Meine Notizen
Schönheit und Form
“Nur die Natur, oder vielmehr die Kulturlandschaft, die wir oft für die Natur halten, kann von sich aus “schön” sein. Meist allerdings ist die Natur vor allem bedrohlich und erhaben. Natur ist nur dann schön, wenn sie zugänglich wird, wie es die Geschichte der Gärten, die Gartenkunst erzählt. Im Garten begegnen wir der Natur auf eine aushaltbare Weise wieder. Die ungefilterte Begegnung mit ihr – auf den Weltmeeren, in der Wüste oder im Hochgebirge – hat oft wenig mit Schönheit zu tun, sondern ist eher eine Erfahrung überwältigender Demut. Man kommt sich klein und unbedeutend vor. Der Mensch ist ein Mängelwesen. Aber einen Garten können wir anlegen, kultivieren, zur Philosophie erheben und darin glücklich und unglücklich sein.” (S. 10)
- Ersetze “Natur” durch “Markt” — gilt auch! (vgl. Wir müssen uns die richtigen Gärten wählen, damit wir wie ein Gärtner in unserem Markt wirken können.)
- vgl. Zugangsökonomie. Zugänglichkeit ist der Schlüssel zur Schönheit der Natur und der Märkte.
- “Man kann nur mit, nie gegen die Natur gärtnern.” (S. 11)
“Auch in ein Kaffeehaus zu gehen, sich allein seinen Platz zu suchen, dort still zu sein und zu lesen, ohne jemanden zu stören, hat viel Würde. In der gleichen Zeit hätte man der Welt viel Unheil zufügen können.” (S. 16)
Jean-François Lyotard: “Die Idee will das Unbegrenzte, Form und damit Kunst ist aber per definitionem Begrenzung.” (S. 49)
Jean-François Billeter: “Das Wort verleiht der Idee nicht nur eine mehr oder weniger beständige Form, sondern es erschafft ein Ding.” (S. 53)
Sex, Erotik und Schönheit
“Sex ist nicht die schönste Nebensache der Welt, er ist – sonst wäre er nicht so präsent – gar keine Nebensache, sondern ein tragender Pfeiler von Beziehungen. Die Gründe für Untreue sind nicht fehlende Gesprächsthemen, Geld oder Desinteresse, sondern meist fehlende sexuelle Befriedigung.” (S. 61)
“Die weibliche Schönheit, Sex und Erotik werden zu wenig und zu anspruchslos gefeiert, nicht zu viel. Sie werden zu viel in vulgärer Weise benutzt, das Niveau ist ihnen abhanden gekommen.” (S. 62)
“Es ist überfällig, die körperliche Liebe aus dem Zusammenhang von “Sex & Crime” herauszulösen, sie endlich aus dem “Buch der Vorurteile” zu streichen. Sex ist nicht verwerflich, er ist nicht gefährlich, er macht die Menschen nicht böse (wie Macht oder Geld). Die Welt wäre friedlicher und schöner, wenn es mehr davon gäbe. Ein Tag, der mit erfülltem Sex beginnt, ist schöner!” (S. 63f)
Die Irrungen der Moderne
“Nicht nur die Orte des alten Handels, der Heiligkeit und der geistvollen Getränke sind voller Schönheit. Die Kirchen, Tempel und Bibliotheken, Bars, Tee- und Kaffeehäuser erfüllen das Bedürfnis ebenfalls. Oft sind diese Orte aber nur für einen Lebensbereich relevant; entweder zum Beten oder zum Trinken, sie sind wie die Räume eines Hauses. In der Küche wird gekocht, im Schlafzimmer geliebt, im Wohnzimmer gelesen und im Büro gearbeitet. Erst die Moderne schafft jedoch die irrige Vorstellung, es habe Vorteile, strikt nach Funktionen zu trennen; also vor allem Arbeit, Leben und Liebe zeitlich und örtlich zu isolieren.” (S. 94)
- vgl. Home Office
“Die Freiheit heute führt dazu, dass einerseits der Formverfall vieles hässlich macht, andererseits alles so vernünftig, nüchtern und ökonomisiert ist, dass an die Stelle der Sehnsucht nur noch Ängstlichkeit und Selbstzweifel getreten sind. Es scheint keine Regeln mehr zu geben, aber gegen sie zu verstoßen wird bestraft! (Wer fühlt sich in dieser Gesellschaft eigentlich noch aufgehoben und wohl?)” (S. 95)
“Das Plädoyer für mehr Schönheit als Quelle von Glück, Antrieb für Kreativität, Aufmerksamkeit für Liebe und sinnstiftende Angelegenheit meint immer etwas Geheimnisvolles und Tiefes. Daher machen “Schönheitsoperationen” die Frauen hässlicher, aber die Chirurgen reicher.” (S. 99)
- vgl. Gegentrend “Deep Talk”
“Anlass für beide Bücher ist die Weigerung, Arbeit und Leben als Gegensätze zu sehen, die in Harmonie gebracht werden müssten. Kreative Formen des Arbeitens brauchen keinen “Ausgleich”, und ich glaube, der Mensch braucht auch keine “Hobbys”.” (S. 109)
- Ein Hobby ist für FB “ein eng umzäunter, gefahrenloser Bereich, in dem Scheinfreiheit ausgelebt wird.” (S. 9)
- “Beuys wollte “Freiheit statt Freizeit” — und es erklärt sich von selbst, dass dieser Mann kein “weekend” kannte. Die Werktage waren für ihn Feiertage der Selbstwirksamkeit.” (S. 9)
Schönheit und ein gutes Leben
Die Grundlage der Kunst: “Etwas zu sagen zu haben und es in die Welt bringen. Zuhören können und atmosphärische Dimensionen erfassen. Dies liebevoll zu tun und mit dem Willen, die Welt zu verschönern; schließlich gute Formen zu finden, zu prägen und ihre Wirkung genießend zu nutzen – dies macht die Form der Schönheit im Alltag aus. Sie ist die wichtigste Quelle der Lebenskunst.” (S. 99)
- gute Formen — vgl. Gattungskunde (Conta Gromberg)
Stichwort “cool”: “Bob Dylan, Paul McCartney oder die Beastie Boys konnte man nicht aus der Ruhe bringen – dennoch handelt es sich um Herren mit deutlichen Positionen und Charakter. Weil sie gemacht haben, was sie wollten und nicht, was andere erwarteten. Diese Souveränität beeindruckt, sie ist attraktiv – sie ist: die Schönheit.” (S. 42f)
“Hässliches ist destruktiv und zu gefällige Schönheit kann hässlich sein.” (S. 110)
“Ich halte eine buddhistische Denkweise für eine existenzielle Einsicht: Womit wir uns beschäftigen, das wächst in uns. Ich finde: Wer sich der Schönheit widmet, der hat ein besseres Leben.” (S. 111)
Entdecke mehr von schmatzberger.com
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.