Michelle Mazur erzählt: Eine Online-Agentur betrieb 65.000 Fake-Accounts und postete 50.000 Videos pro Tag auf TikTok, YouTube und X – für zahlende Kunden. Das Ziel: Algorithmen durch Volumen täuschen, sodass Content künstlich als „Trend” erkannt und an echte User ausgespielt wird. Das nennen sie intern „trend simulation“.

Als Solopreneur konkurrierst du nicht nur gegen andere Menschen, sondern gegen 65.000 Fake-Accounts und 50.000 Videos täglich. Das ist keine Frage von Konsistenz im Online-Marketing mehr – das ist ein strukturell anderes Spiel.

Der Rat, einfach regelmäßig zu posten, stammt aus einer Zeit, in der am anderen Ende des Feeds tatsächlich noch Menschen gewartet haben.

Diese Zeiten sind wohl vorbei.

Vertrauensvorschuss

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Jede Person, die bei mir einen Gründungs-Checkup bucht, schenkt mir viel Vertrauen. 

Sie macht sich verletzlich und setzt sich meiner Experten-Meinung aus. Sie riskiert, dass das, was ich über ihre Gründungsidee zu sagen habe, ungemütlich werden könnte. Und über sich selbst und seine Idee zu reden, ist ganz allgemein keine einfache Aufgabe.

Und sie bucht mich trotzdem!

Das ist erstaunlich! Und etwas, das ich nie für selbstverständlich halten will.

Die Folgen deiner Positionierung

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Matthias Barth fragt: Was machst du eigentlich, NACHDEM deine Positionierung steht?

Weil: Deine Positionierung funktioniert nur, wenn du sie auch durchziehst. Von der Website über LinkedIn bis hin zum Erstgespräch mit einem potenziellen Kunden.

Hat das eine einheitliche Linie? Gibt es einen roten Faden? Sagst du in allen Kontexten das Gleiche?

Und: Wie leicht bist du zu überreden, einen Auftrag anzunehmen, der überhaupt nicht zu deiner fein säuberlich ausgearbeiteten Positionierung passt?

Sprachverstärker

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Viele Menschen hören im Alter schlecht. Das ist nicht ihr Verschulden, aber viele nehmen es persönlich.

Hörgeräte sind in diesem Fall äußerst nützliche Geräte. Sie helfen Menschen dabei, weiterhin an Unterhaltungen (und damit am sozialen Leben) teilzunehmen. Eine äußerst sinnvolle Sache, die aber gleichzeitig viel Widerstand erzeugt – selbst bei den Menschen, die eigentlich am meisten von einem Hörgerät profitieren würden.

Unlängst habe ich eine Anzeige von Hansaton gesehen, die ich spannend finde. In dieser Anzeige wurden spezielle Hörgeräte mit “Sprachverstärker-Funktion” beworben. Und ich habe mir gedacht: Das ist eine sehr smarte Idee.

Das Wort “Hörgerät” hat nämlich einen leicht anklagenden Unterton. Schließlich ist es mein Problem, wenn mein Hörvermögen nicht mehr wie früher funktioniert. Es ist ein Defizit meines Körpers, es ist eine Schuld.

“Sprachverstärker” hingegen ist viel weniger beschämend. Es ist nicht meine Schuld, wenn die anderen Menschen zu leise sprechen, dass man sie vernünftig verstehen könnte. Es ist deren Schuld, und mit einem “Sprachverstärker” kann ich das Defizit anderer Menschen ausgleichen.

Rein technisch gesehen ist zwischen einem “Hörgerät” und einem “Sprachverstärker” wahrscheinlich ganz wenig Unterschied.

Aber der Unterschied in den Storys, die sich schwerhörige Menschen über diese beiden Geräte erzählen, ist gewaltig.

Der Kampf um knappe Ressourcen

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Bei der Hauptversammlung von Manner forderte unlängst ein Kleinaktionär mehr Produktinnovationen. Nach dem Motto: Wenn wir mehr neue Produkte herausbringen, dann kaufen die Leute auch mehr.

Aber: Ein neues Produkt ist nicht einfach ein zusätzlicher Umsatzbringer. Ein neues Produkt ist ein weiteres Produkt, das auf einem stark umkämpfen Markt um Regalmeter kämpft. Ein weiteres Produkt, das beworben werden will, das Aufmerksamkeit braucht — von Händler:innen, von Konsument:innen, vom eigenen Vertrieb.

Diese Aufmerksamkeit kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus demselben Budget, aus dem auch allen anderen Manner-Produkte schöpfen.

Die eigentliche Frage lautet also nicht: Neue Produkte — ja oder nein? Die Frage lautet eher: Was ist der bessere Einsatz unserer begrenzten Ressourcen — ein etabliertes Produkt weiter stärken oder die Wette auf ein neues eingehen?

Diese Frage ist eine ständige strategische Abwägung. Und ein Spannungsfeld, das vielen Kleinaktionären überhaupt nicht bewusst ist.

Zwei verschiedene Jobs

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Aktivierung und Branding sind zwei verschiedene Marketing-Jobs, die häufig verwechselt werden.

Aktivierung bedeutet: Jemanden, der gerade kaufbereit ist, zum Kauf zu bewegen. Ein Rabatt. Ein Aufsteller im Supermarkt. Eine zeitlich begrenzte Aktion. Aktivierung wirkt sofort und führt direkt zu Umsatz.

Branding bedeutet: Dafür sorgen, dass jemand überhaupt kaufbereit wird — und zwar für dich, nicht für irgendjemand anderen. Branding ist das, was im Kopf passiert, bevor jemand zum Kaufen aktiviert wird. Branding baut Vertrauen auf und sorgt für Wiedererkennung. Das dauert natürlich, und es lässt sich auch nicht direkt messen.

Aktivierung und Branding sind beide notwendig. Aber sie arbeiten auf unterschiedlichen Zeitachsen.

Ich wünschte, das wäre allen Gründer:innen klar.

Trugschluss

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Kunden, die am Anfang „von selber“ kommen, sind gefährlich.

Weil man glauben könnte, es geht immer so weiter. 

Falsches Marketing

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Viele Selbständige tun sich schwer mit Marketing.

Das hat viele Gründe. Einer davon ist, dass sich viel Marketing-Kommunikation irgendwie falsch anfühlt.

Zum Beispiel: Man folgt jemandem auf Instagram, weil der Content gut ist — und drei Minuten später kommt eine Automatik-DM: “Hey, danke fürs Folgen! Darf ich fragen, womit du gerade kämpfst?”

Deshalb suchen viele Solopreneure nach einem anderen Marketing. Ein Marketing, das “normal” ist. Nicht so künstlich. Auf Augenhöhe. Ohne diesen schalen Beigeschmack.

Das Problem ist nicht die DM oder die Formulierung. Das Grundübel ist die Haltung dahinter. Eine Haltung, die den anderen zuerst als Lead sieht und erst dann als Mensch (vielleicht).

“Menschliches Unternehmertum” bedeutet also auch, Marketing so zu betreiben, wie man es selber gerne – als Kund:in – erleben würde. Und das nicht ausnahmsweise, sondern grundsätzlich und immer.

Mit Haltung eben.

Mehr Haltung!

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Daniel Friesenecker sagt: Jahrelang haben wir im Content Marketing gehört: “Sei nützlich! Mach Content, der bei deinen Kund:innen Nutzen stiftet!” 

Aber, sagt Daniel Friesenecker: Dieser Ansatz führt uns mittlerweile in die Irre, weil “nützlich ist ChatGPT auch”.

Inzwischen gehe es viel mehr darum, mit dem eigenen Content Haltung zu zeigen. Für etwas zu stehen. Zu sagen, wer man ist und was man denkt. Und auch mal gegen etwas zu sein.

Mit einem Wort: Viel schneller, deutlicher und direkter auf den Kern zu kommen.

Das Schwafeln können wir ruhig der KI überlassen. Die macht das schneller, besser und billiger.

Der ratlose Kunde

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Maggie Patterson sagt: Es geht oft gar nicht darum, mehr Anfragen zu bekommen. Es geht oft allein darum, mehr aus den Anfragen zu machen, die schon da sind.

Das Problem ist häufig: Der Kunde ist interessiert, aber die nächsten Schritte sind nicht klar. Der Kunde muss sie sich selbst zusammenschustern. Und das ist anstrengend! Natürlich verschiebt der Kunde es auf „später“, sich wieder zu melden, weil er sich zuerst mal zusammenreimen müsste, was überhaupt als erstes zu tun ist.

Clear is kind. Mach glasklare und eindeutige Ansagen, wie es weitergeht — z.B. nach dem Erstgespräch. Mach den Prozess transparent: Was, bis wann, wie. Und was danach.

Das erhöht nicht nur das Vertrauen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde bucht.

Drüber reden

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Ich kann allen Gründer:innen nur raten:

Sprecht über eure Gründung! Sprecht über eure Geschäftsidee! Sprecht darüber, was ihr vorhabt!

Auch und gerade mit Freunden, Bekannten und Familie. Erstens ist es ein gutes Training, seine Geschäftsidee in Worte zu fassen. Und zweitens weiß man nie, wo ein Kontakt, eine Möglichkeit oder sogar ein Auftrag daher kommt.

Drüber reden hilft immer – und besonders bei einer Gründung.

Das Wettrennen der Übertreibung

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Weil wir Angst haben, nicht ernst genommen zu werden, übertreiben wir.

Und weil wir wissen, dass alle anderen auch übertreiben, trauen wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg. Und weil wir uns gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen, müssen wir noch lauter übertreiben. Ein Teufelskreis.

Im Online-Marketing ist das besonders gut zu beobachten. Wer selbst lügt — oder zumindest “übertreibt” —, weiß, dass die anderen das auch tun. Die sogenannte trust recession hat hier ihre Wurzel: Nicht in einzelnen schwarzen Schafen, sondern in einem System, das Übertreibung als Normalzustand akzeptiert hat.

Das Tückische daran: Wer die Dinge täglich zu seinen Gunsten zurechtbiegt, merkt irgendwann nicht mehr, dass er das tut. Falsche Informationen werden zum “neuen normal” — nicht aus Bosheit, sondern weil alle es machen.

Die Lösung? Nicht mehr lügen. Ganz einfach.

Der Robin-Hood-Trick

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Von Katrin Gildner habe ich folgende Idee: Lieber von einer Firma bezahlt werden als von den eigenen Followern.

Der Gedanke dahinter ist so simpel wie bestechend. Wer Workshops, Inhalte oder Beratung für Zielgruppen anbietet, die traditionell wenig Kaufkraft haben – Solopreneure, EPUs, Kreative im frühen Stadium –, der kämpft strukturell gegen eine Wand. Nicht weil die Leistung zu wenig wert wäre. Sondern weil diese Zielgruppen schlichtweg kein Geld haben.

Die Lösung: Hol dir das Geld woanders. Nämlich von kaufkräftigen Firmen, die Zugang zu deiner Zielgruppe haben und über Interesse und Budget verfügen, um Angebote für diese Zielgruppen zu finanzieren.

Der Robin-Hood-Ansatz bedeutet nicht, die eigene Zielgruppe aufzugeben. Er bedeutet, das Finanzierungsmodell von ihr zu entkoppeln.

Teile nur das Teilbare

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Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was du weißt, und dem, was du teilen solltest.

Wer einen Podcast aufnimmt, ein Seminar hält oder ein Gespräch führt, hat danach viel in der Hand. Zu viel, um es einfach (auf Social Media) “auszuschütten”.

Teile also nicht die ganze Folge, nicht deine kompletten Notizen, nicht den vollständigen Gedankengang. Teile lieber den einen Tipp, der für sich alleine stehen kann. Der in sich nützlich und ohne viel Kontext verständlich ist.

Wer das beherrscht, wird auch mehr Reichweite bekommen. Denn: Was nützlich ist, verbreitet sich leichter.

[Danke Gordon Schönwälder für diesen Gedanken.]