Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Einfach

E

Was wir gut können, das fällt uns leicht.

Die Falle, die dabei für uns Unternehmer lauert: Wenn wir etwas für einfach halten… Dann ist es doch nichts Besonderes, oder? Dann ist es doch nichts wert! Dann kann ich doch nicht viel dafür verlangen!

Unsere ganz spezielles Talent, unsere ganz besondere Kompetenz ist jedoch seltener, als wir denken – und damit für die meisten unserer Kund*innen ein ausgesprochen wertvolles Gut, für das sie auch bereit sind, zu bezahlen.

Schlechtes Gefühl

S

Nicht oft, aber hin und wieder habe ich ein schlechtes Gefühl, wenn ich eine*n Gründer*in in die Selbständigkeit “entlasse”. Ich habe den Eindruck, dass ich da jemanden sehenden Auges aus sein/ihr Unglück zusteuern lasse.

Es fällt mir nicht leicht, damit umzugehen. Einerseits weiß ich, dass ich mich irren könnte. Nur, weil mein Gefühl nicht gut ist, heißt das nicht, dass der/die Gründer*in nicht seinen/ihren Weg finden und Erfolg haben wird. Was weiß denn ich schon?

Andererseits sehe ich es als meine Verantwortung als Berater, das zu artikulieren, was ich wahrnehme – ganz besonders dann, wenn da jemand böse auf die Nase fallen könnte. Wozu hat man denn einen Berater?

Ich entscheide mich dann meistens dafür, den Dingen seinen Lauf zu lassen und auf das Leben zu vertrauen. Ganz im Sinne von Dan Sullivan: Entweder stellt sich der Erfolg in Form von Umsatz ein, oder er stellt sich in Form dessen ein, was man aus dem Misserfolg gelernt hat.

Beides ist okay, beides hat seinen Wert.

Ein unbeschriebenes Blatt

E

Ein nützlicher Zugang für Beratungen aller Art: Jede Kundin, jeder Kunde ist ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Jede Beratung beginnt vollkommen von Neuem – ohne dass Vorurteile, Vorerfahrungen oder Vorgeschichten der Berater*innen eine Rolle spielen.

Jede Kundin und jeder Kunde hat es verdient, die unvoreingenommene Aufmerksamkeit ihrer Berater*innen zu bekommen, sodass diese wirklich sie oder ihn wahrnehmen und nicht ein von Vor-Stellungen entstelltes Zerrbild.

Dieses Ideal wird natürlich nie vollständig gelingen, aber das Bemühen darum ehrt und lohnt jede*n Berater*in.

Der erste Schritt

D

Der erste Schritt zur Lösung eines Problem ist, das Problem überhaupt zu erkennen – es wahrzunehmen und anzunehmen.

Das klingt vielleicht banal, ist aber alles andere als das. Ein Problem zu erkennen ist viel schwieriger, als man denkt. Die allermeisten Probleme bleiben ungesehen und daher ungelöst.

Wer ein Problem erkennen und benennen kann, hat tatsächlich den größten Schritt zur Lösung des Problems bereits getan.

Sinn der Gründungsberatung

S

Vielleicht ist der Sinn einer Gründungsberatung, den Gründer*innen dabei zu helfen, eine “innere Story” zu finden, die sie motiviert, stärkt und ermächtigt.

Eine Story über ihre Unternehmung, die ihnen Kraft gibt. Eine Story, die sie gerne von sich erzählen. Eine Story, die sowohl das Herz als auch das Hirn anspricht.

Vielleicht ist es tatsächlich nicht mehr – aber auch nicht weniger. Vielleicht ist das tatsächlich schon sehr viel. Vielleicht ist es sogar alles, was im Rahmen einer Gründungsberatung möglich ist.

Wertschätzung spüren

W

Wertschätzung zu spüren ist eines der elementarsten Bedürfnisse, die wir Menschen haben – und eines der größten Geschenke, die wir jemandem geben können.

Wertschätzung, das sind nicht die grandiosen Gesten. Wertschätzung beginnt, wo ich den Anderen als Menschen wahrnehme, mit all seinen Hoffnungen, Ängsten und Besonderheiten.

Wertschätzung beginnt, wo wir erkennen, dass die Andere auch „nur“ ein Mensch ist – wie wir.

Prämie

P

Sobald jemand Ziele vorgibt und dafür eine Belohnung ansetzt, wird es Menschen geben, die versuchen, diese Belohnung zu ergattern. Sie werden sehr kreativ werden beim Fischen nach der Belohnung. Ob die intendierten Ziele dadurch erreicht werden, steht auf einem anderen Blatt. Die unerwünschten Nebeneffekte von Belohnungen können nämlich erheblich sein.

Gleichzeitig sollten wir Lifestyle Entrepreneure uns von Belohnungen nicht blenden lassen. Sie sollten niemals das Ziel unserer Anstrengungen sein oder werden. Wenn wir tun, was wir sowieso tun wollen und wir dadurch eine Belohnung quasi “nebenbei” einstreifen können – klar, warum nicht.

Aber eine Belohnung darf allein schon deswegen nicht das Ziel unserer Anstrengung werden, weil es das Ziel von jemand anderem ist, das wir dadurch zu unserem eigenen machen würden.

Fragen stellen

F

Unlängst, bei einem meiner Betriebswirtschafts-Webinare: Eine Teilnehmerin war mit dem Thema Investitionsrechnung sichtlich überfordert. Auf meine Frage “Hast du eine Frage dazu?” war ihre Antwort: “Ich checke so wenig, dass ich nicht mal eine Frage stellen kann.”

Es stimmt: Um hilfreiche Fragen stellen zu können, muss man zuerst ein bisschen was wissen. Um jemanden um Hilfe bitten zu können, muss man zuerst wissen, wo man eigentlich Hilfe benötigt. Um Lücken füllen zu können, muss zuerst ein gewisses Grundgerüst da sein.

Eine wirklich gute Frage ist also kein Zeichen von Unwissen, sondern im Gegenteil ein Indiz dafür, dass schon ganz, ganz viel Wissen da ist – sonst wäre diese Frage gar nicht möglich gewesen.

Bittere Wahrheiten

B

Die Corona-Krise hat “meine” Gründer*innen sehr unterschiedlich getroffen: Einigen geht es sehr gut, andere leiden erheblich unter der wirtschaftlichen Krise.

Mit so einem Gründer am Telefon zu sprechen und von seinen Problemen zu hören, das ist nicht leicht. Irgendwann im Gespräch folgt die unausweichliche Frage: “Gibt es irgendwelche Förderungen für mich?” Und was nicht gesagt wird: “Denn sonst muss ich meinen Unternehmertraum begraben. Sonst kann ich zusperren.”

Die bittere Wahrheit ist: Ja, es gibt staatliche Hilfen, aber es ist nicht viel. Es wird dir deinen Umsatzentgang nicht vollständig ersetzen können. Wahrscheinlich wird es nicht reichen, um dein Business am Leben zu behalten.

Es hilft nicht, hier um den heißen Brei herumzureden. Klar ausgesprochen, sind bittere Wahrheiten immer noch am besten zu verdauen.

Nicht wichtig oder nicht angenehm?

N

Manchmal übergehen wir eine Frage, weil wir glauben, sie wäre nicht wichtig.

Bei genauerem Hinsehen könnte sich jedoch herausstellen, dass die Frage sehr wohl wichtig wäre. Wir übergehen die Frage allein deswegen, weil die Auseinandersetzung damit mühsam oder aufwendig oder unangenehm wäre.

Bevor wir uns allzu sehr inkonvenieren, lassen wir es lieber bleiben. Das ist keine Gewohnheit, die jemand haben sollte, der*die ernsthaft anderen Menschen helfen möchte.

Kleiner Brauner

K

Gestern waren wir zu Mittag essen in einem Gasthaus, das wir eigentlich sehr mögen. Als ich mir später am Nachmittag die Rechnung genauer angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass darin ein Kleiner Brauner (= Kaffee) inkludiert war, den wir nicht bestellt und auch nicht konsumiert hatten.

Das ist etwas, das mich wahnsinnig stört. Nicht wegen der 2,30 Euro, sondern weil hier mit dem Vertrauen der Kund*innen gespielt wird.

Natürlich kann es sich um einen Irrtum handeln. Passiert auch dem aufmerksamsten Kellner mal. Aber was, wenn es kein Irrtum ist? Was, wenn hier jemand versucht hat, mich über’s Ohr zu hauen?

Am Ende ist es egal, ob das Absicht war oder nicht. Der Zweifel nagt, ich traue diesem Lokal nicht mehr, und damit ist mehr Schaden angerichtet, als 2,30 Euro jemals einbringen könnten.

Kein Einziger

K

Gestern hatte meine Website keinen einzigen Besucher. Auch keine Besucherin. Gestern hat meine Website niemanden interessiert.

Es tut gut, immer wieder mal daran erinnert zu werden: Die Welt hat nicht auf dich und deinen Blog gewartet.

Auch wenn’s ein bisschen kränkt.

Unternehmer*in sein vs. sein wollen

U

Es genügt nicht, Unternehmer*in sein zu wollen.

Tatsächlich Unternehmer*in zu sein, bedeutet nämlich, sich selbst einzugestehen, wenn man gerade nicht wie eine*r handelt – oder, noch schlimmer, sich selbst einzugestehen, wenn man eigentlich gar kein Business (mehr) hat.

Unternehmer*in zu sein bedeutet, dass das Risiko des Scheiterns real ist. Möchtegern-Unternehmer*innen werden nie in diese Verlegenheit kommen.

Kopf in den Sand

K

Angenommen, du hast vor Wochen ein Telefonat für heute vereinbart, auf das du jedoch überhaupt keine Lust hast. Es ist dir unangenehm, es passt dir überhaupt nicht in den Kram, du würdest es am liebsten absagen.

Wie reagierst du?

Schaltest du dein Handy aus, tauchst unter und reagierst auch nicht auf Sprachnachrichten und eMails – in der Hoffnung, dass sich das Problem von selbst lösen wird?

Oder stehst du zu dem, was du vereinbart hast, nimmst den Anruf an, kämpfst dich tapfer durch und kannst dich danach mit Würde in den Spielgel schauen.

Was soll es sein, Selbstwürde oder Selbstsabotage? Die Wahl liegt bei dir.

Pleiten, Pech und Pannen

P

Manchmal ist einfach der Wurm drin.

Manchmal läuft nichts zusammen. Wir sind engagiert und tun, tun, tun… aber es kommt nichts Zählbares dabei heraus. Keine Kunden, keine Aufträge, kein Umsatz. Wir gehen am Morgen motiviert aus dem Haus und stehen am Abend mit leeren Händen da.

Es ist schwer, in diesen Phasen motiviert zu bleiben und nicht das “Pleiten, Pech und Pannen”-Gefühl zu bekommen, das uns an uns selbst zweifeln lässt. Ja, der Kopf weiß, dass wir es nicht persönlich nehmen sollten, aber dieses Gefühl des Selbstzweifels nagt beharrlich an unserem Glauben an uns und unserer Unternehmensidee.

Man sagt, nichts ist motivierender als Erfolg. Leider stimmt auch das Gegenteil.

Erfolg der Schüler

E

Für wahre Lehrer:innen gibt es nichts Schöneres, als wenn ihre Schüler:innen Erfolg haben.

In diesem Moment entpuppt sich auch der vermeintliche Lehrer, der mit Neid und Missgunst auf die Erfolge seiner Lernenden reagiert.

Wahre Lehrer:innen **streben danach, dass ihre Schüler:innen besser werden als sie selbst. Wer jedoch seine Schüler:innen klein zu halten versucht, ist dieses Berufes nicht würdig.

Brotkrümel

B

Wir entwickeln uns weiter, als Menschen und auch als Lifestyle Entrepreneure. Werkzeuge, die uns anfänglich geholfen haben, werden mit der Zeit obsolet. Erkenntnisse, die uns mal in Staunen versetzt haben, werden irgendwann banal. Inspirationen, die wir einst für revolutionär gehalten haben, kommen uns auf einmal sowas von offensichtlich vor.

Deshalb neigen wir dazu, die Artefakte unserer Entwicklungsgeschichte zu entsorgen. Wir brauchen sie nicht mehr, deswegen können sie weg.

Aber nicht so schnell! Die sichtbaren Zwischenschritte unseres Entwicklungsprozesses werden sehr wohl noch gebraucht! Vielleicht nicht von uns, aber sehr wohl noch von unseren Kund*innen. Diese Artefakte wirken wie Brotkrümel, mit deren Hilfe uns jene nachfolgen können, die sich auf den gleichen Weg machen wollen wie wir.

Status

S

Viel öfter als nicht, steht uns unser Statusdenken im Weg. “Ich kann doch nicht… Was werden die Anderen denken? Wie schaut denn das aus? Was macht das denn für einen Eindruck?”

Es ist egal, was es für einen Eindruck macht. Wenn es das Richtige ist, dann ist es das Richtige – und dann ist völlig egal, was andere Menschen darüber denken.

Abgesehen davon: Wir überschätzen maßlos, wie viele Gedanken sich Andere über uns machen. Die meisten Menschen sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um überhaupt wahrzunehmen, was in unserem Leben passiert.

Mein Äußeres

M

Es gibt Menschen, die sind sehr auf ihr Äußeres bedacht. Sie legen Wert auf ihre Kleidung, sie gehen regelmäßig zum Frisör, sie leisten sich Maniküre, Pediküre und wer weiß was sonst noch, um sich und ihren Körper im besten Licht zu präsentieren.

Mir waren diese Menschen immer suspekt, weil ich sie in erster Linie für eitel gehalten habe. Eitelkeit war mir stets verdächtig, weil sie für mich mit einer inneren Unsicherheit einhergeht. Wer selbstsicher ist, so mein Gedanke, hat keinen Grund, eitel zu sein – weil ihm/ihr das Urteil anderer ja egal sein kann.

Ich beginne aber, umzudenken. Was, wenn manche Menschen deswegen so viel Wert auf ihr Äußeres legen, nicht weil ihnen wichtig ist, was andere von ihnen denken, sondern das, was sie selbst von sich denken? Was, wenn das, was oberflächlich wie Eitelkeit aussieht, in Wirklichkeit eine Form von Selbstfürsorge, Selbstliebe und Selbstachtung ist?

Wert legen auf mein Äußeres, weil ich es mir wert bin… ?

Influencer

I

Die unternehmerische Leistung von (erfolgreichen) Influencer*innen wird regelmäßig unterschätzt.

Die meisten Menschen haben überhaupt keine Vorstellung davon, wie viel Arbeit es bedeutet, einen Social-Media-Kanal professionell zu betreiben. Also einer Strategie zu folgen, regelmäßig (und nicht nur bei Lust und Laune) kreativen Content zu liefern und die steigenden Qualitätserwartungen des Publikums konsistent zu erfüllen.

Ich gebe zu: Auch ich habe das lange unterschätzt und Influencer*innen ein bisschen belächelt. Ich habe mich geirrt, aber sowas von.

[Was mich eines Besseren belehrt hat: klick]