Nur Herz und kein Hirn…
Das funktioniert auf Dauer nicht.
[Danke Viki für diesen Gedanken!]
Nur Herz und kein Hirn…
Das funktioniert auf Dauer nicht.
[Danke Viki für diesen Gedanken!]
Unlängst war ich bei der Hauptversammlung von Do&Co. Dort habe ich vom CEO, Attila Dogudan, folgendes gelernt:
Wir Solopreneur:innen kämpfen mitunter mit dieser Frage – besonders dann, wenn wir das Gefühl haben, uns anderen gegenüber für das rechtfertigen zu müssen, was wir den ganzen Tag so tun.
Österreich ist ein Angestellten-Land. Deshalb haben die meisten Menschen gelernt: “Richtige” Arbeit ist es dann, wenn es anstrengend ist. Wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und in den Computer schaut. Wenn man am Ende des Arbeitstags erschöpft und froh ist, dass die Zeit um ist.
Was aus dieser Sicht keine “richtige” Arbeit ist:
Wohlgemerkt: Genau diese Punkte sind Merkmale eines funktionierenden Lifestyle Business. Nur dann, wenn du dir Zeit nimmst für diese “nicht-richtige” Arbeit, wirst du ein leiwandes Business haben.
Ich gehe noch einen Schritt weiter: Diese “nicht-richtige” Arbeit ist die wichtigste Arbeit in einem Lifestyle Business! Mit dieser Arbeit sollte dein Tag beginnen!
Und: Den Wert dieser Arbeit musst du anderen Menschen (und auch dir) gegenüber immer wieder verteidigen. Diese Arbeit ist höchst produktiv und wertschöpfend – auch wenn sie im Angestellten-Land Österreich nur selten wertgeschätzt wird.
Meine Tochter (7) hat mich unlängst darauf hingewiesen, dass man sich beim Tanzen Gedanken machen muss über die Schluss-Pose. Es ist nicht egal, wie man einen Tanz beendet.
Sie hat vollkommen recht. Und was sie sagt, gilt umso mehr für die vielen Tänze, die wir jeden Tag in unserem Business tanzen – mit unseren Kund:innen, mit zukünftigen Kund:innen und mit unseren Konkurrent:innen am Markt.
Wenn du ein Profi sein willst, dann muss die Pointe am Ende einfach sitzen.
Wir versprechen unseren Kund:innen oft Selbstverständlichkeiten – halten das aber für wow!
Wenn wir Selbstverständlichkeiten versprechen, dann versprechen wir nicht viel. Dann haben wir ein sehr schwaches Angebot.
Wenn unser Angebot aus lauter Selbstverständlichkeiten besteht, dann brauchen wir uns auch nicht wundern, wenn unsere Kunden anfangen, beim Preis herumzuverhandeln.
Weil Selbstverständlichkeiten bekommen sie überall.
Selbstverständlichkeiten sind nichts wert.
Meta hat in letzter Zeit massenhaft Accounts gesperrt. Kommentarlos. Ohne nachvollziehbare Begründung. Und angeblich ist es alles andere als leicht, die Sperre wieder rückgängig machen zu lassen.
Viele Solopreneure haben von der Reichweite profitiert, die durch die Quasi-Monopolstellung von Facebook und Instagram entstanden ist.
Jetzt müssen sie mit der dunklen Seite des Monopols klarkommen.
Ca. 350 Milliarden Euro (!) liegen in Österreich auf Bankkonten, die null- oder schlecht verzinst sind.
Das sind sicher nicht alles nur Notgroschen.
Wenn man die Hälfte davon anders anlegen würde (z.B. in breit gestreuten ETFs), dann würde das ca. 14 Milliarden Euro im Jahr an zusätzlicher Rendite bringen — bei immer noch überschaubarem Risiko.
Was man mit diesem Geld alles machen könnte!
Die Skepsis, Unsicherheit und Verlustangst, welche die Österreicher:innen den Kapitalmarkt scheuen lässt, kommt sie wirklich teuer zu stehen.
Ich bin wirklich nicht gut darin, mich um unsere Zimmerpflanzen zu kümmern. Aber ich weiß immerhin genau, warum das so ist.
Ich tue nämlich nur das Nötigste. Ich behandle sie alle gleich. Ich stelle sie alle an den gleichen Ort, alle werden einmal in der Woche gegossen und keine Pflanze bekommt irgendwelche Extrawürstel.
Mache Pflanzen kommen damit gut zurecht, andere weniger. Natürliche Selektion.
Ich habe weder Zeit noch Lust noch Interesse, mich ins Thema Zimmerpflanzenpflege einzufuchsen und darin besser zu werden. Das ist auch okay, man kann nicht in allen Aufgaben seines Lebens kompetent sein. Das geht sich einfach nicht aus.
Aber gleichzeitig akzeptiere ich damit, dass unsere Zimmerpflanzen immer ein bisschen einen traurigen Eindruck machen werden.
Das Land Niederösterreich hat ein Netzwerk für Ein-Personen-Unternehmen initiiert: Wir sind 1. Dessen Ziel ist die Vernetzung dieser “Einzelkämpfer:innen” sowie eine bessere Sichtbarkeit der niederösterreichischen EPU insgesamt.
Alles sehr löblich. Alles sehr sinnvoll. Aber manchmal geht ein Schuss auch mal daneben.
Im Rahmen der #noegartenzwergtour ist “Wir sind 1” mit zwei Gartenzwergen unterwegs und möchte zeigen,
“wie vielfältig, kreativ und engagiert EPU in Niederösterreich sind – und das mit einem Augenzwinkern. Statt langweiliger Firmenporträts gibt’s bei uns Outdoor-Videoportraits mit Zwerg, Herz und Humor. In diesem Sommer besuchen wir niederösterreichische EPU – vom Studio bis zur Werkstatt – und lassen Gustl, den G‘schaftigen und Sissi Social den EPU über die Schultern schauen und auch sich selbst das ein- oder andere Mal so richtig in Szene setzen.”
EPU-Firmenportraits mit Gartenzwergen… Pfuh!
Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Nein, ich bin mir sicher, dass das keine gute Idee ist.
Worte haben Bedeutung, und deshalb ist es nicht wurscht, welche Metaphern man verwendet. EPU und Zwerge in einen sprachlichen und bildlichen Zusammenhang zu bringen, mag zwar kreativ sein, aber was soll uns das sagen? Dass EPU lustige Zwerge sind? Dass EPU zwar lieb sind, aber nicht besonders ernst zu nehmen? Dass EPU sich als drollige Dekoration eignen? Dass EPU wie Gartenzwerge auch gerne mal im Regen stehen gelassen werden?
Als ob die Selbstverzwergung vieler EPUs nicht reichen würde.
Ein dreißig Jahre altes Buch über Solopreneurship. Viele Weisheiten aus dem Buch sind heute noch genauso gültig wie damals. Das Besondere ist aber: Das Buch ist extrem lustig geschrieben, wie ein Business-Kabarett-Abend zum Lesen. Empfehlung für alle solo-selbständigen Freunde des trockenen britischen Humors.
(mehr …)Ein Lebenszeichen ist, wenn du deiner Umgebung signalisierst: Hey, ich bin lebendig! Bei mir tut sich was!
Ein Lebenszeichen ist aber auch, wenn dir dein Leben ein Zeichen schickt: Hey, da tut sich gerade was! Schau mal genauer hin!
Hilfreich zu sein muss nicht unbedingt nur heißen, dass man eine Lösung hat.
Hilfreich kann man auch sein, wenn man jemandem hilft, ein Problem besser zu verstehen.
Hilfreich zu sein kann auch heißen, dass man Optionen aufzeigt, welche der andere zuvor nicht gesehen hat.
Hilfreich kann man auch sein, wenn man dem Gegenüber zeigt, dass er gesehen, geschätzt und verstanden wird.
Hilfreich zu sein kann manchmal auch einfach nur bedeuten, jemanden mit seinem Problem erst zu nehmen.
[Danke David Bornstein für diesen Gedanken.]
Justin Vernon (aka Bon Iver) sagt in einem wunderbaren Gespräch mit Krista Tippett etwas ganz Spannendes:
You can’t convince people with words. You just can’t. It’s not happening and it will not happen. You have to convince them with something that is already in there, something that they already have.
Das ist genau das, was Musik macht. Sie berührt uns innerlich, und somit ist sie “wahr”. Nicht wegen dem, was im Song gesagt wird, sondern wegen dem, was wir spüren, wenn wir ihn hören.
Gutes Marketing (oder überhaupt: gute Kommunikation) ist wie gute Musik.
Wir Solopreneur:innen sollten eigentlich am innovationsfreudigsten von allen Unternehmern sein.
Weil: Wir können, wenn wir wollen, unsere Strategie, unsere Zielgruppe, unser Produktangebot von heute auf morgen ändern. Wir haben keinen Aufsichtsrat, den wir fragen müssten. Wir müssen keine Business Cases abgeben. Wir haben keine Shareholder, deren Zustimmung wir bräuchten. Es liegt einzig und allein an uns selbst.
Ich beobachte jedoch eher das Gegenteil. Viele Solopreneur:innen merken, dass es in ihrem Solo-Business zwickt und zwackt und dass sie etwas verändern müssten – aber sie tun nichts.
Solopreneur:innen fallen Innovationen und Veränderungen wahnsinnig schwer. Eh klar, weil sooo wahnsinnig viel dran hängt. Wir müssen ja jedes Detail der Veränderung selbst umsetzen. Und diese Aussicht kann uns sehr schnell überwältigen.
Dann bleiben wir lieber bei dem Business, das wir haben – auch wenn es hatscht.
Ein wichtiger Reminder von Bob Lefsetz:
The dirty little secret is most people don’t know most things.
Was sie natürlich nicht davon abhält, über most things eine Meinung zu haben.
Ja, man kann “Erfolg” nicht eindeutig definieren. Jeder Mensch hat dafür andere Maßstäbe.
Aber jeder Mensch hat ein eindeutiges Gefühl dafür, ob er gerade “erfolgreich” ist oder nicht.
Ein Problem, das sich mit Geld lösen lässt, ist kein Problem. Just throw money at it. Dazu ist Geld ja da.
Ein Problem, das sich nicht mit Geld lösen lässt, aber von dem ich glaube, dass ich es mit Geld lösen kann (indem ich etwas kaufe, um mein Gewissen zu beruhigen, um mich selbst in eine bessere Stimmung zu versetzen)…
Das funktioniert hingegen nicht.
So wie ich denke, denkt sonst niemand.
Das weiß ich. Aber ich vergesse es immer wieder.
Deswegen bin ich von der Welt auch immer wieder überrascht.
Wir Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Kindness.
Kindness ist mehr als Freundlichkeit. Kindness ist Offenheit, Toleranz, Respekt. Mit anderen Worten: Kindness ist gelebte Menschlichkeit.
Gleichzeitig gibt es (bei uns) ein Misstrauen gegenüber Kindness, sagt Matthias Horx, „weil sie immer als taktisch und strategisch benutzt wird“.
Aber es gibt sie noch da draußen: Die Menschen, die einfach deswegen kind sind, weil sie können. Weil sie gute Menschen sind. Weil dadurch die Welt zu einem besseren Ort wird.
Hast du nicht auch Lust, öfter mal einer dieser Menschen zu sein?
Passend zum heutigen Schulschluss:
Unlängst hat mein Nachbar angemerkt, dass es schon irgendwie leiwand ist, Lehrer zu sein, weil man 13 Wochen im Jahr Urlaub hat.
Stimmt natürlich.
Aber die entscheidende Frage ist:
Sind 13 Wochen Urlaub ein gut genuges Argument, um die anderen 39 Wochen des Jahres aufzuwiegen?
Oder, anders formuliert: Ist die Zeit, wo man nicht an seinem Arbeitsplatz ist, wirklich ein geeignetes Argument dafür, dort zu sein?