Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Digitale Schmerzen

D

Es gibt sehr viele Menschen da draußen, die leiden. Es sind echte Schmerzen, die sie auf sich nehmen in ihrer Arbeit, in ihrem Business, in ihren Beziehungen, in ihrem Leben.

Diese Schmerzen kannst du wahrnehmen. Und wenn du spürst, dass dir einige dieser Schmerzen nicht wurscht sind, sondern sie dein Herz berühren – dann darfst du dich fragen, ob du die Kompetenz hast und die Kraft aufbringen willst, diese Schmerzen zu lindern,

Aber Achtung: Du kannst nicht alle Schmerzen der Menschen auf eine Schultern nehmen. Das ist auch gar nicht notwendig. Fokussiere auf die, die dich wirklich berühren.

Und dann mach ein Business draus oder auch nicht – auf jeden Fall wirst du Purpose spüren.

Die Erkenntnisse liegen auf der Straße

D

Es gibt nichts Besseres, als mit seinen Kunden in ein offenes, absichtsloses Gespräch zu kommen.

Meistens haben die Kunden nämlich was zu sagen, das für uns ziemlich interessant wäre. Aber sie wollen gefragt werden. Sie drängen uns ihre Beobachtungen, ihre guten Tipps oder kleinen Verstimmungen nicht auf.

Wenn wir es schaffen, ihnen offen und ehrlich zuzuhören, ohne gleich alles persönlich zu nehmen, dann hätten wir uns eine reichhaltige Quelle an insights erschlossen.

Aber leider… Wir führen solche Gespräche oft lieber nicht. Weil wir Angst vor der Antwort haben. Weil wir etwas hören könnten, das wir gar nicht hören wollen. Weil dadurch kurzfristig unsere Laune vergällt sein könnte.

Ewig schade um den Schatz an Erkenntnissen, der in solchen Gesprächen liegen würde.

An der Kreuzung

A

Wenn man Fußgängern zuschaut, die an eine Straßenkreuzung kommen, dann kann man Folgendes beobachten:

Die meisten sehen diese Kreuzung als Hindernis. Etwas, das sie so schnell wie möglich überwinden möchten. Die rote Ampel soll so schnell wie möglich grün werden, damit sie ihren Weg wieder ungestört fortsetzen können.

So geht es uns meistens auch in unserem Leben. Wenn wir an eine Kreuzung gelangen, dann ist unser Impuls, diese so schnell wie möglich zu überwinden. Viel zu selten nehmen wir uns die Zeit, an dieser Kreuzung innezuhalten und länger als notwendig nach links und nach rechts zu schauen. Die Kreuzung also nicht als Hindernis wahrzunehmen, sondern als Einladung und Ausgangspunkt für eine Pause, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Hudel nicht drüber über jede Kreuzung. Lass auch mal eine Ampelphase verstreichen. Gönn dir einen bewussten Blick, wo du da eigentlich gerade stehst.

Aber Vorsicht: Du könntest dabei etwas lernen!

[Danke Elisabeth Engel für diesen Gedanken.]

Keine Wirkung ohne Klarheit

K

Wovon ich fest überzeugt bin:

Marketing ist eine komplette Zeitverschwendung, wenn dir die innere Klarheit fehlt, was du mit deinem Business eigentlich erreichen willst.

Auf der Bremse

A

Es ist wunderschön, mit einem Gründer zu sprechen, der voller Energie für sein Gründungsprojekt ist. Bei dem die Euphorie hör- und spürbar ist. Der nachts wach liegt, weil der über seine Idee nachdenkt – und das aber nicht als Last, sondern als pure Freude empfindet.

Als Gründungsberater stehe ich in so einem Fall vor einer Herausforderung: Einerseits will ich den Gründer in seinem Enthusiasmus auf keinen Fall bremsen. Diese Anfangsenergie ist enorm wichtig, um die große Lernaufgabe, die eine Gründung mit sich bringt, zu bewältigen.

Andererseits beobachte ich oft, dass in dieser Euphorie die Strategiearbeit zu kurz kommt. Der Gründer ist schon mit ganz konkreten Umsetzungsfragen beschäftigt, hat aber das Geschäftsmodell des neuen Business noch nicht (fertig) durchdacht.

Das ist, als würde sich ein Häuslbauer schon Gedanken über den Wohnzimmerteppich machen, wenn noch nicht mal der Rohbau des Kellers steht.

Also sehe ich es als meine Aufgabe als Gründungsberater zu sagen: Moment mal! Ganz mit der Ruhe! Lass uns mal über ganz grundsätzliche Dinge nachdenken. Lass uns die Idee mal in Ruhe anschauen, von allen Seiten beleuchten und gemeinsam überlegen, wie wir die Idee in eine passende Form bringen können.

Das mag zwar ein bisschen unsexy daherkommen und eine Spaßbremse sein, aber mit der Erfahrung aus 250+ Gründungsprojekten weiß ich:

Nur so macht eine Gründungsidee langfristig Spaß.

Finanzkrise

F

Unser gesamtes Geldsystem ist auf Vertrauen aufgebaut.

Wenn man das Vertrauen aus dem System rauszieht, bleibt nicht mehr viel übrig.

[Danke Helmo Pape für diesen Gedanken.]

Formel-1-Fahrer

F

Wenn ein Rennfahrer bei einem Rennen mitfährt, dann wird er sich denken: Ich will heute gewinnen! Selbst, wenn er in der letzten Startreihe steht.

Ich glaube, keiner der Fahrer tritt an, um einfach nur dabei zu sein. Um eine ruhige Kugel zu schieben. Um halbwegs unbeschadet durchs Rennen zu kommen.

Auch, wenn nur einer der Sieger sein kann, haben trotzdem alle den Anspruch: Ich fahre, um zu gewinnen.

Jeder will gewinnen. Bis das Rennen vorbei ist.

Und genau mit diesem Anspruch sollten wir auch an unser Solo-Business herangehen: Mitspielen, um zu gewinnen.

It might not work

I

Jede wichtige Arbeit might not work. Seth Godin meint sogar: Je bedeutender die Aufgabe, desto mehr kann schief gehen.

Die wirklich wertvollen Tätigkeiten (im Business, im Leben) sind die, denen ein gewisses Risiko innewohnt, dass sie (total) schief gehen können..

Für die sichere Bank hast du wenig Lohn zu erwarten.

Auffälligkeiten

A

Dir fällt etwas auf.

Dann redest du mit einer Freundin darüber. Der ist das auch schon aufgefallen.

Es dauert wahrscheinlich nicht lange, und ihr beide seid euch einig, “dass das einfach so ist“.

Die Welt ist komplex, und es ist ziemlich schwer zu entscheiden, was man glauben soll und was nicht. Eine gute Heuristik ist: Je mehr Menschen es glauben, desto wahrscheinlicher ist es richtig. Das stimmt tatsächlich in den meisten Fällen.

Aber nicht immer.

Das sollten wir nicht vergessen.

Orientierungslos

O

Es ist essenziell wichtig, dass du ganz genau weißt, was du von deinem Business willst (Stichwort: Innere Positionierung).

Sonst schleudert dir der Markt alle möglichen Ideen um die Ohren. 

Und du irrst hilflos herum wie im November-Nebel.

Kuratoren-Führung

K

Unlängst war ich bei einer Führung im Kunsthistorischen Museum. Die Kuratorin der Sonder-Ausstellung “Archimboldo – Bassano – Bruegel“, Francesca Del Torre Scheuch, hat durch “ihre” Ausstellung geführt.

Die Begeisterung für und der Stolz auf diese Ausstellung war ihr in den Augen abzulesen. Sie hat sich viel Zeit genommen, uns ihre Gedanken hinter der Konzeption so einer Ausstellung zu erklären: Was wo hängt – und warum in Kombination mit den anderen Dingen in den Raum. Welche historischen Trends sich in den Kunstwerken abbilden und wie Künstler, Wissenschaftler und Mäzene zusammengewirkt haben.

Spannend und faszinierend. Aber den meisten Besucher:innen, die sich diese Ausstellung auf eigene Faust anschauen, bleiben diese reichhaltigen Hintergedanken wohl verborgen. Sie kennen diese unsichtbaren inneren Zusammenhänge nicht, und sie “sehen” dadurch nur die Hälfte.

Und trotzdem wird, im besten Fall, auch beim “normalen” Besucher jene Ordnung, jene “Story” zumindest spürbar, welche die Kuratorin in die Ausstellung hineingelegt hat – selbst wenn sie nicht persönlich anwesend ist, um alles zu erklären.

Schreibkunst

S

Man kann ja leicht sagen: Wow, was für eine tolle Autorin! Ich würde gerne so schreiben wie sie! 

Aber: Um so zu schreiben wie ein bestimmter Autor, müsstest du denken wie dieser Autor. Und um zu denken wie dieser Autor, müsstest du leben wie dieser Autor. 

Und würdest du das wirklich auch wollen?

[Danke Alain de Botton für diesen Gedanken.]

Lifestyle-Teilzeit

L

Verlässlich wie ein Uhrwerk kommt sie immer wieder – die Diskussion über Menschen, die “nur” Teilzeit arbeiten.

Heuer lautet die Überschrift „Lifestyle-Teilzeit”. Der Begriff ist polemisch und unterstellt:

  • dass jemand bewusst weniger arbeitet, obwohl er oder sie könnte,
  • nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Komfortgründen (z. B. für mehr Freizeit, Reisen, Hobbys, Balance).

Der Gedanke dahinter: Wenn viele Menschen freiwillig weniger arbeiten („Lifestyle-Teilzeit“), zahlen sie auch weniger in das Sozial- und Pensionssystem ein – profitieren aber weiterhin voll davon. Das empfindet z.B. die Landeshauptfrau von Niederösterreich als nicht fair gegenüber denjenigen, die voll arbeiten und mehr einzahlen.

Aus dieser Sicht ist Vollzeitbeschäftigung “richtige” Arbeit und Teilzeit “weniger wert” oder gar “Trittbrettfahrerei”. Das ist problematisch, weil:

  • immer mehr Menschen berechtigterweise eine bessere Balance zwischen Arbeit und Leben suchen (Stichwort: New Work, Sinnsuche, mentale Gesundheit)
  • viele strukturelle Probleme (z. B. mangelnde Kinderbetreuung, schlechte Arbeitsbedingungen) hinter Teilzeit stecken, die damit ignoriert werden
  • und es sich in einigen Branchen gar nicht “auszahlt”, mehr Stunden zu arbeiten, weil das höhere Gehalt durch Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer weitgehend aufgefressen wird.

Plus: Zum Lebensmodell vieler Solopreneure, Gründer:innen oder Kreativer gehörte es, bewusst in reduzierteren, selbstbestimmteren Arbeitsformen leben – oft mit viel Eigenverantwortung, aber eben auch mit viel weniger Sicherheit. Diese unternehmerische Entscheidung scheint mir bei der „Lifestyle-Teilzeit“-Diskussion überhaupt nicht mitbedacht.

Aber was mich am meisten stört: Statt dass Politiker:innen ihre Verantwortung wahrnehmen und ernsthaft über eine Anpassung des Sozial- und Pensionssystems reden, wird die Verantwortung zur Rettung des Sozialstaats auf die Bevölkerung geschoben. Dieses Muster, die Einzelnen als Schuldige hinzustellen, anstatt an den wirklich großen Hebeln anzusetzen, finde ich immer wieder – und es ist extrem zynisch.

Ich bleibe ein Lifestyle Entrepreneur, und ich bin stolz darauf, dass ich mein Lebensmodell nicht meinem Geschäftsmodell unterordnen muss. Ich erkläre der Frau Landeshauptfrau auch gerne, warum wir mit “Lifestyle Entrepreneurship” als Gesellschaftsmodell weiter kommen würden als mit dem irrigen Ziel, ganz Österreich in Vollzeitbeschäftigung zu bekommen.

Ich fürchte aber, dass sie meine Argumente nicht wirklich interessieren.

Es ist, wie es ist

E

Und es ist gut so.

Hör auf, gegen das Leben zu kämpfen. 

Arbeitsam

A

Bruce Springsteen sagt über sich selbst: “I’m a better man when I’m working,”

Ich glaube, das gilt auch für mich. Es ist ein guter Tag, wenn ich das Gefühl habe, dass ich was geschafft habe.

“I feel like I’ve got plenty of work left in me”, sagt Springsteen weiter. Wäre schön, wenn ich mit 74 das auch sagen könnte.

Das würde nämlich bedeuten, dass ich bis ans Ende meiner Tage gute Tage haben werde.

Nachfolge, neu gedacht

N

Klassischerweise läuft es ja so: Ein Unternehmer, sagen wir ein Installateur, will in Pension gehen und sucht einen Nachfolger für seinen Betrieb. Der Nachfolger kann den Betrieb inkl. Gebäude, Mitarbeiter, Werkzeuge, Materiallager und Kunden übernehmen – und zahlt dem Unternehmer dafür eine “Ablöse” (in welcher Form auch immer).

Nun sehe ich es aber kommen, dass in ein paar Jahrzehnten eine Menge Solopreneure in Pension gehen wollen werden. Auch sie haben sich einen Betrieb geschaffen – aber der ist nicht veräußerlich. Denken wir an eine Unternehmensberaterin: Da gibt es kein nennenswertes Vermögen, das man verkaufen könnte. Keine Mitarbeiter, kein Lager, vielleicht nicht mal ein Büro. Die Kundenbeziehungen hängen so sehr an der Beraterin, dass man die nicht einfach an jemanden weitergeben kann.

Wer würde so einen Betrieb kaufen wollen? Praktisch niemand.

Gleichzeitig fände es diese Beraterin aber herzzerreißend, wenn das, was sie ihr Leben lang aufgebaut hat, einfach vor die Hunde gehen würde. Ein Lebenswerk, das nicht fortgesetzt wird, das niemanden mehr interessiert… Eine traurige Vorstellung.

Deshalb glaube ich, dass sich der Betriebs-Nachfolge-Markt umkehren könnte: Nicht der Nachfolger bezahlt dafür, dass er den Betrieb übernehmen kann, sondern der Unternehmer bezahlt den Nachfolger dafür, dass jemand sein Lebenswerk vor der Bedeutungslosigkeit rettet.

Lifelong Learning nach Art des Hauses

L

Meine Interpretation von Lifelong Learning (LLL): Locker, leicht und leiwand!

  • Locker bei der Zielerreichung. Ja, hohe Ansprüche! Sehr hohe sogar. Aber nicht verkrampfen, wenn es um den Zeitraum oder den Weg dorthin geht. Auf den Prozess vertrauen, nicht krampfhaft Kontrolle ausüben wollen.
  • Leichtigkeit beim Lernen. Das Spielerische hochhalten. Durch’s Spielen lernen wir am meisten. Lernen kann anstrengend sein, aber es gibt auch eine Art anstrengend, die einen hinterher nicht müde, sondern glücklich macht.
  • Leiwand bei der Auswahl der Themen. Folge deinem Herzen, folge deiner Neugier.

Ideen vs. Identitäten

I

Social Media eignen sich nicht zum Austausch von Ideen, sondern nur zum Austausch von Identitäten, sagt Hannah Metzler.

Man kann auf Social Media nicht ernsthaft, fachlich und sachlich mit anderen diskutieren. Das geben die Plattformen mit ihren Algorithmen und Geschäftsmodellen einfach nicht her.

Was geht, ist, dass man Leute findet, die gut widerspiegeln, was man selber denkt. Und die kann man dann liken, denen kann man folgen, die kann man online leiwand finden.

Aber für echte Gespräche, für deep talk, braucht es andere Räume.

Es lebe die Liquidität!

E

Es gibt kein besseres Beruhigungsmittel im Solo-Business als eine hohe Liquidität.

Ein gut gefülltes Bankkonto sorgt dafür, dass du besser schläfst. Wer besser schläft, trifft bessere Entscheidungen. Wer bessere Entscheidungen trifft, entwickelt nützlichere Produkte. Und wer nützliche Produkte hat, wird das positiv am Bankkonto spüren.

Es ist also ein sich selbst verstärkenden Kreislauf. Aber alles beginnt bei deinem finanziellen Polster.

Alles für die Kunden

A

Alles, was wir in unserem Business machen, machen wir für unsere Kunden.

Ja, schon auch für uns selbst. Aber es sind die Kunden, die unserem Business Leben einhauchen.

Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:

  1. Sei wählerisch bei der Definition deiner Zielkunden. Du wirst potenziell viel Zeit und Energie für sie aufwenden.
  2. Leg dich ins Zeug für deine Kunden. Sei nahbar und maximal nützlich. Sonst suchen sie sich jemand anderen.