Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen (2018) 📙

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Meine Notizen

“Diese selbst ernannten Experten und Auskenner sagen immer, wir dürfen den Anschluss nicht verlieren”, ruft [das Känguru]. “Was aber, wenn die, die vorausrennen, in die falsche Richtung laufen?” (S. 11)


“Geschäftsidee!”

Das Känguru zieht eine Karte aus seinem Beutel und reicht sie mir.

“Hier meine Geschäftsidee”, sagt es.

“Glückwunschkarten für Feinde!”, ruft das Känguru.

“Schöne Marktlücke”, sage ich.

“Das ist keine Marktlücke!”, ruft das Känguru. “Das ist der Markt zur Lücke! Ich hab nämlich mal ein bisschen Marktforschung betrieben, und es hat sich herausgestellt, dass die meisten Menschen weit mehr Leute kennen, die sie nicht leiden können, als Leute, die sie leiden können.” (S. 43f)


“Häufig bereut man, nicht nach dem ‘Warum’ gefragt zu haben”, sagt das Känguru, “aber ich glaube, noch häufiger bereut man, gefragt zu haben.” (S. 56)


“Alles, was je ein Künstler jemals sagen wollte, ist: ‘Kuck mal, was ich kann!’” (S. 113)


Das Känguru erzählt einen Witz: “Donald Trump, einer seiner Wähler und ein Asylbewerber sind auf einer Grillparty. Auf dem Grill liegen hundert Würstchen. Trump nimmt sich 99 Würstchen und sagt zu seinem Wähler: ‘Pass auf, der Asylant will dein Würstchen!’” (S. 137)


“Dietmar Kötke”, sagt das Känguru lachend. “Alter Halunke. Wie geht’s der Familie?”

“Gut, gut”, sagt Didi. “Heute habe ich meinem Kind eine wichtige Lektion erteilt. Ich habe seine Hausaufgaben aufgegessen.”

“Warum das denn?”, frage ich.

“Morgen wird er lernen, dass einem oft nicht geglaubt wird, gerade wenn man die Wahrheit sagt”

Das Känguru lacht. “Klassisch Didi!” (S. 141)


Marc-Uwe und das Känguru wollen ins Kino gehen, aber ihnen gefällt das Filmangebot nicht. Sie beschweren sich beim Boxoffice Supervisor.

“Wenn’s Ihnen nicht passt, gehen Sie doch woanders hin”, blafft der Mann.

“Wir waren woanders”, sagt das Känguru. “Das hier ist schon das dritte Kino!”

“Wir zeigen hier die gefragtesten und erfolgreichsten Filme”, sagt der Supervisor

“Aber die sind scheiße!”

“Dazu kann ich mir keine Meinung erlauben. Das ist eine marktdemokratische Entscheidung. Wir müssen zeigen, was die Leute kucken wollen.”

“Quatsch! Die Leute müssen kucken, was ihr zeigt!”, ruft das Känguru dazwischen.

“Marktdemokratische Entscheidung, DEINE OMA!”, flucht das Känguru. “Wenn ich das schon höre. So ein Schwachsinn. An wen kann ich mich denn wenden, wenn ich einen Fair-Trade-Computer kaufen möchte, hm? Wo ist das soziale Netzwerk, das mich nicht ausspioniert? Warum gibt es keine Schnapspralinen mit echtem Korn! Als ob tatsächlich die Nachfrage das Angebot bestimmen würde!”

Ich ziehe das Känguru mit mir aus dem Kino.

“Im Marketing-Kapitalismus”, ruft es zwischen Tür und Angel, “unterwirft sich das Angebot die Nachfrage! Das ist die Wahrheit!” (S. 145f)


“Was dem Gutsherren der Sklave war, ist dem Werbefachmann der Praktikant”, sagt das Känguru. (S. 149)


“Ich hatte übrigens gerade eine Geschäftsidee”, sage ich.

“Du?”

“Ja. Ein Adventsklolender mit vierundzwanzig Bildern von Klotüren und hinter jeder ein Foto von einer Person, die auf Toilette sitzt und ein überraschtes Gesicht macht, weil man gerade die Tür geöffnet hat.”

“Die Idee ist so doof, dass sie sich bestimmt gut verkaufen würde”, sagt das Känguru beim Weggehen. “Mach doch mal einen Businessplan.” (S. 163)


“Der letzte König von Sachsen hat ja, als er 1918 abdanken musste, zornig gerufen: ‘Dann machd doch eiern Drägg alleene!’”, sagt das Känguru. (S. 188)


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