Highstreet-Ethos in Zeiten der Wall-Street-Dominanz

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Es ist hilfreich, vor Augen zu behalten, dass es zwei grundverschiedene Arten von Unternehmertum gibt.

Da ist die Highstreet – der ehrliche Kaufmann, der seine Waren auf der Hauptstraße anbietet. Man kennt sich, man vertraut sich, man trägt Verantwortung füreinander. Der Greißler ums Eck, die Schneiderin drei Häuser weiter, der Installateur aus dem Bezirk. Sie alle leben mit ihrer Community, nicht von ihr.

Und dann ist da die Wall Street. Gordon Gecko und seine Bros. Denen ist alles wurscht außer der Gewinn. Sie kennen keine Gesichter, nur Zahlen. Keine Verantwortung, nur Rendite.

Das Problem: Oft werden alle Unternehmer:innen über denselben Kamm geschoren. Du machst dich selbständig? Musst wohl ein gieriger Kapitalist sein. Du hast Angestellte? Sicher beutest du sie aus. Du machst Gewinn? Bestimmt auf Kosten anderer. 

Das ist natürlich ein Riesenblödsinn. Der Bäcker, der um vier Uhr morgens aufsteht, damit die Leute frische Semmeln haben, ist kein Hai. Die Beraterin, die ihren Kund:innen ehrlich hilft, ist keine Heuschrecke.

Wir schaden uns alle, wenn wir aufhören, zwischen Highstreet und Wall Street zu unterscheiden. Wenn ehrliche Kaufleute wie Ausbeuter behandelt werden, verlieren wir mehr als nur ein paar Geschäfte. Wir verlieren das Vertrauen in die Idee, dass Unternehmertum auch Verantwortung bedeuten kann. Dass es möglich ist, erfolgreich und anständig zu sein.

Dass man Geld verdienen kann, ohne seine Seele zu verkaufen.

[Danke Tad Hargrave für diesen Gedanken.]


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